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Belgien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: April 2014

Kulturpolitik

Aufgrund der 1994 abgeschlossenen Verfassungsreformen ist die Zuständigkeit für Kultur und Erziehung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften übergegangen. Das bedeutet, dass die gesamte staatliche Kulturpolitik Belgiens in deren Kompetenz fällt. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen. Die Gemeinschaften haben in der Folge auch im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut. An einigen belgischen Botschaften – so auch in Berlin - stellen sie Referenten, die nach innen hin der entsendenden Gemeinschaft unterstehen.

Bildungspolitik

Das Gewicht der Bildungspolitik in der Gesamtpolitik ist erheblich. Dies resultiert aus dem Sprachenstreit, der sich wie ein roter Faden durch die belgische Geschichte zieht und bei dem es um die Gleichstellung der niederländischen Sprache und flämischen Kultur mit der französischen geht. Die Bildungspolitik war auch eine der Kernfragen der im Juni 2001 nach langen Verhandlungen verabschiedeten Regionalreform (Accord de Lambermont), deren Anliegen u.a. die Stärkung der Finanzkraft der die Bildungspolitik tragenden Gemeinschaften war.

Schulsystem

In Belgien gilt vom 6. bis zum 18. Lebensjahr Schulpflicht. In diesem Zeitraum ist der Zugang zum Unterricht unentgeltlich. Auch die Vorschulerziehung ist kostenlos und bietet allen Kindern problemlos einen Platz.

Man unterscheidet drei Unterrichtsnetze:

  • Der Gemeinschaftsunterricht: Im Auftrag der Gemeinschaft organisiert;
  • Der subventionierte offizielle Unterricht: im Auftrag der Kommunal- und Provinzialverwaltungen organisiert;
  • Der subventionierte freie Unterricht: Im Auftrag von Privatorganisationen organisiert, z.B. Montessorischulen, katholische Schulen; wird als freier Unterricht bezeichnet.

Das Unterrichtswesen ist in Grundschul-, Sekundar- und Hochschulunterricht gegliedert und als Ganztagsunterricht organisiert.

Grundschulunterricht:

  • Von 2,5 bis 6 Jahre: Vorschule;
  • Von 6 bis 12 Jahre: Primarschule

Sekundarunterricht:

In drei Stufen von jeweils zwei Jahren gegliedert.

  • 1. Stufe vermittelt Grundausbildung.
  • Ab der 2. Stufe: Wahlmöglichkeiten: allgemeinbildender Sekundarunterricht, berufsbildender Sekundarunterricht, Kunstsekundarunterricht, technischer Sekundarunterricht;
  • Abschlusszeugnis des Sekundarunterrichts nach sechs erfolgreich abgeschlossenen Jahren bzw. sieben im berufsbildenden Sekundarunterricht berechtigt zum Hochschulstudium.

Hochschulen

Es müssen an allen Einrichtungen Studiengebühren bezahlt werden. Ein Numerus clausus besteht nicht, allerdings gibt es in einigen Studienrichtungen (Kunst, nautische Wissenschaften, in Wallonien zusätzlich für Zahn- und Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften) Eignungsprüfungen. Zugangsvoraussetzung: Abschlusszeugnis der Oberstufe des Sekundarunterrichts. Ausländische Studierende müssen vor Studienbeginn eine Sprachprüfung in der jeweiligen Unterrichtssprache ablegen.

Im akademischen Jahr 2004-2005 wurden die Bachelor– und Masterstudiengänge eingeführt.

Flämische Gemeinschaft:

  • 6 Universitäten
  • 13 Hochschulen
  • 1 University College

Deutschsprachige Gemeinschaft:

  • 1 Hochschule

Französische Gemeinschaft/Fédération Wallonie-Bruxelles:

  • 20 Hochschulen
  • 16 Kunsthochschulen
  • 6 Universitäten
  • 1 Militärhochschule

Kultur

Kultur wird in Belgien hoch geschätzt. Le Soir veröffentlichte im Dezember die Besucherzahlen für Wallonien und Brüssel in 2013.

Demnach war bei den Museen das BOZAR (Museum der Schönen Künste) in Brüssel mit 1 Mio. Besuchern unangefochten auf Platz 1. Sein Pendant in Charleroi verzeichnete 70.000 Besucher, die Andy Warhol-Ausstellung in Mons 60.000.

Die Theater wiesen ebenfalls hohe Besucherzahlen auf. Mehr als 125.400 Theaterbegeisterte gingen in Brüssel ins Le Public, in Lüttich besuchten rund  84.700 Personen die Opéra royal de Wallonie.

Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die Festivals: Das Brussels Summer Festival verzeichnete 120.000 Besucher, die City Parade in Lüttich und die Fêtes de Wallonie in Namur (Letztere unter Beteiligung der Deutschen Botschaft) jeweils 250.000 Interessierte.

Lüttich wies  mit 5 Prozent seines Haushaltes die höchsten Kulturausgaben auf, Mons möchte seine 2014 von 0,8 Prozent auf 1,5 Prozent mehr als verdoppeln. Mitunter ist dies der Vorbereitung der Stadt auf ihren Status als Europäische Kulturhauptstadt 2015 geschuldet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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