Hauptinhalt
Wirtschaft
Stand: März 2013
Aktuelle Wirtschaftslage
Die pakistanische Wirtschaft leidet unter den Auswirkungen der Flutkatastrophen in den Jahren 2010 und 2011, einem weitgehenden Stillstand bei der Umsetzung von Reformen, einer anhaltende Energiekrise und der prekären Sicherheitslage. Zwar konnte die pakistanische Wirtschaft im Haushaltsjahr 2012 (1.7.2011 – 30.6.2012) zuletzt mit geschätzten 3,7% des Bruttoinlandprodukts (BIP) einen geringfügigen Wachstumsanstieg verzeichnen, (im Vorjahr waren es – auch flutbedingt - lediglich 2,4%); damit bewegt sich die Wachstumsquote jedoch im vierten Jahr in Folge unter 4%.
Zugleich beläuft sich die Inflationsrate auch im fünften Jahr in Folge mit knapp 11% im zweistelligen Bereich, und das Haushaltsdefizit für das Haushaltsjahr 2012 wird auf bis zu 8% des BIP geschätzt. Ausgaben für den Wiederaufbau nach den Flutkatastrophen, hohe staatliche Subventionen für den reformbedürftigen Energiesektor und hochdefizitäre staatseigene Betriebe (u.a. Fluglinie PIA) sowie anhaltend hohe Militärausgaben im Zuge der Militäroperationen gegen die Talibangruppen stellen eine große Belastung für die öffentlichen Haushalte dar und schränken den Raum für investive Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums oder zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur weiter ein. Pakistan wird seine Staatseinnahmen deutlich erhöhen müssen; mit 9,4 % des BIP hat es eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt. Eine positive Entwicklung ist der deutliche Anstieg von Rücküberweisungen von im Ausland arbeitenden Pakistanern (remittances) in den letzten Jahren, wie auch ein Anstieg der Exporterträge vor allem der Textilindustrie, der sich jedoch in erster Linie aus einer Erhöhung der Weltmarktpreise für Baumwolle gespeist hat. Die ausländischen Direktinvestitionen sind deutlich rückläufig.
Das 2008 abgeschlossene Stabilisierungsabkommen. Pakistans mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist im September 2011 ausgelaufen, nachdem die letzten Auszahlungen in Höhe von 3,2 Mrd. US-Dollar (Gesamthöhe 11,3 Mrd. Dollar) wegen Nichteinhaltung der Auszahlungskriterien vom IWF zurückgehalten wurden. Die Regierung hat mit der Rückzahlung des IWF-Kredits begonnen; durch die anstehenden Rückzahlungen werden sich die pakistanischen Devisenreserven in den Jahren 2013 und 2014 deutlich verringern.
Struktur der Wirtschaft
Die Landwirtschaft Pakistans ist mit einem Beitrag von rund 20,9% zum Bruttoinlandsprodukt immer noch in vielerlei Hinsicht der wichtigste Sektor der pakistanischen Volkswirtschaft. Über 44% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt; insgesamt 60% der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Die Provinz des Punjab gehört in vielen Bereichen (u.a. Getreideanbau u. Viehzucht) zu den weltweit größten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit.
Der Industriesektor trägt zu 25,8% des Bruttoinlandsprodukts bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die ca. 60% aller pakistanischen Exportgewinne ausmacht. Der Dienstleistungsbereich hat sich zu einem wichtigen Wachstumssektor entwickelt, er trägt inzwischen zu ca. 53% des Bruttoinlandsproduktes bei. Wichtigste Bereiche sind hier v.a. Banken, Versicherungen, Transportwesen und Kommunikation aber auch der überproportional große Verwaltungsapparat.
Energiepolitik
Zur Zeit haben nur ca. zwei Drittel der pakistanischen Bevölkerung grundsätzlichen Zugang zu Elektrizität, der Großteil von ihnen lebt in den größeren Städten des Landes. Der pakistanische Energiesektor kann den steigenden Energiebedarf des Landes nicht decken, dies belastet die Wirtschaft und hemmt die sozialen Entwicklung des Landes. Pakistan verfügt aktuell über eine installierte Kapazität zur Stromerzeugung von knapp 22.500 MW; Ölkraftwerke tragen ca. 35 % zur Stromproduktion bei, Wasser 33 %, Gas 27 %, der Rest verteilt sich auf Erneuerbare Energien, Kernenergie und Stromimporte. Es fehlen dem Land Stromerzeugungskapazitäten in Höhe von schätzungsweise 5.500 MW. Als Folge kommt es seit 2009 zu oft stundenlangen Stromabschaltungen im gesamten Land, auf die die Bevölkerung mit zum Teil gewalttätigen Protestkundgebungen reagiert. Viele ländliche Gebiete haben bis zu 20 Stunden pro Tag keinen Strom, in den Städten fiel die Stromversorgung auf 8 bis 10 Stunden pro Tag. Schätzungen zufolge reduziert die Energiekrise das Wirtschaftswachstum um ca. 3 bis 4 %. Erforderlich zur Lösung der Energiekrise sind weitreichende Reformen des Energiesektors, um u.a. die finanziellen Mittel für die dringend notwendigen Investitionen zu mobilisieren. Um die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu mindern, beabsichtigt Pakistan, seinen Energiemix langfristig durch Klein- und Kleinstwasserkraftanlagen sowie Solar- und Windenergie zu ergänzen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix soll bis zum Jahr 2030 auf mindestens 5% steigen. Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) unterstützt die pakistanische Regierung in diesem Unterfangen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind Schwerpunkt der deutschen EZ mit Pakistan.
Wirtschaftsklima
Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter anhaltender politischer Instabilität, einer angespannten Sicherheitslage, schlechter Regierungsführung („poor governance“) und der fortdauernden Energiekrise. Die ausländischen Direktinvestitionen sind weiterhin rückläufig: im Haushaltsjahr 2012 lagen sie nur noch bei ca. 700 Mio. US-Dollar, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von fast 35 %. Im Korruptionsindex von Transparency International 2012 ist Pakistan vom 134. Rang im Vorjahr auf den 139. Rang zurückgefallen. Im „Doing Business 2012“-Ranking der Weltbank ist Pakistan um neun Positionen auf nunmehr Rang 105 von 183 Ländern weiter abgefallen. Auch der „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums konnte Pakistan in 2011/12 nur auf Rang 118 von insgesamt 143 Ländern einstufen (2010/11: Rang 123).
Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des hohen Investitionsbedarfes in vielen Bereichen, v.a. aber in Energie (inkl. Erneuerbare Energien), Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie wegen der Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht von ca. 30 Mio. Menschen ein interessanter Markt für ausländische Firmen.
Außenhandel
Pakistan weist nach wie vor ein Außenhandelsdefizit auf, im Haushaltsjahr 2012 lag es bei ca. 15,8 Mrd. US-Dollar. Die Importe stiegen von 35,9 Mrd. auf 40,5 Mrd. Dollar, während die Exporte, die im Vorjahr noch um beachtliche 29,4 % gestiegen waren, von 25,4 Mrd. auf 24,7 Mrd. US-Dollar sanken.
Pakistans Exportwirtschaft hängt von einigen wenigen Produkten (Baumwolle, Leder, Reis, synthetischen Textilien und Sportartikeln) ab. Ohne eine Diversifizierung der Exportbasis und einen stärkeren Anteil an der internationalen Wertschöpfungskette wird Pakistans Wirtschaft weiterhin ihr Potential nicht ausschöpfen können. Zusätzlich droht die anhaltende Energiekrise die arbeitsintensiven Exportsektoren zu beeinträchtigen. Der Import wird vor allem von fossilen Energieträgern und Petroleumprodukten dominiert, gefolgt von Maschinen, Chemikalien, Düngemitteln und Metallen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
