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Belarus

Wirtschaft

Stand: Oktober 2013

Grundlinien und Eckdaten der Wirtschaftspolitik

Nach dem seit seiner Unabhängigkeit wirtschaftlich schwierigsten Jahr 2011 mit u.a. einer massiven Abwertung gegenüber Dollar und Euro (jeweils über 170%) sowie einer Inflationsrate von über 100 Prozent gelang es der Regierung, die belarussische Wirtschaft 2012 vorübergehend wieder zu stabilisieren. Im Ergebnis stand ein reales BIP-Wachstum von 1,5% (auf Rubelbasis) auf 63,27 Mrd USD, eine Inflationsrate von nur noch 21,8%, ein leicht überschüssiger Staatshaushalt bei einer unverändert sehr niedrigen offiziellen Arbeitslosenquote von 0,5%. Insbesondere konnte aufgrund der für die Exportwirtschaft günstigen Abwertung sowie der traditionell positiven Dienstleistungsbilanz ein Überschuss in der Waren- und Dienstleistungsbilanz in Höhe von 2,39 Mrd USD realisiert werden (2011: - 3,38 Mrd. USD).

Diese im Vergleich zum Vorjahr positive Entwicklung war zum einen einer eher stabilitätsorientierten Politik der Regierung und der Nationalbank geschuldet. Zum anderen leisteten der inländische Verbrauch (Wohnungsbau) sowie vor allem die positive Außenhandelsentwicklung (die in den vergangenen Jahren stets offene wirtschaftliche Flanke) zu dieser Entwicklung wesentliche Beiträge. Hinzu kam, dass Russland mit im Vergleich zu den Vorjahren spürbar reduzierten Energiepreisen die Außenbilanz erheblich entlastete. Dies führte u.a. auch zu einer weiteren Stabilisierung der Gold- und Währungsreserven, die am 01.01.2013 8,09 Mrd USD betrugen (01.01.2012: 7,92 Mrd USD). Von den Versprechen im Vorfeld der Parlamentswahlen am 23.09.2012 blieb einzig eine die Produktivitätsentwicklung deutlich übersteigende reale Lohnentwicklung mit dem letztlich in etwa erreichten Ziel, den Durchschnittslohn bis Ende 2012 auf 500 USD anzuheben.

Der makroökonomischen Stabilisierung standen einmal mehr keine erkennbaren Fortschritte bei den drängenden Strukturreformen gegenüber. Angekündigte Liberalisierungs- und Privatisierungspläne wurden nicht oder allenfalls marginal umgesetzt.

Die Ende Februar 2013 für das Jahr offiziell bestätigten Prognosen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sehen ein BIP-Wachstum von 8,5%, eine Inflationsrate von 12%, ein Wachstum von 15,2% beim Export von Waren und Dienstleistungen, einen ausgeglichenen Haushalt sowie eine weiterhin unter 1% liegende Arbeitslosenquote voraus. Derzeit entwickeln sich allerdings viele wirtschaftliche Indikatoren in Belarus negativ. Die Industrieproduktion sank im 1. Halbjahr 2013 um 5,6%. Das BIP-Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt und wird die ehrgeizigen Prognosen nicht erfüllen können.

Die seit dem 1. Januar 2010 bestehende Zollunion mit Russland und Kasachstan (gemeinsame Außenzölle; ab 01.07.2010 einheitlicher Zollkodex sowie Wegfall der Kontrollen an den Binnengrenzen von Belarus, Russland und Kasachstan) mündete in den am 01.01.2012 in Kraft getretenen „Gemeinsamen Wirtschaftsraum“ dieser drei Länder. Mit dem 2012 vollzogenen Beitritt Russlands zur WTO nimmt über den Transmissionsriemen „Gemeinsamer Wirtschaftsraum“ der Wettbewerbsdruck auf die belarussische Wirtschaft sowohl im Inland als auch beim Export auf dessen wichtigstem Exportmarkt Russland zu.

Belarus ist fast vollständig auf den Import von Energieträgern aus Russland angewiesen. Auf Basis eines Ende 2011 ausgehandelten Vertrags zahlte Belarus 2012 einen um durchschnittlich 40% gegenüber 2011 abgesenkten Preis von durchschnittlich 168 USD pro 1.000 cbm Gas. Die Liefermenge betrug 20,3 Mrd cbm (+ 1,3% gegenüber 2011). Für 2013 ist der Import von 22,1 Mrd cbm Gas geplant. Für 2014 soll der Gaspreis bei 175 USD pro 1.000 cbm liegen.

Im Dezember 2011 vereinbarten Russland und Belarus neue Lieferbedingungen für Erdöl für den Zeitraum 2012 - 2015. Grundlage ist das Abkommen über den gemeinsamen Markt für Erdöl und Erdölprodukte im Rahmen der Verträge über den Gemeinsamen Wirtschaftsraum. Belarus bezieht danach Erdöl und Erdölprodukte ohne Quotierung zoll- und abgabenfrei aus Russland. Im Rahmen der neuen Bedingungen wurden 2012 21,6 Mio. t Erdöl aus Russland importiert. Zusammen mit dem in Belarus geförderten Erdöl entsprach diese Menge (insgesamt ca. 23,5 Mio. t) in etwa der Verarbeitungskapazität der beiden belarussischen Raffinerien. Nach belarussischen Angaben ermöglichten diese neuen Bedingungen 2012 ein zusätzliches Einkommen in Höhe von ca. 700 Mio. USD. Auch für 2013 plante Belarus den Bezug von russischem Öl in vergleichbarer Größenordnung (23 Mio. t), Russland sagte 2013 jedoch Öllieferungen nur quartalsweise zu.


Außenwirtschaft

Das Außenhandelsvolumen stieg 2012 von 86,04 Mrd. USD (2011) auf 92,4 Mrd USD (+7,4%). Davon entfielen 45,99 Mrd. USD (+11%) auf den Export sowie 46,4 Mrd. USD (+1,4%) auf den Import. Im Warenhandel blieb Russland mit 43,83 Mrd. USD größter Partner. Die wichtigsten belarussischen Handelspartner waren 2012 nach Russland die Niederlande, die Ukraine und Deutschland. Der deutsche Anteil am gesamten Warenhandel von Belarus betrug 4,8%.

Lag das Defizit im Handel mit Waren und Dienstleistungen Ende 2011 bei 3,38 Mrd. USD (ca. 5,7% BIP), so konnte 2012 ein Überschuss in Höhe von 2,39 Mrd USD erzielt werden. Wichtigste Gründe für diese Entwicklung waren die Nachwirkungen der massiven Abwertung 2011 gegenüber USD und Euro, wodurch sich belarussische Exporte erheblich verbilligten und damit wettbewerbsfähiger wurden, andererseits Importwaren sich verteuerten, was zu einer spürbaren Verlangsamung des Importwachstums führte, sowie ein ungewöhnlich hoher Anstieg beim Export bestimmter Ölprodukte. Beide Faktoren haben keine positive Wirkung auf die Warenbilanz 2013 ausüben können.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.