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Ungarn

Wirtschaftspolitik

Stand: November 2016

Wirtschaftslage   

Das ungarische Wirtschaftswachstum betrug 2015 rd. 2,9%, die ungarische Regierung erwartet für 2016 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 3,1 %

Haushaltspolitisches Credo Ungarns ist der Abbau der Verschuldung. Im Jahr 2015 lag das Haushaltsdefizit bei 2,1 %, für das Jahr 2016 liegt die Prognose bei 1,9%. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand (gemessen am BIP) sinkt seit 2011 und betrug im Jahr 2015 75,3 %. Für das Jahr 2016 wird eine Staatsverschuldung von 74,9% prognostiziert. Im Juni 2013 ist Ungarn erstmalig seit seinem Beitritt zur EU aus dem Europäischen Defizitverfahren entlassen worden.

2010 eingeführte Sondersteuern werden für Sektoren Telekommunikation, Finanzwirtschaft und Energie fortgeführt. Die ungarische Regierung sucht weitere Einnahmequellen und hat in den letzten zwei Jahren verschiedene weitere Abgaben und Steuern unter anderem in den Bereichen Retail, Logistik und Werbewirtschaft eingeführt, die teilweise ausländische Unternehmen besonders belasteten. Einige Maßnahmen wurden zwischenzeitilich entschärft, teilweise nach Intervention durch die EU Kommission. Die Entwicklung des ungarischen Exports verläuft nach einem Einbruch durch die Wirtschaftskrise nach 2008 wieder positiv. Der Wert der Ausfuhren erreichte im Jahr 2015 einen Gesamtwert von rd. 90,7 Mrd. Euro.
Mehr als drei Viertel der ungarischen Exporte gehen in die EU, allein über ein Viertel nach Deutschland. Damit ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns. Ungarn erzielte 2015 einen Handelsüberschuss von rd. 8 Mrd. €. Der Handelsüberschuss mit Deutschland betrug 2015 rd. 3,3 Mrd. Euro.

Das Inflationsziel der ungarischen Nationalbank (MNB) soll unter 3% liegen Die Inflation sinkt seit 2013  und betrug 2015 0,1%. Seit August 2012 hat die ungarische Nationalbank MNB den Leitzins in mehreren Schritten von 7% auf nunmehr 1,2 %  gesenkt. Der ungarische Forint schwankt seit Februar 2008 frei gegenüber dem Euro. Im September 2016 lag der durchschnittliche Wechselkurs bei 307,73 HUF je Euro.

Die Arbeitslosenquote sinkt seit 2011 und lag im September 2016  bei 4,9 %.

Deutsche Investitionen

Deutschland ist mit einem Anteil von rd. 24% mit Abstand größter ausländischer Direktinvestor in Ungarn. Insgesamt betrug der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen im Dezember 2015 rund 84,3 Mrd. Euro. Eine der größten Einzelinvestitionen in Ungarn ist das Audi-Werk im westungarischen Raab/Győr. Weitere Großinvestitionen sind das 2012 eröffnete Mercedes-Werk in Kecskemét und das Opel-Werk in Szentgotthardt. Neben den Großinvestoren (darunter Allianz, Bosch, Deutsche Telekom, RWE, ThyssenKrupp, SAP, ZF) sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Ungarn aktiv. Deutsche Unternehmen genießen in Ungarn durch Vermittlung von Managementwissen und Fachausbildung hohes Ansehen. Die Reihe deutscher Investitionen in Ungarn setzt sich fort mit dem Neubau eines zweiten Mercedes-Werks in Kecskemét, und weiteren aktuellen Investitionen u.a. von ThyssenKrupp, Bosch, Lufthansa, Aldi und Hirschmann. Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell unter 5 % und der relativ hohen Migration überwiegend junger qualifizierter Personen ins Ausland ist es jedoch schwieriger geworden, neue Stellen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen.

Energiepolitik

Ungarn hat mit 33% (2014) einen relativ hohen Anteil von Erdgas am Gesamtprimärenergieverbrauch. Die Sicherung von Gasimporten stellt daher – bei rückläufiger heimischer Produktion – eine  Priorität der ungarischen Energieaußenpolitik dar. Ungarn hatte deshalb die vom russischen Energiekonzern Gazprom initiierte South-Stream-Pipeline unterstützt und bemüht sich, nach dem Scheitern des Projekts um Alternativen. Im Zuge seiner Energiesicherung hat Ungarn verschiedentlich sein Interesse an dem Bau eines LNG-Terminals in Kroatien sowie der Einrichtung von Interkonnektoren in Nord-Süd-Richtung betont.

Der staatliche Stromkonzern MVM betreibt nahe der zentralungarischen Stadt Paks ein Kernkraftwerk mit einer Leistung von 1.860 MW, das ca. 40% des ungarischen Strombedarfs deckt. Ungarn plant, finanziert durch einen russischen Kredit und unter der Leitung der russischen Rosatomden Neubau von zwei Kernreaktoren mit einer Leistung von je 1.200 MW, deren Inbetriebnahme zum Jahre 2025 vorgesehen ist.Ende 2014 lag der Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromproduktion bei ca. 8%.

Die Europäische Kommission erwartet von Ungarn einen Anteil von 13% an erneuerbaren Energien am Gesamtprimärenergieverbrauch bis 2020. Der Aktionsplan 2010-2020 der ungarischen Regierung zur Nutzung erneuerbarer Energien soll diese Forderung erfüllen: Die ungarische Regierung will bis 2020 sogar einen Anteil von 14,65% an erneuerbaren Energien erreichen. Dabeisetzt Ungarn vor allem auf Biogas und Photovoltaik. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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