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Jordanien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juli 2014

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Jordanien und Deutschland sind seit langer Zeit eng und freundschaftlich. Deutschland gehört in vielen Bereichen zu den wichtigsten Partnern des Landes, das 1994 als zweiter arabischer Staat einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hat und sich im regionalen und internationalen Rahmen aktiv um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts bemüht. Über die politische Ebene hinaus besteht eine erfolgreiche Kooperation in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Die zahlreichen Besuche deutscher Politikerinnen und Politiker und Reisen jordanischer Politiker nach Deutschland sind Zeichen dieser engen Beziehungen. Außenminister Steinmeier traf seinen jordanischen Amtskollegen, Außenminister Judeh, im Juli 2014 in Amman. Die Außenminister kommen daneben regelmäßig im multilateralen Rahmen zusammen. Entwicklungsminister Müller hat Jordanien im Februar 2014 besucht. König Abdullah II. führte im Juni 2014 Gespräche mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin.

In Jordanien sind vier politische Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung) mit Büros vertreten.

Wirtschaftliche und entwicklungspolitische Beziehungen

Die deutsch-jordanischen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind vor allem durch den bilateralen Warenaustausch gekennzeichnet. Deutschland exportiert nach Jordanien vor allem Produkte aus den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, technische Anlagen, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Nahrungsmittel. 2013 beliefen sich die deutschen Exporte nach Jordanien auf ca. 592 Mio. Euro, die jordanischen Exporte nach Deutschland hingegen nur auf 4 Mio. Euro. Gemessen an den Importen ist Deutschland neben Italien der wichtigste europäische Handelspartner Jordaniens.

Gute Investitionschancen für deutsche Unternehmen bieten sich im Bereich Erneuerbare Energien, im Dienstleistungssektor sowie in den Bereichen Gesundheit und Tourismus sowie Grüne Technologien (z.B. Müllverwertung). Die „German Water Partnership“ hat Jordanien als eines ihrer Fokusländer ausgewählt. Der Umfang von Direktinvestitionen ist derzeit noch gering.

Seit August 2010 besteht ein Investitionsschutz- und Förderabkommen zwischen Deutschland und Jordanien.

Eine wichtige Rolle in den deutsch-jordanischen Beziehungen spielt die Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland gehört mit den USA, Japan und der Europäischen Kommission zu den größten bilateralen Gebern. Schwerpunkt der deutsch-jordanischen Zusammenarbeit ist der Wassersektor. Jordanien ist im Weltmaßstab das viertärmste Land in Bezug auf verfügbare Wasserressourcen pro Kopf. Durch den derzeitigen Flüchtlingszustrom aus Syrien geraten die ohnehin knappen Ressourcen und die stark beanspruchte Wasserinfrastruktur zusätzlich unter Druck. Neben kurzfristig angelegten Eilmaßnahmen zur Linderung der Notlage vor allem in den Grenzregionen engagiert sich Deutschland für eine nachhaltige Verbesserung des jordanischen Wassersektors. Mittelfristiges Ziel ist der Aufbau eines integrierten Wasserressourcenmanagements, in das Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft einbezogen sind. Darüber hinaus werden auch einzelne Projekte in anderen Bereichen gefördert (Schulbau, Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung der Geschlechter). Zur Unterstützung beim Kapazitätsaufbau werden jordanische Fach- und Führungskräfte zu verschiedenen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen in Deutschland und in Drittstaaten eingeladen. Das Volumen der derzeit laufenden Vorhaben im Bereich der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit beträgt rund 575 Mio. Euro.

Ferner profitierte Jordanien von der Möglichkeit der Schuldenumwandlungen in Entwicklungsprojekte (Dept Swaps), nutzbar für entsprechende Projekte in den Bereichen Armutsbekämpfung, Umweltschutz und Bildung. Bisher wurden 234 Millionen Euro über Schuldenumwandlungen erlassen. Im September 2011 wurde das elfte und letzte Abkommen dieser Art i.H.v. 27 Millionen Euro unterzeichnet. Diese Mittel kamen der Deutsch-Jordanischen Universität und dem Bau von Grundschulen zugute.

Austausch im Wissenschafts- und Kulturbereich

Die deutsch-jordanischen Kulturbeziehungen stützen sich ganz wesentlich auf drei Säulen – die Hochschulkooperation, die Zusammenarbeit im Bereich der Archäologie sowie bilaterale Kultur- und Sprachprogramme, die vom Goethe-Institut Amman umgesetzt werden.

Jordanische Universitäten und Forschungseinrichtungen pflegen in den verschiedensten Bereichen einen regen Austausch mit Deutschland. Viele jordanische Wissenschaftler haben in Deutschland studiert oder promoviert und setzen gemeinsame Forschungsvorhaben mit deutschen Kollegen um. Mit Hilfe deutscher Stipendien oder auch auf eigene Kosten kommen jedes Jahr zahlreiche Jordanier als Studierende, Doktoranden oder Professoren für Kurz- und Langzeitaufenthalte nach Deutschland.

Seit 2012 unterhält der DAAD (Deutsche Akademische Austauschdienst) ein Informationszentrum (IC) in Amman, welches als Anlaufstelle für sämtliche Fragen zum deutschen Hochschulwesen und Studienmöglichkeiten in Deutschland fungiert und eine Reihe von Stipendienangeboten administrativ betreut.

Die 2005 eröffnete Deutsch-Jordanische Universität (German Jordanian University, GJU) ist das größte deutsche Hochschulexportprojekt mit einem Schwerpunkt in ingenieurwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern. Curriculum und Lehre dieser staatlichen jordanischen Universität orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Kooperationen mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal ist seit 2005 federführende Projektpartnerin der GJU im Rahmen des DAAD-Programms „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“. Alle Studierenden der GJU absolvieren im 4. Studienjahr ein Studiensemester an einer der über 70 deutschen Partnerhochschulen sowie ein obligatorisches Betriebspraktikum in Deutschland.

Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt. Auf dem GJU-Campus in Mushaqar in der Nähe von Madaba studieren über 3000 Studenten an 8 Fakultäten und in insgesamt 20 Studiengängen. Die GJU fungiert auch als regionales Kompetenzzentrum für die Deutschlehrerausbildung (Bachelor- und Masterprogramme für „Deutsch als Fremdsprache“), das sich explizit auch an die Interessenten aus der gesamten Region Nordafrika, Nah- und Mittelost richtet.

In der Archäologie ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Jordanien seit vielen Jahrzehnten eng und vertrauensvoll. Eine Niederlassung des Deutschen Evangelischen Instituts für die Altertumskunde im Heiligen Land (DEIAHL), zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), koordiniert gemeinsame Grabungen mit dem jordanischen Antikendienst vor allem im Norden des Landes (Jerash, Gadara, Tell Zirā’a bei Um Quais, Tell Usher bei Irbid).

Das Auswärtige Amt unterstützte mittels seines Kulturerhalt-Programms und gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft über mehrerer Jahre hinweg bautechnische Untersuchungen und die Wiederherstellung prägender Stilelemente an der Ruine des Wüstenschlosses Mshatta, dessen originale Südfassade zu den Beständen des Pergamon-Museum in Berlin gehört. Das Goethe-Institut Amman spricht mit seinem abwechslungsreichen Programm-Mix aus Theater, Musik und Ausstellungen gezielt ein jüngeres, an Deutschland interessiertes Publikum an. Die Deutschkurse des Goethe-Instituts sind stark nachgefragt. Im Rahmen der Initiative „Schulen Partner der Zukunft“ konnte ein Unterrichtsangebot „Deutsch als Fremdsprache“ an zwei jordanischen Schulen verankert werden, die eng mit dem Goethe-Institut kooperieren. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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