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Pakistan

Wirtschaft

Stand: Dezember 2016

Aktuelle Wirtschaftslage

Pakistan verfügt über ein hohes Potenzial für wirtschaftliches Wachstum, bedingt durch seine günstige geographische Lage mit Brückenfunktion zwischen Zentral- und Südasien sowie zwischen China und dem Arabischen Meer, seinen Ressourcenreichtum, niedrige Lohnkosten, eine junge, wachsende Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht.  Dieses Potenzial wird jedoch aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, periodisch wiederkehrender politischer Instabilität und schwacher institutioneller Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Als größte Wachstumshemmnisse gelten die teils fragile Sicherheitslage, Korruption und die unzureichende Energieversorgung.

Wichtige makroökonomische Kennzahlen der pakistanischen Volkswirtschaft haben sich in den vergangenen Monaten, als Ergebnis der Politik vorsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Reformen der Regierung sowie günstiger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen, verbessert.

Mit 4,7 Prozent blieb das Wirtschaftswachstum im Haushaltsjahr 2015/16 (01.07.2015-30.06.2016) hinter den Möglichkeiten des Landes zurück, wuchs im Vergleich zu den Vorjahren aber geringfügig (2011: 2,4 Prozent; 2012: 4,4 Prozent; 2013: 3,7 Prozent; 2014: 4,0 Prozent; 2015: 4,2 Prozent).

Die Inflationsrate sank von 11% im Haushaltsjahr 2012/13 und 8,7% in 2013/14 auf 4,8% im Haushaltsjahr 2014/15 und erreichte ein Allzeittief von 2,9% im Haushaltsjahr 2015/16. Das Haushaltsdefizit von8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr 2012/13 konnte auf 4,6% im Haushaltsjahr 2015/16 gesenkt werden. Die Staatsverschuldung Pakistans liegt bei rund 64,7 Prozent des BIP. Defizitäre Staatsbetriebe (u.a. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines, Pakistan Steel) belasten die öffentlichen Finanzen und benötigen regelmäßig staatliche Finanzspritzen. Pakistan hat mit 12,4% des BIP eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt, konnte diese durch Steuerreformen in den letzten Jahren jedoch von ca. 9% im Jahr 2013 leicht verbessern. Die Währungsreserven der Zentralbank liegen derzeit bei ca. 18 Mrd. US-Dollar.

Das am 4. September 2013 begonnene Unterstützungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 6,68 Mrd. US-Dollar konnte im September 2016 erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Ein Großteil der Verbesserungen der makroökonomischen Rahmendaten ist auf fiskal- und währungspolitische Reformen im Rahmen des Programms zurückzuführen. Strukturelle Reformen in den Bereichen Steuersystem, Energiesektor, Handelsregime, Investitionsklimawurden ebenfalls begonnen, aber noch nicht erfolgreich und umfassend zum Abschluss gebracht. Die realwirtschaftliche Lage, insbesondere die Exportindustrie leidet weiterhin unter der geringen Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit pakistanischer Produkte.


Struktur der Wirtschaft

Der Dienstleistungssektor Pakistans ist mit einem Beitrag von etwa 59 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der wichtigste Sektor und Wachstumsfaktor der pakistanischen Volkswirtschaft. Wichtige Bereiche sind hier vor allem Bankwesen, Versicherungswesen, Transportwesen und der Kommunikationssektor, aber auch der überproportional große öffentliche Verwaltungsapparat.

Der Industriesektor trägt 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die etwa 57 Prozent aller pakistanischen Exporterlöse ausmacht.

Trotz eines Beitrags von lediglich 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt spielt die Landwirtschaft immer noch eine wichtige Rolle in Pakistan. Etwa 42 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt; etwa t 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Die Provinz Punjab gehört in vielen Bereichen (unter Anderem Getreideanbau und Viehzucht) zu den weltweit größten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit.


Energiepolitik

Der pakistanische Energiesektor kann den steigenden Energiebedarf des Landes nicht decken, was zu erheblichen Problemen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes führt. Pakistan verfügt aktuell über eine installierte Kapazität zur Stromerzeugung von über 25,2 GW, was, gemessen an der Stromnachfrage im Land und im regionalen Vergleich, ein eher niedriger Wert ist. Den größten Anteil an der Stromversorgung haben mit über 60 Prozent fossile Brennstoffe, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent). 4 Prozent des Stroms stammen aus Kernenergie oder Importen; der Anteil der alternativen Erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Biomasse) liegt bei ca. 2,5 Prozent. Pakistan fehlen Stromerzeugungskapazitäten in Höhe von schätzungsweise 5 GW. Als Folge kommt es zu oft stundenlangen Stromabschaltungen im gesamten Land. Die Stromausfälle haben nicht nur negative Auswirkungen auf die Lebensumstände der Bevölkerung. Sie führen auch zu einem um  bis zu zwei Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum.

Die von der Regierung im Juli 2013 vorgestellte Nationale Energiepolitik benennt als erste Priorität die Schließung der Lücke zwischen Stromangebot und -nachfrage. Durch eine Modernisierung des Netzes sollen die Leitungsverluste von rund 30 Prozent verringert, ferner sollen private Investoren aus dem In- und Ausland angelockt werden. Außerdem sollen Privatisierungen, institutionelle Reformen in Ministerien und Behörden sowie ein härteres Vorgehen gegen Stromdiebstahl die Effizienz im Energiesektor erhöhen. Zudem soll der Energiemix zulasten des teuren Öls auf günstigere Energiequellen, vor allem Kohle, importiertes Flüssigerdgas und Wasserkraft, umgestellt werden. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix soll in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden. Ferner wurden deutliche Preiserhöhungen für Strom angekündigt und bereits teilweise umgesetzt. Mit diesen Maßnahmen sollen die Stromknappheit bis 2018 beendet, die Energie-Erzeugungskosten deutlich gesenkt und die für dringend notwendige Investitionen erforderlichen finanziellen Mittel mobilisiert werden.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) unterstützt die pakistanische Regierung in diesen Bemühungen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind Schwerpunkt der deutschen EZ mit Pakistan.


Wirtschaftsklima

Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter mangelnder Investitionssicherheit, schlechter Regierungsführung und Korruption, einer angespannten Sicherheitslage und der sich nur langsam verbessernden Energiekrise. Die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investement, FDI) sind Stand Oktober 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 38% auf 249 Mio.  US-Dollar gesunken. Im Korruptionsindex von Transparency International 2015 (gemessen wird die wahrgenommene Korruption) wird Pakistan unter 168 Ländern auf Rang 117 geführt. Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums für 2016/17 rangiert Pakistan unter insgesamt 138 Ländern auf Rang 122 (im Vorjahr Rang 129 von 144). In der „Doing Business“-Analyse der Weltbank ist Pakistan von Rang 128 auf Rang 144 von insgesamt 190 bewerteten Ländern gefallen.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des erklärtermaßen großen Interesses der Regierung an einer Ausweitung der außenwirtschaftlichen Beziehungen in den Bereichen Investitionen und Handel, des  hohen Investitionsbedarfs in vielen Bereichen, insbesondere Energie (inkl. Erneuerbare Energien), Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie im Hinblick auf die Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht ein interessanter Markt für ausländische Firmen.


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