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Costa Rica

Wirtschaft

Stand: Mai 2014

Wirtschaftsstruktur

Costa Rica hat eine offene, exportorientierte Marktwirtschaft. Traditionelle Exportgüter wie Kaffee und Bananen haben zwar an Bedeutung verloren, die Landwirtschaft bleibt aber nach dem Tourismus und den Exporten in der Computerbranche wichtigster Devisenbringer des Landes. Costa Rica konnte zahlreiche ausländische, insbesondere US-amerikanische Investoren anziehen und damit seine Exportpalette diversifizieren.

Mit den USA und den übrigen zentralamerikanischen Staaten sowie der Dominikanischen Republik besteht ein Freihandelsabkommen (CAFTA), das seit dem 1. Januar 2009 für Costa Rica in Kraft ist. Mit dem Abkommen sollte in erster Linie der bereits bestehende privilegierte Zugang Costa Ricas zum US-amerikanischen Markt gesichert werden. 2011 trat außerdem ein Freihandelsabkommen mit China in Kraft, wodurch sich die Exporte in das asiatische Land mehr als verdoppelt haben.

Die costaricanische Wirtschaft wies in den letzten Jahren ein stetiges moderates Wachstum auf. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs die Wirtschaft im Jahr 2011 um 4,2 %. 2012 betrug das Wachstum 5,1 % und 2013 war ein Wachstum von 3,4 % des BIP zu verzeichnen. Für das Jahr 2014 wird mit einem Wachstum von 4,3 % gerechnet.

Die Warenexporte erreichten 2013 einen Wert von 11,54 Mrd. USD, die Warenimporte 18,10 Mrd. USD. Damit liegt das Handelsdefizit 2013 bei 13,3 % des BIP.

Nachdem sich das Haushaltsdefizit in den beiden Jahren zuvor auf 4,4 % des BIP eingependelt hatte, konnte es 2013 auf 4,0 % gesenkt werden. Für das laufende Jahr wird ein Defizit von 3,5 % prognostiziert.

Die Sanierung des Haushaltes und die Durchsetzung einer seit langem geplanten Steuerreform sind nun die größten Herausforderungen für die neue  Regierung unter Präsident Solís.

Um größeren Spielraum in der Geldpolitik zu schaffen und die Inflation wirksam zu bekämpfen, führte die Zentralbank zum 17. Oktober 2006 einen Wechselkurskorridor ein. Dieser erlaubt dem Colón innerhalb einer von der Zentralbank durch Interventionskäufe gestützten Bandbreite zu floaten. Aufgrund eines starken Aufwertungsdrucks wurde der Wechselkurs von der Zentralbank mehrfach durch Devisenkäufe korrigiert. Mit einer Inflation von 4,7 % 2011, 4,6 % 2012 und 3,7 % 2013 steht Costa Rica im Vergleich zu den anderen zentralamerikanischen Ländern mit Ausnahme von El Salvador besser dar. Nachdem das Land noch im Jahr 2008 unter einer hohen Inflation von 13,9 % litt, ist die Geldentwertung in den Jahren 2009-2013 auf dem stabilsten Niveau seit 1976-1978. Einer der Gründe für die stabile Inflationsrate ist das moderate Wirtschaftswachstum in Costa Rica. Auch das schwache Weltwirtschaftswachstum hat sich positiv auf die Geldwertstabilität ausgewirkt, da es half, die importierte Inflation zu kontrollieren.

Trotz eines seit Mitte 2011 konstanten Zentralbankzinssatzes von 5 % sind die Einlagen- und Kreditzinssätze 2012 aufgrund der starken öffentlichen und privaten Kreditnachfrage gestiegen. Die täglich von der Zentralbank veröffentlichte „Tasa Básica Pasiva“ (Mittelwert bestimmter Einlagenzinssätze bei privaten und öffentlichen Kreditinstituten) lag Ende Mai 2014 bei 6,75 %. Gegenwärtig wird über Maßnahmen zur Kontrolle des ausländischen Kapitalzuflusses nachgedacht, um sowohl das Wechselkurs-, als auch das Inflationsziel nicht zu gefährden.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Strukturen der costaricanischen Wirtschaft haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert: Costa Rica hat sich vom Agrarstaat zum Dienstleistungs- und Industriestaat gewandelt. Während die Landwirtschaft 1965 noch 23,5 % zum BIP beitrug, waren es 2012 im Primärsektor nur noch knapp 10 %, was dem Negativtrend der letzten Jahre entspricht; Dienstleistungen und Industrie haben hingegen einen Anteil von 65 % bzw. 25 %. Auch für den Arbeitsmarkt ist die Landwirtschaft mit einem Anteil von 11,5 % der Beschäftigten von rückläufiger Bedeutung.

In den letzten Jahren bemühte sich Costa Rica erfolgreich um Investitionen ausländischer Firmen, vor allem auch im Hightech-Bereich. Der amerikanische Chiphersteller Intel, der 1996 eine Produktionsstätte in Costa Rica errichtete, war bis heute mit bis zu 20 % am  Gesamtexportvolumen Costa Ricas beteiligt und damit ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Seit Eröffnung der Niederlassung hat das Unternehmen in Costa Rica 800 Mio. USD investiert und war für ca. 5% des costaricanischen BIPs verantwortlich. Im April 2014 gab der Konzern die Schließung der Produktionsstätte in San José aufgrund internationaler Umsatzeinbußen bekannt, was den Verlust von 1.500 Arbeitsplätzen bedeutet. Das bestehende Intel-Servicezentrum soll aber beibehalten und und mit 200 neuen Arbeitsplätzen ausgebaut werden. Aber auch andere, vor allem US-amerikanische Großkonzerne, haben sich mit erheblichen Investitionen in den Freihandelszonen in Costa Rica niedergelassen. Einer davon ist die Firma St. Jude Medical, die ankündigte, bis 2014 670 Mio. USD in Costa Rica zu investieren.

Der Tourismus ist inzwischen, vor Chipexporten (Intel) und der Landwirtschaft (Ananas, Bananen, Kaffee) wichtigster Devisenbringer des Landes (2013: 4,6 % Anteil am BIP). [h1] Im Jahr 2013 kamen über 2,4 Mio. Touristen nach Costa Rica, was einem Anstieg von ca. 3,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz des leichten Anstiegs der Touristenzahl befindet sich der Tourismussektor zur Zeit in einer schwierigen Lage, denn die Touristen blieben im Schnitt für eine kürzere Zeit im Land. Insbesondere der „Ökotourismus“ bringt Gäste nach Costa Rica. Knapp 30 % der Landfläche stehen unter Naturschutz.

Für die Stromerzeugung ist Wasserkraft besonders wichtig (ca. 90 %). Bei Öl besteht volle Importabhängigkeit.


Außenwirtschaft

Der Export von Gütern und Dienstleistungen stellt einen wichtigen Faktor der costaricanischen Wirtschaft dar; die Handelsbilanz ist allerdings traditionell negativ. Hauptexportgüter sind Mischschaltkreise (20,2 %), Ananas (7,2 %) und  erst an dritter Stelle Bananen (6,8 %). Mit 2,6 % stellt Kaffee nur noch das sechstwichtigste Exportgut dar, sodass sich der Bedeutungsverlust der ehemaligen Hauptexportgüter Bananen und Kaffee fortsetzt.

Trotz Einnahmen aus dem Tourismus bleibt ein Leistungsbilanzdefizit, iHv 5,0 % des BIP, das hauptsächlich durch Mineralölimporte verursacht wird und durch einen auf ausländischen Direktinvestitionen (5 % des BIP) basierenden Kapitalbilanzüberschuss iHv 10 % des BIP überkompensiert wird.

Die costaricanische Volkswirtschaft ist stark mit der Weltwirtschaft verflochten. Dominierender Handelspartner sind die USA. 2013 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 38,9 % des BIP exportiert, davon knapp 37 % in die USA. Der Wert der Importe belief sich auf 37,3 % des BIP davon kamen knapp 50 % aus den USA. Das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) zeigt erste Erfolge; 2010 konnten 51 neue Produkte in die USA exportiert werden, darunter vor allem exotische Früchte (ausgenommen Ananas), Kakaobutter, Säfte und Gemüseextrakte.

In Asien ist insbesondere China weiterhin von zunehmender Bedeutung. Nach dem 2011 abgeschlossenen Freihandelsabkommen haben sich die Exporte in das asiatische Land mehr als verdoppelt. 2013 gingen 3,3% der Exporte nach China. Der chinesische Anteil importierter Waren belief sich auf 9,7%. China ist zudem in hohem Maße im Land investiert. Wichtigstes Investitionsprojekt ist der Ausbau der Ruta 32 in die Hafenstadt Limón, der von dem chinesischen Bauunternehmen China Harbour Engineering Company (CHEC) durchgeführt werden soll und von der chinesischen Investitionsbank mit einem Darlehen in Höhe von 395 Mio. USD finanziert wird.

Ende April vereinbarten beide Länder die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen (Zonas Económicas Especiales, ZEE), deren Planung 2015 beginnen und neue Arbeitsplätze an der strukturschwachen Atlantikküste schaffen soll.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Costa Rica ist seit 1990 Mitglied des GATT und war 1995 Gründungsmitglied der WTO. Darüber hinaus ist Costa Rica Mitglied des zentralamerikanischen Gemeinsamen Marktes (Mercado Común Centroamericano), dem auch Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua angehören. Zu Beginn des Jahres 2009 trat das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) in Kraft. Zudem bewirbt sich Costa Rica um die Mitgliedschaft in der OECD. Auf dem Ratstreffen der OECD auf Ministerebene im Mai 2012 wurden Beitrittsverhandlungen ab 2015 in Aussicht gestellt.

Das Freihandelsabkommen CAFTA forderte bereits im Jahr 2010/2011 die Beseitigung des Telekommunikations- und Versicherungsmonopols, ein Vorhaben das nur schleppend voranschreitet. Die Öffnung des Telekommunikationsmarktes hat sich durch die Weigerung des staatlichen Energie- und Telekommunikationsunternehmens ICE, Frequenzen frei zu geben, erheblich verzögert. Mittlerweile gibt es mit Movistar und Claro Konkurrenzunternehmen, die mit einer aggressiven Preispolitik versuchen, die ICE-Tochter Kölbi unter Druck zu setzen. Der Ausbau eigener Mobilfunknetze dieser Unternehmen geht jedoch – insbesondere in ländlicheren Regionen – seit der Marktöffnung Mitte 2011 nur sehr zögerlich voran, was zum Großteil an langwierigen Genehmigungsverfahren beim Antennenbau liegt.

Nach mehr als drei Jahren Verhandlungen wurden im Mai 2010 die Verhandlungen für ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Zentralamerika abgeschlossen. Das Abkommen enthält Regelungen über Freihandel zwischen den beiden Regionen sowie Bestimmungen über Kooperation  und  Politischen Dialog. Es  sieht schrittweise Zollerleichterungen vor. Die innerstaatliche Ratifizierung durch Costa Rica erfolge im Juli 2013; seit dem 1.10.2013 wird der Handelsteil des Assoziierungsabkommens gegenüber  Costa Rica vorläufig angewendet.


Umweltpolitik

Umweltpolitik genießt in Costa Rica einen hohen Stellenwert. Das von der ehemaligen Regierung unter Präsident Arias (2006 – 2010) angekündigte Ziel, im Jahr 2021 als erster Staat eine ausgeglichene CO2-Bilanz vorweisen zu können, wird weiterhin verfolgt. In seinem nationalen Entwicklungsplan 2011‑2014 hat Costa Rica sich zum Ziel gesetzt, 95 % der Elektrizität aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Dieses Ziel wird das Land allerdings schwerlich erreichen. Insgesamt wurden 2013 12 % der Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen.

Für die kommenden Jahre wird ein erheblicher Anstieg des Stromverbrauchs prognostiziert, der hohe Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich macht. Die notwendigen Kapazitäten sollen vor allem durch den Bau neuer Wasserkraft-Großanlagen erzeugt werden. Im September 2011 wurde das Wasserkraftwerk Pirrís eingeweiht, 2016 und 2019 sollen zwei weitere Wasserkraftwerke hinzukommen. Bereits heute deckt Costa Rica 73 % seines Strombedarfs aus Wasserkraft. Daneben wächst auch die Bedeutung der Stromgewinnung aus Windkraft und Geothermie. Bei der Betrachtung des Gesamtenergieverbrauchs ist Costa Rica jedoch nach wie vor hochgradig von importierten Erdölprodukten abhängig, die hauptsächlich im Transportsektor, aber auch zur komplementären Stromerzeugung verwendet werden.

Costa Rica nimmt im Klima- und Umweltschutz weltweit eine Vorreiterrolle ein. Beides sind in der costaricanischen Bevölkerung tief verwurzelte Maximen, denen sich auch die Regierung verpflichtet fühlt. Costa Rica verfügt über einen „nationalen Klimaaktionsplan“, der konsequent umgesetzt wird. So wurde z. B. die Waldfläche in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt, knapp 30 % des Landes stehen unter Naturschutz. Costa Rica betreibt gezielt „Ökotourismus“, um den Tourismus, der einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist, nicht zur Gefahr für die Umwelt werden zu lassen und gleichzeitig für den Erhalt seiner Naturschätze zu werben.

Bei der Abwasserentsorgung besteht allerdings auf für Costa Rica Nachholbedarf. Nach Schätzungen fließen ca. 96 % der Abwässer ungeklärt in Flüsse und Meere und verunreinigen die Gewässer erheblich. Aufgrunddessen wurde Costa Rica in dem im Februar 2014 veröffentlichten „Environmental Performance Index“ (EPI) von Platz 5 auf Platz 54 heruntergestuft. Die costaricanische Regierung kündigte daraufhin an, 1,08 Mrd. USD in den Bau drei neuer Kläranlagen im Großraum San José zu investieren, die spätestens 2028 den Betrieb aufnehmen sollen. Bereits nächstes Jahr soll das Klärwerk „Los Tajos“ im Norden San Josés fertiggestellt werden und die Abwässer von 1,07 Mio. Einwohnern der Hauptstadtregion aufbereiten.

 [h1]Der Informe Turístico für 2012 ist bisher lediglich für das erste Trimester veröffentlicht worden, deshalb konnte noch keine Aktualisierung vorgenommen werden

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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