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Wirtschaft

Stand: April 2015

Grundzüge

Bhutan wird mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 2.310 USD (2013, Quelle: National Statistics Bureau) von der Weltbank als „Lower Middle Income Country“ eingestuft. Im Human Development Index des UN-Entwicklungsprogramms (Human Development Report 2014) nimmt Bhutan Platz 136 von 187 Ländern ein („medium human development“). Bei den Sozialindikatoren wie der Lebenserwartung, Wasserversorgung und Einschulungsrate schneidet Bhutan zumeist besser ab als seine südasiatischen Nachbarn. Gut ein Drittel des Staatshaushaltes wird über ausländische Beiträge, hauptsächlich aus Indien,gedeckt. Zu Indien besteht eine enge wirtschaftliche Verflechtung.

Die Regierung lenkt das Wirtschaftsgeschehen seit 1961 mittels fortlaufender Fünfjahrespläne. Staatliches Handeln orientiert sich dabei an dem in der Verfassung des Landes verankerten ganzheitlichen Entwicklungsprinzip des „Bruttonationalglücks“ (Gross National Happiness), dessen übergeordnetes Ziel es ist, das Wohlbefinden der Bürger zu erhöhen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird dabei anhand alternativer Indikatoren gemessen, im Gegensatz zur rein quantitativen Betrachtung des Bruttoinlandprodukts.

Der elfte Fünfjahresplan (2013-2018) trägt den Titel „Self-reliance and inclusive green socio-economic development“. Er definiert konkrete Maßstäbe zur Erreichung dieses Ziels. Als bis 2020 zu erreichende Meilensteine werden Eigenständigkeit, Vollbeschäftigung und Überwinden der Kategorie der am wenigsten entwickelten Länder benannt. Die Bekämpfung der Armut bleibt ein wichtiges Ziel. Die Armutsrate soll bis 2018 auf unter fünf Prozent gesenkt werden. Die Arbeitslosenrate lag zwar 2013 offiziell nur bei 2,9% (bezahlte Beschäftigung unter 1 Stunde/Woche). Arbeitslosigkeit ist jedoch eine wachsende Herausforderung für die Regierung des Königreichs.

Das Wirtschaftswachstum betrug zwischen 2008 und 2013 (zehnter Fünfjahresplan) im Durchschnitt rund 8%. Dies ist insbesondere auf umfangreiche staatliche Investitionen, z.B. in Wasserkraft, zurückzuführen. Nach zwischenzeitlicher Abschwächung wird für 2015 wieder ein stärkeres Wachstum erwartet.


Wirtschaftssektoren

Den größten Anteil zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,69 Mrd. USD (National Statistics Bureau für 2013) leistet der Bausektor mit knapp 17%. Der Stromproduktion aus Wasserkraft kommt, mit rund 14% des BIP, ebenfalls zentrale Bedeutung für die Wirtschaftsleistung des Landes zu. Weitere Branchen der Industrie, zumeist staatliche und halbstaatliche Unternehmen, beschränken sich auf Zement, Karbidchemie, Holzverarbeitung, Obstkonserven, alkoholische Getränke (Whiskey) und die Verarbeitung von Heilpflanzen. Auf das verarbeitende Gewerbe entfallen insgesamt gut 8% des BIP.

Knapp 60 Prozent der Bevölkerung arbeiten - überwiegend auf Subsistenzbasis - in der Landwirtschaft, tragen jedoch lediglich 18 Prozent zum BIP bei. Urbanisierung ist für Bhutan ein relativ neues Phänomen.

Eine wichtige Rolle spielt die Forstwirtschaft. In Umsetzung des Gross National Happiness-Konzeptes, das Rücksichtnahme auf Umwelt und natürlichen Ressourcen vorgibt, ist ein Anteil an Waldfläche von mindestens 60% an der Gesamtfläche des Landes in der Verfassung verankert. Um die Holzreserven zu schützen, wurde bereits 1999 der Export von unverarbeitetem Holz verboten.

Im Dienstleistungssektor nimmt die Bedeutung des Tourismus für die Devisenbilanz beständig zu.


Tourismus

Bhutan ist bemüht, seine intakte Umwelt und seine kulturelle Identität zu bewahren. Die Regierung steuert daher das Wachstum des Fremdenverkehrs sehr gezielt.

Der Tourismus ist (nach Wasserkraft) die zweitgrößte Einnahmequelle des Landes. Wichtigste Herkunftsländer der (in USD zahlenden) Besucher waren 2013 (nach Indien, deren Staatsangehörige nicht der Mindestausgabe unterliegen) USA, China, Japan, Thailand und Deutschland (insgesamt 44.241 Besucher; Quelle: National Statistics Bureau). Drei neue Inlandsflughäfen sollen in den nächsten Jahren den bislang im Wesentlichen auf eine Straßenverbindung beschränkten Transport in die entlegeneren Landesteile erleichtern.


Energie und Rohstoffe

Bhutan besitzt - bedingt durch seine geographische Lage - ein großes Potential an Wasserkraft (nach Angaben der Regierung 23.760 MW). Seit 1986 in Chhukha das erste große Wasserkraftwerk an das Netz angeschlossen wurde, exportiert Bhutan Elektrizität nach Indien. Wasserkraft ist der größte Wirtschaftsfaktor in Bhutan. Daraus gewonnene Energie macht fast ein Drittel der Gesamtexporte aus und ist damit die wichtigste Devisenquelle Bhutans. Die Erlöse der staatlichen Wasserkraftgesellschaft machen 35% aller Staatseinnahmen aus.

Die installierte Produktionskapazität betrug 2013 1.488 MW. Der elfte Fünfjahresplan sieht vor, sie bis 2020 auf über 10.000 MW auszubauen. Drei begonnene Projekte (2.740 MW) sollen bis 2018 abgeschlossen, sieben weitere (7.860 MW) in diesem Zeitraum begonnen werden. Deutschland unterstützt den Ausbau der Wasserkraftkapazitäten über ein zum Bau eines Wartungszentrums für die Anlagen und Maschinen der Kraftwerke bestimmtes Darlehen der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einer Tochter der KfW Entwicklungsbank.

Über die nächsten Jahre will die bhutanische Regierung ihre Autoflotte und die in Thimphu fahrenden Taxis durch Elektro-Autos ersetzten und damit einen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und zur Begrenzung der Einfuhren fossiler Brennstoffe leisten.

Der Bergbau trug 2013 trotz nennenswerter Lagerstätten an Kalkstein, Schiefer, Marmor und Kohle nur 2,75% zum BIP bei.


Außenwirtschaft

Bhutan exportierte 2013 Waren im Wert von 31,852 Mrd. NU (rund 455 Mio. Euro), die Importe lagen bei 53,272 Mrd. NU (rund 761 Mio. Euro). Wichtige Exportgüter waren hydroelektrisch erzeugter Strom, Ferrosilizium, Kalzium, Zement, Silikon und Nahrungsmittel (Orangen). Wichtige Importgüter für Bhutan waren Brennstoff, Maschinen, Telekommunikations- und Automobiltechnologie.

Die außenwirtschaftliche Abhängigkeit von Indien ist sehr hoch: 88,2% der Importe kamen 2013 aus Indien. 86,5% der Exporte gingen nach Indien, davon zwei Drittel Strom aus Wasserkraft.

Deutsche Exporte nach Bhutan hatten nach vorläufiger Berechnung des Statistischen Bundesamtes 2014 einen Wert von 3,55 Mio. Euro (2013: 2,13 Mio. Euro). Deutsche Importe lagen bei 7,85 Mio. Euro (2013: 5,07 Mio. Euro).

Geleitet vom Ziel, das Bruttonationalglück zu maximieren, hat das Wirtschaftsministerium von Bhutan 2010 eine Richtlinie für ausländische Direktinvestitionen erlassen. Der erlaubte Anteil ausländischer Direktinvestitionen wird darin nach Sektor und Projektvolumen gestaffelt. 100% sind für die Bereiche Bildung, Gesundheit (Spezialbereiche), Luxushotels, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung vorgesehen. Nicht erlaubt sind Direktinvestitionen im Bereich Medien, Groß- und Einzelhandel, Bergbau (für den Verkauf der Rohstoffe), untere Hotelkategorien sowie allgemeine Gesundheitsversorgung.

Ein Beitrittsgesuch zur WTO wurde zurückgezogen.


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