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Tunesien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: September 2015

Politik

Deutschland und Tunesien pflegen seit den 1950er Jahren gegenseitige Beziehungen. Seit der Revolution vom 14. Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land bei dem Übergang zur Demokratie. Zwischen beiden Regierungen wurde eine "Transformationspartnerschaft" vereinbart, die durch regelmäßige Staatssekretärstreffen, zuletzt am 19. Juni 2014 in Berlin, gesteuert wird.
 
Zahlreiche Besuche belegen die guten und intensiven Beziehungen mit Tunesien seit der Revolution. Im Januar 2015 besuchte BM Steinmeier Tunesien kurz vor der Amtsübernahme der neuen Regierung Essid. Ende April 2015 reiste Bundespräsident Gauck zu einem offiziellen Besuch nach Tunesien, wo er Gespräche mit Staatspräsident Essebsi und Premierminister Essid führte. Zudem traf er mit der Kommission für Wahrheit und Würde, die sich um die Aufarbeitung der Diktatur bemüht, zusammen. Bundesinnenminister de Maizière besuchte Tunesien zweimal im März und Juni 2015, jeweils nach den Attentaten auf das Bardo-Museum bzw. das Touristenhotel in Sousse. Dabei wurde eine verstärkte Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich vereinbart.
Tunesien war zudem Sondergast auf dem G7 Gipfel in Elmau am 7./8. Juni 2015. Staatspräsident Essebsi warb dabei für mehr Unterstützung im Sicherheits- und Wirtschaftsbereich.


Wirtschaft

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind intensiv und zukunftsfähig. Seit der tunesischen Revolution zeigen beide Länder deutliches Interesse und viel Initiative für eine weitere Vertiefung. Deutschland ist (nach Frankreich und Italien) der drittgrößte Handelspartner und ausländische Investor in Tunesien. Gegenwärtig sind nach Angaben der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer rund 250 meist exportorientierte Unternehmen in Tunesien aktiv, die insgesamt 55.000 tunesische Arbeitskräfte beschäftigen und bis heute über 350 Millionen Euro investiert haben.

Nach Tunesien exportiert Deutschland in erster Linie Textilien (Vorerzeugnisse), elektronische Erzeugnisse, Maschinen, Kraftfahrzeuge, chemische Produkte, Waren der Ernährungswirtschaft sowie Eisen und Eisenwaren. Die wichtigsten deutschen Einfuhrgüter aus Tunesien sind Textilien (Enderzeugnisse), elektrotechnische Komponenten, Autokomponenten (insbesondere Kabel), Lederwaren, Rohöl, Waren der Ernährungswirtschaft, Kraftstoffe, Schmieröle und Teppiche.


Entwicklungszusammenarbeit

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist Deutschland einer der wichtigsten bilateralen Partner Tunesiens. Seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in den sechziger Jahren hat Tunesien aus Deutschland Entwicklungshilfe in Höhe von über 1,5 Milliarden Euro erhalten. Die Neuzusagen für 2014 beliefen sich auf 150 Millionen Euro. Die Schwerpunkte der Kooperation sind Umwelt- und Ressourcenschutz, Wasser, Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie erneuerbare Energien und Beschäftigungsförderung. Tunesien profitiert zusätzlich von der Sonderinitiative "Stabilisierung und Entwicklung Nordafrika-Nahost", womit die deutsche Entwicklungspolitik einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen und für mehr politische Partizipation und mehr soziale Gerechtigkeit in der MENA-Region (MENA: Middle East and North Africa) leistet. GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die politischen Stiftungen und die Deutsche Welle Akademie sind zur Umsetzung der Entwicklungsvorhaben mit mehr als 160 Personen in Tunesien vertreten.

Im Rahmen der Transformationspartnerschaft mit Tunesien wurden in den Jahren seit 2012 bis heute über 150 Projekte in Tunesien mit einem Volumen von über  70 Millionen Euro gefördert. Im Fokus dieser Maßnahmen, die auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden sollen, stehen u.a. die Förderung von Rechtsstaat und guter Regierungsführung, Beschäftigungsförderung und duale Ausbildung, Zivilgesellschaft und professionelle Medien.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte der deutsch-tunesischen Kooperation im Kulturbereich liegen in der Bereitstellung von Stipendien durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) sowie Deutschkursen und Kulturveranstaltungen. Hauptträger der Kulturzusammenarbeit ist das Goethe-Institut in Tunis.
Großes Ansehen hat sich das Deutsche Archäologische Institut (DAI, Abteilung Rom) während der vergangenen vier Jahrzehnte durch seine Ausgrabungen in Karthago und Chemtou erworben. Seit 2000 wird der in Deutschland restaurierte antike Schiffsfund von Mahdia im Bardo-Museum in Tunis ausgestellt. Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes betrieb das DAI in den vergangenen Jahren wichtige Kulturerhaltsprojekte in Chemtou (römischer Kaiserkulttempel) und Karthago. 2015 will das DAI weitere Grabungsprojekte in Karthago vorantreiben.

Fast 40.000 Schüler lernen Deutsch als dritte Fremdsprache an den tunesischen Sekundarschulen. Das Goethe-Institut hat im Frühjahr 2014 eine Vereinbarung zur Förderung des Deutschunterrichts mit dem tunesischen Bildungsministerium abgeschlossen, die Fortbildungsmaßnahmen, pädagogische Sachmittelunterstützung und Beratungsleistungen vorsieht.  Das Goethe-Institut betreut auch die Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amts "PASCH", für die in Tunesien 5 Partnerschulen gewonnen wurden. Der DAAD ist zur Förderung der Germanistik mit insgesamt 5 Lektoren/Sprachassistenten an 3 Hochschulen in Tunis und Gabes vertreten. Seit Juni 1992 sendet Radio Tunis International täglich ein einstündiges Programm in deutscher Sprache. Das Programmangebot wird von der Deutschen Welle unterstützt. Die in der Hauptstadt Tunis vertretenen deutschen politischen Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung) führen Beratungsprojekte und Seminare zur Förderung von Rechtsstaat, Verwaltungsreform, Marktwirtschaft, Frauen, Gewerkschaften und für die Zivilgesellschaft durch.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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