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Korea Demokratische Volksrepublik, Nordkorea

Wirtschaft und Umwelt

Stand: März 2014

Wirtschaftssituation

Nordkorea produziert kaum wettbewerbsfähige Güter. Es herrscht Mangel an Devisen und somit auch Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb.

Es besteht ein großer Mangel an Devisen. Der Zusammenbruch des Sowjetregimes zu Beginn der 1990er Jahre bedeutete für das Land einen dramatischen Einschnitt. Das damalige System des Gütertausches (‚Barter’) wurde auf Devisenzahlungen umgestellt – eine Entwicklung, die Nordkorea nie völlig verwunden hat.

Die Währungsreform im Jahr 2009, bei der 1.000 alte Won in 10 neue Won umgerechnet wurden, hat die Wirtschaft zusätzlich geschwächt. Da umgerechnet höchstens 200 US-$ getauscht werden konnten, hat die Reform alle höheren Sparguthaben vernichtet und die Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. Diese harte Maßnahme hat die starke Inflation nicht eindämmen können.

Das staatliche Versorgungssystem ist nicht in der Lage, den Lebensmittelbedarf der Bevölkerung zu decken. Der überwiegende Teil der Bevölkerung muss sich zusätzliche Versorgungskanäle erschließen, z.B. Gemüseanbau oder Kleintierhaltung. Ansätze zu privatwirtschaftlichen Aktivitäten wie Verkaufsstände und Märkte sind zunehmend häufig zu finden, sie werden teils geduldet, teils aber auch entschieden unterdrückt.

Was die Nahrungsmittelsituation insgesamt betrifft, gehen die meisten Beobachter zu Anfang 2014 von strukturellen Mängeln, jedoch nicht von einer akuten Hungerkatastrophe aus. Die landwirtschaftliche Produktion 2013 war im Vergleich zu derjenigen in den Vorjahren sehr gut. Die dennoch nach wie vor (mit regionalen Unterschieden) festzustellende Unterversorgung mit Lebensmitteln gefährdet vor allem vorgeschwächte Gruppen wie Kleinkinder, Schwangere, stillende Mütter, Alte und Kranke.

Im Vorfeld des 100. Geburtstages des (1994 verstorbenen) Staatsgründers KIM Il Sung (15. April 2012) wurde die Bevölkerung dazu angehalten, mit einer kollektiven Anstrengung die Wohnungssituation in der Hauptstadt zu verbessern; es sind in Pjöngjang zahlreiche neue Gebäude entstanden. Das Ziel, 100.000 neue Wohnungen bereitzustellen, konnte jedoch nicht verwirklicht werden.

Im November 2013 hat das Scheinparlament des Landes, die Oberste Volksversammlung, beschlossen, zusätzlich zu den bereits bestehenden vier (Kaesong, Rason, Wihwa, Hwanggumpyong) insgesamt 13 neue Sonderwirtschaftszonen einzurichten. Zudem versucht die Führung durch verschiedene Großprojekte den Tourismus zu fördern, um Devisen ins Land zu bringen, bislang jedoch mit sehr begrenztem Erfolg.


Handel

Nordkoreas größte Handelspartner sind China, Russland und Südkorea (wesentlich durch den Kaesong Industrial Complex, KIC), wobei China mit einem Anteil am Gesamthandel zwischen 70-85% mit Abstand der Wichtigste ist.

Durch die zeitweilige Schließung des KIC durch Nordkorea im Zuge der Spannungen im Frühjahr 2013 ist neben direkten Einnahmeausfällen auch langfristiger Schaden entstanden: das ohnehin kaum vorhandene Vertrauen ausländischer Investoren in den Standort Nordkorea ist erneut auf einen Tiefpunkt gesunken, wodurch wiederum die ansässigen südkoreanischen Unternehmen mit ernsten Auftragsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Zwei südkoreanische Unternehmen kündigten im Oktober 2013 bereits an, sich ganz aus dem Komplex zurückzuziehen. Der innerkoreanische Handel außerhalb des Komplexes bleibt zudem weiterhin mit den sogenannten „5.24-Sanktionen“ belegt, die Teil der südkoreanischen Reaktion auf die Versenkung der Korvette Cheonan (März 2010) und den Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong (November 2010) durch Nordkorea sind.

Russland versucht in letzter Zeit wieder, seine Position als Handelspartner auszubauen. Es hat mehrere Infrastrukturprojekte vorgeschlagen. Prominentestes Beispiel ist der geplante Bau einer Erdgasleitung von Sibirien über nordkoreanisches Territorium nach Südkorea ebenso wie eine Bahnstrecke für den Transit. Die Eisenbahnverbindung vom nordkoreanischen Seehafen Rajin zum russischen Khasan ist inzwischen hergestellt.

Verlässliche Handelsdaten sind in Nordkorea praktisch nicht erhältlich. Seit den 1960er Jahren sind keine Statistiken mehr in absoluten Zahlen herausgegeben worden, sondern jeweils nur Angaben über prozentuale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Handelsdaten lassen sich daher nur spiegelbildlich aus den Statistiken der wichtigsten Handelspartner errechnen.

Durch die Resolutionen Nr. 1718 und 1874 des VN-Sicherheitsrats unterliegt Nordkorea einem Sanktionsregime, das die Einfuhr von Rüstungs- bzw. Dual Use-Gütern, aber auch von Luxusgütern verbietet. Beide Resolutionen sind auch im EU-Recht implementiert. Die in Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Raketentest vom 12.12.2012 und den ebenso völkerrechtswidrigen Nukleartest vom 12.2.2013 erlassenen VN-Sicherheitsratsresolutionen 2087 und 2094 haben die Sanktionen noch einmal verschärft.

Der deutsch-nordkoreanische Warenaustausch bewegt sich mit ca. 40 Millionen € jährlich im Durchschnitt der letzten Jahre auf sehr niedrigem Niveau.

Deutschland importiert aus Nordkorea vor allem Textilien. Exportiert werden Fahrzeuge, Maschinen, Nahrungsmittel, Textilzubehör, elektrotechnische Artikel, Kunststoffe und chemische Erzeugnisse.

Nordkoreanische Akkreditive werden von deutschen und internationalen Banken nicht akzeptiert. Aufgrund insbesondere der bilateralen Santionen der USA verweigern mittlerweile praktisch alle internationalen Banken die Durchführung von Geldtransfers nach Nordkorea – und dies selbst dann, wenn die Gelder für Projekte der humanitäran Hilfe bestimmt sind, die allgemein ausdrücklich nicht Ziel von Sanktionen sind. Wegen offener Forderungen von ca. 260 Millionen Euro besteht eine Sperre für Hermes-Ausfuhrkreditbürgschaften.


Umwelt

Das Thema ‚Umweltschutz’ steckt in Nordkorea noch in den Kinderschuhen. Das Land hat große Probleme durch Abholzung und einseitige Bebauung von Ackerflächen, die den Boden auslaugt. Allerdings ist hier eine zunehmende Bewusstwerdung zu verzeichnen, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig zu höheren Erträgen und mehr Wohlstand führt. Das Land hat zudem mit Defiziten bei der Energieversorgung zu kämpfen. Das Interesse an alternativer Energieerzeugung ist ebenfalls zunehmend. Die deutschen politischen Stiftungen laden in regelmäßigen Abständen Umweltexperten zu Lehrgängen ein. Auf der Herbstmesse 2012 hat die Deutsche Botschaft eine Ausstellung zum Thema ‚Regenerative Energien’ präsentiert.

Wirtschaftsdatenblatt (PDF, 6 KB)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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