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Aserbaidschan

Wirtschaft

Stand: April 2016

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. 2015 wurde mit +1,1% ein leichtes Wachstum erzielt. Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft macht Fortschritte. Der Output der Nichtöl-Industrien steigt stetig. Die Landwirtschaft Aserbaidschans bleibt mit einem Anteil von rund 5% des BIP (mit Forstwirtschaft/Jagd/Fischerei) noch weit unter ihrem Potenzial; sie beschäftigt  über ein Drittel der Aserbaidschaner.


Erdöl- und Erdgasförderung

Die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen werden mit 2 Mrd. t und die Erdgasreserven mit 2.550 Mrd. Kubikmeter (cbm) angegeben.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2015 bei 41,6 Mio. t (Höhepunkt war im Jahr 2010 mit über 50 Mio t). Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Aus dem größten Erdgasfeld 'Shah Deniz' wird seit Ende 2006 gefördert. 2015 wurden insgesamt 18,9 Mrd. cbm gefördert, bis zum Jahr 2020 soll das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr, bis 2025 auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, davon die Hälfte exportiert. Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent wie als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus 'Shah-Deniz' wird zum Teil über die Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline (BTE) in die Türkei und weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des 'Vertrags des Jahrhunderts', wurde der Grundstein für den Südlichen Gaskorridor gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die Transadriatische Pipeline (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf ca. 45 Mrd. USD. Ende September 2013 haben 11 europäische Energie-Unternehmen, darunter E.ON, langfristige Abnahmeverträge für Gaslieferungen aus Aserbaidschan unterzeichnet. Gegen den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan, die in den Südlichen Korridor einbezogen werden soll, werden von russischer und auch iranischer Seite rechtliche Einwände erhoben (umstrittener Status des Kaspischen Meeres).


Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete 2014 einen Handelsbilanzüberschuss von 13,75 Mrd. USD (offizielle Angabe des aserbaidschanischen Statistikamtes). Wichtigster Handelspartner ist die EU, in die 2014 53,4% aller Ausfuhren – zu über 90% Erdöl – gingen. Importe aus der EU machten 33,8% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 3,8% der Exporte und 22,8% der Gesamtimporte. Fossile Energieträger trugen 2014 38% zum BIP von 67 Mrd. Euro bei; Ihr Anteil an den Exporten lag bei 93%. Eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die jährliche in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Im Jahr 2014 bezog Deutschland Erdöl im Wert von etwa 2,3 Mrd. Euro aus Aserbaidschan. Damit lag das Land auf Platz 7 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.


Haushalt und Finanzen

Die Staatseinnahmen beliefen sich 2014 auf 18,4 Mrd. AZN (entspricht 16,45 Mrd. Euro), wovon 54% aus dem Ölfonds SOFAZ transferiert werden. Bei budgetierten Ausgaben von 20,1 Mrd. AZN konnte die Regierung das staatliche Investitionsprogramm ausweiten. Schwerpunkte sind Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellen Angaben 2014 auf 1,4%; mit einem Anstieg im Laufe des Jahres 2015 wird gerechnet. Die Auslandsverschuldung betrug im Oktober 2014 6,4 Mrd. USD, entsprechend 8,5% des BIP. Sie stieg als Folge der Abwertung im Februar 2015 auf ca. 11 Mrd. USD an. Die staatlichen Währungsreserven erreichten im November 2014 17 Mrd. USD und fielen bis zum Spätsommer 2015 auf ca. 9 Mrd USD.

Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank den Wechselkurs der Landeswährung freigegeben. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro.


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