Hauptinhalt

Irak

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2013

Politische Beziehungen

Deutschland und Irak verbinden enge freundschaftliche Beziehungen, die bis weit vor die Gründung des modernen irakischen Staates zurückreichen. Seit dem Regime-Wechsel im Jahre 2003 sind die Beziehungen immer intensiver geworden und bauen inzwischen auf zahlreichen hochrangigen gegenseitigen Besuchen auf. Iraks Außenminister Hoschiar Zebari im Jahr 2009: "Deutschlands Unterstützung für Irak ist sehr wichtig." Zuletzt besuchte Bundesminister Ramsauer mit einer großen Wirtschaftsdelegation den Irak Februar 2013. Bei den hochrangigen Treffen im Irak standen vor allem die Bereiche Infrastruktur und Transport im Vordergrund. 

Mit der Akkreditierung von Botschaftern in Bagdad und Berlin am 24. und 28. August 2004 wurden die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Irak wieder hergestellt. Seit dem Golfkrieg 1990/91 und während der zivilen Übergangsverwaltung hatten eingeschränkte diplomatische Beziehungen bestanden. In Erbil unterhält Deutschland seit Anfang 2009 ein Generalkonsulat und trägt damit auch der Bedeutung der Region Kurdistan-Irak, sowie den kurdischen Rückkehrern, die ihr Exil in Deutschland verbracht haben, Rechnung. Derzeit leben etwa 81.000 Iraker in Deutschland. Mehrere Tausend ehemalige Exil-Iraker sind seit 2003 nach Irak zurückgekehrt. 


Unterstützung beim Wiederaufbau und Humanitäre Hilfe 

Deutschland leistete in Irak unmittelbar nach Beginn des Krieges 2003 umfangreiche humanitäre Hilfe und unterstützt das Land seither beim politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbauprozess. Schwerpunkte sind Unterstützung beim Aufbau des Rechtsstaats (v.a. Justizbereich), Menschenrechte, (berufliche) Bildung, Kultur und die Reintegration von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen durch Wirtschafts- und Wiederaufbaumaßnahmen. Insgesamt wurden seit 2003 Unterstützungsleistungen von über 400 Millionen Euro erbracht. Darin waren der deutsche Anteil an den EU-Hilfen und multilaterale Beiträge Deutschlands (über Weltbank oder den IWF) eingeschlossen. Hinzu kommt ein Schuldenerlass von 4,7 Mrd. EUR im Rahmen des Pariser Clubs. Mehr als 2.500 Iraker (Ingenieure, Richter, Diplomaten, Journalisten, Beamte etc.) haben an Ausbildungskursen teilgenommen. Deutschland fördert Projekte der Vereinten Nationen und internationaler Organisationen vor Ort und trägt erheblich zur EU-Rechtsstaatsmission in Irak bei (EUJUST LEX). 


Wirtschaftsbeziehungen 

Die traditionell engen Wirtschaftskontakte zwischen Deutschland und Irak können maßgeblich zum Wiederaufbau von Infrastruktur und wirtschaftlicher Grundversorgung beitragen - und haben insofern positive Auswirkungen auf die politische Stabilisierung des Landes. Das bilaterale Handelsvolumen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an, im Jahr 2012 beliefen sich die deutschen Exporte in den Irak auf 1,28 Milliarden Euro, während Deutschland Waren im Wert von 515,6 Millionen Euro aus dem Irak importierte. Darüber hinaus birgt der irakische Markt ein enormes Potential für die deutsche Wirtschaft. Ein besonderes Augenmerk legt die Bundesregierung auf die Reform des Berufsbildungssektors. Die Bundesregierung setzt zur Förderung auf eine Bandbreite von Maßnahmen. Zudem unterstützt das Auswärtige Amt zwei Deutsche Wirtschaftsbüros Irak (DWI) mit Vertretungen in Erbil und Bagdad.

Website des deutschen Wirtschaftsbüros Irak (DWI)

Flyer des deutschen Wirtschaftsbüros Irak (DWI) 


Kulturelle Beziehungen 

Deutschland und der Irak arbeiten im Kultur- und Bildungsbereich eng zusammen. Die Rahmenbedingungen für die kulturelle Arbeit im Irak sind jedoch aufgrund der immer noch angespannten Sicherheitslage schwierig. Deutlich zu unterscheiden ist die Situation in den föderalen Regionen Kurdistan-Irak, da hier die vergleichsweise stabile Sicherheitslage bessere Rahmenbedingungen für Kulturarbeit schafft.

Die Bundesregierung verstärkte ihr Engagement in den letzten Jahren deutlich und knüpft dabei an eine lange Tradition der kulturellen Zusammenarbeit mit dem Irak an, insbesondere bei der Hochschulzusammenarbeit in Form von Partnerschaften und Stipendienförderung des DAAD und dem Erhalt des kulturellen Erbes über Kooperation des Deutschen Archäologischen Instituts. 

Das Goethe-Institut unterhält Dialogpunkte in Bagdad und Erbil 

Im Rahmen der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" werden fünf Schulen gefördert, an denen Deutsch unterrichtet wird, darunter die 2010 neu aufgenommene Deutsche Schule Erbil sowie vier weitere Schulen im nationalen Bildungssystem. Mit der sich vorsichtig stabilisierenden Sicherheitslage lebt im Irak auch die Kunst- und Kulturszene langsam wieder auf.