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Madagaskar

Wirtschaft

Stand: Juli 2015

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Die politische Dauerkrise von Anfang 2009 bis zur von der internationalen Gemeinschaft als demokratisch anerkannten Präsidentschaftswahl im Dezember 2013 hat die ökonomische Entwicklung des Landes erheblich beeinträchtigt. Deutlich bemerkbar waren die Folgen: Verschlechterte Auftragslage für Exportfirmen, Firmenschließungen, Konkursanmeldungen, schwindendes Interesse ausländischer Investoren, steigende Arbeitslosigkeit mit Fernwirkungen auf den informellen Sektor. Investitionen in die Infrastruktur sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Madagaskar ist so zu einem der am wenigsten entwickelten Länder der Welt geworden. Die allgemeine Armut ist dramatisch. Über 90% der Bevölkerung leben von weniger als zwei US-Dollar pro Tag“. (Quelle: World Bank).

Nach Bildung  einer neuen demokratischen Regierung im Dezember 2013 endete die Isolation Madagaskars. Die Wirtschaft begann sich zu erholen. Die wichtigste Rolle spielt der Agrarsektor. Dieser stellt auch die meisten Arbeitsplätze zur Verfügung. Der Bergbau und eine Erholung der Textilexporte tragen ebenfalls zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bei. Auch der Tourismus erholte sich, weist aber noch erhebliches ungenutztes Potenzial auf.

Bereits vor der politischen Krise im Januar 2009 zeichnete sich ab, dass Madagaskar noch erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um das Investitionsklima zu fördern und dem Privatsektor eine größere Rolle bei der Wirtschaftsentwicklung einzuräumen. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums reicht das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten nicht aus, um die dramatisch gestiegene Armut wesentlich zu verringern: Die zu geringe Diversifizierung macht Madagaskar zudem anfällig für externe Schocks wie Naturkatastrophen und Weltmarktpreisänderungen.

Die Inflation, die 2011 noch bei fast 10% lag, ist bis heute auf 6,5% gesunken.

Das Handelsvolumen weist steigende Tendenzen auf und liegt 2014 bei 2,8 Milliarden Euro. Exportiert werden Waren im Wert von 670 Millionen Euro. Der Hauptexportpartner ist Frankreich, an das 24,6 % der Waren gehen. Danach folgen die USA (9,7%) und China (9,3%). Importiert werden Waren im Wert von fast 2,2 Milliarden Euro vor allem aus China (19.9%) und Frankreich (12,2%).

Nach starken Einbrüchen des Wirtschaftswachstums für 2009 und 2010 steigt das BIP-Wachstum seit 2011 wieder an. Es lag 2014 bei +3,0 %. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2014 wird auf circa 10,6 Milliarden US-Dollargeschätzt, das BIP pro Kopf liegt bei 465 US-Dollar. Circa 29 Prozent des BIP werden von der Landwirtschaft erwirtschaftet, 55 Prozent vom Dienstleistungssektor und 16 Prozent von der Industrie. Demgegenüber sind 80 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, 4 Prozent in der Industrie und 16 Prozent im Dienstleistungssektor – mit krisenbedingt sinkender Tendenz bei den beiden letzteren Sektoren. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist auf eine Beschäftigung im informellen Sektor angewiesen.


Infrastruktur

Hohe Priorität gilt dem Ausbau der Infrastruktur (insbesondere dem Straßenbau), gefördert von der Weltbank, EU und Afrikanischer Entwicklungsbank (ADB). Da die Programme der meisten Geberinstitutionen ausgesetzt bzw. auf laufende Vorhaben oder humanitäre Projekte beschränkt waren, litt auch dieser Investitionsbereich stark, zumal selbst Erhaltungsmaßnahmen kaum mehr durchgeführt werden konnten.

Nach erfolgreicher Bewältigung der Krise wurden die Entwicklungszahlungen wieder aufgenommen und der Ausbau der Infrastruktur wird weiter gefördert.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Industrie war bis 2009 der Motor des Wachstums. Hierzu trugen vor allem die 102 Unternehmen der Freihandelszone (Zone franche) bei, mit rund 115.000 Beschäftigten überwiegend im Textilbereich. Mit der Krise seit 2009 fiel die Produktion in der Textilbranche um 30 Prozent, die Aktivitäten der Freihandelszone verringerten sich um 15 Prozent, circa 50.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Wegen erheblicher Mängel bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit strichen die USA 2010 den zoll- und quotenfreien Zugang zum US-Markt („African Growth and Opportunity Act“, AGOA). Die Wiederfreigabe 2014 trägt zu einer langsamen Erholung der Wirtschaft Madagaskars bei.

Die madagassische Landwirtschaft ist nach wie vor durch geringe Dynamik und Probleme beim Marktzugang gekennzeichnet. Insgesamt überwiegt die Subsistenzwirtschaft (bei Reis, Mais und Maniok). Die Reisernte reicht regelmäßig nicht zur Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung aus, weshalb Madagaskar auf Reisimporte angewiesen ist. Madagaskar ist der größte Produzent von Vanille und hat sich eine starke Marktposition für hochwertige Garnelen erarbeitet. Die Zahl der Touristen stieg bis 2008 stark an (ca. 380.000 Besucher), was Deviseneinnahmen von 393 Millionen US-Dollar erbrachte. Mit Beginn der Krise sind die Besucherzahlen eingebrochen, seit 2010 steigen sie wieder langsam. 2013 kamen 256.000 Touristen auf die Insel.

Der Bergbau gilt als Wirtschaftszweig der Zukunft. Der Reichtum an Rohstoffen wird bisher nur wenig verwertet bzw. ohne allgemeinen Nutzen für die madagassische Bevölkerung von einer Wirtschaftsoligarchie ausgebeutet - teilweise offensichtlich illegal (Rosenholz, Gold, Edelsteine). Seit 2009 werden im Südosten und Südwesten des Landes Titan-Sande abgebaut. 2012 ist eines der weltweit größten Nickel- und Kobaltprojekte im Osten des Landes in Produktion gegangen. 2014 wurden 13.520 Tonnen Nickel und 1.090 Tonnen Kobalt produziert, was eine Erhöhung von 50% im Vergleich zur vorjährigen Produktion bedeutet (2013: 9.023 Tonnen  Nickel und 740 Tonnen Kobalt). In der Straße von Mosambik wird mit ersten Erfolgen nach Erdöl gesucht. Laut dem Vorsitzenden des madagassischen Erdölförderervereins (APPAM – Association Professionnelle du secteur Pétrolier en Amont de Madagascar) sollen 2016 drei weitere Erdölförderungen durchgeführt werden.

Mit dem Anschluss an submarine Fiber-Optik-Kabel im Norden und im Süden des Landes  sind die technischen Voraussetzungen für westliche Telekommunikationsstandards mit Europa, Asien und Afrika geschaffen.

Im Energiesektor befindet sich das staatliche Strom- und Wasserversorgungsunternehmen JIRAMA wegen schlechter Verwaltung/ Korruption, veraltetem Material und teurem Treibstoff  in Schwierigkeiten.

Zum Thema Erneuerbare Energie ist vor kurzem ein Gesetz über Ethanol-Herstellung und Handel in Madagaskar als Biokraftstoff verabschiedet worden. Vor einigen Monaten wurde In Ampasimpotsy Ranomafana, Distrikt Brickaville (OstKüste) die erste Ethanol-Fabrik eingeweiht, die der Privatfirma Madagascar Energy Company gehört (Ziel: 2.000 L/ Tag). Ein Jatropha-Projekt wird zurzeit vom madagassischen Forschungszentrum (Centre national de Recherches Industrielle et Technologique) – durchgeführt. Solar- (auf der ganzen Insel) und Windenergieinstallationen (im Norden und Süden des Landes) versucht der Staat durch Einfuhrbegünstigung von Materialien zu fördern


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Madagaskar ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) sowie der AKP-Gruppe (Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten, über Cotonou-Abkommen mit der EU verbunden). Es gehört den regionalen Zusammenschlüssen Kommission des Indischen Ozeans (COI) und der Indian Ocean Rim Association for Regional Cooperation (IOR-ARC) an und ist Mitglied des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika (COMESA). Seit 17. August 2005 ist Madagaskar Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC), seit August 2008 auch der SADC-Freihandelszone.


Umweltpolitik

Die größten Umweltprobleme entstehen durch die massive illegale Abholzung von Edelhölzern in geschützten Gebieten und Naturparks sowie durch die hierdurch verursachte Bodenerosion. Die Plünderung von Naturressourcen (neben Wald auch geschützte, oft endemische Tierarten) hat sich durch den krisenbedingten Zusammenbruch staatlicher Ordnungs- und Kontrollmechanismen und die fehlende Durchsetzung von Verboten durch Exekutive und Judikative noch erheblich verschärft. Experten gehen davon aus, dass seit Februar 2009 enorme Mengen an Edelhölzern illegal exportiert wurden.

In den Städten belasten Autoabgase die Luft stark; Gewässer sind verunreinigt. In einschlägigen Studien über die Lebensumstände in Millionenstädten belegt Antananarivo regelmäßig einen der letzten Plätze weltweit.

Die neue Regierung unter Präsident Rajaonarimamapianina hat sich die Umweltpolitik zum Schwerpunkt gesetzt und betont den Zusammenhang zwischen Umwelt, nachhaltiger Nutzung der natürlichen Ressourcen und Armutsbekämpfung. Ausgehend von der Überlegung, dass die Erhaltung der verbliebenen Biodiversität im Interesse nachfolgender Generationen und der Menschheit insgesamt ist, liegt der Schwerpunkt der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit auf dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen Madagaskars. Hierzu werden die Kommunen bei der Landnutzungsplanung beraten. Auch Kinder werden bereits in der Schule für dieses Thema sensibilisiert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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