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Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Grundzüge

Bhutan wird mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 2.665 USD (2013, Quelle: IWF) von der Weltbank als „Lower Middle Income Country“ eingestuft. Im Human Development Index des UN-Entwicklungsprogramms (Human Development Report 2013) nimmt Bhutan Platz 140 von 187 Ländern ein („medium human development“). Bei den Sozialindikatoren wie der Lebenserwartung (67,6 Jahre), Wasserversorgung und Einschulungsrate schneidet Bhutan zumeist besser ab als seine südasiatischen Nachbarn. Gut ein Drittel des Staatshaushaltes wird mit ausländischen Beiträgen (davon zuletzt rund 70 Prozent aus Indien) gedeckt. Insgesamt ist die Wirtschaft Bhutans eng mit derjenigen Indiens verknüpft.

Die Regierung lenkt das Wirtschaftsgeschehen mittels fortlaufender Fünfjahrespläne. Staatliches Handeln orientiert sich dabei an dem ganzheitlichen Entwicklungsprinzip des „Bruttonationalglücks“ (Gross National Happiness), dessen übergeordnetes Ziel es ist, das Wohlbefinden der Bürger zu erhöhen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird dabei anhand alternativer Indikatoren gemessen, im Gegensatz zur rein quantitativen Betrachtung des Bruttoinlandprodukts.

Der elfte Fünfjahresplan (2013-2018) trägt den Titel „Self-reliance and inclusive green socio-economic development“. Er definiert konkrete Maßstäbe zur Erreichung dieses Ziels. Als bis 2020 zu erreichende Meilensteine werden Eigenständigkeit, Vollbeschäftigung und Überwinden der Kategorie der am wenigsten entwickelten Länder benannt. Die Bekämpfung der Armut bleibt ein wichtiges Ziel. Die Armutsrate soll bis 2018 auf unter fünf Prozent gedrückt werden.

Das Wirtschaftswachstum betrug zwischen 2008 und 2013 (zehnter Fünfjahresplan) im Durchschnitt 8 Prozent. Dies ist insbesondere auf umfangreiche staatliche Investitionen, z.B. in Wasserkraft, zurückzuführen. Für 2014 erwartet die Weltbank ein Wachstum von 7,3 %.


Wirtschaftssektoren

Den größten Anteil zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,97 Mrd. USD (Prognose der Weltbank für 2013) leistet die Industrie. Die Stromproduktion aus Wasserkraft hat zentrale Bedeutung für die Wirtschaftsleistung des Landes. Weitere Branchen der Industrie, zumeist staatliche und halbstaatliche Unternehmen, beschränken sich auf Zement, Karbidchemie, Holzverarbeitung, Obstkonserven, alkoholische Getränke (Whiskey) und die Verarbeitung von Heilpflanzen. Auf das verarbeitende Gewerbe entfallen dabei insgesamt nur 6 Prozent des BIP.

Knapp 60 Prozent der Bevölkerung arbeiten - überwiegend auf Subsistenzbasis - in der Landwirtschaft, tragen jedoch lediglich 18 Prozent zum BIP bei. Urbanisierung ist für Bhutan ein relativ neues Phänomen.

Eine wichtige Rolle spielt die Forstwirtschaft (12 Prozent des BIP; 11 Prozent der Exporte). In Umsetzung des Gross National Happiness--Konzeptes, das Rücksichtnahme auf Umwelt und natürlichen Ressourcen vorgibt, ist ein Anteil an Waldfläche von mindestens 60 Prozent an der Gesamtfläche des Landes in der Verfassung verankert. Um die Holzreserven zu schützen, wurde bereits 1999 der Export von unverarbeitetem Holz verboten.

Im Dienstleistungssektor nimmt die Bedeutung des Tourismus für die Devisenbilanz beständig zu.


Tourismus

Bhutan ist bemüht, seine intakte Umwelt und seine kulturelle Identität zu bewahren. Die Regierung steuert daher das Wachstum des Fremdenverkehrs sehr gezielt, u.a. mittels einer vorgeschriebenen Mindestausgabe pro Gast (s. a. unter Reisehinweise).

Der Tourismus ist die zweitgrößte Einnahmequelle des Landes. Wichtigste Herkunftsländer der Besucher waren 2012 (nach Indien, deren Staatsangehörige aber nicht der Mindestausgabe unterliegen) Japan, USA, China, Thailand und Deutschland (insgesamt knapp 44.000 Besucher, die in USD bezahlt haben; Quelle: Tourism Council of Bhutan). Drei neue Inlandsflughäfen sollen in den nächsten Jahren den bislang im Wesentlichen auf eine einzige Straßenverbindung beschränkten Transport in die entlegeneren Landesteile erleichtern.


Energie und Rohstoffe

Bhutan besitzt - bedingt durch seine geographische Lage - ein großes Potential an Wasserkraft. Die derzeitige Produktionskapazität soll bis 2020 auf mehr als 10.000 MW verfünffacht werden. Geplant sind elf neue Projekte. Wasserkraft ist der größte Wirtschaftsfaktor in Bhutan. Daraus gewonnene Energie macht fast ein Drittel der Gesamtexporte aus und ist damit die wichtigste Devisenquelle Bhutans. Die Erlöse der staatlichen Wasserkraftgesellschaft machen 35 Prozent aller Staatseinnahmen aus.  Deutschland unterstützt den Ausbau der Wasserkraftkapazitäten über ein zum Bau eines Wartungszentrums für die Anlagen und Maschinen der Kraftwerke bestimmtes Darlehen der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einer Tochter der KfW Entwicklungsbank.

Über die nächsten Jahre will die bhutanische Regierung ihre Autoflotte und die in Thimphu fahrenden Taxis durch Elektro-Autos ersetzten und auch damit einen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und zur Begrenzung der Einfuhren fossiler Brennstoffe leisten.

Der Bergbau trägt bisher trotz nennenswerter Lagerstätten an Kalkstein, Schiefer, Marmor und Kohle nur knapp 2 Prozent zum BIP bei.


Außenwirtschaft

Bhutan exportierte 2012 Waren im Wert von rund 335 Mio. Euro, die Importe lagen bei rund 622 Mio. Euro. Wichtige Exportgüter sind hydroelektrisch erzeugter Strom, Ferrosilizium, Kalzium, Kupferdraht, Mangan, Zement, Pflanzenöl und Nahrungsmittel. Wichtige Importgüter für Bhutan sind Brennstoff, Maschinen, Telekommunikations- und Automobiltechnologie.

Die außenwirtschaftliche Abhängigkeit von Indien ist sehr hoch: 83,6 Prozent der Importe kamen 2012 aus Indien (3,3 Prozent aus der Republik Korea, 2,7 Prozent aus China); 90,98 Prozent der Exporte gingen nach Indien (6,09 Prozent nach Bangladesch, 0,16 Prozent nach Deutschland). Zwei Drittel der Exporte Bhutans nach Indien entfällt auf Strom aus Wasserkraft.

Deutsche Exporte nach Bhutan hatten nach vorläufiger Berechnung des Statistischen Bundesamtes 2013 einen Wert von 2,14 Mio. Euro (2012: 2,9 Mio. Euro). Deutsche Importe lagen bei 5,01 Mio. Euro (2012: 1,1 Mio. Euro).

2002 wurden Richtlinien für ausländische Direktinvestitionen verabschiedet, die bei Investitionsprojekten mit einem Mindestvolumen von 1 Million USD in der verarbeitenden Industrie und 0,5 Millionen USD im Dienstleistungsbereich ausländischen Anteilsbesitz bis zur Grenze von 70 Prozent zulassen (zuvor auf 20 Prozent begrenzt). Eine sukzessive weitere Lockerung bis zu 100 Prozent Fremdkapital wurde in Aussicht gestellt.

Ein Beitrittsgesuch zur WTO wurde zurückgezogen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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