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Argentinien

Kultur und Bildung

Stand: März 2017

Kultur

Argentinien hat eine sehr aktive, multikulturelle und stark durch europäische Einflüsse geprägte Kulturszene. Vor allem in Buenos Aires gibt es ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Musik, Oper, Literatur, Film und Sport.

Das Interesse an deutscher Kultur und an der deutschen Sprache ist groß. Die sehr positive Grundhaltung wird unter anderem durch die (nach Schätzungen circa eine Million) deutschstämmigen Argentinierinnen und Argentinier befördert, sie geht jedoch weit darüber hinaus. Die Goethe-Institute in Buenos Aires und Córdoba sowie zwei Goethe-Zentren und neun Kulturgesellschaften gestalten die deutsche auswärtige Kulturpolitik vor Ort mit.

Im musikalischen Bereich werden neben einer großen Anzahl argentinischer Produktionen auch viele internationale Gastspiele präsentiert. Im Teatro Colón in Buenos Aires, das zu den angesehensten Opernhäusern der Welt zählt, werden regelmäßig deutsche Werke und/oder Orchester präsentiert; im Jahr 2016 gastierten unter anderem Daniel Barenboims „Orchester des West-östlichen Divans", die Bamberger Symphoniker, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und das Ensemble Modern. Der weltbekannte Tenor Jonas Kaufmann gab 2016 sein Debüt in Buenos Aires und die Choreographin Sasha Waltz war mit ihrer Produktion „Dido und Äneas“ zu Gast. Auch zeitgenössische Musik spielt eine wichtige Rolle, der deutsche Regisseur und Komponist Heiner Goebbels zeigte „Stifters Dinge“. Die „Hauptstadt des Tango" bietet außerdem vielfältige Möglichkeiten, diesen Tanz und die damit verbundene Kultur zu erleben.

Zahlreiche hochrangige Festivals bereichern das breite Kulturangebot. Neben den traditionsreichen Filmfestivals in Pinamar und Mar del Plata gibt es das jährliche Internationale Festival des unabhängigen Films (BAFICI) in Buenos Aires. Auch deutsche Produktionen beteiligen sich regelmäßig an diesem mit über 400 Filmen größten Festival seiner Art auf dem Subkontinent. 2016 fand dies insbesondere mit dem Berlinale-Format „Talents Buenos Aires" statt.

Die Museenlandschaft der argentinischen Hauptstadt zeichnet sich durch große Vielfalt aus. Größte und bekannteste Institutionen sind das Museo Nacional de Bellas Artes, das Museo de Arte Moderno (MAMBA), das Museo de Arte Latinoamericano (MALBA) und die Fundación PROA. Darüber hinaus gibt es verschiedene Kulturzentren, die spartenübergreifend arbeiten. Neben dem 2015 eingeweihten größten Kulturzentrum Lateinamerikas, dem „CCK“ (Centro Cultural Kirchner), sind es insbesondere die Kulturzentren der Stadtteile Recoleta, San Martín und die „Usina del Arte" des Bezirks La Boca, die mit ihren vielfältigen, hochkarätigen und kostenlosen Angeboten weit über lokale und regionale Ansätze hinaus wirken.

Zahlreiche international bekannte argentinische Künstlerinnen und Künstler sind regelmäßig auf großen Ausstellungen und Biennalen (Kassel, Venedig, São Paulo) vertreten. Deutsche Bildende Kunst ist in Argentinien präsent, neben Ausstellungen unter anderem in den Jahren 2015 und 2016 auch durch die Beteiligung verschiedener deutscher Galerien bei der Kunstmesse „arteBA" in Buenos Aires.

Literatur genießt in Argentinien einen hohen Stellenwert, der argentinische Buchmarkt gehört zu den größten Südamerikas. Auf dem Internationalen Literaturfestival FILBA und der Buchmesse in Buenos Aires sind regelmäßig deutsche Autoren und Verlags- und Verbandsvertreter anwesend.


Sport

Fußball ist aus Argentinien nicht wegzudenken und stellt ohne Zweifel den größten Anteil an der allgemeinen Sportbegeisterung im Lande dar. Legendäre Clubs wie „River" oder „Boca" aus Buenos Aires – in ebenso traditionsreicher Rivalität verbunden – können sich auf die Begeisterungs-, aber mitunter auch Leidensfähigkeit ihrer treuen Fans verlassen. Daneben sind Rugby, Hockey aber auch das eher elitäre Polo wichtige Sportarten. Die weltbesten Polo-Spieler stammen aus Argentinien – ebenso wie die speziellen Polo-Pferde, die jahrelang für diesen schnellen und anspruchsvollen Sport trainiert werden.


Bildung

Im Bildungswesen bemüht sich die argentinische Regierung durch gebührenfreie staatliche Schulen und Universitäten um soziale Inklusion. Die größte Universität des Landes, die staatliche Universidad de Buenos Aires (UBA), ist mit über 300.000 Studierenden die zweitgrößte Universität Lateinamerikas. Weitere wichtige staatliche Universitäten befinden sich in Córdoba, La Plata, Mendoza und Tucumán. An den 110 Hochschulen Argentiniens sind rund 1,5 Mio. Studierende eingeschrieben, darunter circa 1,6% Ausländer.

Im schulischen Bereich wurde im Jahr 2006 die allgemeine Schulpflicht um drei Sekundarstufenjahre (vergleichbar mit der deutschen Oberstufe) auf insgesamt zwölf Schuljahre erhöht. Obwohl nach offiziellen Angaben 6% des staatlichen Budgets in die Bildung fließen, besteht weiterhin großer Bedarf in der Lehreraus- und -fortbildung und der räumlichen Ausstattung von Schulen. Durch zahlreiche Schüler-, Lehrer- und Dozentenstreiks für bessere Infrastruktur, Gehälter und Arbeitsbedingungen fällt an öffentlichen Schulen und Universitäten häufig Unterricht aus.

Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer (AHK) koordiniert die Duale Ausbildung nach deutschem Modell mit zahlreichen (überwiegend deutschen) Unternehmen und zwei deutschen Schulen in der Provinz Buenos Aires: dem Berufsbildungszentrum des Instituto Ballester (BBZ), an dem jährlich circa 40 Jugendliche in drei kaufmännischen Berufen ausgebildet werden, sowie dem Gewerbeschulzentrum (GSZ) der benachbarten Höltersschule, an dem pro Jahr circa 30 Auszubildende eine Ausbildung zu Mechatronikern oder Chemikanten absolvieren. Nach zwei Ausbildungsjahren erfolgen die Prüfungen vor der AHK nach deutschen IHK-Vorschriften, die Abschlüsse sind in der gesamten EU anerkannt. Das BBZ bietet seit 2003 parallel zur dualen Berufsausbildung die Möglichkeit an, die Deutsche Fachhochschulreifeprüfung abzulegen. Im Juni 2016 führte die AHK einen Ausbildungsgipfel in Buenos Aires durch, um das Thema „Berufliche Bildung" voranzutreiben.


Wissenschaft

Während der Regierungszeit von Cristina Fernández de Kirchner war der Ausbau der  Wissenschaft- und Technologieförderung erklärtes Ziel innerhalb des Regierungsprogramms, er wurde über die Parteigrenzen hinweg positiv wahrgenommen. Die Ausgaben für Bildung und Forschung wurden deutlich gesteigert und liegen momentan bei 0,65% des BIP. Die aktuelle Regierung unter Präsident Mauricio Macri setzt auf Kontinuität in diesem Bereich und hat Kirchners Wissenschaftsminister Lino Barañao in seinem Amt bestätigt. Der Fokus soll vermehrt auf anwendungsorientierte Wissenschaft gelegt werden.


Medien

Die argentinische Medienlandschaft war seit einigen Jahren politisch stark polarisiert und weitgehend in zwei Lager gespalten. Mehrere große Tageszeitungen und TV-Sender waren sehr regierungskritisch eingestellt, andere Medien berichteten ausschließlich positiv über die Politik der Regierung. Nach dem Regierungswechsel im Dezember 2015 ist die Medienlandschaft in Bewegung geraten. Die Polarisierung bleibt zwar existent, allerdings ist bei einigen Medien eine Tendenz zu mehr parteipolitischer Neutralität und unabhängiger Kritik zu beobachten.

Zu den wichtigsten Tageszeitungen von überregionaler Bedeutung zählen Clarín (liberal), La Nación (konservativ), und Pgina 12 (linksgerichtet). Schwerpunktmäßig Wirtschaftsnachrichten bringen Ambito Financiero und El Cronista Comercial. Außerdem erscheinen wöchentlich der englischsprachige Buenos Aires Herald und das Argentinische Tageblatt in deutscher Sprache. Das Tageblatt wurde 1889 von Schweizer Emigranten gegründet und erhielt im Jahr 2012 den Medienpreis "Dialog für Deutschland".

Im Fernsehangebot gibt es insgesamt 9 Nachrichtensender, aber auch die Hauptfernsehprogramme decken neben dem dominanten Unterhaltungsteil in ihrem Programm politische und gesellschaftliche Nachrichten ab. Der staatliche Sender Canal 7 wie auch die staatlichen Radiostationen und die Nachrichtenagentur Telam sind nach dem Regierungswechsel wahrnehmbar pluralistischer und unabhängiger in ihrer Berichterstattung geworden. Unter der Vorgängerregierung sind die staatlichen Medien stark als Instrument zur Unterstützung der Regierungspolitik genutzt worden. Großen Einfluss im TV-Markt haben auch die Kanäle der Grupo Clarín (TN, Canal 13), die der jetzigen Regierung nahesteht. Mittlerweile haben sich zudem TV-Kanäle mit klarer oppositioneller Ausrichtung etabliert (v.a. C5N). Die Radiolandschaft ist für die politische Information und Meinungsbildung aufgrund ihrer Reichweite und Vielzahl der Kanäle für Argentinien sehr bedeutend und neben reinen Unterhaltungskanälen weiterhin von einer politischen Polarisierung geprägt. 

In Buenos Aires sind mehrere Lateinamerika-Korrespondenten deutscher Medien ansässig, darunter das ARD-Hörfunkstudio für Südamerika sowie ein Büro der Deutschen Presseagentur (dpa).


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