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Namibia

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2015

Politische Beziehungen

Seit der Unabhängigkeit der Republik Namibia im Jahr 1990 haben sich besonders intensive bilaterale Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Diese gehen zurück auf

  • die gemeinsame Kolonialgeschichte (1884-1915) und die daraus erwachsende besondere Verantwortung Deutschlands,
  • die enge kulturelle Verbindung zu der deutschsprachigen Gemeinschaft
    sowie auf
  • über zwei Jahrzehnte nachhaltiger und substantieller bilateraler Entwicklungszusammenarbeit im Umfang von über 800 Millionen Euro.

Richtungweisend für die deutsche Namibia-Politik war eine Entschließung des Deutschen Bundestags 1989, in der die historische und politische Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia festgestellt wurde. In einer weiteren Entschließung 2004 gedachte der Bundestag der Opfer des Kolonialkrieges 1904-1907/8 und bekräftigte erneut seinen Willen, die guten bilateralen Beziehungen zu Namibia zu vertiefen. 2007 besuchte der namibische Parlamentspräsident Gurirab Berlin, 2008 reiste Bundestagspräsident Lammert nach Namibia. Weiter gefestigt wurden die parlamentarischen Beziehungen durch die Gründung einer Namibisch-Deutschen Freundschaftsgruppe im namibischen Parlament, die im März 2013 erstmals Berlin besuchte. Der Deutsche Bundestag pflegt die Beziehungen zum namibischen Parlament über die Parlamentariergruppe SADC-Staaten.

Das deutsch-namibische Sonderverhältnis fand seinen Ausdruck in zahlreichen weiteren hochrangigen politischen Kontakten auf Regierungsebene. Hervorzuheben sind die Besuche von Bundeskanzler Kohl (1995) und Bundespräsident Herzog (1998) in Namibia sowie die Deutschland-Besuche von Staatspräsident Nujoma(1996 und 2002) und Staatspräsident Pohamba (2005). Bundespräsident a. D. Köhler vertrat die Bundesrepublik Deutschland bei den Feierlichkeiten anlässlich des 25. Jahrestags der Unabhängigkeit Namibias und Amtseinführung des neuen Präsidenten Geingob im Jahr 2015.

Im Jahr 2003 reiste der damalige Außenminister Fischer nach Namibia. Im Januar 2013 führte die namibische Außenministerin Nandi-Ndaitwah im Rahmen eines Antrittsbesuches in Berlin Gespräche mit dem damaligen Außenminister Westerwelle und dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin. Im Juni 2014 traf sie erneut in Berlin mit Außenminister Steinmeier zusammen.

An den zentralen Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Beginns des grausamen Kolonialkriegs in Namibia nahm 2004 die damalige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Wieczorek-Zeul teil. Ihr Amtsnachfolger Niebel besuchte Namibia in den Jahren 2010, 2011 und 2013. Im April 2012 weilte die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan anlässlich der Unterzeichnung einer Erklärung zur Errichtung des "Southern African Science Service Centre on Climate Change and Adaptive Land Management" in Windhuk.

Auf Länder- und kommunaler Ebene gibt es vergleichbar rege Kontakte. Beispiele hierfür sind die Städtepartnerschaften Windhuks mit Berlin und Bremen. Zwischen kirchlichen Gruppen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern beider Länder besteht ebenfalls ein intensiver Austausch.


Wirtschaftsbeziehungen

Der bilaterale Handelsaustausch zwischen Deutschland und Namibia belief sich 2013 auf rund 272 Millionen Euro (Importe aus Namibia rund 106 Millionen Euro, Exporte nach Namibia rund 166 Millionen Euro). Haupteinfuhrgüter aus Namibia sind Kupfer, Zink, Steine und Erden sowie Fisch Obst. Hauptausfuhrgüter nach Namibia waren Luftfahrzeuge, Maschinen und mineralische Brennstoffe.

Besonderes Gewicht im Rahmen des Dienstleistungsexports kommt dem Tourismus zu: Die über 80.000 deutschen Reisenden im Jahr sind bei weitem die größte Gruppe nichtafrikanischer Touristen in Namibia.

Eine der größten Auslandsinvestitionen in Namibia kommt aus Deutschland: Im Februar 2011 nahm das zur Schwenk-Gruppe gehörende Werk "Ohorongo Cement" in Anwesenheit des namibischen Staatspräsidenten, des Premierministers und zahlreicher Kabinettsmitglieder feierlich seinen Betrieb auf. Insgesamt wurden hier rund 250 Millionen Euro investiert. Das Werk bietet über 300 Arbeitsplätze und hat mittelbar zur Entstehung von weiteren 2000 Jobs in der Region geführt. Mit einer Produktionskapazität von 700.000 Tonnen pro Jahr ist das Werk darauf angelegt, weite Teile des Marktes im gesamten südlichen Afrika mitzuversorgen. Der Gesamtbestand deutscher Direktinvestitionen in Namibia liegt bei rund einer Milliarde Euro.

Beide Regierungen streben an, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Das namibische Kabinett hat hierzu im August 2012 einen richtungweisenden Beschluss gefasst. Ein Investitionsförderungsvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen sind in Kraft.


Entwicklungszusammenarbeit

Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit ist integraler Bestandteil und eine tragende Säule der besonderen Beziehungen zwischen Namibia und Deutschland: Seit 1990 wurden hierfür über 800 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Kennzeichnend für das deutsche Engagement ist nicht nur die staatliche Entwicklungszusammenarbeit, sondern eine Vielfalt privater Initiativen und Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen.

Ziel bleibt es, die namibische Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Ungleichheiten, die die namibische Gesellschaft als Folge von Kolonialismus und Apartheid noch heute prägen und die ihren Ausdruck in weit verbreiteter Armut und hoher Arbeitslosigkeit finden, zu beseitigen und die Politik der nationalen Versöhnung zu unterstützen. Dabei arbeiten Deutschland und Namibia in drei Schwerpunkten zusammen:

- Management natürlicher Ressourcen,

- Transport und

- Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Hinzu kommen Maßnahmen zur beruflichen Bildung sowie zur Prävention von HIV/AIDS. Weiterhin kommen Mittel aus der "Initiative für Klima und Umweltschutz" (IKLU) zur Förderung erneuerbarer Energien zum Einsatz. Die Bundesregierung fördert seit 2008 zudem im Rahmen der "Internationalen Klimaschutzinitiative" (IKI) Projekte zum Klimaschutz in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern, so auch in Namibia.

Im Rahmen der Namibisch-Deutschen Sonderinitiative fördert die Bundesregierung Maßnahmen zur Kommunalentwicklung in den Landesteilen, die vom Kolonialismus besonders betroffen waren. Die Sonderinitiative wurde 2012 von ursprünglich 20 auf 31 Millionen Euro aufgestockt. Die Auswahl der Projekte erfolgt in enger Abstimmung mit den betroffenen Gemeinschaften. Die Nationale Planungskommission Namibias ist mit der Umsetzung betraut.

Bei den Regierungsverhandlungen im November 2013, die in Swakopmund stattfanden, verständigten sich beide Regierungen darauf, ihre Zusammenarbeit in den drei bestehenden Schwerpunkten Management natürlicher Ressourcen, Transport und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung fortzuführen. Insgesamt belaufen sich die Zusagen Deutschlands an Namibia für den Zeitraum bis 2015 auf circa zwei Milliarden Namibia-Dollar (147,5 Millionen Euro).


Kulturelle Beziehungen

Völkerrechtliche Grundlage der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Namibia ist das bilaterale Kulturabkommen von 1991. Die deutschsprachige Gemeinschaft pflegt ein sehr aktives Kulturleben, verfügt über ein dichtes Netzwerk von Institutionen und spielt eine tragende Rolle im namibischen Wirtschaftsleben. Sie ist von der Regierung als integraler Bestandteil der Gesellschaft anerkannt. Die deutsche Sprache ist in Namibia noch sehr präsent – als Muttersprache der deutschsprachigen Namibierinnen und Namibier, in der "Allgemeinen Zeitung", im deutschen Rundfunkprogramm des öffentlich-rechtlichen Senders NBC, im privaten Radiosender "Hit-Radio", aber auch im Tourismussektor mit seiner immens wachsenden Bedeutung für die Zukunft der namibischen Wirtschaft.

Anlässlich der Jubiläumen "25. Unabhängigkeit Namibias und Aufnahme bilateraler diplomatischer Beziehungen" organisierte die Deutsche Botschaft mit zahlreichen deutschen und namibischen Partnerorganisationen deutsche Kulturwochen mit über 30 Veranstaltungen.


Goethe-Zentrum / Namibisch-Deutsche-Stiftung

Das Goethe-Zentrum ist mitten im Stadtzentrum Windhuks in einem historischen Gebäude untergebracht, das von der namibischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde. Trägerin ist die Namibisch-Deutsche Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit (NaDS), die vom Auswärtigen Amt über das regionale Goethe-Institut in Johannesburg finanziell unterstützt wird. Das Goethe-Zentrum bietet sehr gut nachgefragte Deutschkurse für fast 600 Teilnehmende pro Jahr an. Auch Kurse für Englisch, Afrikaans und Oshivambo werden angeboten.

In der zweiten Jahreshälfte 2015 soll das Zentrum in ein reguläres Goethe-Institut mit entsandter Leitung umgewandelt werden.


Deutsche Höhere Privatschule Windhuk (DHPS)

Die DHPS ist eine zweisprachige Begegnungsschule. Sie führt nach zwölf Jahren entweder zum namibischen Sekundarabschluss (ergänzt um das Deutsche Sprachdiplom DSD II) oder zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung (DIAP) mit starker fremdsprachlicher Komponente. Etwa 800 der rund eintausend Schülerinnen und Schüler sind namibische Staatsangehörige; 300 Schülerinnen und Schüler haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Das Auswärtige Amt fördert die Schule personell durch die Vermittlung von derzeit 21 deutschen Lehrkräften sowie finanziell durch jährliche Schulbeihilfen.

Die DHPS besteht seit über einhundert Jahren. Sie zählt mit ihrem hohen Ausbildungsstandard zu den besten Schulen des Landes, hat eine wichtige verbindende Funktion für die deutschsprachige Gemeinschaft in Namibia und spiegelt zugleich als Begegnungsschule die multiethnische Gesellschaft Namibias wieder. 2011 erhielt die DHPS nach erfolgreich durchlaufener Bund-Länder-Inspektion das Gütesiegel "Exzellente Deutsche Auslandsschule".


Deutsche Sprache/PASCH-Netzwerk

Rund 7.000 Schülerinnen und Schüler lernen in Namibia an 50 Schulen Deutsch als Fremdsprache (DaF). Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler erhalten an zehn (privaten wie staatlichen) Schulen muttersprachlichen Unterricht auf Deutsch. Deutschland unterstützt die Deutschsprachigkeit in Namibia - neben der Förderung der DHPS als deutscher Auslandsschule – auf verschiedenen Wegen, unter anderem durch:

  • Fachbetreuung der DaF-Schulen durch das Goethe-Zentrum
  • Entsendung deutscher Lehrkräfte an die Namib High School Swakopmund und die Delta-Oberschule Windhuk
  • Einbindung von derzeit vier namibischen Schulen – DHPS, Martin Luther High School Okombahe, Namib High School Swakopmund, Delta-Oberschule Windhuk - in das weltweite PASCH-Partnerschulnetzwerk;
  • Mitfinanzierung von Schüleraustauschprogrammen und -stipendien
  • Entsendung einer Lektorin an die germanistische Abteilung der University of Namibia (UNAM)
  • Fortbildungen und Programmangebote der Deutschen Welle für das deutschsprachige Hörfunkprogramm der staatlichen "Namibia Broadcasting Corporation" (NBC).

Wissenschaft und Hochschulen

Seit 2004 betreibt das Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg, gemeinsam mit der University of Namibia UNAM sowie mehreren europäischen Partnern das "H.E.S.S. Teleskop" zur Erforschung hochenergetischer kosmischer Strahlung im zentralnamibischen Khomas-Hochland. Im September 2012 wurde das Teleskop im Beisein des namibischen Bildungsministers seiner Bestimmung übergeben. Mit den beiden namibischen Hochschulen University of Namibia (UNAM) und Polytechnikum kooperiert Deutschland in vielfältiger Weise, so durch die Entsendung von Dozenten, durch Hochschulpartnerschaften sowie durch gemeinsame Einrichtungen wie das Logistikzentrum des Polytechnikums mit der Fachhochschule Flensburg, das 2009 im Rahmen der "Aktion Afrika"-Exzellenzinitiative entstand. Während des Besuchs der damaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan im April 2012 in Windhuk wurde eine Absichtserklärung zur Schaffung eines regionalen "Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management" (SASSCAL) in Windhuk unterzeichnet, zu dessen Einrichtung Deutschland mit rund 50 Millionen Euro einen signifikanten Beitrag leistet.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt Postgraduiertenstipendien für namibische Nachwuchskräfte in Deutschland sowie "Sur-Place"-Stipendien.


Kulturerhalt

Im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts wurden seit 1985 über eine Million Euro in Namibia investiert. Das Spektrum reicht von der Restaurierung der Felsmalereien am Brandberg und von historischen Dampflokomotiven und Waggons über Projekte zum Erhalt und zur Dokumentation mündlicher Überlieferungen und musikalischer Zeugnisse bis hin zum Erhaltung deutscher Kolonialarchitektur (Estorffhaus, Offiziershaus Warmbad, Haus der Namibischen Wissenschaftlichen Gesellschaft Windhuk), die auch von Regierung und Gesellschaft Namibias als Teil der eigenen Geschichte und ihres kulturellen Erbes betrachtet wird.


Sport

Die deutsch-namibische Zusammenarbeit in der Sportförderung ist intensiv. Der Deutsche Olympische Sportbund entsendet mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts regelmäßig Experten nach Namibia, so zu Kurzzeitprojekten zur Förderung von Leichtathletik, Basketball und Frauenfußball. Zur Unterstützung der nachhaltigen Sportförderung sind regelmäßig deutsche Sport-Trainer im Rahmen von Langzeitprojekten in Namibia tätig. Schwerpunkte liegen in der Jugendförderung und in der Trainerausbildung. Außerdem werden jährlich namibische Übungsleiter in Deutschland weitergebildet. Die Kurse finden an der Sportschule des Deutschen Fußballbundes in Hennef und an der Universität Leipzig statt. Mit regelmäßigen Sportgerätespenden fördert das Auswärtige Amt namibische Partner im Bereich des Breitensports.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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