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Afghanistan

Wirtschaft

Stand: August 2014

Wirtschaft

Afghanistan ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt und belegte 2013 im 'Human Development Index' (HDI) den 169. Platz unter 187 Staaten. Die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans wird trotz hoher jährlicher Wachstumsraten weiterhin nicht durch ein selbsttragendes Wirtschaftswachstum, sondern durch die Zuflüsse aus der internationalen Gebergemeinschaft stimuliert. Industrieproduktion ist kaum vorhanden, 80% der Bevölkerung sind im landwirtschaftlichen Bereich tätig.

Dabei bemüht sich die afghanische Regierung um eine wirtschaftliche Erholung des Landes und hat Erfolge vorzuweisen: Die Inflationsrate im Jahr 2013 betrug laut Weltbank-Angaben 7,7 %. Im Jahr zuvor waren es 4,4 %. 

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug laut IWF 2013 20,7 Mrd. USD (2012: 20,3 Mrd USD). Den größten Anteil am BIP hat der Dienstleistungssektor mit 53,5 %, gefolgt von der Landwirtschaft mit 27,7 % des BIP.

Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 betrug laut Weltbank 3,6 %. Das im Vergleich zu Vorjahren abgeschwächte Wachstum (2012: 14,4%) ist zu großen Teilen auf die Unsicherheit in Bezug auf den Ausgang des Präsidentschaftswahlkampfs zurückzuführen. Zudem werden mit dem Ende der ISAF-Mission die Einkünfte aus der umfangreichen internationalen Truppenpräsenz ab 2014 jedoch abnehmen. Dies wird Auswirkungen auf die afghanische Wirtschaft haben und insbesondere den afghanischen Arbeitsmarkt vor tiefgreifende Herausforderungen stellen. Wichtige Erfolge wurden im Bereich des Ausbaus der nationalen Infrastruktur erzielt. Durch den Bau von Straßen und Flughäfen und durch die Eröffnung der ersten afghanischen Eisenbahnstrecke von Masar-e Sharif nach Usbekistan konnte auch die für den Export afghanischer Waren wichtige infrastrukturelle Anbindung des Landes verbessert werden.

Als Motor für das Wirtschaftswachstum hat sich in den letzten Jahren vor allem der Dienstleistungssektor entwickelt: Die Kommunikationsbranche wuchs um 65 %, Transport und Logistik um 23 %, das Banken- und Versicherungswesen um 14,3 %. Diese Wachstumsdynamik im Dienstleistungsbereich war allerdings stark abhängig von der externen Nachfrage der Geber.

Große wirtschaftliche Erwartungen werden an die zunehmende Erschließung der afghanischen Rohstoffressourcen geknüpft. In Afghanistan lagern die weltweit größten Kupfervorkommen sowie Erdöl, Erdgas, Kohle, Lithium, Gold und Seltene Erden. Der Wert dieser Rohstoffe wird auf bis zu drei Billionen US-Dollar geschätzt. Für ihren Abbau sind jedoch noch große Investitionen in die Exploration und die Infrastruktur notwendig. Das seit langem erwartete Rohstoffgesetzt wurde im August 2014 verabschiedet. Damit wurden die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen in diesem Bereich verbessert.

Gerade im ländlichen Raum bleiben die Herausforderungen für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung angesichts mangelnder Infrastruktur, fehlender Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft und geringem Ausbildungsstand der Bevölkerung (Analphabetenquote auf dem Land von rund 90 %) aber weiterhin groß. Sicher ist, dass künftig die jährlich rund 400.000 neu auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen nicht vollständig vom landwirtschaftlichen Sektor absorbiert werden können.

Die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen bleibt eine Herausforderung. Nach langjährigem Wirtschaftswachstum und kontinuierlich steigenden Staatseinnahmen sieht sich Afghanistan vor allem aufgrund einer schwächelnden Wirtschaft mit einem Einbruch von Zoll- und Steuereinnahmen konfrontiert.

Die Eigeneinnahmen decken nur einen Teil der laufenden Kosten des afghanischen Staatshaushaltes, welcher nach wie vor durch Subventionen und Zahlungen der internationalen Gemeinschaft gestützt werden muss (insbesondere im Polizei-, Justiz-, Gesundheits- und Bildungssektor). Hinzu kommen bilaterale Projektmittel von Gebern, die für Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte aufgewendet werden.

Auf der Tokio-Konferenz von 2012 vereinbarten die Geber gemeinsam mit der afghanischen Regierung ein System gegenseitiger Verpflichtungen. Die Geber haben sich hierin verpflichtet, bis 2015 insgesamt 16 Mrd. USD für Entwicklung und Wiederaufbau bereitzustellen. Die afghanische Regierung hat sich im Gegenzug verpflichtet, umfassende Reformen umzusetzen, u.a. auch in dem Bereich Wachstum und Entwicklung.

Im November 2011 stellte der IWF ein neues Dreijahresprogramm für Afghanistan („Extended Credit Facility“) über 130 Mio. USD bereit. Dieses schließt an das vorherige Programm (2006-2010) an. Die mit dem Programm verknüpften Bedingungen werden regelmäßig von IWF-Prüfmissionen kontrolliert. Zwar bescheinigt der IWF der afghanischen Regierung kontinuierliche Fortschritte, gleichwohl steht das Land hinsichtlich der Umsetzung der IWF-Vorgaben weiterhin vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Reformen in den Bereichen öffentliche Finanzen und Finansektorregulierung.

Afghanistan bleibt weiterhin der weltweit größte Produzent für Opium, Heroin und Cannabis. Rund 2,2 Mio. Afghanen leben mittelbar oder unmittelbar vom Drogenanbau, -handel und -verkauf. Bisher ist es der afghanischen Regierung nicht gelungen, der Drogenproduktion in Afghanistan Herr zu werden. Trotz einer breit angelegten Strategie, verhindern die angespannte Sicherheitslage in den Hauptanbaugebieten im Süden des Landes sowie die weit verbreitete Korruption eine effiziente Bekämpfung des Drogenanbaus. Die hohen Gewinnmargen erschweren zudem die Einführung von alternativen landwirtschaftlichen Produkten.


Umwelt

Afghanistan ist mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert: Neben der rapide ansteigenden Luft- und Wasserverschmutzung in den Städten – insbesondere in Kabul – nehmen in vielen Landesteilen Entwaldung, Bodendegradation und die Überbeanspruchung der Wasserressourcen besorgniserregende Dimensionen an.

Der Baumbestand Afghanistans hat insbesondere unter dem Raubbau in den Kriegsjahren stark gelitten; die Wiederbelebung der Bewässerungslandwirtschaft in Kombination mit den regelmäßig wiederkehrenden Dürrejahren wirken sich ungünstig auf die Wasserressourcen aus. Das erwartete Abschmelzen der Gletscher des zentralen Hochlands durch den Klimawandel wird das Wasserressourcenmanagement Afghanistans vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Angesichts des raschen Bevölkerungswachstums können Ernährungssicherheit und Eindämmung der Armut in Afghanistan daher nur bei einem erfolgreichen Strukturwandel hin zu einer ressourceneffizienteren Landwirtschaft bei gleichzeitiger Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur erreicht werden.

2007 wurden ein nationales Umweltgesetz sowie entsprechende Umsetzungsverordnungen verabschiedet, weitere Umweltschutz-Gesetzesvorhaben sind in Vorbereitung. Die nationale Umweltschutzbehörde Afghanistans (National Environment Protection Agency, NEPA) ist dafür verantwortlich, den entsprechenden rechtlichen Vorgaben auch in der Praxis Geltung zu verschaffen.

Als Beitrag zur EU-Strategie für eine neue Partnerschaft mit Zentralasien unterstützt das Auswärtige Amt seit 2008 die regionale Wasserkooperation im Rahmen der Zentralasien-Wasserinitiative des Auswärtigen Amts („Berliner Prozess“). Am 7. und 8. März 2012 trafen sich in Berlin die Außen- und Wasserminister aller zentralasiatischen Republiken sowie Entscheidungsträger aus Geberländern und internationalen Organisationen zur Konferenz „Blue Diplomacy for Central Asia“, um die weitere Entwicklung der regionalen Wasserkooperation zu gestalten. Afghanistan gehört hydrogeographisch zum Aralseebecken, wurde im Einvernehmen mit den Teilnehmerstaaten der Zentralasien-Wasserinitiative des Auswärtigen Amts erstmals als Beobachterstaat eingeladen und war durch seinen Botschafter in Berlin vertreten. Damit wurde eine gute Grundlage für die mittelfristige Heranführung Afghanistans an die regionale Kooperation der Länder Zentralasiens im Rahmen der Wasserpolitik gelegt.

Quellen: IWF,Weltbank, UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Stand 01.09.2014

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