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Aserbaidschan

Wirtschaft

Stand: Juni 2015

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. 2014 wurde mit +2,5% ein leichtes Wachstum erzielt (das Öl-/Gas-BIP fiel um 3,4%; das Nicht-Öl-/Gas-BIP stieg um 7%). Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft macht Fortschritte. Der Output der Nichtöl-Industrien steigt stetig. Der Bausektor trug 12% zum BIP bei. Die Landwirtschaft Aserbaidschans bleibt mit einem Anteil von 5,3% des BIP (mit Forstwirtschaft/ Jagd/ Fischerei) noch weit unter ihrem Potenzial; sie beschäftigt  über ein Drittel der Aserbaidschaner.


Erdöl- und Erdgasförderung

Die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen werden mit 2 Mrd. t und die Erdgasreserven mit 2.550 Mrd. Kubikmeter (cbm) angegeben.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2014 bei 42,4 Mio. t (Höhepunkt war im Jahr 2010 mit über 50 Mio t). Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Aus dem größten Erdgasfeld „Shah Deniz“ wird seit Ende 2006 gefördert. 2014 wurden insgesamt 18,7 Mrd. cbm gefördert, bis zum Jahr 2020 soll das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr, bis 2025 auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, von denen die Hälfte exportiert werden soll. Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent wie als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus „Shah-Deniz“ wird zum Teil über die „Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline“ (BTE) in die Türkei und  weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des „Vertrags des Jahrhunderts“ wurde der Grundstein für den „Südlichen Gaskorridor“ gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die „Transadriatische Pipeline“ (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf ca. 45 Mrd. USD. Ende September 2013 haben 11 europäische Energie-Unternehmen, darunter E.ON, langfristige Abnahmeverträge für Gaslieferungen aus Aserbaidschan unterzeichnet. Gegen den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan, die in den Südlichen Korridor einbezogen werden soll, werden von russischer und auch iranischer Seite rechtliche Einwände erhoben (umstrittener Status des Kaspischen Meeres).


Wirtschaftsentwicklung und Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete 2014 einen Handelsbilanzüberschuss von 13,75 Mrd. USD (offizielle Angabe des aserbaidschanischen Statistikamtes). Wichtigster Handelspartner ist die EU, in die 2014 53,4% aller Ausfuhren – zu über 90% Erdöl – gingen. Importe aus der EU machten 33,8% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 3,8% der Exporte und 22,8% der Gesamtimporte. Fossile Energieträger trugen 2014 38% zum BIP von 67 Mrd. Euro bei; Ihr Anteil an den Exporten lag bei 93%. Eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die jährliche in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Im Jahr 2014 bezog Deutschland Erdöl im Wert von ca. 2,3 Mrd. Euro aus Aserbaidschan. Damit lag das Land auf Platz 7 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands. Im Jahr 2013 wurden für 833 Mio. Euro Güter aus Deutschland nach Aserbaidschan ausgeführt. Deutschland ist drittgrößter Exporteur nach Aserbaidschan hinter Russland und der Türkei.


Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die Staatseinnahmen beliefen sich 2014 auf 18,4 Mrd. AZN (entspricht 20,24 Mrd. Euro), wovon 54% vom Ölfonds SOFAZ bestritten werden. Bei budgetierten Ausgaben von 20,1 Mrd. AZN konnte die Regierung das staatliche Investitionsprogramm ausweiten. Schwerpunkte sind Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellen Angaben 2014 auf 1,4%; Mit einem  Anstieg im Laufe des Jahres 2015 wird gerechnet. Die Auslandsverschuldung betrug im Oktober 2014 6,4 Mrd. USD, entsprechend 8,5% des BIP. Sie stieg als Folge der Abwertung auf ca. 11 Mrd USD an. Die staatlichen Währungsreserven erreichten im November 2014 17 Mrd. USD und fielen bis zum Datum der Abwertung auf ca. 13 Mrd USD.  Zusammen mit dem Staatlichen Ölfonds SOFAZ verfügt Aserbaidschan über strategische Reserven von etwa 49,4 Mrd. USD.


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