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Island

Wirtschaft

Stand: März 2015

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Island ist die kleinste Volkswirtschaft in der OECD mit einem BIP (Bruttoinlandsprodukt) von ca. 12,84 Milliarden Euro in 2014, liegt aber im BIP Pro-Kopf mit 39.434 €  (1 Euro = 154,44 ISK – Wechselkurs Durchschnitt 2014) in einer oberen Kategorie. Sektoral tragen Dienstleistungen zwei Drittel, Industrie ein Fünftel und Fischerei ein Zehntel zum BIP bei. Das Land ist besonders reich an Meeres- und Energieressourcen.

Der Fischereisektor, historisch das Rückgrat der isländischen Wirtschaft, verliert gegenüber den Industrie- und Dienstleistungssektoren allmählich an Bedeutung. Energiewirtschaft und energieintensive Industrien, vor allem Aluminiumherstellung mit preisgünstigem Strom aus Hydro- oder Geothermiekraftwerken, wurden ausgebaut. Die Gebäudeheizung wird heute zu 90 % geothermisch betrieben. Der Strom wird zu 100 % aus erneuerbaren Energien erzeugt (75 % Wasserkraft, 25 % Geothermie). Um das Potential von Wasser- und Geothermiekraftwerken maximal ausschöpfen zu können, erforscht und evaluiert Island seit 1999 im Rahmen eines „Energy Master Plans“ geeignete Standorte und Ausbaumöglichkeiten im Energiesektor.

Weitere Industriezweige sind Maschinen- und Ausrüstungen für die Lebensmittelindustrie, IT/Software, medizinische und pharmazeutische Produkte. Einer der am schnellsten gewachsenen Wirtschaftszweige und inzwischen größter Devisenbringer Islands ist der Tourismus. Die Zahl der ausländischen Besucher war 2013 auf 781.000 gestiegen und hat sich 2014 um weitere 24% auf 969.000 erhöht. Ein weiterer stetiger Anstieg wird für die kommenden Jahre erwartet. Island versucht auf diesen Anstieg mit dem Bau neuer Hotels vor allem in Reykjavík zu reagieren.

Nach einem beispiellosen, von der Finanzwirtschaft getriebenen Boom stellte die Finanzkrise 2008 Island vor die größte Herausforderung in seiner jüngeren Geschichte: Wiederaufbau des Bankensystems, Begrenzung der Auslandsverschuldung und Stabilisierung der Währung, Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, Kontrolle von Inflation und Arbeitslosigkeit, Überwindung der scharfen Rezession, Lösung der Verschuldungsprobleme von Privathaushalten und Unternehmen.

Die bis April 2013 regierende Koalition von Sozialdemokratischer Allianz und Linksgrünen setzte hierzu ein umfassendes Stabilisierungs- und Reformprogramm um. Der IWF beendete sein Programm planmäßig im August 2011 und bescheinigte Island gute Fortschritte. 2014 wuchs die isländische Wirtschaft (BIP) bereits zum vierten Mal nach der Wirtschafts- und Finanzkrise real, diesmal allerdings nur um 1,9 % (2013: 3,3 %, 2012: 1,6 %, 2011: 2,6 %). Die Arbeitslosigkeit betrug 2014 durchschnittlich 5 %.

Im Juni 2011 kehrte Island erstmals an den internationalen Kapitalmarkt zurück (Staatsanleihe 1 Mrd. USD), im Mai 2012 folgte eine zweite Anleihe in gleicher Höhe. Island begann im Frühjahr 2012 vorzeitig mit der Rückzahlung sowohl des IWF Beistandskredites in Höhe von insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar als auch der Kredite der nordischen Länder.

Im Mai 2013 übernahm eine Koalition aus Fortschritts- und Unabhängigkeitspartei die Regierung. Wie der vorgelegte Haushaltsentwurf sowie vorhergehende Regierungserklärungen deutlich machen, liegt der Fokus der jetzigen Regierung auf Haushaltskonsolidierung, zum Teil durch Kürzungen im Bildungs- und Gesundheitswesen, aber auch durch eine Erhöhung und Ausweitung der Bankensteuer, wobei gleichzeitig die privaten Haushalte entlastet werden sollen. Lebenshaltungs- und vor allem Sozialstandards sollen erhalten bzw. teilweise verbessert werden. Die isländische Krone ist weiterhin durch Kapitalverkehrskontrollen geschützt, über deren Aufhebung, ggf. unter Erhebung von Abschlägen bei den Gläubigern, diskutiert wird. Ein Zeitfenster zeichnet sich dabei nicht ab.

Außenwirtschaft

Die außenwirtschaftliche Verflechtung Islands ist hoch: Exporte von Gütern und Dienstleistungen machten 2014 rund 53 % des BIP aus, Importe 47 %. Bei den Exporten dominieren Industrieprodukte (hauptsächlich Aluminium, Medizin- und Pharmaprodukte), Fischereiprodukte und Dienstleistungen, bei den Importen Konsumgüter, Kapitalgüter und Dienstleistungen.

Die EU steht für Islands Außenhandel an oberster Stelle: rund vier Fünftel seiner Exporte gehen in EU-Staaten, und von dort kommen mehr als die Hälfte seiner Importe. Die Niederlande waren 2014 größter Abnehmer isländischer Exporte (29%), gefolgt von Großbritannien (11 %) ,Spanien (8%) und schließlich Deutschland (6%). Größte Lieferanten isländischer Importe waren Norwegen (15%), gefolgt von den USA (10 %), Deutschland (8 %) und Dänemark (8 %).

Umwelt

Island wurde 2014 beim World Economic Forum Platz 14 im Environmental Performance Index (Universitäten Yale/Columbia) unter 178 Ländern zuerkannt. Island nimmt im Rahmen des EWR an der EU-Umweltpolitik und am EU-Emissionshandelssystem teil. In der Nutzung regenerativer Energiequellen steht es weltweit an der Spitze: War die Energiewirtschaft in den 1960er Jahren noch zu zwei Dritteln von fossilen Energiequellen abhängig, so wird heute Strom vollständig, Primärenergie zu über vier Fünfteln aus Wasserkraft und Geothermie gewonnen.

Mehr zu Wirtschaft und Finanzen (englisch)

Programm für wirtschaftliche Erholung Islands

Isländisches Wirtschaftsministerium

Iceland Chamber of Commerce

OECD Economic Survey Iceland 2011

IMF: Iceland

Wirtschaftsdatenblatt

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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