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Belgien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Juni 2016

Kulturpolitik

Nach der 1994 abgeschlossenen Verfassungsreformen ist die Zuständigkeit für Kultur und Erziehung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften (Niederländisch, Französisch und Deutsch) übergegangen. Das bedeutet, dass die gesamte staatliche Kulturpolitik Belgiens in deren Kompetenz fällt. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen. Die Gemeinschaften haben in der Folge auch im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut. An einigen belgischen Botschaften – so auch in Berlin - sind sie durch Referenten vertreten, die im Innenverhältnis der entsendenden Gemeinschaft unterstehen.

Bildungspolitik

Das Gewicht der Bildungspolitik in der Gesamtpolitik ist erheblich. Dies resultiert aus dem Sprachenstreit, der sich wie ein roter Faden durch die belgische Geschichte zieht und bei dem es um die Gleichstellung der niederländischen Sprache und flämischen Kultur mit der französischen geht. Die Bildungspolitik war auch eine der Kernfragen der im Juni 2001 nach langen Verhandlungen verabschiedeten Regionalreform (Accord de Lambermont), deren Anliegen u.a. die Stärkung der Finanzkraft der die Bildungspolitik tragenden Gemeinschaften war.

Schulsystem

In Belgien gilt vom 6. bis zum 18. Lebensjahr Schulpflicht. In diesem Zeitraum ist der Zugang zum Unterricht unentgeltlich. Auch die Vorschulerziehung ist kostenlos und bietet allen Kindern problemlos einen Platz.

Das Unterrichtswesen ist in Grundschul-, Sekundar- und Hochschulunterricht gegliedert und als Ganztagsunterricht organisiert.

Grundschulunterricht:
    Von 2,5 bis 6 Jahre: Vorschule;
    Von 6 bis 12 Jahre: Primarschule

Sekundarunterricht:
    In drei Stufen von jeweils zwei Jahren gegliedert.
    1. Stufe vermittelt Grundausbildung.

    Ab der 2. Stufe: Wahlmöglichkeiten: allgemeinbildender Sekundarunterricht, berufsbildender Sekundarunterricht, Kunstsekundarunterricht, technischer Sekundarunterricht; das Abschlusszeugnis des Sekundarunterrichts nach sechs erfolgreich abgeschlossenen Jahren bzw. sieben im berufsbildenden Sekundarunterricht berechtigt zum Hochschulstudium.

Hochschulen

Es müssen an allen Einrichtungen Studiengebühren bezahlt werden. Ein Numerus clausus besteht nicht, allerdings gibt es in einigen Studienrichtungen (Kunst, nautische Wissenschaften, Zahn- und Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften) Eignungsprüfungen. Zugangsvoraussetzung: Abschlusszeugnis der Oberstufe des Sekundarunterrichts. Ausländische Studierende müssen vor Studienbeginn eine Sprachprüfung in der jeweiligen Unterrichtssprache ablegen.

Im akademischen Jahr 2004-2005 wurden die Bachelor– und Masterstudiengänge eingeführt.

Flämische Gemeinschaft:

  • 6 Universitäten
  • 13 Hochschulen
  • 1 University College

Deutschsprachige Gemeinschaft:

  • 1 Hochschule

Französische Gemeinschaft/Fédération Wallonie-Bruxelles:

  • 20 Hochschulen
  • 16 Kunsthochschulen
  • 6 Universitäten
  • 1 Militärhochschule

Kultur

Kultur nimmt in Belgien einen hohen Stellenwert ein. Das Palais von BOZAR (Museum der Schönen Künste) in Brüssel ist mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich der größte Publikumsmagnet, sein Pendant in Charleroi erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Die Theater wiesen ebenfalls hohe Besucherzahlen auf, zu den beliebtesten zählt u.a. das Le Public in Brüssel, in Lüttich ist die die Opéra Royal de Wallonie sehr populär. Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die Festivals: Das "Brussels Summer Festival" verzeichnete 120.000 Besucher, das Tomorrowland 2015 (180.000 Besucher), die "City Parade" in Lüttich und die "Fêtes de Wallonie" in Namur (2013 war Deutschland Ehrengast) verzeichneten jeweils 250.000 Interessierte. Aktuell findet im Rahmen des Deutsch-Französischen Fonds beim kunstenfestivaldesarts in Brüssel die Performance „Welcome to Caveland!“ statt. Dabei geht es darum, Künstlern und Intellektuellen beider Länder eine Plattform für Diskurs und Performance zu bieten.

Bis Dezember 2015 war Mons  Kulturhauptstadt Europas. In diesem Zusammenhang wurde Anfang des Jahres die Ausstellung „Van Gogh in Borinage“ als einer der Höhepunkte (über 250.000 Besucher) gezeigt. Bis Januar 2016 wurden 3 Ausstellungen gezeigt: über Verlaine, über den Heiligen Georges (Begründer der Stadt Mons) und eine Fotoausstellung über die „Persönlichkeit Belgiens“. Anlässlich des Events sind nicht weniger als sechs neue Museen in der Stadt Mons eröffnet worden: Mons Memorial Museum, Arsonic, Artothèque, Le Musée du Doudou, Le Silex’s, Le Beffroi. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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