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Afghanistan

Wirtschaft

Stand: November 2013

Wirtschaft

Afghanistan ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt und belegte 2012 im „Human Development Index“ (HDI) den 175. Platz unter 187 Staaten. Die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans wird trotz hoher jährlicher Wachstumsraten weiterhin nicht durch ein selbsttragendes Wirtschaftswachstum, sondern durch die Zuflüsse aus der internationalen Gebergemeinschaft stimuliert. Industrieproduktion ist kaum vorhanden, 80% der Bevölkerung sind im landwirtschaftlichen Bereich tätig.

Dabei bemüht sich die afghanische Regierung um eine wirtschaftliche Erholung des Landes und hat Erfolge vorzuweisen: Die Inflationsrate im Jahr 2012 betrug laut IWF-Angaben nur noch 4,4 %. Im Jahr zuvor waren es noch 10,4 %. 

Das Bruttoinlandsprodukt stieg im afghanischen Haushaltsjahr 2011/12 auf 18,1 Mrd. USD (15,9 Mrd. USD 2010/2011). Den größten Anteil am BIP hat der Dienstleistungssektor mit 46,4 %, gefolgt von der Landwirtschaft mit 30,2 % des BIP.

Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 wird vom IWF mit 3,1 % prognostiziert. Das im Vergleich zu Vorjahren abgeschwächte Wachstum wird jedoch in immer größerem Maße von der afghanischen Privatwirtschaft selbst getragen und ist weniger abhängig von ausländischen Investitionen. So hat sich die Anzahl an Firmen, die Zugang zu Krediten erhielten, im ersten Quartal 2012 um 25% im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Die Ausfallquote bei Krediten an Unternehmen sinkt gegen null. Laut einer Studie des „Center for International Private Enterprise (CIPE)“ geben 75 % der befragten Unternehmen an, optimistisch auf zukünftige Geschäftsaktivitäten zu blicken. Durch den Bau von Straßen und Flughäfen und durch die Eröffnung der ersten afghanischen Eisenbahnstrecke von Masar-e Sharif nach Usbekistan konnte auch die für den Export afghanischer Waren wichtige infrastrukturelle Anbindung des Landes verbessert werden. Mit dem Ende der ISAF-Mission werden die Einkünfte aus der umfangreichen internationalen Truppenpräsenz ab 2014 jedoch abnehmen. Dies wird Auswirkungen auf die afghanische Wirtschaft haben und insbesondere den afghanischen Arbeitsmarkt vor tiefgreifende Herausforderungen stellen.

Als Motor für das Wirtschaftswachstum hat sich in den letzten Jahren vor allem der Dienstleistungssektor entwickelt: Die Kommunikationsbranche wuchs um 65 %, Transport und Logistik um 23 %, das Banken- und Versicherungswesen um 14,3 %. Diese Wachstumsdynamik im Dienstleistungsbereich war allerdings stark abhängig von der externen Nachfrage der Geber.

Große wirtschaftliche Erwartungen werden an die zunehmende Erschließung der afghanischen Rohstoffressourcen geknüpft. In Afghanistan lagern die weltweit größten Kupfervorkommen sowie Erdöl, Erdgas, Kohle, Lithium, Gold und Seltene Erden. Der Wert dieser Rohstoffe wird auf bis zu drei Billionen US-Dollar geschätzt. Für ihren Abbau sind jedoch noch große Investitionen in die Exploration und die Infrastruktur notwendig. Weiterhin steht außerdem die Verabschiedung des geplanten Rohstoffgesetzes durch das afghanische Parlament aus, das die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen in diesem Bereich schaffen soll.

Gerade im ländlichen Raum bleiben die Herausforderungen für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung angesichts mangelnder Infrastruktur, fehlender Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft und geringem Ausbildungsstand der Bevölkerung (Analphabetenquote auf dem Land von rund 90 %) aber weiterhin groß. Sicher ist, dass künftig die jährlich rund 400.000 neu auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen nicht vollständig vom landwirtschaftlichen Sektor absorbiert werden können.

Entsprechend der positiven wirtschaftlichen Entwicklung sind laut Berechnungen der Weltbank die Staatseinnahmen im Jahr 2012 auf 1,9 Mrd. USD gestiegen und sind damit so hoch wie nie zuvor in der Geschichte Afghanistans. Für 2013 wird ein weiterer Anstieg auf 2,4 Mrd. USD erwartet.

Gleichwohl decken die Eigeneinnahmen nur einen Teil der laufenden Kosten des afghanischen Staatshaushaltes, welcher nach wie vor durch Subventionen und Zahlungen der internationalen Gemeinschaft gestützt werden muss (insbesondere im Polizei-, Justiz-, Gesundheits- und Bildungssektor). Hinzu kommen bilaterale Projektmittel von Gebern, die für Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte aufgewendet werden. Auf der Tokio-Konferenz von 2012 vereinbarten die Geber gemeinsam mit der afghanischen Regierung ein System gegenseitiger Verpflichtungen. Die Geber haben sich hierin verpflichtet, bis 2015 insgesamt 16 Mrd. USD für Entwicklung und Wiederaufbau bereitzustellen. Die afghanische Regierung hat sich im Gegenzug verpflichtet, umfassende Reformen umzusetzen, u.a. auch in dem Bereich Wachstum und Entwicklung. Afghanistan bleibt weiterhin der weltweit größte Produzent für Opium, Heroin und Cannabis. Rund 2,2 Mio. Afghanen leben mittelbar oder unmittelbar vom Drogenanbau, -handel und -verkauf. Bisher ist es der afghanischen Regierung nicht gelungen, der Drogenproduktion in Afghanistan Herr zu werden. Trotz einer breit angelegten Strategie, verhindern die angespannte Sicherheitslage in den Hauptanbaugebieten im Süden des Landes sowie die weit verbreitete Korruption eine effiziente Bekämpfung des Drogenanbaus. Die hohen Gewinnmargen erschweren zudem die Einführung von alternativen landwirtschaftlichen Produkten.

Im November 2011 stellte der IWF ein neues Dreijahresprogramm für Afghanistan („Extended Credit Facility“) über 130 Mio. USD bereit. Dieses schließt an das vorherige Programm (2006-2010) an. Die mit dem Programm verknüpften Bedingungen werden regelmäßig von IWF-Prüfmissionen kontrolliert. Die erste Prüfmission bescheinigte der afghanischen Regierung Fortschritte in den Bereichen Transparenz und Regulierung des Finanzsektors. Gleichwohl steht das Land hinsichtlich der Umsetzung der IWF-Vorgaben weiterhin vor großen Herausforderungen, beispielsweise bei der Verabschiedung von notwendigen Steuer-, Zoll- und Geldwäschegesetzen.

Umwelt

Afghanistan ist mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert: Neben der rapide ansteigenden Luft- und Wasserverschmutzung in den Städten – insbesondere in Kabul – nehmen in vielen Landesteilen Entwaldung, Bodendegradation und die Überbeanspruchung der Wasserressourcen besorgniserregende Dimensionen an.

Der Baumbestand Afghanistans hat insbesondere unter dem Raubbau in den Kriegsjahren stark gelitten; die Wiederbelebung der Bewässerungslandwirtschaft in Kombination mit den regelmäßig wiederkehrenden Dürrejahren wirken sich ungünstig auf die Wasserressourcen aus. Das erwartete Abschmelzen der Gletscher des zentralen Hochlands durch den Klimawandel wird das Wasserressourcenmanagement Afghanistans vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Angesichts des raschen Bevölkerungswachstums können Ernährungssicherheit und Eindämmung der Armut in Afghanistan daher nur bei einem erfolgreichen Strukturwandel hin zu einer ressourceneffizienteren Landwirtschaft bei gleichzeitiger Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur erreicht werden.

2007 wurden ein nationales Umweltgesetz sowie entsprechende Umsetzungsverordnungen verabschiedet, weitere Umweltschutz-Gesetzesvorhaben sind in Vorbereitung. Die nationale Umweltschutzbehörde Afghanistans (National Environment Protection Agency, NEPA) ist bislang jedoch kaum in der Lage, entsprechenden rechtlichen Vorgaben auch in der Praxis Geltung zu verschaffen.

Als Beitrag zur EU-Strategie für eine neue Partnerschaft mit Zentralasien unterstützt das Auswärtige Amt seit 2008 die regionale Wasserkooperation im Rahmen der Zentralasien-Wasserinitiative des Auswärtigen Amts („Berliner Prozess“). Am 7. und 8. März 2012 trafen sich in Berlin die Außen- und Wasserminister aller zentralasiatischen Republiken sowie Entscheidungsträger aus Geberländern und internationalen Organisationen zur Konferenz „Blue Diplomacy for Central Asia“, um die weitere Entwicklung der regionalen Wasserkooperation zu gestalten. Afghanistan gehört hydrogeographisch zum Aralseebecken, wurde im Einvernehmen mit den Teilnehmerstaaten der Zentralasien-Wasserinitiative des Auswärtigen Amts erstmals als Beobachterstaat eingeladen und war durch seinen Botschafter in Berlin vertreten. Damit wurde eine gute Grundlage für die mittelfristige Heranführung Afghanistans an die regionale Kooperation der Länder Zentralasiens im Rahmen der Wasserpolitik gelegt.

Quellen: IWF,Weltbank, UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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