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Pakistan

Wirtschaft

Stand: August 2015

Aktuelle Wirtschaftslage

Pakistan verfügt über ein hohes Potenzial für wirtschaftliches Wachstum, bedingt durch seine günstige geographische Lage mit Brückenfunktion zwischen Zentral- und Südasien sowie zwischen China und dem Arabischen Meer, seinen Ressourcenreichtum, niedrige Lohnkosten, eine junge, wachsende Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht.  Dieses Potenzial wird jedoch aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, periodisch wiederkehrender politischer Instabilität und schwacher institutioneller Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Als größte Wachstumshemmnisse gelten die prekäre Sicherheitslage, Korruption und die unzureichende Energieversorgung.

Wichtige makroökonomische Kennzahlen der pakistanischen Volkswirtschaft haben sich in den vergangenen Monaten, als Ergebnis der Politik vorsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Reformen der Regierung sowie günstiger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen, verbessert.

Mit 4,2% blieb das Wirtschaftswachstum aber auch im Haushaltsjahr 2014/155 (01.07.2014 - 30.06.2015)  hinter den Möglichkeiten des Landes zurück und bewegte sich auf dem Niveau der Vorjahre (2011: 2,4 Prozent; 2012: 4,4 Prozent; 2013: 3,7 Prozent; 2014: 4,0).

Die Inflationsrate sank von 11% im Haushaltsjahr 2012/13 und 8,7% in 2013/14 auf 4,8% im Haushaltsjahr 2014/15. Das Haushaltsdefizit von 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr 2013/14 konnte nach Angaben der Regierung auf 5,0 Prozent im vergangenen Haushaltsjahr gesenkt werden. Die Staatsverschuldung Pakistans liegt bei rund 62 Prozent des BIP. Defizitäre Staatsbetriebe (u.a. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines, Pakistan Steel) belasten die öffentlichen Finanzen und benötigen regelmäßig staatliche Finanzspritzen. Pakistan hat mit knapp 9% des BIP eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt. Die Währungsreserven der Zentralbank liegen derzeit bei ca. 14 Mrd. US-Dollar.

Am 4. September 2013 bewilligte der Internationale Währungsfonds (IWF) auf Antrag der pakistanischen Regierung eine Erweiterte Fondsfazilität (EEF) in Höhe von 6,68 Mrd. US-Dollar. Im Rahmen des dreijährigen Programms soll Pakistan Vorgaben zur Reduzierung seines Haushaltsdefizits, zum Aufbau seiner Währungsreserven, zur Anpassung der Währungspolitik und zur langfristigen Senkung der Inflationsrate erfüllen. Darüber hinaus wurden strukturelle Reformen in den Bereichen Steuersystem, Energiesektor, Handelsregime, Investitionsklima, Finanzsektorstabilität und Unabhängigkeit der Zentralbank vereinbart.


Struktur der Wirtschaft

Die Landwirtschaft Pakistans ist mit einem Beitrag von etwa 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt immer noch in vielerlei Hinsicht der wichtigste Sektor der pakistanischen Volkswirtschaft. Über 44 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt; knapp 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Die Provinz Punjab gehört in vielen Bereichen (u.a. Getreideanbau u. Viehzucht) zu den weltweit größten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit.

Der Industriesektor trägt ebenfalls mit 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die etwa 65 Prozent aller pakistanischen Exporterlöse ausmacht. Der Dienstleistungssektor hat sich zu einem wichtigen Wachstumsfaktor entwickelt; er trägt inzwischen mit etwa 58 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wichtige Bereiche sind hier v.a. Bankwesen, Versicherungswesen, Transportwesen und der Kommunikationssektor, aber auch der überproportional große öffentliche Verwaltungsapparat.


Energiepolitik

Der pakistanische Energiesektor kann den steigenden Energiebedarf des Landes nicht decken, was zu erheblichen Problemen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes führt. Pakistan verfügt aktuell über eine installierte Kapazität zur Stromerzeugung von über 22,8 GW, was, gemessen an der Stromnachfrage im Land und im regionalen Vergleich, ein eher niedriger Wert ist. Den größten Anteil an der Stromversorgung haben mit über 60 Prozent fossile Brennstoffe, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent). 4 Prozent des Stroms stammen aus Kernenergie oder Importen; der Anteil der alternativen Erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Biomasse) liegt bei ca. 2,5 Prozent. Pakistan fehlen Stromerzeugungskapazitäten in Höhe von schätzungsweise 5,5 GW. Als Folge kommt es zu oft stundenlangen Stromabschaltungen im gesamten Land. Die Stromausfälle haben nicht nur negative Auswirkungen auf die Lebensumstände der Bevölkerung. Sie führen auch zu einem um  bis zu zwei Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum.

Die von der Regierung im Juli 2013 vorgestellte Nationale Energiepolitik benennt als erste Priorität die Schließung der Lücke zwischen Stromangebot und -nachfrage. Durch eine Modernisierung des Netzes sollen die Leitungsverluste von rund 30 Prozent verringert, ferner sollen private Investoren aus dem In- und Ausland angelockt werden. Außerdem sollen Privatisierungen, institutionelle Reformen in Ministerien und Behörden sowie ein härteres Vorgehen gegen Stromdiebstahl die Effizienz im Energiesektor erhöhen. Zudem soll der Energiemix zulasten des teuren Öls auf günstigere Energiequellen, vor allem Kohle, Erdgas und Wasserkraft, umgestellt werden. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix soll in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden. Ferner wurden deutliche Preiserhöhungen für Strom angekündigt und bereits teilweise umgesetzt. Mit diesen Maßnahmen sollen die Stromknappheit bis 2018 beendet, die Energie-Erzeugungskosten deutlich gesenkt und die für dringend notwendige Investitionen erforderlichen finanziellen Mittel mobilisiert werden.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) unterstützt die pakistanische Regierung in diesen Bemühungen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind Schwerpunkt der deutschen EZ mit Pakistan.


Wirtschaftsklima

Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter der über Jahre anhaltenden politischen Instabilität, einer angespannten Sicherheitslage, schlechter Regierungsführung, Korruption und der fortdauernden Energiekrise. Die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investement, FDI) sind nach Regierungsangaben von Juli 2014 bis April 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,2%  auf 2,1 Mrd. US-Dollar angestiegen.  Im Korruptionsindex von Transparency International 2014 (gemessen wird die wahrgenommene Korruption) wird Pakistan unter 175 Ländern auf Rang 126 geführt. Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums für 2014/15 rangiert Pakistan unter insgesamt 144 Ländern auf Rang 129 (im Vorjahr Rang 133 von 148). In der „Doing Business“-Analyse der Weltbank ist Pakistan von Rang 127 auf Rang 128 von insgesamt 189 bewerteten Ländern gefallen. Die größte Einbuße musste Pakistan dabei bei den Indikatoren "Starting a Business" und "Getting Credit" hinnehmen. Eine verbesserte Bewertung gab es u.a. im Bereich „Trading across Borders“.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des erklärtermaßen großen Interesses der Regierung an einer Ausweitung der außenwirtschaftlichen Beziehungen in den Bereichen Investitionen und Handel, des  hohen Investitionsbedarfs in vielen Bereichen, insbesondere Energie (inkl. Erneuerbare Energien), Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie im Hinblick auf die Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht ein interessanter Markt für ausländische Firmen.


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