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Moldau, Republik

Wirtschaft

Stand: April 2015

Charakterisierung der Wirtschaft Moldaus

Die Republik Moldau hat eine in weiten Teilen freie Marktwirtschaft. Mittel- und langfristig hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, von einer konsum- und importbasierten Wirtschaftsweise hin zu einem Wirtschaftswachstum zu kommen, das von Produktion und Innovation getrieben wird.

Als Teil des Assoziierungsabkommens mit der EU ist die Einrichtung einer vertieften und umfassenden Freihandelszone (DCFTA) vereinbart worden. Diese Freihandelszone sowie die schrittweise Annäherung moldauischer Rechtsvorschriften an EU-Rechtsvorschriften ermöglichen der Republik Moldau eine enge Anbindung an den EU-Binnenmarkt. Mit Beginn der vorläufigen Anwendung des Abkommens seit Herbst 2014 wird es Schritt für Schritt seine Wirkung entfalten.

Das BIP wuchs 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6% (real, 2013: 9,4%). Für 2015 gehen Prognosen von einem Wachstum zwischen 0% und 3% aus. Mit einem BIP pro Kopf von 2.231 USD (nominal, 2014) ist die Republik Moldau eines der ärmsten Länder Europas.

Die EU ist größter Handelspartner der Republik Moldau. Laut dem nationalen Statistikbüro der Republik Moldau stammten 2014 48,3% der Importe aus der EU und 27,3% aus den GUS-Staaten. Das Land exportierte 53,3% der Ausfuhrgüter in die EU und 31,4% in die GUS-Region. Die enge Verflechtung mit Russland ist weiterhin von hoher Bedeutung für die Wirtschaft der Republik Moldau. Sie ist in hohem Maße auf russische Energieimporte, Rücküberweisungen von dort lebenden Gastarbeitern und Russland als wichtigem Absatzmarkt für Agrarerzeugnisse angewiesen.

Die Verbesserung des Geschäftsklimas und der Investitionsbedingungen, der Abbau von bürokratischen Hindernissen sowie der Kampf gegen die Korruption gehören zu den erklärten Prioritäten der Regierung. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder Fälle der Veruntreuung von Staatsvermögen bzw. des Missbrauchs von staatlichen Ämtern bekannt. Die EU-Annäherung bleibt der wichtigste Motor für Reformen in Justiz und Verwaltung.

Den Freien Wirtschaftszonen kommt für ausländische Unternehmen große Bedeutung zu, da sie ihnen Steuervorteile und eine verbesserte Infrastruktur bieten. Die Zufluss ausländischer Direktinvestitionen betrug in den ersten drei Quartalen 2014 296 Mio. USD. Etwas mehr als die Hälfte kamen aus der EU und 11% aus den GUS-Ländern. Die Russische Föderation bleibt größter Einzelinvestor in der Republik Moldau.


Wirtschaftszweige

Moldau ist mit seinen fruchtbaren Schwarzerde-Böden und mildem Klima traditionell landwirtschaftlich geprägt. Wein, Rüben, Sonnenblumen, Lavendel, Mais und Getreide spielen eine wesentliche Rolle. Die Agrarwirtschaft trug 2014 12,3% zum BIP bei (zum Vergleich: 29% im Jahre 2000) und 29% aller moldauischen Arbeitnehmer sind in der Landwirtschaft beschäftigt.

Dienstleistungen machten 2014 (Jan. bis Sep.) insgesamt 60% des BIPs aus. Die Industrieproduktion hatte einen Anteil von 14%. In der Republik Moldau ist die Leichtindustrie (Textil, Schuhe, Teppiche) stark vertreten. In jüngster Zeit spielen Autozulieferer aus den EU-Mitgliedstaaten eine wachsende Rolle.


Außenhandel

Das Handelsbilanzdefizit ist groß, aber mit rückläufiger Tendenz. 2014 fielen die Exporte aus Moldau leicht auf 2,3 Mrd. USD und die Importe auf 5,3 Mrd. USD. Bei den Einfuhren sind Moldaus größte Handelspartner Rumänien, Russland und die Ukraine. China liegt bei den Einfuhren wie im Vorjahr auf dem vierten Platz. Bei den Ausfuhren führen Rumänien, Russland und Italien die Statistik an. Exportiert werden vor allem Agrarprodukte (Wein, Gemüse, Obst, Trockenfrüchte, Fleisch, Tiere), Schuhe und Textilien sowie in beschränktem Umfang Elektrotechnik. Die Exporte nach Deutschland stiegen 2014 weiterhin stark an.

Im September 2013 suspendierte die Russische Föderation den Import moldauischer Weine, im Juli 2014 wurde ein Importverbot für verschiedene Früchte und Konserven ausgesprochen. Die EU reagierte mit der Liberalisierung des Weinhandels mit der Republik Moldau und zusätzlichen Marktöffnungen.


Energie

Moldau ist zu 100% abhängig von Gasimporten aus Russland. Rund 30% der Ausgaben für Importe entfallen auf Energieträger.

Im Herbst 2014 wurde eine Gaspipeline fertiggestellt, die Rumänien (Iaşi) und Moldau (Ungheni) verbindet. Das Projekt mit einem Finanzvolumen von ca. 20 Mio. EUR wurde maßgeblich von der EU und Rumänien finanziert.

Die Energieeffizienz zu erhöhen, erneuerbare Energien stärker zu gewichten und neue Energiepartnerschaften zu etablieren sind erklärte strategische Ziele der Regierung. Ein Gesetzentwurf zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Regelung der dezentralen Einspeisung liegt aktuell dem Parlament vor.


Soziale Lage

Die Republik Moldau rangiert beim Human Development Index auf Rang 114 von 187 Ländern. Das Stadt-Land-Gefälle ist beträchtlich. In den meisten Dörfern fehlt der Anschluss an das Wasser- und Abwassersystem, Straßen und Wege sind oft unbefestigt. Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie häusliche Gewalt sind keine Seltenheit. Zahlreiche Dörfer sind verwaist. Eltern gehen vielfach als Arbeitsmigranten ins Ausland und lassen Kinder („Sozialwaisen“) und alte Menschen zurück. Die Rücküberweisungen der ca. 800.000 Auslands-Moldauer belaufen sich auf ca. ein Drittel der Höhe des BIP. Dies stabilisiert den inländischen Konsum, allerdings fehlen qualifizierte Arbeitskräfte für nachhaltiges produktives Wachstum in Inland.

Die Arbeitslosenrate wurde für 2013 mit 5,6% angegeben. Diese Zahl berücksichtigt weder die Migranten noch die erhebliche Schattenwirtschaft. Das monatliche Durchschnittsgehalt von knapp 220 EUR reicht zum Leben nicht aus. Auf den Dörfern wird daher häufig Subsistenzwirtschaft betrieben; in den Städten sind Mehrfach- und Gelegenheitsjobs die Regel.


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