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Aserbaidschan

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. Der Einbruch der Weltölpreise belastet die überwiegend auf Öl-und-Gasexporte angewiesene aserbaidschanische Wirtschaft stark. Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank die rigide Stützung des Wechselkurses der Landeswährung aufgegeben und ist zum „managed floating“ übergegangen. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro. Im Zeitraum Januar-September 2016– schrumpfte die Wirtschaft um 3,9% (im Nicht-Öl Sektor um 6,1%) Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft ist erklärtes Ziel der Regierung.: Der Bausektor hat einen Anteil von 19,1% des BIP und der Groß- und Einzelhandel von 15,8%;der Anteil der Landwirtschaft Aserbaidschans (mit Forstwirtschaft/Jagd/Fischerei) hat sich von rund 5% auf fast 10% verdoppelt; in diesem Wirtschaftszweigsind fast 40% der Aserbaidschaner beschäftigt.


Erdöl- und Erdgasförderung

Nach aktuellen Angaben des Erdölkonzerns BP werden die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen auf 7,0 Mrd. Barrel und die Erdgasreserven auf 1,1 Bill. cbm beziffert.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2015 bei 41,6 Mio. t, 2016 wird mit einer ähnlich großen Menge gerechnet (Höhepunkt war im Jahr 2010 mit über 50 Mio. t). Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Aus dem größten Erdgasfeld 'Shah Deniz' wird seit Ende 2006 gefördert. 2016 wird mit einer Fördermenge von rund 30 Mrd. cbm Gas gerechnet. Somit wurde das Ziel, bis zum Jahr 2020 das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr zu erhöhen, frühzeitig erreicht. Bis 2025 soll die Menge auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, davon soll die Hälfte exportiert werden. Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent und als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus 'Shah-Deniz' wird zum Teil über die Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline (BTE) in die Türkei und weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des 'Vertrags des Jahrhunderts', wurde der Grundstein für den Südlichen Gaskorridor gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die Transadriatische Pipeline (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. In der 1. Phase, ab 2020, wird mit 10 Mrd. cbm/Jahr gerechnet. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf ca. 45 Mrd. USD. Ende September 2013 haben 11 europäische Energie-Unternehmen, darunter E.ON, langfristige Abnahmeverträge für Gaslieferungen aus Aserbaidschan unterzeichnet. Gegen den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan, die in den Südlichen Korridor einbezogen werden soll, werden von russischer und auch iranischer Seite rechtliche Einwände erhoben (umstrittener Status des Kaspischen Meeres).


Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete 2015 einen Handelsbilanzüberschuss von 2,2 Mrd. USD. Ein wichtiger Handelspartner ist die EU, in die 2015 ca. 50% aller Ausfuhren gingen. Importe aus der EU machten rund 20% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 7% der Exporte und rund 20% der Gesamtimporte. Der Exportanteil an fossilen Energieträgern liegt bei rund 90% und trug 2015 28,2% zum BIP bei. Eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die jährliche in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Bis Juli 2016 bezog Deutschland Erdöl im Wert von knapp 94 Mio. Euro aus Aserbaidschan. Damit liegt das Land derzeit auf Platz 5 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.


Haushalt und Finanzen

Die Staatseinnahmen belaufen sich 2016 voraussichtlich auf 2,9 Mrd. USD, wovon ein Großteil aus dem Ölfonds SOFAZ transferiert wird. Bei budgetierten Ausgaben von 6,7 Mrd. USD können allerdings staatliche Infrastrukturinvestitionen nicht in dem Ausmaß vorgenommen werden, wie geplant. Schwerpunkte sind Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellenAngaben für Januar-September 2016 auf 11,2%; in 2015 waren es noch 4,2%. Die Auslandsverschuldung betrug im  Juli 20167,6 Mrd. USD, entsprechend 20,0% des BIP (782.6 USD pro Kopf). Die staatlichen Währungsreserven erreichten im Juli 2016 4,3 Mrd. USD.

Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank die rigide Stützung des Wechselkurses der Landeswährung aufgegeben und ist zum „managed floating“ übergegangen. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro.


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