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Aserbaidschan

Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. 2013 wurde mit +6% ein deutliches Wachstum erzielt (das Öl-/Gas-BIP stieg um 1,1%; das Nicht-Öl-/Gas-BIP um 10%). Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft macht Fortschritte. Der Output der Nichtöl-Industrien ist aber noch gering. Der Bausektor trug 12% zum BIP bei. Die Landwirtschaft Aserbaidschans bleibt mit einem Anteil von 5,3% des BIP (mit Forstwirtschaft/ Jagd/ Fischerei) weit unter ihrem Potenzial; sie beschäftigt aber fast 40% der Aserbaidschaner.


Erdöl- und Erdgasförderung

Die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen werden mit 2 Mrd. t und die Erdgasreserven mit 2.550 Mrd. Kubikmeter (cbm) angegeben.

Die Erdölförderung ist im Jahr 2013 mit über 43 Mio. t erstmals seit 2010 wieder leicht angestiegen. Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Das größte Erdgasfeld „Shah Deniz“ wird seit Ende 2006 gefördert. 2013 wurden insgesamt 17,9 Mrd. cbm gefördert, bis zum Jahr 2017 soll das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr, bis 2025 auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, von denen die Hälfte exportiert werden soll. Aserbaidschan will seine Chancen als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus „Shah-Deniz“ wird zum Teil über die „Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline“ (BTE) in die Türkei und von dort aus weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des „Vertrags des Jahrhunderts“ wurde der Grundstein für den „Südlichen Gaskorridor“ gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die „Transadriatische Pipeline“ (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf ca. 45 Mrd. USD. Ende September 2013 haben 11 europäische Energie-Unternehmen, darunter E.ON, langfristige Abnahmeverträge für Gaslieferungen aus Aserbaidschan unterzeichnet. Gegen den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan, die in den Südlichen Korridor einbezogen werden soll, werden von russischer und auch iranischer Seite rechtliche Einwände erhoben (umstrittener Status des Kaspischen Meeres).


Wirtschaftsentwicklung und Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete 2013 einen Handelsbilanzüberschuss von 13,27 Mrd. USD (offizielle Angabe des aserbaidschanischen Statistikamtes). Wichtigster Handelspartner ist die EU, in die 2013 48,1% aller Ausfuhren – zu über 90 % Erdöl – gingen. Importe aus der EU machten 35,1% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 6,3% der Exporte und 23,8% der Gesamtimporte. Die extrahierende Industrie trug 2013 44% zum BIP von 57 Mrd. Euro bei. Der Anteil der fossilen Energieträger an den Exporten lag bei 93%. Die wichtigste Messe in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die alljährlich Anfang Juni in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Im Jahr 2013 bezog Deutschland Erdöl im Wert von ca. 2,2 Mrd. Euro aus Aserbaidschan. Damit lag das Land auf Platz 7 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands. Im Jahr 2013 wurden für 833 Mio. Euro Güter aus Deutschland nach Aserbaidschan ausgeführt. Deutschland ist drittgrößter Exporteur nach Aserbaidschan hinter Russland und der Türkei.


Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die Staatseinnahmen beliefen sich 2013 auf 19,85 Mrd. AZN (entspricht 18,3 Mrd. Euro), wovon 58% vom Ölfonds SOFAZ geleistet werden. Bei budgetierten Ausgaben von 19,11 Mrd. AZN konnte die Regierung das staatliche Investitionsprogramm ausweiten. Schwerpunkte sind Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung/ Abwasserentsorgung, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation stieg nach offiziellen Angaben 2013 auf 2,4%. Die Auslandsverschuldung betrug im April 2013 8,5 Mrd. USD, entsprechend 11% des BIP. Die staatlichen Währungsreserven erreichten 2013 15 Mrd. USD. Zusammen mit dem Staatlichen Ölfonds SOFAZ verfügt Aserbaidschan über strategische Reserven von etwa 50,8 Mrd. USD.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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