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Bosnia and Herzegovina

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

Die Kultur- und Bildungshoheit fällt weitgehend in die Zuständigkeit der beiden Entitäten Republika Srpska (RS) und Föderation Bosnien und Herzegowina (FBiH) - letztere unterteilt in zehn Kantone mit jeweils eigenen Zuständigkeiten im Kultur- und Bildungssektor. Die Bildungslandschaft ist durch die drei konstitutiven Volksgruppen geprägt; ein einheitliches Bildungssystem existiert nicht.

Auf gesamtstaatlicher Ebene übernimmt das Ministerium für Zivile Angelegenheiten mit seiner Abteilung für Bildung die koordinierenden Aufgaben für die Anpassung der Richtlinien der Entitätsinstitutionen sowie die Vertretung Bosnien und Herzegowinas bei internationalen Organisationen im Bildungsbereich. Darüber hinaus ist es auch für die Kulturförderung zuständig.

In der FBiH existieren zwei Ministerien; eines für Kultur und Sport, ein anderes für Bildung und Wissenschaft. Daneben verfügen die 10 Kantone über eigene Ministerien. Die RS ist zentralstaatlich organisiert und steuert die Bildungspolitik unmittelbar aus Banja Luka.

Es besteht Schulpflicht bis zur neunten Schulklasse. Nach Abschluss der obligatorischen Primärschule können die Absolventen ihren Bildungsweg entweder für drei bis vier Jahre in Sekundarschulen fortsetzen (Gymnasien, Kunstschulen, technische Schulen), oder sich für eine dreijährige Berufsausbildung entscheiden. Der Zugang zu Universitäten steht allen Absolventen einer Sekundarschule sowie – mit Einschränkungen – Absolventen von Berufsschulen offen und orientiert sich an den Ergebnissen einer Aufnahmeprüfung.

Aufgrund der heterogenen Struktur des Landes sind Lehrpläne und Lehrmaterialien nicht harmonisiert, die Unterrichtsgestaltung unterliegt der ethnisch vorrangigen Prägung der Region. In Gebieten Zentralbosniens und der Herzegowina mit heterogener Bevölkerungsstruktur gibt es rund 50 Schulen, an denen kroatische und bosniakische Schüler getrennt, nach unterschiedlichen Lehrplänen und häufig auch zu verschiedenen Zeiten in denselben Schulgebäuden unterrichtet werden („zwei Schulen unter einem Dach“). Obwohl sich die drei offiziellen Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch tatsächlich kaum voneinander unterscheiden, gewährt die Verfassung Anspruch auf muttersprachlichen Unterricht für Minderheiten. Der Anspruch wird nicht flächendeckend gewährleistet, weshalb es im Berichtszeitraum in einigen Städten Ostbosniens zu Schulstreiks kam.

Das Hochschulsystem befindet sich in einem grundlegenden Reformprozess. Neben den staatlichen Universitäten (insbesondere Sarajewo, Banja Luka, Tuzla, Mostar, Bihac) sind in den letzten Jahren viele private Hochschulen gegründet worden, deren Ruf allerdings unter Korruptionsvorwürfen leidet. Die Bologna-Deklaration wurde 2003 und die Lissabon-Deklaration 2004 unterzeichnet. Auf Gesamtstaatsebene ist im August 2007 ein Hochschulgesetz und im August 2008 ein Gesetz über die Erwachsenenbildung in Kraft getreten.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.