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Costa Rica

Wirtschaft

Stand: Oktober 2013

Wirtschaftsstruktur

Costa Rica hat eine offene, exportorientierte Marktwirtschaft. Traditionelle Exportgüter wie Kaffee und Bananen haben zwar an Bedeutung verloren, die Landwirtschaft bleibt aber nach dem Tourismus und den Exporten in der Computerbranche wichtigster Devisenbringer des Landes. Costa Rica konnte zahlreiche ausländische, insbesondere US-amerikanische Investoren anziehen und damit seine Exportpalette diversifizieren.

Mit den USA und den übrigen zentralamerikanischen Staaten sowie der Dominikanischen Republik wurde ein Freihandelsabkommen unterzeichnet (CAFTA), das am 1. Januar 2009 für Costa Rica in Kraft trat. Mit dem Abkommen sollte in erster Linie der bereits bestehende privilegierte Zugang Costa Ricas zum US-amerikanischen Markt gesichert werden. 2011 trat außerdem ein Freihandelsabkommen mit China in Kraft, das der gewachsenen Bedeutung Asiens als Handelspartner für Costa Rica Rechnung trägt.

Die costaricanische Wirtschaft wuchs gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2010 um 2,9 %. 2011 betrug das Wachstum 4,2% und 2012 ist ein Wachstum von 5% des BIP zu verzeichnen.

Die Warenexporte erreichten 2012 einen Wert von 11,30 Mrd. USD, die Warenimporte 17,57 Mrd. USD. Damit liegt das Handelsdefizit 2012 bei 13,9% des BIP.

2010 verbuchte Costa Rica das größte Haushaltsdefizit seit 1985 in Höhe von mehr als 5% des BIP und damit das höchste Defizit in der gesamten Region. In den letzten beiden Jahren konnte das Haushaltsdefizit gesenkt und bei 4,4% des BIP konstant gehalten werden.

Die seit langem geplante und überfällige Steuerreform, die das Haushaltsdefizit durch Steuererhebungen weiter verringern sollte, konnte nicht realisiert werden. Wegen Fehlern im Gesetzgebungsverfahren erklärte die costaricanische Verfassungskammer („Sala IV“) das Vorhaben für verfassungswidrig. Damit ist das Vorzeigeprojekt der Präsidentin Chinchilla gescheitert.

Um sich größeren Spielraum in der Geldpolitik zu verschaffen und die Inflation wirksam zu bekämpfen, führte die Zentralbank zum 17. Oktober 2006 einen Wechselkurskorridor ein. Dieser erlaubt dem Colón innerhalb einer von der Zentralbank durch Interventionskäufe gestützten Bandbreite zu floaten. Aufgrund des zuletzt starken Aufwertungsdrucks wurde der Wechselkurs im letzten Jahr von der Zentralbank mehrfach durch Devisenkäufe korrigiert. Sowohl die Inflation als auch der Zentralbankzinssatz und Wechselkurse waren im Jahr 2012 stabil. Mit einer Inflation von 5,8% 2010, 4,74% 2011 und 4,55% 2012 liegt Costa Rica im Vergleich zu den anderen zentralamerikanischen Ländern unter Guatemala (3,45%) und El Salvador (0,78%), jedoch über Nicaragua (6,62%), Honduras (5,4%) und Panamá (4,6%). Nachdem das Land noch im Jahr 2008 unter einer hohen Inflation von 13,9% litt, ist die Geldentwertung in den Jahren 2009-2012 auf dem stabilsten Niveau seit 1976-1978. Einer der Gründe für die stabile Inflationsrate ist das moderate Wirtschaftswachstum in Costa Rica. Auch das schwache Weltwirtschaftswachstum hat sich positiv auf die Geldwertstabilität ausgewirkt, da es half, die importierte Inflation zu kontrollieren.

Trotz eines seit Mitte 2011 konstanten Zentralbankzinssatzes von 5% sind die Einlagen- und Kreditzinssätze 2012 aufgrund der starken öffentlichen und privaten Kreditnachfrage gestiegen. Gegenwärtig wird über Maßnahmen zur Kontrolle des ausländischen Kapitalzuflusses nachgedacht, um sowohl das Wechselkurs-, als auch das Inflationsziel nicht zu gefährden.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Strukturen der costaricanischen Wirtschaft haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert: Costa Rica hat sich vom Agrarstaat zum Dienstleistungs- und Industriestaat gewandelt. Während die Landwirtschaft 1965 noch 23,5% zum BIP beitrug, waren es 2012 im Primärsektor nur noch knapp 10%, was dem Negativtrend der letzten Jahre entspricht; Dienstleistungen und Industrie haben hingegen einen Anteil von 65% bzw. 25%. Auch für den Arbeitsmarkt ist die Landwirtschaft mit einem Anteil von 11,5% der Beschäftigten von rückläufiger Bedeutung.

In den letzten Jahren bemühte sich Costa Rica erfolgreich um Investitionen ausländischer Firmen, vor allem auch im Hightech-Bereich. Prominentestes Beispiel ist der  amerikanische Chiphersteller Intel, der 1996 eine Produktionsstätte in Costa Rica errichtete, und seither  800 Mio. USD investiert hat.

Der Tourismus ist inzwischen, gefolgt von Chipexporten (Intel) und der Landwirtschaft (Ananas, Bananen, Kaffee), wichtigster Devisenbringer des Landes Im Jahr 2012 kamen über 2,3 Mio. Touristen nach Costa Rica, Insbesondere der so genannte „Ökotourismus“ bringt Gäste nach Costa Rica. Knapp 30% der Landfläche stehen unter Naturschutz.

Für die Stromerzeugung ist Wasserkraft besonders wichtig (ca. 90%). Bei Öl besteht volle Importabhängigkeit.


Außenwirtschaft

Der Export von Gütern und Dienstleistungen stellt einen wichtigen Faktor der costaricanischen Wirtschaft dar, die Handelsbilanz ist allerdings traditionell negativ. Hauptexportgüter sind mittlerweile Mikroprozessoren (16,2%), Ananas (7,1%), Medizintechnik (6,0%), Bananen (5,7%) und Kaffee (5,1%). Hauptimportgüter sind Mineralöl und seine Derivate (14,2%) sowie Machinen und elektronische Geräte (26,8%).

Trotz Einnahmen aus dem Tourismus bleibt ein Leistungsbilanzdefizit, iHv 5,5% des BIP, das hauptsächlich durch Mineralölimporte verursacht wird und durch einen auf ausländischen Direktinvestitionen (5% des BIP) basierenden Kapitalbilanzüberschuss iHv 10% des BIP überkompensiert wird.

Die costaricanische Volkswirtschaft ist stark mit der Weltwirtschaft verflochten. Dominierender Handelspartner sind die USA. 2012 wurden Waren im Wert von 25% des BIP, davon knapp 39% in die USA, exportiert. 38,9% des BIP importierte Costa Rica, davon knapp 50% aus den USA. Das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) zeigt erste Erfolge. 2010 konnten 51 neue Produkte in die USA exportiert werden, darunter vor allem exotische Früchte (ausgenommen Ananas), Kakaobutter, Säfte und Gemüseextrakte.

Auch China nimmt eine zunehmend wichtige Rolle für Costa Ricas Wirtschaft ein. Nach Investitionen in den Sektoren Finanzen und Immobilien  ist China inzwischen zum zweitwichtigsten Handelspartner nach den USA aufgerückt. Ähnlich bedeutend ist die EU, innerhalb derer Deutschland der wichtigste Handelspartner Costa Ricas ist.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Costa Rica ist seit 1990 Mitglied des GATT und war 1995 Gründungsmitglied der WTO. Darüber hinaus ist Costa Rica Mitglied des zentralamerikanischen Gemeinsamen Marktes (Mercado Común Centroamericano), dem auch Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua angehören. Zu Beginn des Jahres 2009 trat das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) in Kraft. Zudem bewirbt sich Costa Rica um die Mitgliedschaft in der OECD. Auf dem Ratstreffen der OECD auf Ministerebene im Mai 2012 wurde Beitrittsverhandlungen ab 2015 in Aussicht gestellt.

Zudem verlangt das Freihandelsabkommen CAFTA die Öffnung des Telekommunikations- und Versicherungsmonopols im Jahr 2010 bzw. 2011, was allerdings nur schleppend vorangeht. Die Öffnung des Telekommunikationsmarktes hat sich durch die Weigerung des staatlichen Energie- und Telekommunikationsunternehmens ICE, Frequenzen frei zu geben, erheblich verzögert. Mittlerweile gibt es mit Movistar und Claro Konkurrenzunternehmen, die mit einer aggressiven Preispolitik versuchen, die ICE-Tochter Kölbi unter Druck zu setzen. Der Ausbau eigener Mobilfunknetze dieser Unternehmen läuft jedoch – insbesondere in ländlicheren Regionen – seit der Marktöffnung Mitte 2011 nur sehr schleppend, was zum Großteil langwierigen Genehmigungsverfahren beim Antennenbau geschuldet ist.

Das 2012 unterzeichnete Assoziationsabkommen zwischen der EU und Zentralamerika , dessen Handelsteil gegenüber Costa Rica ab 1. Oktober 2013 bereits vorläufig angewendet wird,  ist für Costa Rica von besonderer Bedeutung. Für wichtige Exportgüter wie Bananen wird die Zollhöhe schrittweise gesenkt, die meisten Güter werden zukünftig zollfrei zwischen den Regionen gehandelt werden können.


Umweltpolitik

Die Umweltpolitik Costa Ricas genießt auch unter Präsidentin Chinchilla einen hohen Stellenwert. Das von der Regierung Arias angekündigte, ehrgeizige Ziel, im Jahr 2021 als erster Staat eine ausgeglichene CO2-Bilanz vorweisen zu können, wird weiterhin verfolgt. Die Quote der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energiequellen in Costa Rica zählt mit 90 – 95 % zu den höchsten der Welt. Für die kommenden Jahre wird allerdings ein erheblicher Anstieg des Stromverbrauchs prognostiziert, der Milliarden-Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich macht. Die notwendigen Kapazitäten sollen vor allem durch den Bau neuer Wasserkraft-Großanlagen erzeugt werden. Im September 2011 wurde bereits das Wasserkraftwerk Pirrís eingeweiht, 2016 und 2019 sollen zwei weitere Wasserkraftwerke hinzukommen. Bereits heute deckt Costa Rica 73% seines Strombedarfs aus Wasserkraft. Daneben gewinnt auch die Stromgewinnung aus Windkraft und Geothermie an Bedeutung. Bei der Betrachtung des Gesamtenergieverbrauchs ist Costa Rica jedoch nach wie vor hochgradig von importierten Erdölprodukten abhängig, die hauptsächlich im Transportsektor, aber auch zur komplementären Stromerzeugung verwendet werden.

Costa Rica nimmt im Klima- und Umweltschutz in der Region eine Vorreiterrolle ein. Beides sind in der costaricanischen Bevölkerung tief verwurzelte Maximen, denen sich auch die Regierung verpflichtet fühlt. Costa Rica verfügt bereits über einen „nationalen Klimaaktionsplan“, der konsequent umgesetzt wird. So wurde z.B. die Waldfläche in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt, knapp 30% des Landes stehen unter Naturschutz. Costa Rica betreibt gezielt „Ökotourismus“, um den Tourismus, der einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist, nicht zum Schaden der Umwelt werden zu lassen und gleichzeitig für den Erhalt seiner Naturschätze zu werben.

Außerdem spielt Costa Rica über Zentralamerika hinaus eine aktive und erfolgreiche Rolle in der Klimadiskussion und hat u.a. die Konferenz der Cartagena-Gruppe für Klimaschutz am 2./3. November 2010 ausgerichtet, auf der die Positionen für die Klimakonferenz von Cancún (29.11.-11.12.2010) abgestimmt wurden.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.