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Ungarn

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2016

Wirtschaftslage   

Das ungarische Wirtschaftswachstum betrug 2015 rd. 2,9%, für 2016 liegt die Prognose bei 2-5%.

Die ungarische Regierung verfolgt zwei wirtschaftspolitische Ziele: Die Schaffung einer Million neuer Arbeitsplätze in 10 Jahren und die Umgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Ungarn zur „wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft in Europa“ zu machen.

Haushaltspolitisches Credo Ungarns ist der Abbau der Verschuldung. Im Jahr 2015 lag das Haushaltsdefizit bei 2,1 %, für das Jahr 2016 liegt die Prognose bei 2,0%. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand (gemessen am BIP) sinkt seit 2011 und betrug im Jahr 2015 75,5 %. Für das Jahr 2016 wird eine Staatsverschuldung von 74,9% prognostiziert. Im Juni 2013 ist Ungarn erstmalig seit seinem Beitritt zur EU aus dem Europäischen Defizitverfahren entlassen worden.

Im Jahr 2010 führte die Regierung Orbán eine Bankensteuer sowie eine Sondersteuer für die Bereiche Energie, Telekommunikation und Einzelhandel ein. Im Januar 2012 wurde die Mehrwertsteuer auf 27% erhöht. Die öffentliche Finanzsituation soll weiter verbessert werden. Als Ersatz für die 2012 auslaufenden Sondersteuern wurden Steuern auf Telefonate, Internetverbindungen und alle finanziellen Transaktionen erhoben, die Energiesteuer wurde von 8 auf 16% erhöht. Ferner wurde zum Jahresbeginn 2013 die sogenannte „Kabelsteuer“ eingeführt, die - von wenigen Ausnahmen abgesehen - jeden Meter Versorgungsleitung (Gas, Strom, Wasser, Telekommunikation etc.) mit einer Steuer belegt. Im Jahr 2014 führte die Regierung eine Werbesteuer ein: damit sind Werbeeinnahmen bis zu 100 Mio. Forint steuerfrei, darüber wird ein Steuersatz von 5,3 % angesetzt. Zu Anfang 2016 wurde die Bankensteuer teilweise gesenkt.

Die Entwicklung des ungarischen Exports verläuft nach einem Einbruch in der Wirtschaftskrise nach 2008 wieder positiv. Der Wert der Ausfuhren erreichte im Jahr 2014 einen Gesamtwert von rd. 84,5 Mrd. Euro.
Mehr als drei Viertel der ungarischen Exporte gehen in die EU, allein über ein Viertel nach Deutschland. Damit ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns. Ungarn erzielte 2014 einen Handelsüberschuss von rd. 6,5 Mrd. €. Der Handelsüberschuss mit Deutschland betrug 2014 rd. 3,5 Mrd. Euro.

Das Inflationsziel der ungarischen Nationalbank (MNB) soll unter 3%.liegen Die Inflation sinkt seit 2013  und betrug zum Jahresende 2015 0%. Seit August 2012 hat die ungarische Nationalbank MNB den Leitzins in mehreren Schritten von 7% auf nunmehr 1,2 %  gesenkt. Der ungarische Forint schwankt seit Februar 2008 frei gegenüber dem Euro. Im Jahresmittel 2014 lag der durchschnittliche Wechselkurs bei 308,66 HUF je Euro.

Die Arbeitslosenquote sinkt seit 2011 und lag nach Angaben des ungarischen Statistikamtes im Zeitraum Dezember 2015 - Februar 2016 bei 6,1 %.

Deutsche Investitionen

Deutschland ist mit einem Anteil von rd. 24% mit Abstand größter ausländischer Direktinvestor in Ungarn. Insgesamt betrug der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen im Dezember 2013 rund 78,2 Mrd. Euro. Eine der größten Einzelinvestitionen in Ungarn ist das Audi-Werk im westungarischen Raab/Győr. Weitere Großinvestitionen sind das 2012 eröffnete Mercedes-Werk in Kecskemét und das Opel-Werk in Szentgotthardt. Neben den Großinvestoren (darunter Allianz, Bosch, Deutsche Telekom, RWE, SAP, ZF) sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Ungarn aktiv. Deutsche Unternehmen genießen in Ungarn durch Vermittlung von Managementwissen und Fachausbildung hohes Ansehen. Die Reihe deutscher Investitionen in Ungarn setzt sich fort mit dem Neubau eines Gaskraftwerks durch E.ON in Gönyü, der Erweiterung der Produktionsanlagen durch Knorr Bremse in Budapest und Kecskemét, dem Bau eines Turbinenschaufelwerks durch Siemens und der Duna Drava Cement Kft, eine Tochter der Heidelberg Zement, die die Technologie ihres Werks in Beremend erneuert. Wichtig ist auch die Beteiligung von Hochtief an der Betreiber­gesellschaft des Budapester Flughafens. Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung setzt sich die Bundesregierung für eine Verbesserung der Investitionsbedingungen für die in Ungarn tätigen deutschen Unternehmen ein.

Energiepolitik

Ungarn hat mit 34% (2013) einen relativ hohen Anteil von Erdgas am Gesamtprimärenergieverbrauch.). Die Sicherung von Gasimporten stellt daher – bei rückläufiger heimischer Produktion – eine  Priorität der ungarischen Energieaußenpolitik dar. Ungarn hatte deshalb die vom russischen Energiekonzern Gazprom initiierte South-Stream-Pipeline unterstützt und bemüht sich, nachdem deren Bau abgesagt wurde, um Alternativen. Im Zuge seiner Energiesicherung hat Ungarn verschiedentlich sein Interesse an dem Bau eines LNG-Terminals in Kroatien sowie der Einrichtung von Interkonnektoren in Nord-Süd-Richtung betont.

Der staatliche Stromkonzern MVM betreibt nahe der zentralungarischen Stadt Paks ein Kernkraftwerk mit einer Leistung von 1.860 MW, das ca. 40% des ungarischen Strombedarfs deckt. Ungarn plant den Neubau von zwei Kernreaktoren, deren Inbetriebnahme zum Jahre 2023 vorgesehen ist. . Ende 2014 lag der Anteil von Erneuerbaren Energien an der Stromproduktion bei ca. 8%.

Die Europäische Kommission erwartet von Ungarn einen Anteil von 13% an Erneuerbaren Energien am Gesamtprimärenergieverbrauch bis 2020. Der Aktionsplan 2010-2020 der ungarischen Regierung zur Nutzung erneuerbarer Energien übertrifft diese Forderung: Die ungarische Regierung will bis 2020 einen Anteil von 14,65% an erneuerbaren Energien erbringen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Ungarn vor allem auf Biogas und Photovoltaik. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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