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Australien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2017

Politische Beziehungen

Deutschland spielt in den internationalen Beziehungen Australiens eine wichtige Rolle, obwohl der Schwerpunkt der bilateralen Außenpolitik des Landes im asiatisch-pazifischen Raum liegt (enge politische und militärische Allianz mit den USA; wirtschaftliche Bindung an die wichtigen Exportmärkte China, Japan, Südkorea und Indien; politisch immer wichtiger werdende Beziehung zum zehnmal bevölkerungsreicheren nördlichen Nachbarn Indonesien; engste Verbindung mit Neuseeland und den pazifischen Inselstaaten).

Australien ist sich aber bewusst, dass nicht nur die europäischen Wurzeln, sondern vor allem auch wesentliche Interessen und Werte das Land der westlichen Staatenfamilie zuordnen. Daraus ergibt sich für Australien die nach wie vor große Bedeutung Europas und Deutschlands mit seiner Schlüsselrolle in der EU (Europäische Union) und für den Euro.

Im Jahr 2012 konnte mit dem 60-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen auf ein historisches Jubiläum zurückgeblickt werden. Im Januar 2013 wurde im Rahmen eines bilateralen Besuchs von Außenminister Robert (Bob) Carr die „Berlin-Canberra-Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft“ unterzeichnet.

Bundeskanzlerin Merkel besuchte zuletzt im November 2014 Australien. Bei ihrem Treffen mit dem damaligen Premierminister Abbott wurde eine hochrangige Beratergruppe eingesetzt, die in einjähriger Arbeit 59 Empfehlungen für die weitere Vertiefung der deutsch-australischen Beziehungen erarbeitet hat. Die Vorsitzenden der Beratergruppe, Staatsministerin Maria Böhmer und der australische Finanzminister Mathias Cormann, haben im Dezember 2016 und Februar 2017 einen Fortschrittsbericht zur Umsetzung dieser Empfehlungen an beide Regierungen übergeben.


Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist nach Großbritannien zweitwichtigster europäischer Handelspartner Australiens und der neuntgrößte Handelspartner weltweit. 2015 betrug das Volumen des bilateralen Warenhandels gut 10 Milliarden Euro. Die Handelsbilanz mit Deutschland ist für Australien allerdings seit langer Zeit stark defizitär, die deutschen Exporte übersteigen die deutschen Importe um ein Vielfaches. Dies ist weitgehend strukturell bedingt: Der Ausfuhr hochwertiger Endprodukte nach Australien steht im Wesentlichen die Einfuhr von Rohstoffen und Primärprodukten (Münzen, Edelmetalle, Agrarprodukte) aus Australien gegenüber. 2015 betrugen die Wareneinfuhren aus Australien ca. 1,5 Mrd. Euro, die Warenexporte nach Australien ca. 8,9 Mrd. Euro.

Größte Posten der deutschen Exporte sind Kraftfahrzeuge und -teile, chemische, pharmazeutische und elektrotechnische Erzeugnisse und Maschinen. Wichtigste australische Exportgüter nach Deutschland sind Gold und Edelmetalle, Münzen und Agrarprodukte (Ölsaat).

Über 480 deutsche Tochterunternehmen mit bis zu 800 Geschäftsstellen sind in Australien tätig und tragen direkt und indirekt zu mehr als 100.000 Arbeitsplätzen in Australien bei.

Die deutsche Wirtschaft ist in Australien mit einer Außenhandelskammer (Geschäftsstellen in Sydney und Melbourne, neues „Chapter“ in Brisbane) vertreten. Die Australische Wirtschaftsförderungsinstitution (Austrade) ist in Deutschland dem australischen Generalkonsulat Frankfurt/Main angegliedert. Mit Unterstützung von Austrade und der Australischen Botschaft wurde im November 2016 im betahaus in Berlin ein sogenanntes Landing Pad für australische Start-ups eröffnet (neben anderen Landing Pads in San Francisco, Tel Aviv, Singapur und Shanghai ist Berlin das einzige australische Landing Pad in Europa).


Kulturelle Beziehungen

Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Australien haben eine lange Tradition. Deutsche gehörten zu den ersten europäischen Siedlern in Australien und haben bedeutende Beiträge zur Entdeckung und Entwicklung des fünften Kontinents geleistet. In Gegenden mit besonders starker deutscher Einwanderung (Beispiel: Barossa Valley in Südaustralien) besinnt man sich heute wieder auf dieses Erbe. Zahlreiche deutsche Vereine (in erster Linie Gesangs- und Schützenvereine) sowie entsprechende Clubs findet man über das ganze Land verteilt.

Auch deutsche Forscher und Wissenschaftler waren an der Erschließung und Erforschung Australiens in erheblichem Umfang beteiligt.. Zu den noch heute in Australien bekannten Persönlichkeiten zählen der Entdecker und Naturforscher Ludwig Leichhardt, der Botaniker Ferdinand von Müller und der Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer. 

In Australien gibt es ein Goethe-Institut mit zwei Standorten (Sydney und Melbourne) und zwei deutsche Schulen (Sydney und Melbourne) sowie diverse Samstagsschulen. Während die alteingesessene German International School Sydney bereits seit 2002 das in Australien und Deutschland anerkannte International Baccalaureat vergibt, nahm die Deutsche Schule Melbourne ihren Betrieb im Januar 2008 als Grundschule auf und unterrichtet nun rund 100 Schülerinnen und Schüler in zweisprachigen Klassen.

Circa 90.000 Schüler an australischen Schulen (etwa ein Prozent aller Schüler) lernen Deutsch. Unter den Schülern des aktuellen Abschlussjahrgangs ist Deutsch nach Französisch die beliebteste europäische Fremdsprache, allgemein geht der Trend jedoch in Richtung der asiatischen Sprachen.

Besonders intensiv sind die Beziehungen im Hochschulbereich. Die Anzahl der Kooperationen zwischen australischen und deutschen Hochschulen ist innerhalb der letzten zehn Jahre auf über 550 gestiegen. Deutschland ist damit viertstärkster Kooperationspartner australischer Universitäten weltweit, nach China, den USA und Japan. Der rege Austausch zwischen Universitäten und Wissenschaftlern wird von deutscher Seite durch Stipendienprogramme, vor allem der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), gefördert. Der DAAD unterhält dazu in Sydney ein Informationszentrum und bietet eine erste Anlaufstelle für alle am Forschungs- und Bildungsstandort Deutschland Interessierte. In Deutschland ist das Institut Ranke-Heinemann in Essen und Berlin die Vertretung der australischen und neuseeländischen Universitäten, Schulen und Berufsakademien. Es berät zu allen Fragen rund um das Studium in Australien, ebenso wie die Organisation GOstralia!-GOzealand!.Die durchweg guten bilateralen Beziehungen im Kulturbereich haben durch die hochrangige deutsch-australische Beratergruppe (Australia-Germany Advisory Group) weitere Impulse erhalten: 2017 findet das australische Kulturjahr „Australia Now“ in Deutschland statt, orchestriert vom australischen Außenministerium, dem Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT). Zudem ist Deutschland ein Schwerpunktland der australischen Kulturförderung. Auf Empfehlung der Beratergruppe wird 2017 ein Kooperationsprojekt der Opernhäuser in Canberra und Saarbrücken mit einer großen Operngala im Juli ein besonderes kulturelles Highlight darstellen

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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