Hauptinhalt

Ecuador

Wirtschaft

Stand: März 2016

Überblick

Mit einem BIP pro Kopf von (2014) 6.297 US-Dollar (USD) ist das OPEC-Land Ecuador mit seinen 16 Millionen Einwohnern ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Die nationale Währung ist seit dem Jahr 2000 der US-Dollar. Er hat zur Kosten- und Preisstabilität beigetragen. Dadurch fehlt aber der Regierung das Instrument einer eigenständigen Geldpolitik.

Das BIP lag 2015 bei geschätzt 99,068 Milliarden US-Dollar (2014: 101 Milliarden US-Dollar). Das reale Wachstum betrug 2015 laut Zentralbankangaben 0,4% (2014: 3,7%), unabhängige Analysten gehen jedoch von einem Rückgang von bis zu 1% aus. Für 2016 wird eine ähnliche Entwicklung erwartet. Ursache für die angespannte Lage ist der 2015 stark gesunkene Ölpreis und die hierdurch stark gesunkenen staatlichen Einnahmen aus dem Erdölexport. Erschwerend kommt der aktuell hohe Kurs des US-Dollar hinzu, wodurch sich ecuadorianische Produkte gegenüber den Nachbarländern erheblich verteuerten, da deren Währungen stark abwerteten.

Während in den vergangenen Jahren hohe Erdölexporterlöse der Regierung umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur (Straßen, Häfen, Bildung, Gesundheit) erlaubten, musste das Investitionsbudget aufgrund der geringeren Einnahmen 2015 und 2016 erheblich gekürzt werden. 2015 gingen die Nettoerlöse aus dem Erdölexport im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Milliarden US-Dollar auf nur noch 2,9 Milliarden US-Dollar zurück. Wirtschaftspolitisches Hauptziel der Regierung ist daher eine Verringerung der Abhängigkeit des Landes vom Erdölsektor durch eine Verbreiterung der industriellen Basis.

Ecuadors Wirtschaft hat grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Struktur. Die aktuelle Verfassung von 2008 gewährt dem Staat eine führende Rolle in Wirtschaftsthemen, wovon die Regierung von Staatspräsident Correa durch mehrere Reformmaßnahmen Gebrauch gemacht hat. Insgesamt kennzeichnend für das Land ist einerseits eine positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung, andererseits eine zunehmende Machtkonzentration in Händen der Exekutive. Das beachtliche Wirtschaftswachstum der letzten Jahre wirkte sich positiv auf die Arbeitslosenstatistik (2015: 4,77%) und die Armutsreduzierung aus. Der staatlich festgelegte Mindestlohn beträgt aktuell 354 US-Dollar monatlich und soll 2016 auf 366 US-Dollar angehoben werden.


Wirtschaftsstruktur

Die ecuadorianische Wirtschaft ist stark durch die Produktion von Primärgütern geprägt, der Anteil des Bergbaus (vor allem Erdöl) am BIP betrug 2014 10%, die Landwirtschaft (vor allem Bananen) und Fischerei (insbesondere Thunfisch und Garnelen) 7,3%, das Baugewerbe 10,2%, Handel, Transport und Logistik 16,9%, Industrie 11,7%, Telekommunikation 3,7% und sonstige Dienstleistungen 30,3% (Zahlen: GTAI).

Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos, jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten. Darüber hinaus ist Ecuador weltweit einer der größten Bananenproduzenten und größter Lieferant für Deutschland. Circa 25% aller Arbeitnehmer sind im Landwirtschaftssektor beschäftigt.


Außenwirtschaft

2015 verzeichnete Ecuador ein Handelsbilanzdefizit von 2,1 Milliarden US-Dollar (2014: 0,7 Milliarden US-Dollar). Aufgrund der auf Importe erhobenen Sondersteuern und der schwachen Konjunktur gingen die Importe stark zurück von 26,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf 20,46 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015. Die Exporterlöse sanken hingegen noch stärker von 25,7 Milliarden US-Dollar (2014) auf 18,37 Milliarden US-Dollar (2015). Maßgeblich hierfür ist vor allem der Rückgang der Exporterlöse von Erdölprodukten um über 50% gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 6,7 Milliarden US-Dollar. Dennoch blieben Ölerzeugnisse das wichtigste Exportprodukt vor Bananen (2,8 Milliarden US-Dollar), Garnelen und Fischkonserven (0,95 Milliarden US-Dollar). Die Exporte Ecuadors bestehen zu einem großen Teil aus Rohstoffen (circa 14,44 Milliarden US-Dollar), während industrielle Produkte 2015 nur mit 3,93 Milliarden US-Dollar zu den Einnahmen beitrugen. Dem hohen Handelsbilanzdefizit außerhalb des Erdölsektors versucht die Regierung unter anderem durch Importrestriktionen zu begegnen. Zum 11.03.2015 führte die ecuadorianische Regierung – zunächst auf 15 Monate begrenzt – Schutzzölle bis zu einer Höhe von 45% für ein Drittel aller Importwaren (auch aus der EU) ein. Die Regierung hat angekündigt, diese Schutzzölle bis Juni 2016 komplett abzubauen, denkt aber darüber nach, alternative Maßnahmen einzuführen. Die wichtigsten Abnehmer für ecuadorianische Exporte waren 2015 die USA (39,5%) vor der EU (15,1%), Asien (15,1%) und der Andengemeinschaft (Peru, Kolumbien, Bolivien) mit 9,5%. Im gleichen Zeitraum exportierte Ecuador in die EU Produkte im Wert von 2,77 Milliarden US-Dollar (2014: 2,98 Milliarden US-Dollar). Neun von zehn ecuadorianischen Exportprodukten profitieren vom Allgemeinen Präferenzsystem der EU (APS), das über 2014 hinaus bis zum 31.12.2016 verlängert wurde. Ecuador und die EU streben an, das Ratifizierungsverfahren für das im Juli 2014 paraphierte Handelsabkommen (Beitritt Ecuadors zum EU-Abkommen mit Peru und Kolumbien) bis dahin abzuschließen.

Die Höhe ausländischer Direktinvestitionen in Ecuador ist im regionalen Vergleich gering. Ecuador verzeichnete im Jahr 2015 516 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen (2014: 773,9 Millionen US-Dollar).

Gründe für die Zurückhaltung ausländischer Investoren waren bisher vor allem mangelnde Rechtssicherheit, umfangreiche staatliche Reglementierungen, eine ineffiziente Verwaltung, eine Devisenausfuhrsteuer von 5% und fehlendes Vertrauen in eine verlässliche Wirtschaftspolitik. Hinzu kommt, dass es sich bei Ecuador insgesamt um einen kleinen Markt handelt.

Eine Kündigung bestehender bilateraler Investitionsschutzabkommen wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung von 2008 ist zwar rechtlich möglich. Regierungsmitglieder haben jedoch öffentlich versichert, dass es zu keiner alternativlosen Kündigung der Abkommen mit Deutschland oder anderen EU-Partnern kommen werde. Der Regierung ist bewusst, dass dies die erwünschten Direktinvestitionen erschweren würde.


Wirtschaftslage

2015 erzielte Ecuador aufgrund des hohen Dollarkurses und des niedrigen Ölpreises geringere Einnahmen, insbesondere aus den Erdölexporten, und musste daraufhin die vorgesehenen Ausgaben wiederholt kürzen. Die ecuadorianische Zentralbank geht für 2015 weiterhin von einem Wachstum von 0,4% aus, unabhängige Analysten erwarten dagegen eine Schrumpfung des BIP um bis zu 1%. Die Arbeitslosigkeit nahm leicht zu, bewegt sich aber laut offiziellen Angaben mit 4,77% noch auf relativ niedrigem Niveau. Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer (48,09%), ist allerdings unter- oder nicht ausbildungsadäquat beschäftigt. Die absolute Armut erhöhte sich bis März 2015 wieder leicht auf 8,97% der Gesamtbevölkerung. Die Inflationsrate ist 2015 mit 3,38% eine der geringsten in Lateinamerika (2014: 3,6%).

Die Regierung versuchte die geringeren Einnahmen vor allem durch Kürzungen im Investitionshaushalt und weiterhin hohe Kreditaufnahme im Ausland aufzufangen und Entlassungen im staatlichen Sektor möglichst zu vermeiden, zumal im Februar 2017 Präsidentschafts- und Parlamentswahlen anstehen. Der staatliche Haushalt Ecuadors war in den letzten Jahren signifikant auf 36,32 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 angestiegen, der Ansatz für 2016 wurde hingegen um gut 20% auf 29,835 Milliarden US-Dollar gekürzt. Das Haushaltsdefizit 2015 betrug nach Regierungsangaben 5,5 Milliarden US-Dollar und somit 5% des BIP. Die Regierung kalkuliert für 2016 mit einem Primärdefizit von 2,5 Milliarden US-Dollar und von 6,5 Milliarden US-Dollar unter Einrechnung des Schuldendienstes. Die Staatsverschuldung steigt daher stetig weiter und erreichte laut Finanzministerium Ende 2015 einen Gesamtwert von 32,77 Milliarden US-Dollar oder 33,1% des BIP, liegt unter Einrechnung von Vorverkäufen von Erdöl und anderer Maßnahmen nach Schätzung von Analysten aber bereits bei knapp 40%.

Im "Global Competitiveness Report 2015-16" steht Ecuador mit 4,07 von 7 Punkten auf Platz 76 von 140 (Vorjahr 4,1 Punkte und 76 von 140). Im "Ease of Doing Business"-Report 2015 belegt das Land Platz 115 von 189.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Ecuador ist unter Anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) sowie der Andengemeinschaft (CAN) und der "Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas" (ALBA). Des Weiteren ist es assoziiertes Mitglied im Gemeinschaftlichen Markt des Südens (Mercosur). Zudem ist Ecuador seit Dezember 2007 wieder Mitglied in der OPEC.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere