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Ecuador

Wirtschaft

Stand: November 2015

Überblick

Mit einem BIP pro Kopf von aktuell (2014) 6.297 US-Dollar (USD) (2013: 6008) ist das OPEC-Land Ecuador mit seinen 16 Mio. Einwohnern ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Das BIP lag 2014 bei 101 Mrd. USD (2013: 95 Mrd. USD). Das reale Wachstum betrug 3,7% (2013: 4,5%). Die nationale Währung ist seit dem Jahr 2000 der US-Dollar. Er hat zur Kosten- und Preisstabilität beigetragen. Dadurch fehlt aber der Regierung das Instrument einer eigenständigen Geldpolitik. 2013 investierte die Regierung 1,83% des BIP in höhere Bildung und 11% des BIP in den Gesundheitssektor, beides die jeweils höchsten Raten in Lateinamerika. Der staatlich festgelegte Mindestlohn beträgt 354 USD monatlich.

Charakteristisch für Ecuador bleibt die starke wirtschaftliche Abhängigkeit vom Erdölexport. Der Anteil der Erdölexporte an den Staatseinnahmen im Jahr 2014 betrug 28%. Die damit erzielten Einnahmen ermöglichten umfangreiche staatliche Investitionen. Diese waren Motor eines hohen Wirtschaftswachstums. Die Regierung will die Abhängigkeit vom Erdölsektor verringern. Wirtschaftspolitisches Hauptziel ist die Verbreiterung der industriellen Basis durch eine Änderung der Wirtschaftsstruktur des Landes.

Ecuadors Wirtschaft hat grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Struktur. Die aktuelle Verfassung von 2008 gewährt dem Staat eine führende Rolle in Wirtschaftsthemen, wovon die Regierung von Staatspräsident Correa durch mehrere Reformmaßnahmen Gebrauch gemacht hat. Insgesamt kennzeichnend für das Land ist einerseits eine positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung, andererseits eine zunehmende Machtkonzentration in Händen der Exekutive. Das beachtliche Wirtschaftswachstum wirkte sich positiv auf die Arbeitslosenstatistik (2014: 4,54%) und die Armutsreduzierung aus.

2015 erlitt Ecuador aufgrund des hohen Dollarkurses und des niedrigen Ölpreises erhebliche Einkommensverluste. Die Regierung musste daraufhin die vorgesehenen Ausgaben wiederholt kürzen und stimmt die Bevölkerung für das laufende Jahr auf Nullwachstum bzw. eine Rezession ein. Die Zentralbank geht derzeit noch von einem Wachstum von 0,4% aus. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen zu.


Wirtschaftsstruktur

Der Erdölexport dominierte auch 2014 mit 51% des Gesamtexports die ecuadorianische Wirtschaft (2013: 54%). Die Erdölfördermenge betrug 2014 203,1 Mio. Barrel (2013: 192,1 Mio. Barrel). Insgesamt wurden 154,7 Mio. Barrel Erdöl ausgeführt (2013: 140,2). Petroecuador, die staatliche Erdölgesellschaft, hat davon insgesamt 138,7 Mio. Barrel Erdöl ausgeführt - dies stellt einen Anteil von knapp 90% des exportierten Erdöls dar - und erzielte im Jahr 2014 Einnahmen in Höhe von 11,7 Mrd. USD.

Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos, jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten. Darüber hinaus ist Ecuador weltweit einer der größten Bananenproduzenten und größter Lieferant für Deutschland. Ca. 25% aller Arbeitnehmer sind im Landwirtschaftssektor beschäftigt.


Außenwirtschaft

2014 verzeichnete Ecuador  ein Handelsbilanzdefizit von 2,0 Mrd. USD (2013: 2,3 Mrd. USD). Der Wert der Importe betrug 2014 27,7 Mrd. USD, dem ein Export von 25,7 Mrd. USD gegenüberstand. Der Export erhöhte sich 2014 zwar im Vergleich zu 2013 um 0,9 Mrd. USD, die Importe (vor allem Rohstoffe und Konsumgüter) stiegen im gleichen Zeitraum jedoch um 0,6 Mrd. USD. Für Nichterdölprodukte betrug das Handelsbilanzdefizit 2014 sogar über 15,3 Mrd. USD.

Dem hohen Handelsbilanzdefizit außerhalb des Erdölsektors versucht die Regierung unter Anderem durch Importrestriktionen zu begegnen. Erklärtes Ziel ist es, die Importe bis 2017 um 6 Mrd. USD zu verringern. Konkrete Maßnahmen betreffen zum Beispiel kurzfristig eingeführte technische Normen, die die Importprodukte erfüllen müssen, und freiwillige Verpflichtungsvereinbarungen einzelner Sektoren für bis zu 30%ige Importreduzierungen. In der Endphase der Verhandlungen Ecuadors mit der EU über ein Handelsabkommen wurden 2014 die meisten Importrestriktionen im Verhältnis zur EU ausgesetzt. Zum 11.03.2015 führte die ecuadorianische Regierung – zunächst auf 15 Monate begrenzt – Schutzzölle bis zu einer Höhe von 45% für ein Drittel aller Importwaren (auch aus der EU) ein.

76% der Gesamtexporte gehen in Länder des amerikanischen Kontinents. Haupthandelspartner waren 2014 die USA, Chile, Peru und die EU.

Am 17.07.2014 paraphierten Außenhandelsminister Francisco Rivadeneira und EU-Kommissar de Gucht nach nur sieben Monaten Verhandlungsdauer den Handelsvertrag EU-Ecuador. Erst im Januar 2014 hatte Ecuador nach vier Jahren Pause offiziell wieder die Verhandlungen mit der EU über ein Handelsabkommen (Beitritt Ecuadors zum EU-Abkommen mit Peru und Kolumbien) aufgenommen, eine unmittelbare Folge des Besuchs von Präsident Correa im April 2013 in Berlin.

Die EU ist der größte Markt für ecuadorianische Nichterdölexporte, bei denen die EU einen Überschuss erzielt. Im Jahr 2014 betrug das Gesamtvolumen an Importen aus der EU nach Ecuador 3,02 Mrd. USD (2013: 2,93 Mrd. USD). Im gleichen Zeitraum exportierte Ecuador in die EU Produkte im Wert von 2,98 Mrd. USD (2013: 3,03 Mrd. USD). 9 von 10 ecuadorianischen Exportprodukten profitieren vom Allgemeinen Präferenzsystem der EU (APS), das über 2014 hinaus bis zum Inkrafttreten des Handelsabkommens mit der EU verlängert wurde.

Die Höhe ausländischer Direktinvestitionen in Ecuador ist im regionalen Vergleich gering. Sie liegen unter 1% des BIP. Ecuador verzeichnete im Jahr 2014 773,9 Mio. USD (2013 730,8 Mio. USD) Direktinvestitionen. Größere Investitionen kamen aus Mexiko, China und Spanien, aber auch aus Deutschland. Das Engagement aus den beiden Nachbarländern Peru und Kolumbien ist gering.

Gründe für die Zurückhaltung ausländischer Investoren waren bisher vor allem mangelnde Rechtssicherheit, umfangreiche staatliche Reglementierungen, eine ineffiziente Verwaltung, eine Devisenausfuhrsteuer von 5% und fehlendes Vertrauen in eine verlässliche Wirtschaftspolitik. Hinzu kommt, dass es sich bei Ecuador insgesamt um einen kleinen Markt handelt.

Eine Kündigung bestehender bilateraler Investitionsschutzabkommen wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung von 2008 ist zwar rechtlich möglich. Regierungsmitglieder haben jedoch öffentlich versichert, dass es zu keiner alternativlosen Kündigung der Abkommen mit Deutschland oder anderen EU-Partnern kommen werde. Der Regierung ist bewusst, dass dies die erwünschten Direktinvestitionen erschweren würde.


Wirtschaftslage

2015 erzielte Ecuador aufgrund des hohen Dollarkurses und des niedrigen Ölpreises geringere Einnahmen, insbesondere aus den Erdölexporten, und musste daraufhin die vorgesehenen Ausgaben wiederholt kürzen. Die ecuadorianische Zentralbank geht derzeit noch von einem Wachstum von 0,4% für das Gesamtjahr aus. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen leicht zu, bewegen sich aber laut offiziellen Angaben mit 4,2% bzw. 49% noch auf relativ niedrigem Niveau.

Im Jahr 2014 wuchs die Wirtschaft von Ecuador noch um 3,7%. Motor des Wirtschaftswachstums waren staatliche Zuwendungen und Ausgaben: hohe Investitionen in Infrastrukturprojekte und umfangreiche Personalausgaben. Sie kurbelten die Wirtschaft an und förderten den privaten Konsum. Die hohen Erdöleinnahmen wurden in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Die hohen öffentlichen Ausgaben wirkten sich positiv auf die Arbeitslosenstatistik und die Armutsreduzierung aus. Die offizielle Arbeitslosenrate lag 2014 bei 4,5% (viele Arbeitnehmer sind allerdings unter- oder nicht ausbildungsadäquat beschäftigt). Die Inflationsrate 2014 ist mit 3,6% eine der geringsten in Lateinamerika (2013: 2,5%). Die Armutsrate konnte auf 8,6% gesenkt werden.

Der staatliche Haushalt Ecuadors stieg in den letzten Jahren signifikant an auf 31,3 Mrd. USD im Jahr 2014 (2010: 23,5 Mrd. USD). Mit rund 14 Mrd. USD kommt der Groβteil der geschätzten Einnahmen aus dem Steueraufkommen (2013: 13 Mrd. USD). An zweiter Stelle folgen Erdölexporterlöse. Hauptausgabeposten sind Gehälter für den staatlichen Sektor mit ca. 8 Mrd. USD. Hinzu kommen umfangreiche Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur und der Wirtschaftssektoren außerhalb des Erdölbereichs. Das Haushaltsdefizit 2014 betrug 7,3% des BIP, die Verschuldung stieg auf 31,3% des BIP und wird 2015 nach derzeitigen Schätzungen auf mehr als 37% des BIP steigen.

Die Kreditwürdigkeit Ecuadors ist in den letzten Jahren gestiegen, dank des anhaltenden stabilen wirtschaftlichen Wachstums und der politischen Stabilität des Landes. Nicht zuletzt zeigte sich dies 2012 an der Bewilligung mehrerer Kredite multilateraler und regionaler Banken, darunter auch erstmals ein Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) an Ecuador in Höhe von 250 Mio. USD für den Bau der Metro in Quito. Im Juni 2014 konnte Ecuador sogar wieder eine Anleihe auf dem internationalen Markt in Höhe von 2 Mrd. USD platzieren. Es war die erste Anleihe seit dem von Staatspräsident Correa politisch gewollten Zahlungsausfall von 2008.

Im „Global Competitiveness Report 2014-15“ steht Ecuador mit 4,1 von 7 Punkten auf Platz 76 von 140 (Vorjahr 4,189 Punkte und Rang 71 von 148).


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Ecuador ist unter Anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) sowie der Andengemeinschaft (CAN) und der „Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas“ (ALBA). Des Weiteren ist es assoziiertes Mitglied im Gemeinschaftlichen Markt des Südens (Mercosur). Zudem ist Ecuador seit Dezember 2007 wieder Mitglied in der OPEC.


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