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Brasilien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Januar 2013

Kulturpolitik

Dem Kulturministerium unterstehen die verschiedenen bundesstaatlichen Kultureinrichtungen und -stiftungen. Auch unter der neuen Kulturministerin Marta Suplicy bleibt die prioritäre kulturpolitische Zielsetzung nach wie vor, allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Kulturangeboten zu ermöglichen. Hierzu werden weiterhin Maßnahmen ergriffen wie die Erhöhung des Kulturhaushalts, Verteilung von Kulturgutscheinen und Schaffung von "Kulturtreffpunkten" in Armutsvierteln, Stadtrandbezirken und ländlichen Gebieten. Zudem wird verstärkt an der kulturellen Außendarstellung gearbeitet. So präsentierte sich Brasilien von Oktober 2011 bis Januar 2012 mit großem Aufwand als Gastland beim Kulturfestival „Europalia“ in Brüssel. Rund um den brasilianischen Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2013 wird ein umfangreiches kulturelles Begleitprogramm organisiert werden.

Wesentliches Instrument der Kulturförderung sind die sehr weitreichenden Abschreibungsmöglichkeiten für private Sponsoren („Lei Rouanet“). Eine öffentliche Förderung kultureller Veranstaltungen gibt es auch auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Von internationalem Rang sind Film- und Theaterfestivals in São Paulo, Rio de Janeiro oder Porto Alegre sowie die Kunstbiennale von São Paulo. Die Architektur-Biennale von São Paulo gewinnt an Bedeutung.


Schulen und Universitäten

Die Reform des Bildungswesens gehört zu den größten Herausforderungen der brasilianischen Politik. Das Thema spielt in den Medien ebenso wie in Wahlkämpfen eine immer größere Rolle. Eine wichtige Aufgabe bleibt die Beseitigung des Analphabetismus. Trotz beachtlicher Erfolge in den letzten Jahren, inkl. Erhöhung der Einschulungsrate der 7 bis 14-Jährigen auf über 97 %, wird die Zahl der über 15-Jährigen, die nicht lesen und schreiben können, weiter auf ca. 8 % geschätzt; über 20% zählen als funktionale Analphabeten ohne ausreichende Fähigkeit zum Verständnis komplexerer Texte. Der frühere Präsident Lula hat die Ausweitung der akademischen, der ingenieur-technischen und beruflichen Bildung vorangetrieben. Dennoch leidet das staatliche Erziehungswesen weiterhin unter geringer finanzieller Ausstattung, Lehrermangel und unzureichender Qualifikation vieler Lehrer. Diese Probleme stellen sich verschärft in ländlichen Gebieten und in ärmeren Bundesstaaten. Dort führt der Schulbesuch mangels qualifizierter Lehrer kaum zu einem signifikanten Lernerfolg.

Brasilien verfügt über 2.365 Hochschulen, an denen ca. 107.013 Professoren mit Doktortitel tätig und ca. 6,7 Mio. Studierende eingeschrieben sind. 88 % der Hochschulen sind privat, 12 % staatlich. Viele private Universitäten erreichen qualitativ nicht den hohen Standard der staatlichen Universitäten.

Größte Hochschule ist mit 80.000 Studenten die Universität São Paulo (USP). Sie hat ein Budget von ca. 2,5 Mrd. US$ und erbringt ca. 25 % der brasilianischen Forschungsleistungen. Laut Shanghai-Universitätsranking ist die USP die Nr. 1 in Lateinamerika und in der Gruppe der 100-150 besten im weltweiten Vergleich. Obwohl erst 1940 gegründet ist sie damit in einer Gruppe mit den Universitäten Frankfurt/M., Freiburg, Münster, Tübingen und Würzburg. Der Zugang zu den begehrten Studienplätzen an den kostenfreien öffentlichen Hochschulen führt über Zugangsprüfungen. Diese Hürde ist vielfach nur von Absolventen der teuren Privatschulen zu schaffen, die höhere Bildungsstandards bieten als die öffentlichen Schulen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.