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Ecuador

Wirtschaft

Stand: März 2017

Überblick

Mit einem BIP pro Kopf von (2016) 5.997 US-Dollar (USD) ist das OPEC-Land Ecuador mit seinen 16,2 Millionen Einwohnern ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Die nationale Währung ist seit dem Jahr 2000 der US-Dollar. Er hat zur Kosten- und Preisstabilität beigetragen. Dadurch fehlt aber der Regierung das Instrument einer eigenständigen Geldpolitik. Die Inflationsrate lag 2015 bei 3,38%.

Das BIP lag 2016 bei 99,1 Milliarden USD. Das reale Wachstum betrug 2016 minus 1,7%. Die Prognosen für 2017 variieren. Während die ecuadorianische Zentralbank (1,4%), die Weltbank (0,7%) und CEPAL (0,3%) mit einem leichten Wachstum rechnen, prognostiziert der IWF eine Schrumpfung des BIPs um minus 2,7%. Ursache für die angespannte Lage ist der 2015 stark gesunkene Ölpreis.

Während in den vergangenen Jahren hohe Erdölexporterlöse der Regierung umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur (Straßen, Häfen, Bildung, Gesundheit) erlaubten, musste das Investitionsbudget aufgrund der geringeren Einnahmen 2015 und 2016 erheblich gekürzt werden. 2015 gingen die Nettoerlöse aus dem Erdölexport im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Milliarden US-Dollar auf nur noch 2,9 Milliarden US-Dollar zurück. Wirtschaftspolitisches Hauptziel der Regierung ist daher eine Verringerung der Abhängigkeit des Landes vom Erdölsektor durch eine Verbreiterung der industriellen Basis.

Auch der aktuell hohe Kurs des US-Dollar hat zur angespannten Wirtschaftslage erheblich beigetragen, denn durch ihn haben sich ecuadorianische Exportprodukte erheblich verteuert.

Ecuadors Wirtschaft hat grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Struktur. Die aktuelle Verfassung von 2008 gewährt dem Staat eine führende Rolle bei Wirtschaftsthemen, wovon die Regierung von Staatspräsident Correa durch mehrere Reformmaßnahmen Gebrauch gemacht hat, was sich nicht uneingeschränkt positiv auf das Wirtschafts- und Investitionsklima ausgewirkt hat. Das Ziel der Regierung, die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren und die Wirtschaft stärker zu diversifizieren, konnte nicht im erwarteten Umfang erreicht werden. Das im Wesentlichen rohstoffgetriebene Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hatte sich 2015 noch positiv auf die Arbeitslosenstatistik und Armutsreduzierung ausgewirkt. 2016 kehrte sich dieser Trend um und sind Arbeitslosenrate und in besonderem Maße Unterbeschäftigung wieder angestiegen;  auch die extreme Armut erhöhte sich um 0,2% auf 8,7%. Der staatlich festgelegte Mindestlohn wurde 2016 auf 366 US-Dollar angehoben. 


Wirtschaftsstruktur

Die ecuadorianische Wirtschaft ist stark durch die Produktion von Primärgütern geprägt, der Anteil des Bergbaus (vor allem Erdöl) am BIP betrug 2015 9,7%, die Landwirtschaft (vor allem Bananen) und Fischerei (insbesondere Thunfisch und Garnelen) 8,0%, das Baugewerbe 10,1%, Handel, Transport und Logistik 17,6%, Industrie 11,9%, Telekommunikation 3,6% und sonstige Dienstleistungen 30,2% (Zahlen: GTAI).

Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos, jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten. Darüber hinaus ist Ecuador weltweit einer der größten Bananenproduzenten und größter Lieferant für Deutschland. Circa 25% aller Arbeitnehmer sind im Landwirtschaftssektor beschäftigt.


Außenwirtschaft

2016 verzeichnete Ecuador ein Handelsbilanzdefizit von 1,25 Milliarden US-Dollar (2015: 2,1 Milliarden US-Dollar). Aufgrund der auf Importe erhobenen Sondersteuern und der schwachen Konjunktur gingen die Importe stark zurück von 20,46 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf 15,551 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016. Die Exporterlöse sanken von 18,37 Milliarden US-Dollar (2015) auf 16,8 Milliarden US-Dollar (2016). Maßgeblich hierfür ist vor allem der andauernde Rückgang der Exporterlöse von Erdölprodukten auf nur noch 5,46 Milliarden US-Dollar. Dennoch blieben Ölerzeugnisse das wichtigste Exportprodukt vor Bananen (2,73 Milliarden US-Dollar), Garnelen und Fischkonserven (2,58 Milliarden US-Dollar). Die Exporte Ecuadors bestehen zu einem großen Teil aus Rohstoffen (circa 12,88 Milliarden US-Dollar), während industrielle Produkte 2016 nur mit 3,92 Milliarden US-Dollar zu den Einnahmen beitrugen. Dem hohen Handelsbilanzdefizit außerhalb des Erdölsektors versucht die Regierung unter anderem durch Importrestriktionen zu begegnen. Zum 11.03.2015 führte die ecuadorianische Regierung – zunächst auf 15 Monate begrenzt – Schutzzölle bis zu einer Höhe von 45% für ein Drittel aller Importwaren (auch aus der EU) ein. Ab Oktober 2016 wurden diese Zölle jedenfalls in Teilen wieder zurückgefahren; weitere Reduzierungen sind für April und Mai 2017 und die vollständige Eliminierung für Juni 2017 vorgesehen. Die Importquoten für Kfz wurden Ende 2016 aufgehoben.

Die wichtigsten Abnehmer für ecuadorianische Exporte waren 2016 die USA (32,36%) vor der EU (16,9%), Asien (16,9%) und der Andengemeinschaft (Peru, Kolumbien, Bolivien) mit 10,57%. Im gleichen Zeitraum exportierte Ecuador in die EU Produkte im Wert von 2,83 Milliarden US-Dollar (2015: 2,77 Milliarden US-Dollar). Zum 1. Januar 2017 ist Ecuador  dem EU-Handelsabkommen mit Peru und Kolumbien beigetreten.

Die Höhe ausländischer Direktinvestitionen in Ecuador ist im regionalen Vergleich gering. Ecuador verzeichnete  in den ersten drei Quartalen 2016 305 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen (2015: 516 Millionen US-Dollar).Gründe für die Zurückhaltung ausländischer Investoren waren bisher vor allem mangelnde Rechtssicherheit, umfangreiche staatliche Reglementierungen, eine ineffiziente Verwaltung, eine Devisenausfuhrsteuer von 5% und fehlendes Vertrauen in eine verlässliche Wirtschaftspolitik. Hinzu kommt, dass es sich bei Ecuador insgesamt um einen kleinen Markt handelt.

Eine Kündigung bestehender bilateraler Investitionsschutzabkommen wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung von 2008 ist zwar rechtlich möglich. Regierungsmitglieder haben jedoch öffentlich versichert, dass es zu keiner alternativlosen Kündigung der Abkommen mit Deutschland oder anderen EU-Partnern kommen werde. Der Regierung ist bewusst, dass dies die erwünschten Direktinvestitionen erschweren würde.


Wirtschaftslage

2015 erzielte Ecuador aufgrund des hohen Dollarkurses und des niedrigen Ölpreises geringere Einnahmen, insbesondere aus den Erdölexporten, und musste daraufhin die vorgesehenen Ausgaben wiederholt kürzen. Diese Situation hat sich 2016 fortgesetzt. Die Arbeitslosigkeit stieg bis September 2016 auf 5,2% an, die Unterbeschäftigung auf 19,4%, während die Zahl der adäquat Beschäftigten von 46,5% im Dezember 2015 auf 39,2% im September 2016 sank.  Der Anteil der Bevölkerung in absoluter Armut erhöhte sich bis Juni 2016 nach Angaben des ecuadorianischen Statistikamts wieder leicht auf 8,6%, der Anteil der Bevölkerung in Armut auf 23,7%. Die Inflationsrate sank auf 1,3% im September 2016. 

Die Regierung versuchte die geringeren Einnahmen vor allem durch Kürzungen im Investitionshaushalt und weiterhin hohe Kreditaufnahme im Ausland aufzufangen und Entlassungen im staatlichen Sektor möglichst zu vermeiden, zumal im Februar 2017 Präsidentschafts- und Parlamentswahlen anstehen. Der staatliche Haushalt Ecuadors war in den letzten Jahren signifikant auf 36,32 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 angestiegen, der Ansatz für 2016 wurde hingegen um gut 20% auf 29,835 Milliarden US-Dollar gekürzt. Das Haushaltsdefizit 2015 betrug nach Regierungsangaben 5,5 Milliarden US-Dollar und somit 5% des BIP. Die Regierung kalkuliert für 2016 mit einem Primärdefizit von 2,5 Milliarden US-Dollar und von 6,5 Milliarden US-Dollar unter Einrechnung des Schuldendienstes. Die Staatsverschuldung steigt daher stetig weiter und erreichte laut ecuadorianischer Zentralbank bis September 2016 37 Mrd. USD, entsprechend 38,4% des BIP.  

Im "Global Competitiveness Report 2015-16" steht Ecuador mit 4,07 von 7 Punkten auf Platz 76 von 140 (Vorjahr 4,1 Punkte und 76 von 140). Im "Ease of Doing Business"-Report 2015 belegt das Land Platz 115 von 189.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Ecuador ist unter anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) sowie der Andengemeinschaft (CAN) und der "Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas" (ALBA). Des Weiteren ist es assoziiertes Mitglied im Gemeinschaftlichen Markt des Südens (Mercosur). Zudem ist Ecuador seit Dezember 2007 wieder Mitglied in der OPEC.


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