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Senegal

Wirtschaft

Charakterisierung der Wirtschaft, Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft des Senegal mit seinen geschätzt 15 Millionen Einwohnern wird von den Bereichen Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Fischerei und Dienstleistungen dominiert. Fast 80 Prozent der Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig. Der wichtigste Wachstumsbereich ist der Dienstleistungssektor (Finanzwesen, Telekommunikation und Immobilien). Der informelle Sektor trägt über 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Über 60 Prozent der Wirtschaftsaktivitäten des Landes konzentrieren sich auf den Großraum der Hauptstadt Dakar.

Bei dem Doing Business Report 2016 gehörte Senegal zu den 10 Ländern mit den meisten Verbesserungen, allerdings steht es noch immer nur auf Platz 153 von 189 bewerteten Ländern. Eines der größten Investitionshemmnisse ist ein nach wie vor überregulierter Arbeitsmarkt, dessen einseitig arbeitnehmerfreundliche Regelungen nicht zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen.

2016 legte das BIP real um 6,6 Prozent zu. Am Wachstum waren primärer (+9,9 Prozent), sekundärer (+6,8 Prozent) und tertiärer (+5,6 Prozent) gleichermaßen beteiligt. Der in den letzten Jahren rückläufige Tourismusbereich erholte sich leicht. Die Inflationsrate lag 2016 bei 1,6 Prozent. Mit einem nominalen Pro-Kopf-Einkommen 965 EUR gehört Senegal zur Gruppe der Least Developed Countries und belegte im Jahr 2015 Platz 25 der ärmsten Länder der Welt.

Während der Anteil der in Armut lebenden Menschen zwischen 2001 und 2005 von 55 auf 48 Prozent gefallen ist, liegt er seit 2011 immer noch bei circa 47 Prozent. Senegal gelang trotz diverser unterstützender Programme für sozial schwache Bevölkerungsgruppen nicht, das Milleniumsziel – Halbierung der Armut – zu erreichen. Dazu hätte es nicht zuletzt eines Wirtschaftswachstums von mindestens 8 Prozent bedurft.

Vor der Küste Senegals wurden Erdöl- und Erdgasfunde gemacht, die in den kommenden Jahren von privaten Investoren erschlossen werden könnten und Senegal unabhängiger von Erdölimporten machen würden.

Die Produktivität der Landwirtschaft und des Fischereisektors sind nach wie vor nicht zufriedenstellend. Die Landwirtschaft wird nicht selten von Klein- und Kleinstbetrieben oder wenig leistungsfähigen Kooperativen getragen, die noch traditionelle Techniken einsetzen. Die Elektrifizierung des ländlichen Raums, der Ausbau der Transportinfrastruktur und die Einrichtung von Kühlketten sollen hier die Marktsituation verbessern. Die Regierung strebt eine Selbstversorgung bei bestimmten Nahrungsmitteln (Reis, Zucker, Gemüse) bis 2017 an. Der Telekommunikations-Sektor trägt etwa 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Er hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Senegal soll inzwischen zu fast 100 Prozent mit Mobiltelefonen ausgestattet sein. Der Bankensektor hat u.a. wegen überhöhter Gebühren eine der größten Gewinnmargen in der Region. Um die Wachstumspotentiale des Tourismus zu verbessern hat die senegalesische Regierung die Visumspflicht abgeschafft und die hohen Flughafengebühren gesenkt. Dies soll den Tourismus wieder ankurbeln.

An der Umsetzung des "Plan Sénégal Emergent" wurde auch 2016 weiter gearbeitet. Er wird auch 2017 bei den staatlichen Maßnahmen und Investitionen im Mittelpunkt stehen.


Internationale Verflechtung, Außenhandel und Investitionen

Das Leistungsbilanzdefizit Senegals hat sich 2016 verringert und belief sich auf -567 Mrd. FCFA (-864,38 Mio. EUR), was 6,5 Prozent des BIP entspricht (2014: noch circa 10 Prozent). Die Außenverschuldung wird für 2015 auf 55,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, das heißt etwa 4,5 Milliarden Euro geschätzt (2014: 4,3 Milliarden Euro). Senegal ist jedoch insgesamt haushaltstechnisch auf einem guten Weg: die Staatseinnahmen (ohne Sondereinnahmen bspw. aus Wechselkursen, Eurobonds oder Zuschüssen der Geber) konnten 2016 um 11,1 Prozent gesteigert werden. Dies ist vor allem der besseren Durchsetzung der Steuergesetze von 2013 sowie der Erweiterung der Steuerbasis zu verdanken. Insgesamt werden die Steuereinnahmen 2016 20,4 Prozent des BIP erreichen. Auch Investitionsausgaben aus internen Ressourcen verzeichneten Zuwächse (18,4 Prozent), während die aus externen Ressourcen leicht rückläufig waren (-0,5 Prozent). 

Senegal verzeichnet ein Außenhandelsdefizit von circa 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Einfuhren von Erdöl und Maschinen sowie Fahrzeugen stiegen. Importierte Nahrungsmittel (z.B. aus Nordafrika, Türkei) sind teilweise immer noch preisgünstiger als Eigenproduktionen.

Der größte Handelspartner Senegals ist nach wie vor die Europäische Union (mit rund einem Drittel des Außenhandels). Hauptursprungsländer der Importe sind Frankreich (etwa 16 Prozent), Niederlande sowie Nigeria und China (jeweils etwa 8 Prozent). Die wichtigsten Exportländer für Senegal sind Mali, Schweiz, Vereinigte Arabische Emirate und Frankreich. Senegal profitiert vom Programm "Alles außer Waffen", welches der Gruppe der Least Developed Countries einen uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglicht. Am 20.11.2014 hat die EU ein 5 Jahre gültiges Fischereiabkommen mit Senegal geschlossen.

Deutschland lieferte 2015 Waren im Wert von 103,8 Millionen Euro nach Senegal, vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge. Die wichtigsten Ausfuhrgüter nach Deutschland sind Fischprodukte und Gemüse. Die Einfuhr aus Senegal belief sich auf 15,7 Millionen Euro. Seit 1966 besteht ein deutsch-senegalesisches Investitionsschutz- und -förderabkommen. Es gibt keine AHK-Vertretung im Land, Besuche von Wirtschaftsdelegationen aus Deutschland sind eher selten.

Senegal gehört der Union Economique et Monetaire Ouest-Africaine (UEMOA) an, die den Franc de la Communauté Financière d'Afrique (FCFA) als gemeinsame Währung hat. Die in Dakar ansässige westafrikanische Zentralbank (Banque centrale des Etats de l’Afrique de l’Ouest, BCEAO) ist für Geldpolitik und Geldversorgung der UEMOA-Länder zuständig und führt die Bankenaufsicht. Die Prioritäten ihrer Geldpolitik sind die Kontrolle der Inflation und die Bewahrung der festen Bindung des FCFA an den Euro (festgelegter Wechselkurs: 1000 FCFA entsprechen 1,52 EUR). Die französische Zentralbank garantiert den festen Wechselkurs des FCFA zum Euro, die BCEAO ist im Gegenzug dazu verpflichtet, 50 Prozent ihrer ausländischen Reserven bei der französischen Staatskasse zu hinterlegen. Gemäß den Statuten der UEMOA können Währungsreserven der einzelnen Mitgliedstaaten (Senegal: 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) nur zur Deckung eines Zahlungsbilanzdefizits der gesamten Union verwendet werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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