Hauptinhalt

Ecuador

Wirtschaft

Stand: März 2015

Überblick

Mit einem kontinuierlich steigenden BIP pro Kopf von aktuell (2013) 5.984 US-Dollar (USD) (2012: 5.645; 2011: 5.122) ist das OPEC-Land Ecuador mit seinen knapp 16 Mio. Einwohnern ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Das BIP lag 2013 bei 94,47 Mrd. USD (2012: 87,62 Mrd. USD). Das reale Wachstum betrug 4,5%, ein im lateinamerikanischen Vergleich knapp überdurchschnittlicher Wert. Die nationale Währung ist seit dem Jahr 2000 der US-Dollar. Er hat zur Kosten- und Preisstabilität beigetragen. Dadurch fehlt aber der Regierung das Instrument einer eigenständigen Geldpolitik. 2013 investierte die Regierung 1,83% des BIP in höhere Bildung, die höchste Rate in Lateinamerika. Der staatliche festgelegte Mindestlohn beträgt 354 USD monatlich.

Charakteristisch für Ecuador bleibt die starke wirtschaftliche Abhängigkeit vom Erdölexport. Der Anteil der Erdölexporte an den Staatseinnahmen im Jahr 2013 betrug 31%. Die damit erzielten Einnahmen ermöglichten umfangreiche staatliche Investitionen. Diese waren Motor eines hohen Wirtschaftswachstums. Die Regierung will die Abhängigkeit vom Erdölsektor verringern. Wirtschaftspolitisches Hauptziel ist die Verbreiterung der industriellen Basis durch eine Änderung der Wirtschaftsstruktur des Landes.

Ecuadors Wirtschaft hat grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Struktur. Die aktuelle Verfassung von 2008 gewährt dem Staat eine führende Rolle in Wirtschaftsthemen, wovon die Regierung von Staatspräsident Correa durch mehrere Reformmaßnahmen Gebrauch gemacht hat. Insgesamt kennzeichnend für das Land ist einerseits eine positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung, andererseits eine zunehmende Machtkonzentration in Händen der Exekutive. Die Ergebnisse der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Februar 2013, die zur Wiederwahl von Staatspräsident Correa und zur Zweidrittelmehrheit seiner „Alianza PAIS“ im Parlament geführt haben, lassen einen Fortgang dieser Entwicklung erwarten.

Das beachtliche Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf die Arbeitslosenstatistik (2014: 3,8%) und die Armutsreduzierung aus. Die Armutsrate sank in den letzten fünf Jahren um ca. fünf Prozentpunkte. Ca. 32% waren 2012 nach Angaben der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) von Armut betroffen, hauptsächlich in den ländlichen Regionen.


Wirtschaftsstruktur

Der Erdölexport dominierte auch 2013 mit 54% des Gesamtexports die ecuadorianische Wirtschaft (2012: 53,3%). Gegenüber dem Vorjahr wuchs der Erdölsektor insgesamt um 4,2%. Die Erdölfördermenge betrug 2013 192,1 Mio. Barrel (2012: 184 Mio. Barrel). Davon wurden 124,13 Mio. Barrel ausgeführt (2012:129,5).

Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos, jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten. Darüber hinaus ist Ecuador weltweit einer der größten Bananenproduzenten und größter Lieferant für Deutschland. Ca. 25% aller Arbeitnehmer sind im Landwirtschaftssektor beschäftigt.


Außenwirtschaft

2013 verzeichnete Ecuador ein Handelsbilanzdefizit von 2,1 Mrd. USD (2012: 1,3 Mrd. USD). Der Wert der Importe betrug 2013 27,1 Mrd. USD, dem ein Export von 25,0 Mrd. USD gegenüberstand. Der Export erhöhte sich 2013 zwar im Vergleich zu 2012 um 1,1 Mrd. USD, die Importe (vor allem Rohstoffe und Konsumgüter) stiegen im gleichen Zeitraum jedoch um 1,9 Mrd. USD. Für Nichterdölprodukte hätte das Handelsbilanzdefizit 2013 sogar über 9 Mrd. USD betragen.

Dem hohen Handelsbilanzdefizit außerhalb des Erdölsektors versucht die Regierung unter Anderem durch Importrestriktionen zu begegnen. Erklärtes Ziel ist es, die Importe bis 2017 um 6 Mrd. USD zu verringern. Konkrete Maßnahmen betreffen zum Beispiel kurzfristig eingeführte technische Normen, die die Importprodukte erfüllen müssen, und freiwillige Verpflichtungsvereinbarungen einzelner Sektoren für bis zu 30%ige Importreduzierungen. In der Endphase der Verhandlungen Ecuadors mit der EU über ein Handelsabkommen wurden 2014 die meisten Importrestriktionen im Verhältnis zur EU ausgesetzt. Zum 11.03.2015 führte die ecuadorianische Regierung – zunächst auf 15 Monate begrenzt – Schutzzölle bis zu einer Höhe von 45% für ein Drittel aller Importwaren (auch aus der EU) ein.

Fast 80% der Gesamtexporte gehen in Länder des amerikanischen Kontinents. Haupthandelspartner waren 2013 die USA, die EU und die Andenländer.

Am 17.07.2014 unterzeichneten Außenhandelsminister Francisco Rivadeneira und EU-Kommissar de Gucht nach nur sieben Monaten Verhandlungsdauer den Handelsvertrag EU-Ecuador. Erst im Januar 2014 hatte Ecuador nach vier Jahren Pause offiziell wieder die Verhandlungen mit der EU über ein Handelsabkommen (Beitritt Ecuadors zum EU-Abkommen mit Peru und Kolumbien) aufgenommen, eine unmittelbare Folge des Besuchs von Präsident Correa im April 2013 in Berlin.

Die EU ist der größte Markt für ecuadorianische Nichterdölexporte, bei denen Ecuador einen Überschuss erzielt. Im Jahr 2013 betrug das Gesamtvolumen an Importen aus der EU nach Ecuador 2,78 Mrd. USD. Im gleichen Zeitraum exportierte Ecuador in die EU Produkte im Wert von 3,05 Mrd. USD. 9 von 10 ecuadorianischen Exportprodukten profitieren vom Allgemeinen Präferenzsystem der EU (APS), das über 2014 hinaus bis zum Inkrafttreten des Handelsabkommens mit der EU verlängert wurde.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Ecuador belief sich nach Angaben der nationalen Statistikbehörde 2013 auf 1,178 Mrd. USD (2012: 1,29 Mrd. USD). Deutschland exportiert nach Ecuador vor allem Maschinen, pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Geräte, während aus Ecuador vor allem Südfrüchte (über 50% der Importwaren) sowie Fisch, Meeresfrüchte, Kaffee und Kakao nach Deutschland importiert werden. Ecuador ist größter Bananenlieferant nach Deutschland.

Die Höhe ausländischer Direktinvestitionen in Ecuador ist im regionalen Vergleich gering. Sie liegen deutlich unter 1% des BIP. Ecuador verzeichnete jedoch gegenüber dem niedrigen Niveau 2012 im Jahr 2013 einen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen auf 549,13 Mio. USD (2012: 335,8 Mio. USD). Größere Investitionen kamen aus Mexiko, China und Spanien, aber auch aus Deutschland. Das Engagement aus den beiden Nachbarländern Peru und Kolumbien ist gering.

Gründe für die Zurückhaltung ausländischer Investoren waren bisher vor allem mangelnde Rechtssicherheit, umfangreiche staatliche Reglementierungen, eine ineffiziente Verwaltung, eine Devisenausfuhrsteuer von 5% und fehlendes Vertrauen in eine verlässliche Wirtschaftspolitik. Hinzu kommt, dass es sich bei Ecuador insgesamt um einen kleinen Markt handelt.

Eine Kündigung bestehender bilateraler Investitionsschutzabkommen wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung von 2008 ist zwar rechtlich möglich. Regierungsmitglieder haben jedoch öffentlich versichert, dass es zu keiner alternativlosen Kündigung der Abkommen mit Deutschland oder anderen EU-Partnern kommen werde. Der Regierung ist bewusst, dass dies die erwünschten Direktinvestitionen erschweren würde.


Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum Ecuadors liegt mit 4% im Jahr 2013 etwas über dem lateinamerikanischen Durchschnitt. Motor des Wirtschaftswachstums sind staatliche Zuwendungen und Ausgaben: hohe Investitionen in Infrastrukturprojekte und umfangreiche Personalausgaben. Sie kurbeln die Wirtschaft an und fördern den privaten Konsum. Die hohen Erdöleinnahmen werden in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Die hohen öffentlichen Ausgaben wirken sich positiv auf die Arbeitslosenstatistik und die Armutsreduzierung aus. Die offizielle Arbeitslosenrate lag 2014 bei 3,8% (viele Arbeitnehmer sind allerdings unter- oder nicht ausbildungsadäquat beschäftigt). Die Inflationsrate 2014 ist mit 3,6% eine der geringsten in Lateinamerika (2013: 2,5%).

Laut der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) konnte die Regierung die Armutsrate 2012 von 37,1% auf 32,4% reduzieren. Die Einkommensungleichheit ist hoch, jedoch mit fallender Tendenz.

Der staatliche Haushalt Ecuadors stieg seit Jahren signifikant an auf 31,3 Mrd. USD im Jahr 2014 (2010: 23,5 Mrd. USD). Die staatlichen Gesamteinnahmen sollen 20,8 Mrd. USD betragen. Mit rund 14 Mrd. USD  kommt der Groβteil der geschätzten Einnahmen aus dem Steueraufkommen (2013: 13 Mrd. USD). An zweiter Stelle folgen Erdölexporterlöse. Hauptausgabeposten sind Gehälter für den staatlichen Sektor mit ca. 8 Mrd. USD. Hinzu kommen umfangreiche Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur und der Wirtschaftssektoren außerhalb des Erdölbereichs.

Die Regierung will den Haushalt 2015 mit Schulden von 5,2 Mrd. USD finanzieren. Tatsächlich müssten 9 Mrd. USD Kredite aufgenommen werden, um alle geplanten Infrastrukturprojekte umzusetzen. Die Schuldenlast beträgt aktuell 24,4 % des BIP, soll aber bis 2017 auf 36% des BIP steigen. Damit ist die aktuelle Schuldenlast zwar relativ gering – sie steigt jedoch rapide an. Besonders dramatisch dürfte sich der starke Rückgang des Ölpreises im Jahr 2014 auswirken. Hauptkreditgeber ist China mit aktuell geschätzten ca. 10 Mrd. USD an Krediten. Darüber hinaus ist ein neuer zusätzlicher Kredit in Höhe von ca. 9 Mrd. USD aus China im Gespräch, mit dem das größte Infrastrukturprojekt finanziert werden soll: die Pazifikraffinerie in der Nähe der Hafenstadt Manta.

Die Kreditwürdigkeit Ecuadors ist in den letzten Jahren gestiegen, dank des anhaltenden stabilen wirtschaftlichen Wachstums und der politischen Stabilität des Landes. Nicht zuletzt zeigte sich dies 2012 an der Bewilligung mehrerer Kredite multilateraler und regionaler Banken, darunter auch erstmals ein Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) an Ecuador in Höhe von 250 Mio. USD für den Bau der Metro in Quito. Im Juni 2014 konnte Ecuador sogar wieder eine Anleihe auf dem internationalen Markt in Höhe von 2 Mrd. USD platzieren. Es ist die erste Anleihe seit dem von Staatspräsident Correa politisch gewollten Zahlungsausfall von 2008.

Im „Global Competitiveness Report 2013-14“ steht Ecuador mit 4,18 von 7 Punkten auf Platz 71 von 148 (Vorjahr 3,9 Punkte und Rang 86 von 144).


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Ecuador ist unter Anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) sowie der Andengemeinschaft (CAN) und der „Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas“ (ALBA). Des Weiteren ist es assoziiertes Mitglied im Gemeinschaftlichen Markt des Südens (Mercosur). Zudem ist Ecuador seit Dezember 2007 wieder Mitglied in der OPEC. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere