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Pakistan

Wirtschaft

Stand: März 2014

Aktuelle Wirtschaftslage

Die pakistanische Wirtschaft leidet unter einem beträchtlichen Reformrückstau, schwachen institutionellen Kapazitäten des Staates und Korruption. Aufgrund der prekären Sicherheitslage und infrastruktureller Engpässe, insbesondere im Energiesektor, kann das vorhandene Wachstumspotenzial nicht ausgeschöpft werden. Als größtes Wachstumshemmnis gilt die unzureichende Energieversorgung. Mit geschätzten 3,6 Prozent blieb das Wirtschaftswachstum im Haushaltsjahr 2013 (01.07.2012 – 30.06.2013) hinter den Möglichkeiten des Landes zurück und bewegte sich auf dem Niveau der Vorjahre (2010: 3,8 Prozent; 2011: 2,4 Prozent; 2012: 4,4 Prozent).

Die Inflationsentwicklung unterlag in den vergangenen Monaten starken Schwankungen. Lag die Inflationsrate 2012 noch bei fast 14 Prozent, sank sie im Sommer 2013 auf 7,5 Prozent. Nachdem Ende 2013 mit rund 11 Prozent wieder der zweistellige Bereich erreicht wurde, ging die Inflationsrate Anfang 2014 wieder auf Werte um 8 Prozent zurück. Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei fast 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.  Der Schuldendienst Pakistans ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr von 6,3 Prozent des BIP auf 6,7 Prozent angestiegen, die Gesamtverschuldung des Landes liegt bei 63,3 Prozent des BIP. Die Devisenreserven Pakistans waren seit 2011 geschrumpft, seit Beginn diesen Jahres ist jedoch wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Sie liegen derzeit bei 3,78 Mrd. US-Dollar. Defizitäre Staatsbetriebe (u.a. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines, Pakistan Steel) belasten die öffentlichen Finanzen und benötigen regelmäßig staatliche Finanzspritzen. Pakistan wird seine Staatseinnahmen deutlich erhöhen müssen; mit knapp 9 Prozent des BIP hat es eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt.

Am 4. September 2013 bewilligte der Internationale Währungsfonds (IWF) auf Antrag der pakistanischen Regierung eine Erweiterte Fondsfazilität (EEF) in Höhe von 6,68 Mrd. US-Dollar. Im Rahmen des dreijährigen Programms soll Pakistan Vorgaben zur Reduzierung seines Haushaltsdefizits, zum Aufbau seiner Währungsreserven, zur Anpassung der Währungspolitik und zur langfristigen Senkung der Inflationsrate erfüllen. Darüber hinaus wurden strukturelle Reformen in den Bereichen Steuersystem, Energiesektor, Handelsregime, Investitionsklima, Finanzsektorstabilität und Unabhängigkeit der Zentralbank vereinbart. Pakistan hat im Februar 2012 mit den Rückzahlungen des 2011 wegen Nichteinhaltung der Auszahlungskriterien abgebrochenen Abkommens mit dem IWF begonnen und diese bislang ohne Verzögerung umgesetzt.


Struktur der Wirtschaft

Die Landwirtschaft Pakistans ist mit einem Beitrag von rund 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt immer noch in vielerlei Hinsicht der wichtigste Sektor der pakistanischen Volkswirtschaft. Über 44 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt; knapp 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Die Provinz Punjab gehört in vielen Bereichen (u.a. Getreideanbau u. Viehzucht) zu den weltweit größten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit.

Der Industriesektor trägt mit 25,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die ca. 60 Prozent aller pakistanischen Exporterlöse ausmacht. Der Dienstleistungssektor hat sich zu einem wichtigen Wachstumsfaktor entwickelt; er trägt inzwischen mit ca. 53 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wichtige Bereiche sind hier v.a. Bankwesen, Versicherungswesen, Transportwesen und der Kommunikationssektor, aber auch der überproportional große öffentliche Verwaltungsapparat.


Energiepolitik

Der pakistanische Energiesektor kann den steigenden Energiebedarf des Landes nicht decken, was zu erheblichen Problemen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes führt. Pakistan verfügt aktuell über eine installierte Kapazität zur Stromerzeugung von über 22,47 GW, was, gemessen an der Stromnachfrage im Land, im regionalen Vergleich ein eher niedriger Wert ist. Den größten Anteil an der Stromversorgung haben mit 65 Prozent fossile Brennstoffe, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent). 4 Prozent des Stroms stammen aus Kernenergie oder Importen; der Anteil der alternativen Erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Biomasse) liegt bei ca. 1 Prozent. Pakistan fehlen Stromerzeugungskapazitäten in Höhe von schätzungsweise 5,5 GW. Als Folge kommt es insbesondere im Sommer zu oft stundenlangen Stromabschaltungen im gesamten Land. Die Stromausfälle haben nicht nur negative Auswirkungen auf die Lebensumstände der Bevölkerung. Sie führen auch zu einem um 3 bis 4 Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum. 

Die von der neuen Regierung im Juli 2013 vorgestellte Nationale Energiepolitik benennt als erste Priorität die Schließung der Lücke zwischen Stromangebot und -nachfrage. Durch eine Modernisierung des Netzes sollen Leitungsverluste (derzeit bis zu 30 Prozent) verringert, ferner sollen private Investoren aus dem In- und Ausland angelockt werden. Außerdem sollen Privatisierungen, institutionelle Reformen in Ministerien und Behörden sowie ein härteres Vorgehen gegen Stromdiebstahl die Effizienz im Energiesektor erhöhen. Zudem soll der Energiemix zulasten des teuren Öls auf günstigere Energiequellen, vor allem Kohle und Wasserkraft, umgestellt werden. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix soll in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden. Ferner wurden deutliche Preiserhöhungen für Strom angekündigt und bereits teilweise umgesetzt. Mit diesen Maßnahmen sollen die Stromknappheit bis 2017 beendet, die Energie-Erzeugungskosten deutlich gesenkt und die für dringend notwendige Investitionen erforderlichen finanziellen Mittel mobilisiert werden.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) unterstützt die pakistanische Regierung in diesen Bemühungen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind Schwerpunkt der deutschen EZ mit Pakistan.


Wirtschaftsklima

Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter der über Jahre anhaltenden politischen Instabilität, einer angespannten Sicherheitslage, schlechter Regierungsführung („poor governance“) und der fortdauernden Energiekrise. Dennoch sind die ausländischen Direktinvestitionen im Haushaltsjahr 2013 entgegen dem mehrjährigen Abwärtstrend auf 1,456 Mrd. US-Dollar angestiegen. 2012 hatten sie sich auf nur 820,6 Mio. US-Dollar belaufen. Im Korruptionsindex von Transparency International 2013 (gemessen wird die wahrgenommene Korruption) wird Pakistan unter 175 Ländern auf Rang 127 geführt. Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums für 2013/14 rangiert Pakistan unter insgesamt 148 Ländern auf Rang 133 (im Vorjahr Rang 134 von 144). Von Rang 107 auf 110 (von insgesamt 189 bewerteten Ländern) leicht gefallen ist Pakistan in der Doing Business Analyse der Weltbank. Die größte Einbuße musste Pakistan dabei bei den Indikatoren "Zugang zur Stromversorgung" und "Einhaltung von Verträgen" hinnehmen.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des hohen Investitionsbedarfs in vielen Bereichen, insbesondere Energie (inkl. Erneuerbare Energien), Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie im Hinblick auf die Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht von inzwischen ca. 30 Mio. Menschen ein interessanter Markt für ausländische Firmen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.