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Ungarn

Beziehungen zu Deutschland

Stand: August 2015

Politische Beziehungen

Bereits 1964 eröffnete die Bundesregierung eine Handelsvertretung in Budapest. Nach dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zu den Vereinten Nationen nahmen beide Länder am 21. Dezember 1973 diplomatische Beziehungen auf. Einen Meilenstein für das bilaterale Verhältnis setzte Ungarn, als es am 10. September 1989 seine Grenze zu Österreich für die Flüchtlinge aus der DDR öffnete. Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher versprachen dem „Land, das den ersten Stein aus der Berliner Mauer brach“ tatkräftige Unterstützung bei der Annäherung an die Europäische Union.

Die bilateralen politischen Beziehungen sind eng. Unter­schiedliche Auffassungen zur innenpolitischen Entwicklung oder Finanz- und Wirtschaftspolitik Ungarns werden im Dialog erörtert. Die Beziehungen finden ihren Ausdruck auch in vielfältigen gegenseitigen Besuchen. Zuletzt besuchte Bundeskanzlerin Merkel Ungarn im Februar 2015.


Zusammenarbeit in EU und NATO

Seit 1992 bildet der Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Ungarn über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa eine wichtige Grundlage für die bilateralen Beziehungen. Auf europäischer und multilateraler Ebene wurde die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ungarn durch das Europaabkommen zwischen der Europäischen Union und Ungarn von 1994, die Aufnahme Ungarns in die NATO im März 1999 und den ungarischen EU-Beitritt am 1. Mai 2004 erweitert und vertieft. Daneben arbeiten die beiden Länder in zahlreichen internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der OSZE oder der in Budapest ansässigen Donaukommission eng zusammen.


Deutsch-Ungarisches Forum

Wichtigster regelmäßiger Treffpunkt von Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Kultur aus beiden Ländern ist das Deutsch-Ungarische Forum, das seit 1990 jährlich abwechselnd in Deutschland und Ungarn veranstaltet wird (zuletzt im September 2014 in Budapest). Diskutiert werden dabei nicht nur rein bilaterale Themen, sondern sämtliche Fragen der europäischen Integration und der regionalen Zusammenarbeit. Um das Forum zukünftig noch attraktiver zu gestalten, wurde diese bewährte Plattform des Dialogs im Jahr 2011 durch ein „Junges Deutsch-Ungarisches Forum“ ergänzt.


Parlamentsbeziehungen

Die interparlamentarischen Beziehungen entwickeln sich positiv. Die Ungarisch-Deutsche Freundschaftsgruppe in der Ungarischen Nationalversammlung  zählte zu den größten Parlamentariergruppen und befand sich im intensiven Austausch mit der Deutsch-Ungarischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages. Anlässlich des 20. Jubiläums des deutsch-ungarischen Freundschaftsvertrags verabschiedete die Ungarische Nationalversammlung am 20. Februar 2012 einstimmig eine feierliche Entschließung. Am Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages (IPS) haben seit 1990 weit über 100 junge Ungarinnen und Ungarn teilgenommen. Seit 2008 gibt es das Ungarische Parlamentsstipendium (UPS), ein Programm speziell für junge Deutsche, die die ungarische Politik aus nächster Nähe miterleben möchten.


Deutsche Minderheit

Die deutsche Minderheit ist auf der Basis der Volkszählung 2011 mit ca. 186.000 Personen -laut Selbstangabe- die zweitgrößte Minderheit in Ungarn nach den Roma (Schätzungen liegen jedoch deutlich höher). Bei der Volkszählung gaben ca. 132.000 Personen eine deutsche Nationalität an, ca. 38.000 Deutsch als ihre Muttersprache. Auf der Basis des 2012 verabschiedeten Nationalitäten­gesetzes vertritt die "Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen" (LdU) die politischen Interessen der deutschen Minderheit, besonders auf den Gebieten Bildung und Kultur. Die Bundesregierung leistet tatkräftige Unterstützung bei der Bewahrung des Erbes der Ungarndeutschen. Das ungarische Parlament hat im Dezember 2012 den 19. Januar als Nationalen Gedenktag für die Vertreibung der Ungarndeutschen beschlossen.


Wirtschaftsbeziehungen

Die deutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen sind außerordentlich eng und intensiv. Deutschland war auch im Jahr 2014 mit Abstand wichtigster Handelspartner Ungarns, gefolgt von Österreich, Russland, der Slowakei und Polen. Rund ein Viertel des ungarischen Außenhandels wurde mit Deutschland abgewickelt. Das bilaterale Handelsvolumen betrug im Jahr 2012 rund 38 Mrd. Euro, erreichte im Jahr 2013 ca. 39 Mrd. Euro und stieg 2014 auf rd. 42 Mrd. Euro an.

Deutschland ist der größte ausländische Direktinvestor in Ungarn: 2013 entfiel bei einem Gesamtbestand von ca. 79 Mrd. Euro rund ein Viertel aller ausländischen Direktinvestitionen in Ungarn auf deutsche Unternehmen. Es gibt in Ungarn rund 4.000 ganz oder teilweise mit deutschem Kapital gegründete Unternehmen, die insgesamt über 300.000 Personen beschäftigen. Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass sich die Investitionsbedingungen für die in Ungarn tätigen deutschen Unternehmen nicht verschlechtern.

Die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer (DUIHK) in Budapest vertritt die wirtschaftlichen Interessen von rund 900 Mitgliedsfirmen aus Deutschland und Ungarn. Außerdem vertritt die DUIHK einige Bundesländer in Ungarn. Aktuelle Informationen über den ungarischen Markt sowie Geschäftsmöglichkeiten in Ungarn erhalten deutsche Unternehmen bei Germany Trade and Invest (gtai) in Budapest.


Kultur- und Bildungsaustausch

Das Goethe-Institut (GI), der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und zahlreiche andere Einrichtungen engagieren sich im Kultur- und Bildungsaustausch. Zentrale Themen sind dabei die Förderung der deutschen Sprache, der akademische und schulische Austausch sowie kulturelle Veranstaltungen.

Die deutsche Sprache spielt in Ungarn in den Bereichen Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft eine wichtige Rolle. Das Goethe-Institut Budapest bietet ein umfassendes Kursangebot und verfolgt eine enge Zusammenarbeit mit Schulen in Ungarn. Landesweit nehmen 44 ungarische Schulen an der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) teil. Ungarn ist zudem Projektland im DSD-Programm.

In Budapest besteht seit 1992 die „Deutsche Schule Budapest - Thomas-Mann-Gymnasium“, die als Begegnungsschule auch von vielen ungarischen Schülerinnen und Schülern besucht wird. Am Ungarn­deutschen Bildungszentrum (UBZ) – exzellente deutsche Auslandsschule - in Baja/Frankenstadt können auf Grundlage eines besonderen Abkommens das ungarische und das deutsche Abitur abgelegt werden. Die Audi Hungaria Schule in Györ ist die dritte anerkannte deutsche Auslandsschule in Ungarn.

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) hat derzeit einen Kulturmanager nach Pécs entsandt.

Das deutsch–ungarische Kulturabkommen trat am 18. April 2005, das Filmabkommen über Beziehungen im audiovisuellen Bereich am 6. Dezember 2008 in Kraft. Es besteht zudem ein deutsch-ungarisches Abkommen über die jugendpolitische Zusammenarbeit vom 18.10.1993.


Akademischer Austausch

Jährlich halten sich einige Tausend Ungarn im Rahmen von Studien- und Forschungsaufenthalten in Deutschland auf. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) unterstützt diesen Austausch durch Stipendien. Der DAAD hat derzeit zwölf deutsch­sprachige Lektorinnen und Lektoren sowie zwei Sprachassistentinnen an ungarische Universitäten und Hochschulen entsandt. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) vergibt Forschungsstipendien an ungarische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, fördert wissenschaftliche Konferenzen und übergibt Gerätespenden an wissenschaftliche Einrichtungen.

Die Andrássy Universität Budapest (AUB) wurde 2001 gegründet und ist die einzige vollständig deutschsprachige Universität außerhalb des deutschen Sprachraums. Als europäische Universität in Ungarn wird sie von fünf Partnerländern getragen (Bundesrepublik Deutschland, Freistaat Bayern, Land Baden-Württemberg, Republik Österreich, Ungarn) und auch von der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie von der autonomen Region Trentino-Südtirol gefördert. In den deutsch-ungarischen Beziehungen gilt sie als „Leuchtturmprojekt“. Als erste Universität außerhalb Deutschlands wurde die AUB nach deutschen Regeln und Kriterien akkreditiert. In Ungarn wurde sie 2013 in das nationale Exzellenzprogramm ungarischer Hochschulen aufgenommen und darf sich seitdem als „University of National Excellence“ bezeichnen.

Rund 200 Studierende und zahlreiche WissenschaftlerInnen aus über 20 Nationen studieren, lehren und forschen an der AUB. Das interdisziplinäre Studienangebot mit Europa-Fokus umfasst Master- und postgraduale Studiengänge in den Bereichen Geschichte, Kultur, Politik, Recht, Wirtschaft und Verwaltung sowie ein interdisziplinäres Ph.D. – Programm in Geschichts-, Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. 


Wissenschaft und Forschung 

Die im September 2004 unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung und Intensivierung der Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung“ bildet die Grundlage für die Fortschreibung der deutsch-ungarischen Beziehungen in Wissenschaft und Forschung.

Größere Kooperationsprojekte entstanden zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) sowie der Ungarischen Stiftung für Wissenschaftliche Forschung (OTKA), zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), der Max-Planck-Gesellschaft und der MTA. Aktuelles Beispiel dafür ist die Gründung des Fraunhofer Projektzentrums für Produktionsmanagement und -informatik in Budapest. Darüber hinaus ist die deutsch-ungarische Zusammenarbeit im Hochschulbereich, die sich einer jahrhundertelangen Tradition erfreut, von herausragender Bedeutung. Es gibt gegenwärtig mehr als 300 Partnervereinbarungen zwischen Universitäten und Hochschulen beider Länder. Der hohe Anteil ungarischer Studenten, Professoren und Wissenschaftlern an deutschen Stipendien und Forschungspreisen (z.B. von DAAD, AvH) deutet auch auf die traditionell gute Zusammenarbeit und auf die gegenseitige Anerkennung der Bildungs- und Forschungstätigkeit in Deutschland und Ungarn hin. Auch deutsche Firmen greifen gern auf die traditionell gute Ausbildung ungarischer Fachleute zurück und suchen nach Kooperation insbesondere im Bereich der Ingenieurwissenschaften (vor allem Maschinenbau, Automatisierung, Elektronik), Informatik und Naturwissenschaften.

Das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm und das 2014 gestartete „Horizont 2020“ bieten weitere Instrumente zur Umsetzung gemeinsamer Ziele und zum Ausbau einer wettbewerbsfähigen europäischen Forschungslandschaft. Damit werden auch Möglichkeiten für multinationale Großprojekte geschaffen. Die Vernetzung deutscher und ungarischer Wissenschaftler soll sich durch die „Knowledge and Innovation Communities“ des seit 2010 in Budapest angesiedelten Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) weiter intensivieren.


Umweltschutz

Die deutsch-ungarische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes ist vielfältig. Zahlreiche gemeinsame Projekte auf der Grundlage des entsprechenden Regierungsabkommens beider Länder, z.B. im Bereich Abwasserreinigung, Kanalisation, Schlammentsorgung, Hochwasserschutz, Abfallbehandlung, „Forschung für Nachhaltigkeit“, Nutzung erneuerbarer Energien und Klimaforschung, sind Belege hierfür.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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