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Argentinien

Wirtschaft

Stand: März 2017

Wirtschaftsstruktur

Argentinien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 604 Milliarden US-Dollar (2015) die größte Volkswirtschaft des spanischsprachigen Südamerikas. In Lateinamerika sind lediglich Brasilien und Mexiko wirtschaftlich bedeutender. Argentinien verfügt über eine im Regionalvergleich relativ gut entwickelte Industrie; wichtigste Sektoren sind die3 Nahrungsmittelindurstrie und die Automobilindustrie (u.a. Volkswagen und Daimler), die wesentliche Anteile der Produktion nach Brasilien exportiert.

Die verarbeitende Industrie, Immobilien/Unternehmensdienstleistungen sowie der Handel tragen jeweils rund 10% zum BIP bei. Der Beitrag der reinen Land- und Forstwirtschaft zum BIP liegt bei knapp 5%; allerdings wird geschätzt, dass rund 1/3 der Arbeitsplätze direkt oder indirekt (zum Beispiel Transport, Verpackung) im Zusammenhang mit der Agrarindustrie stehen. Auch bei den Exporten dominiert der Anteil der Nahrungsmittel (rund 45%) deutlich vor Auto(teile)-Exporten (um 10%).

Insgesamt ist die Bedeutung des Außenhandels für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Argentiniens etwas geringer als in Brasilien, mit einer Außenhandelsquote von knapp 20% des BIP bei einer Exportquote von etwa 10%. Bei der Einkommensverteilung liegt Argentinien mit einem Gini-Koeffizienten von rund 42 weltweit weiter im unteren (alos ungleicheren) Drittel, ähnlich wie Uruguay, etwas besser als die Nachbarn Brasilien, Chile und Paraguay. Nach Zahlen des in 2016 neu formierten statistischen Bundesamtes (INDEC) liegt die Arbeitslosenquote bei rund 9% und die Armutsquote bei ca. 30%.

Argentinien ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO (Ministerialkonferenz im Dezember 2017 findet in Buenos Aires statt), IWF, Weltbank, G-20 (Vorsitz 2018), sowie auf regionaler Ebene Mercosur und ALADI (Lateinamerikanische Integrationsvereinigung). Eine Mitgliedschaft in der OECD wird angestrebt.


Aktuelle Wirtschaftslage

Mit der Wahl von Maurico Macri zum Präsidenten Argentiniens im November 2015 hat sich die Grundausrichtung der Wirtschaftspolitik grundlegend geändert. Nach 12 Jahren protektionistischer Politik unter Néstor und Cristina Kirchner setzt die neue Regierung auf Liberalisierung und Weltmarktintegration. Der Start der neuen Regierung wurde durch erhebliche Erblasten der vorangegangenen Regierung (steigende Neuverschuldung, abgeschmolzene Devisenreserven, Einbrüche bei Wachstum, Industrieproduktion, Exporten) und ein international wenig hilfreiches Umfeld erschwert (tiefe Rezession beim Haupthandelspartner Brasilien, Zinswende in den USA, Wachstumsrückgang in China).

Ende 2015/Anfang 2016 hat die Regierung Macri erfolgreich Devisenbeschränkungen gelockert, Importrestriktionen weitgehend außer Kraft gesetzt, Exportsteuern aufgehoben oder abgesenkt (Soja von 35 auf 30%), das Wechselkursregime vereinheitlicht und den Kurs des Pesos freigegeben (Abwertung um 40%). Im April 2016 gelang zudem eine Lösung des seit Jahren schwelenden Konflikts mit einer Gruppe von US-amerikanischen Privatgläubigern. 

In 2016 befand sich Argentinien in einer Anpassungsrezession, mit einem Rückgang des BIP für 2016 um 2,2%.Insbesondere die strategisch wichtigen Sektoren Bau (-13%), Automobil- (-10%) und Industrieproduktion (-5%) hatten überproportionale Einbußen zu verbuchen.

Ende 2016 deuten erste Indikatoren auf eine Trendwende und eine Erholung der Konjunktur hin. So stieg die Kfz-Produktion im November erstmals seit 32 Monaten wieder und auch der Bausektor, getrieben durch öffentliche Bauten, zeigt Zeichen der Erholung. Experten gehen von einem BIP-Wachstum von etwa 2,5% für 2017 aus, angetrieben durch die erfolgreiche Steueramnestie für nicht deklarierte (Auslands-) Vermögen, (ausländische Direkt-) Investitionen und die Erholung des Konsums. 

Die Inflation war auch 2016 auf hohem Niveau. Langfristig sinnvolle Maßnahmen wie die Wechselkursfreigabe und der Abbau von Subventionen - zum Beispiel bei Strom und Gas - haben die Teuerung kurzfristig weiter angeheizt. Die Jahresinflation verfehlte die angestrebten 25% und liegt zu Jahresende bei rund 40%; allerdings lag die monatliche Inflation ab August wie von der Regierung erhofft bei durchschnittlich unter 2%.


Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Dessen ist sich auch die neue Regierung unter Präsident Macri bewusst. Daher leitete sie gleich nach Amtsantritt eine grundlegende Kehrtwende in der Agrarpolitik ein. Sie hob die bestehenden Exportquoten für Agrarprodukte auf und schaffte nahezu alle Ausfuhrabgaben auf landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dies hat zunächst einen Anstieg der Getreide- und Sojaexporte ausgelöst und einen Einkommensanstieg sowie einen Investitionsschub in die Landwirtschaft bewirkt.

Anfang 2017 leitete Präsident Macri mit einem speziellen Programm die zweite Phase zur Stärkung der Land- und Ernährungswirtschaft ein. Das Programm mit einem Umfang von rund 430 Millionen Euro sieht die Einführung von Ausfuhrerstattungen vor, die Einrichtung eines neuen Agrarinvestitionsfonds sowie Maßnahmen zur Verbesserung der argentinischen Ernährungswirtschaft.

Ziel der Regierung ist es, Argentiniens Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Exporteur hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Das Programm soll vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze schaffen. Auf diese Weise soll die Land- und Ernährungswirtschaft einen spürbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung des Landes leisten.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Rund 60 Prozent der gesamten Ausfuhren werden in der Landwirtschaft erzeugt. Weltweit rangiert Argentinien als der elftgrößte Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Rein rechnerisch kann die Landwirtschaft Argentiniens mit ihrer Produktion rund 400 Mio. Menschen ernähren.

Von allen Produktionszweigen ist die Sojabohne die mit Abstand wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rd. 60% der Ackerbaufläche angebaut. Dabei überwiegt das Direktsaatverfahren (Daten für 2016/17: ca. 20 Mio. ha, voraussichtliche Erntemenge ca. 54 Mio. Tonnen). Soja ist zudem auch das wichtigste Exportprodukt des Landes. Sie wird insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt. Außerdem gehört Argentinien neben Brasilien zu den wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Biodiesel produziert das Land auch aus Sojaöl.  

Getreidekulturen, vor allem Mais (2015/16: 35 Mio. t) und Weizen (2015/16: 11 Mio. t) sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Die Gesamtmenge der Getreide- und Ölsaatenernte wird in 2015/16 auf etwa 108 Mio. Tonnen geschätzt, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von rund 12 % entspricht. Das ist im Mehrjahresvergleich eine eher unterdurchschnittliche Ernte, die vor allem wegen ungünstiger Witterungsbedingungen so niedrig ausfiel. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien dennoch nach wie vor zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien auch aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, seine unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern.  

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Erste Daten der Bestandzahlen deuten auf eine spürbare Belebung. Die von der neuen Regierung eingeführten Ausfuhrerstattungen sollen dazu beitragen, die Rindfleischexporte zu beflügeln. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristig zu verzehnfachen, von derzeit 1,1 Mrd. US-Dollar auf 10,5 Mrd. US-Dollar in 2025. 

In der Milcherzeugung sowie Schweine- und Geflügelproduktion ist Argentinien auf den internationalen Märkten gegenwärtig allerdings noch nicht wettbewerbsfähig. Diese Produktionszweige sind die Sorgenkinder von Agrarminister Buryaile - und werden es auf absehbare Zeit bleiben. Wesentlicher Grund dafür sind vor allem strukturelle Probleme. Um diese zu überwinden, sind umfangreiche Investitionen erforderlich, die der Sektor auf dem aktuellen Stand von sich aus nicht erwirtschaften kann und daher auf Fremdinvestitionen angewiesen sein wird. 

Darüber hinaus sind Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein sowohl in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung.

Erwähnenswert ist, dass die neue argentinische Regierung sich auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. Staatssekretärin Marisa Bircher hat Anfang des Jahres in Vertretung von Agrarminister Ricardo Buryaile am G20-Agrarministertreffen in Berlin, am Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2017 sowie an der 9. Berliner Welternährungskonferenz teilgenommen. Darüber hinaus unterzeichnete sie ein bilaterales Arbeitsprogramm mit acht Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen) zwischen dem deutschen und argentinischen Landwirtschaftsministerium. 


Außenhandel

Haupteinnahmequelle für Devisenzuflüsse sind die Agrarexporte. Die einheimische Industrie benötigt viele importierte Rohstoffe, Zwischenprodukte und Kapitalgüter.

2015 exportierte Argentinien Waren im Wert von 56,75 Milliarden US-Dollar. -Der Rückgang von 17% gegenüber 2014 fußt im Wesentlichen auf niedrigeren Preisen, nicht Volumina. Auch die geringen Exporte im ersten Halbjahr 2016 von 2,6% gehen auf die niedrigeren Preise zurück. Unter den Exportgütern Argentiniens stehen traditionell Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel im Vordergrund. 2014 und 2015 lagen sie mit rund 60% aller Ausfuhren an der Spitze (in erster Linie Tierfutter, Getreide, Fette und Öle, Ölsaaten und -früchte, Fleisch und Fleischwaren). Industriegüterexporte (vor allem Kfz und Chemie) machten 2015 32% der Ausfuhren aus, Kraftstoffe und Energie 4%.

Die Einfuhren für 2015 belaufen sich auf 59,79 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang um 8% ist auf einen Preisverfall zurückzuführen. Unter den Importgütern Argentiniens stehen 2015 mit rund 40% Kapitalgüter (Maschinen und Maschinenteile) an der Spitze. Rohstoffe und Zwischenprodukte für die weiterverarbeitende Industrie machten 20% aus, während sich die Konsumgüter auf 11% beziffern. 

Erstmals im neuen Jahrtausend verzeichnete Argentinien in 2015 ein Außenhandelsdefizit von 3.035 Millionen US-Dollar, was in etwa 0,5% des BIP entspricht. Das 1. Halbjahr 2016 hingegen verzeichnete einen Handelsbilanzüberschuss von 479 Millionen US-Dollar.

Nach Handelsblöcken unterteilt gingen 2015 24% aller argentinischen Exporte in den MERCOSUR, 23% an ASEAN und China, Südkorea, Japan, Indien,  15% an die EU und 10% an NAFTA. Unter den einzelnen Abnehmerländern liegt Brasilien mit 17,8% an erster Stelle, gefolgt von China mit 9,5% und den USA und Chile mit 6,0% bzw. 4,2%. Bei den argentinischen Importen dominierten 2015 die Handelsblöcke ASEAN und China, Südkorea, Japan, Indien mit 28%, gefolgt von Mercosur mit 23% und der EU und NAFTA mit jeweils 17%. Als Hauptlieferländer dominieren Brasilien mit 21,8% und China mit 19,7%, gefolgt von den USA mit 12,9% und Deutschland mit 5,2%.

Deutschland rangiert weiter als viertwichtigstes Herkunftsland argentinischer Importe, fiel aber unter den Abnehmerländern für argentinische Exporte von Rang neun auf zwölf zurück. Das bilaterale Handelsvolumen ist 2015 um 3,3% angewachsen, basierend auf den gesteigerten deutschen Ausfuhren nach Argentinien.   Deutschland wies für 2015 einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber Argentinien von rund 1,1 Milliarden USD auf.


Haushalts- und Finanzpolitik

Das primäre Haushaltsdefizit war 2015 auf über 5,4% des BIP gestiegen; Negativrekord seit 1988. . Die Umsetzung der Wahlversprechen der neuen Regierung (namentlich Aufhebung der Exportsteuern) sowie ausgabenwirksame Neuvorhaben der Regierung (unter anderem Rentenanpassung, Länderfinanzausgleich, Wohnungsbauförderung) erschwerendie Einhaltung des angesetzten Primärdefizits für 2016 von 4,8%, welches letztendlich nur au Grund der Mehreinnahmen durch die Stueramnestie eingehalten werden könnte.

Die Devisenreserven der argentinischen Zentralbank sind im Laufe des Jahres 2015 auf rund 25 Milliarden US-Dollar abgeschmolzen. Bis Ende 2016 wuchsen die Reserven, auf Grund der Aufnahme von internationalen Krediten, auf über 40 Milliarden US-Dollar an. 

Die Regierung Macri setzt auf eine Zusammenarbeit mit dem IWF, inklusive Einblick in die Bilanzen der Zentralbank. Der IWF konnte im Rahmen des Monitoring im zweiten Semester 2016 bestätigen, dass die Daten des neustrukturierten staatlichen Statistikamtes (INDEC) nun internationalen Standards entsprechen und die Sanktionen aufheben, die wegen der politisch motivierten Manipulationen namentlich bei der Berechnung von Inflations- und Lebenshaltungskosten in der Kirchner-Ära verhängt worden waren. Damit verfügt Argentinien wieder über belastbare Basisdaten.    

Pariser Club: Argentinien hat seit dem Abschluss der Schuldenregelung mit den öffentlichen Gläubigern im Jahr 2014 die vereinbarten Minimal-Verpflichtungen eingehalten; so wurde auch der Mindesttilgungsbetrag für Deutschland per 30.05.2016 pünktlich bedient. 

Nach nur wenigen Monaten im Amt erzielte die Regierung Macri eine Einigung mit den sogenannten "holdouts" in Bezug auf die bislang nicht umgeschuldeten Altschulden privater Gläubiger. Zur Rückzahlung von circa 9 Milliarden US-Dollar erteilte der Kongress die Zustimmung über die Neuverschuldung auf dem internationalen Kreditmarkt in Höhe von rd. 16 Milliarden US-Dollar, mit durchschnittlichem Zinssatz von knapp über 7% bei Laufzeiten von 3-30 Jahren. Durch diese  Regelung hat Argentinien wieder Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Auch die multilateralen Banken (Weltbank, IDB, CAF) haben angekündigt ihr Engagement in Argentinien auszuweiten. In 2016 rechnete Argentinien mit Kreditlinien der internationalen Finanzinstitutionen in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar. 

Bilaterale Abkommen: Deutschland und Argentinien streben die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein modernisiertes Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein umfassendes Sozialversicherungsabkommen an.


Energie

Der argentinische Primärenergiebedarf wird gegenwärtig zu 85% von fossilen Trägern gedeckt (51% Gas, 33% Erdöl). In den vergangenen Jahren gingen die Öl- und Gasreserven aufgrund fehlender Investoren deutlich zurück. In 2015 stieg der Elektrizitätsverbrauch um 4,5% im Jahresvergleich auf 136.870 GWh. Aufgrund der Tarifanpassungen stagnierte die Nachfrage im Jahre 2016 auf ca. 136.800 GWh. Die gesamte installierte Leistung beträgt 33.840 MW. Auf Grund der verringerten Leistungskapazität stehen davon nur 25.400 MW zur Verfügung. Der Energiemix setzte sich 2016 aus 61,4% Wärmekraft (fossile Treibstoffe); 31,4% Wasserkraft; 5,2% Nuklearenergie und 2% erneuerbare Energien (insg. 700 MW, davon 8 MW Solar, 187 MW Wind, 488 MW kl. Wasserkraftwerke und 1,7 MW Biogas) zusammen. 1,2%  des Strombedarfs wird importiert.

Das Land ist trotz vielversprechender heimischer Energierohstoffvorkommen – vor allem bei Schiefergas und -öl (hier nimmt Argentinien Platz 2 und 4 der weltweiten Vorkommen ein) – auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, um die wachsende Nachfrage zu decken.  Die defizitäre Energiehandelsbilanz betrug 2016 trotz relativ niedriger Erdölpreise noch rund 2,8 Mrd. US-Dollar (2015: 4,8 Mrd. US-Dollar).

Trotz Tarifanpassungen in 2016 liegen die Subventionen im Energiesektor in 2016 bei rund 14 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 53% gegenüber Vorjahr. Damit machten sie gut 72% der gesamten Staatssubventionen aus.

Argentinien muss in den nächsten 20 Jahren mindestens 1.500 MW jährlich an zusätzlicher Stromerzeugungskapazität ans Netz bringen, um die um etwa 4% jährlich wachsende Stromnachfrage decken zu können. Ferner ist man gezwungen, die finanziell untragbare Belastung des Energiehandelsdefizits kurzfristig zu beheben. 

Die neue Regierung beabsichtigt, mit privaten Investitionen den Anteil der Erneuerbaren Energien am Energiemix bis 2025 von 2 auf 20% auszubauen und setzt dabei vor allem auf Windpotentiale im Süden und Sonnenressourcen im Nordwesten. In drei Jahren sollen 3.000 MW und bis 2025 insgesamt 10.000MW aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. 

In Rahmen einer ersten Ausschreibungsrunde über 1000 MW wurden Lizenzen für 17 Projekte für insgesamt 1.109 MW vergeben; davon 708 MW Wind, 400 MW Solar und 1,2 MW Bioenergie. Dies entspricht einer Stromerzeugung von 3.970 GWh/Jahr, etwa 2,9% der nationalen Stromnachfrage. Die nächste Ausschreibungsrunde über weitere 1000 MW soll im Mai 2017 lanciert werden.

Unabhängig davon setzt Argentinien weiterhin auf Nuklearenergie und konkretisiert mit einem neuen Schritt den Bau einer vierten und fünften Anlage: am 30.06.2016 unterschrieben Energieminister Juan José Aranguren und der Leiter der chinesischen Atombehörde, Nur Bekri, in Beijing eine Absichtserklärung zum Bau zweier neuer KKWs in Argentinien. Der Bau der ersten Nuklearanlage (CANDU-Reaktor, Schwerwasser) soll im ersten Quartal 2017 beginnen, die zweite (PWR, angereichertem Uran und Leichtwasser) im Laufe des Jahres 2019.


Umwelt- und Klimapolitik

Laut den im Rahmen der COP21/2015 von Argentinien bekanntgegebenen nationalen Zielen zum Klimaschutz sollen die argentinischen Treibhausgasemissionen  von 2005 bis 2030 um 15% gesenkt werden (auf ein  für den Zielzeitraum berechnetes Business-as-usual-Szenario). Bei entsprechender internationaler Finanzierung ist Argentinien bereit, das Ziel auf -30% zu erhöhen. Die neue Regierung sieht dieses Vorhabenals Minimalziel. Es wurde ein interministerieller nationaler Ausschuss für den Klimaschutz (Comisión Nacional de Cambio Climático) gebildet. Der aus Vertretern des Umwelt-, Bildungs- , Energie und Bergbau-, Sozialen Entwicklungs- und Außenministeriums sowie weiterer Fachgremien gegründete Ausschuss für den Klimaschutz hat sich zur Aufgabe gestellt, bis 2019 einen ambitionierten nationalen Plan zur Minderung und Vermeidung der Emissionen aufzustellen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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