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Ägypten

Wirtschaft

Stand: März 2014

Wirtschaftsstruktur

Ägypten ist das nach Südafrika am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Dennoch bleiben die Haupteinnahmequellen die Förderung und der Export von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas), der Tourismus sowie die Rücküberweisungen der ägyptischen Arbeiter im Ausland. Ferner ist der Suez-Kanal ein einträglicher Devisenbringer.

Daten zur Wirtschaftsstruktur und -lage in englischer Sprache werden u.a. durch das ägyptische Finanzministerium

www.mof.gov.eg/english

und die Zentralbank (Central Bank of Egypt),

www.cbe.org.eg

und die staatliche Statistikbehörde (CPMAS)

www.capmas.gov.eg

publiziert.

Landwirtschaft

Die ägyptische Volkswirtschaft ist abseits der Ballungszentren landwirtschaftlich geprägt. In diesem Bereich ist jeder dritte Ägypter beschäftigt. Angebaut werden vor allem Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Weizen, Gemüse und Obst. Die landwirtschaftliche Nutzfläche erstreckt sich vor allem entlang des Nils sowie im Nildelta und macht lediglich 2,9 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus. Aufgrund der starken Parzellierung können viele Landwirte lediglich Subsistenzwirtschaft betreiben. Einziges wesentliches Wachstumspotenzial bietet die Optimierung der Bewässerung. Ägypten bedient saisonal insbesondere den europäischen Markt mit Obst und Gemüse.

Natürliche Rohstoffe, insb. Erdöl und Erdgas

Beim Energiehaushalt stehen sich rückläufige Ölfördermengen und die stetige Zunahme der Gasexploration sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Export gegenüber. Neuste Schätzungen gehen von Ölreserven in Höhe von 4,5 Mrd. Barrel aus. Trotz Entdeckung neuer Ölfelder und verbesserter Fördertechnik deckt die Rohölausbeute nicht mehr den Eigenbedarf.

Die Erdgasreserven Ägyptens werden auf ca. 2.200 Milliarden m³ geschätzt, damit verfügt das Land über 1,2 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen. Dennoch hält die Produktion kaum mit dem stark steigenden einheimischen Verbrauch mit. Erdölprodukte werden z.T. importiert, über den Import von Flüssiggas und neuerdings Kohle wird offen nachgedacht, der Bau von zwei zivilen Nuklearkraftwerken wird forciert. Die günstige geografische Lage und der fortgeschrittene Ausbau von Flüssiggasanlagen ermöglichen es, bei vorhandenen eigenen Erdgasüberschüssen unabhängig von Gaspipelines auf kurzfristige Lieferengpässe in den Abnehmerländern zu reagieren.

Ägypten verfügt über eine Reihe von wirtschaftlich nutzbaren und z.T. erschlossenen mineralischen Rohstoffen, dazu zählen insbesondere Eisenerz und Phosphat.

Produzierendes Gewerbe und Bau

Angesichts einer weiter stark wachsenden Bevölkerung besteht erheblicher Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen und Wohnungen. Der Bausektor zählt daher zu den wichtigsten Bereichen der ägyptischen Wirtschaft. Von ihm gehen erhebliche Wachstumsimpulse aus.  Ähnliches gilt für das produzierende Gewerbe, welches allerdings vorrangig für den lokalen Markt fertigt und weiterhin erheblich in die Qualifikation von Fachkräften investieren muss. Dennoch sind ägyptische Hersteller mittlerweile in einigen Nischen sehr erfolgreich und z.T. in Lieferketten in Europa eingebunden.

Dienstleistungsbereich

Der Dienstleistungssektor absorbiert einen erheblichen Teil der Erwerbstätigen und erwirtschaftet große Teile des Bruttoinlandsproduktes. Dabei spielen insbesondere der Groß- und Einzelhandel und in geringerem Umfang auch Finanzdienstleistungen eine bedeutende Rolle. Einen maßgeblichen und für die Wohlfahrt des Landes wichtigen Beitrag leistet der Tourismusbereich.

Tourismus

Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Die Branche hat jedoch seit der Revolution besonders stark gelitten. Wurden 2010 noch 14,7 Millionen Touristen gezählt, so waren es 2013 nur noch 9,4 Millionen (2011: 9,8 Mio.; 2012 11,5 Mio). Die deutschen Urlauber belegten 2013 mit 880.000 Personen den dritten Platz in der Urlaubsstatistik hinter Russland und Großbritannien.

Suez-Kanal

Der Suez-Kanal, der ca. 8 Prozent des Schifffahrtwelthandels abwickelt, ist gleichzeitig eine der wichtigen Deviseneinnahmequellen des Landes. Nach Vertiefung auf 20 Meter können Schiffe bis 240.000 Bruttoregistertonnen, das sind 62 Prozent der weltweiten Öltanker, den Kanal passieren. Die Transitgebühren können der offiziellen Homepage

www.suezcanal.gov.eg

entnommen werden. Im Jahr 2012 hat der Kanal über 5 Mrd. USD erwirtschaftet.

Öffentliche Verwaltung und Regierung

Der Staat beschäftigt direkt und indirekt (durch private Unternehmen im Staatsbesitz, Agenturen und nachgeordnete Institutionen) mehr als 6 Millionen Ägypter (ca. 25% aller Erwerbstätigen) und ist durch die Ausgabe von üppigen Subventionen (Energie, Lebensmittel) unmittelbar am Wirtschaftsgeschehen beteiligt. 

Überweisungen aus dem Ausland

Die Überweisungen der knapp 8 Millionen Auslandsägypter spielen eine wichtige Rolle im Wirtschaftsgefüge des Landes. Der Großteil kommt aus den Golfstaaten und belief sich 2012 auf ca. 18. Mrd. USD. Die von der ägyptischen Zentralbank erfassten Zahlungsströme spiegeln nicht alle tatsächlich erfolgten Transferleistungen wider.


Wirtschaftslage und -politik der ägyptischen Regierung

Die Regierung steht vor der Herausforderung, den notwendigen Strukturwandel und damit unpopuläre Maßnahmen in die Wege leiten zu müssen und gleichzeitig zu versuchen, die Wirtschaftsaktivität anzuschieben.

Die künftigen politischen Weichenstellungen und die Fortschritte der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden ausschlaggebend für die ökonomische Weiterentwicklung des Landes sein. Es bleibt - wenn auch nur mit begleitender internationaler Unterstützung - die Aussicht auf eine positive wirtschaftliche Perspektive des größten und bedeutenden Landes in der arabischen Welt mit mahr als 85 Millionen Einwohnern.

Neben aktuell implementierten kurzfristigen Konjunkturpaketen ist es dafür aber unerlässlich, ein Wirtschaftssystem zu schaffen, das die erhebliche Ungleichverteilung von Ressourcen und Chancen mildert.


Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union

Die Europäische Union ist der größte Handelspartner und Direktinvestor. Ägypten ist seit 1995 Mitglied in der WTO (Welthandelsorganisation). Das 2004 in Kraft getretene EU-Assoziationsabkommen regelt den freien gegenseitigen Handel. Bestehende Handelsbarrieren sollen bis 2019 abgebaut sein.

Im Agrarsektor sind bereits 87 Prozent der Produkte liberalisiert. Im März 2007 ist ein Aktionsplan im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) unterzeichnet worden, welcher die finanzielle, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit regelt. Ein vereinbartes Ziel ist es, die ägyptische Wirtschaft produktiver und wettbewerbsfähig zu gestalten. Auf die politischen Umbrüche in der Region hat die EU mit einer stärker an Reformbemühungen anknüpfenden Nachbarschaftspolitik und zusätzlichen Mitteln (SPRING) reagiert. Auch die G8 haben mit der „Deauville-Partnerschaft“ zusätzliche Angebote, insbesondere mit Hilfe der internationalen Finanzinstitutionen, unterbreitet, um den politischen Wandel wirtschaftlich zu begleiten.

Mehr auf der Webseite der EU-Kommission (englisch)


Umweltsituation

Ägypten sieht sich mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert, insbesondere, was die Bereiche Luftverschmutzung in der Megacity Kairo sowie flächendeckend Abfallentsorgung und Zugang zu (sauberem) Wasser betrifft.

Ägypten verursacht ca. 1% der weltweiten CO2 -Emissionen; per capita 2,4t (2010). Gleichzeitig wird Ägypten besonders stark von den Folgen eines ungebremsten Klimawandels betroffen sein. Dies gilt insbesondere für die Landwirtschaft; das hierfür zentrale Nildelta liegt teilweise auf Höhe des derzeitigen Meeresspiegels. Da Ägypten sein Wasser zu 95% aus dem Nilwasser bezieht, sind der Klimawandel und die damit verbundene drohende Wasserknappheit auch ein regionales Problem.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.