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Tunesien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2016

Politik

Deutschland und Tunesien pflegen seit den 1950er Jahren gegenseitige Beziehungen. Seit der Revolution vom 14. Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land bei dem Übergang zur Demokratie. Zwischen beiden Regierungen wurden eine "Transformationspartnerschaft" sowie regelmäßige Staatssekretärstreffen vereinbart, die zuletzt am 26. Mai 2016 in Tunis stattfanden. Lesen Sie hier die gemeinsame Erklärung anlässlich der 3. deutsch-tunesischen Regierungskonsultationen:

Gemeinsame Erklärung anlässlich der 3. deutsch-tunesischen Regierungskonsultationen am 26.05.16 in Tunis (deutsch) (PDF, 260 KB)

Déclaration commune de la troisième session des Consultations Intergouvernementales tuniso-allemandes (Tunis, le 26 mai 2016) (PDF, 259 KB)
 
Zahlreiche Besuche belegen die guten und intensiven Beziehungen mit Tunesien seit der Revolution. Im Januar 2015 besuchte BM Steinmeier Tunesien kurz vor der Amtsübernahme der neuen Regierung Essid. Ende April 2015 reiste Bundespräsident Gauck zu einem offiziellen Besuch nach Tunesien, wo er Gespräche mit Staatspräsident Essebsi und Premierminister Essid führte. Zudem traf er mit der Kommission für Wahrheit und Würde, die sich um die Aufarbeitung der Diktatur bemüht, zusammen. Bundesinnenminister de Maizière besuchte Tunesien im März und Juni 2015 sowie zuletzt am 1. März 2016. Bei diesen Besuchen ging es um die Ausgestaltung der Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich, die infolge der Terroranschläge in Tunesien vereinbart wurde. Tunesien war zudem Sondergast auf dem G7 Gipfel in Elmau am 7./8. Juni 2015. Staatspräsident Essebsi warb dabei für mehr Unterstützung im Sicherheits- und Wirtschaftsbereich. 


Wirtschaft

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind intensiv und zukunftsfähig. Seit der tunesischen Revolution zeigen beide Länder deutliches Interesse und viel Initiative für eine weitere Vertiefung. Deutschland ist (nach Frankreich und Italien) der drittgrößte Handelspartner und ausländische Investor in Tunesien. Gegenwärtig sind nach Angaben der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer rund 250 meist exportorientierte Unternehmen in Tunesien aktiv, die insgesamt 55.000 tunesische Arbeitskräfte beschäftigen und bis heute über 350 Millionen Euro investiert haben.

Nach Tunesien exportiert Deutschland in erster Linie Textilien (Vorerzeugnisse), elektronische Erzeugnisse, Maschinen, Kraftfahrzeuge, chemische Produkte, Waren der Ernährungswirtschaft sowie Eisen und Eisenwaren. Die wichtigsten deutschen Einfuhrgüter aus Tunesien sind Textilien (Enderzeugnisse), elektrotechnische Komponenten, Autokomponenten (insbesondere Kabel), Lederwaren, Rohöl, Waren der Ernährungswirtschaft, Kraftstoffe, Schmieröle und Teppiche.


Entwicklungszusammenarbeit

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist Deutschland einer der wichtigsten bilateralen Partner Tunesiens. In Folge der Revolution hat das BMZ seine Leistungen von 37,5 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 215 Miliionen im Jahr 2015 erhöht. Seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in den sechziger Jahren hat Tunesien aus Deutschland Entwicklungshilfe in Höhe von über 1,5 Milliarden Euro erhalten. Die Schwerpunkte der Kooperation sind Umwelt- und Ressourcenschutz, Wasser, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie erneuerbare Energien und Beschäftigungsförderung. Tunesien profitiert zusätzlich von der Sonderinitiative "Stabilisierung und Entwicklung Nordafrika-Nahost", womit die deutsche Entwicklungspolitik einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen und für mehr politische Partizipation und mehr soziale Gerechtigkeit in der MENA-Region (MENA: Middle East and North Africa) leistet. Ein besonders wichtiges Vorhaben ist die Schuldenumwandlung für Tunesien zugunsten von Entwicklungsprojekten in Höhe von insgesamt 60 Millionen Euro, deren Umsetzung bis 2020 von der KfW betreut wird. GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die politischen Stiftungen und die Deutsche Welle Akademie sind zur Umsetzung der Entwicklungsvorhaben mit mehr als 160 Personen in Tunesien vertreten.

Im Rahmen der Transformationspartnerschaft mit Tunesien wurden in den Jahren seit 2012 bis heute weit über 100 Projekte in Tunesien mit einem Volumen von über 75 Millionen Euro gefördert. Im Fokus dieser Maßnahmen, die auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden sollen, stehen unter anderem die Förderung von Rechtsstaat und guter Regierungsführung, Beschäftigungsförderung und duale Ausbildung, Zivilgesellschaft und professionelle Medien.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte der deutsch-tunesischen Kooperation im Kulturbereich liegen in der Bereitstellung von Stipendien durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) sowie Deutschkursen und Kulturveranstaltungen. Hauptträger der Kulturzusammenarbeit ist das Goethe-Institut in Tunis.
Großes Ansehen hat sich das Deutsche Archäologische Institut (DAI, Abteilung Rom) während der vergangenen vier Jahrzehnte durch seine Ausgrabungen in Karthago und Chemtou erworben. Seit 2000 wird der in Deutschland restaurierte Schiffsfund von Mahdia im Bardo-Museum in Tunis ausgestellt. Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes betrieb das DAI in den vergangenen Jahren wichtige Kulturerhaltsprojekte in Chemtou (römischer Kaiserkulttempel) und Karthago. 2015 hat das DAI weitere Grabungsprojekte in Karthago vorangetrieben.

Fast 40.000 Schüler lernen Deutsch als dritte Fremdsprache an den tunesischen Sekundarschulen. Das Goethe-Institut hat im Frühjahr 2014 eine Vereinbarung zur Förderung des Deutschunterrichts mit dem tunesischen Bildungsministerium abgeschlossen, die Fortbildungsmaßnahmen, pädagogische Sachmittelunterstützung und Beratungsleistungen vorsieht. Das Goethe-Institut betreut auch die Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amts "PASCH", für die in Tunesien 5 Partnerschulen gewonnen wurden. Der DAAD ist zur Förderung der Germanistik mit insgesamt 5 Lektoren/Sprachassistenten an 3 Hochschulen in Tunis und Gabes vertreten. Seit Juni 1992 sendet Radio Tunis International täglich ein einstündiges Programm in deutscher Sprache. Das Programmangebot wird von der Deutschen Welle unterstützt. Die in der Hauptstadt Tunis vertretenen deutschen politischen Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung) führen Beratungsprojekte und Seminare zur Förderung von Rechtsstaat, Verwaltungsreform, Marktwirtschaft, Frauen, Gewerkschaften und für die Zivilgesellschaft durch.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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