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Tunesien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: November 2014

Politische Beziehungen

Deutschland und Tunesien pflegen seit den 1950-er Jahren gegenseitige Beziehungen. Seit der Revolution vom 14. Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land bei dem Übergang zur Demokratie. Zwischen beiden Regierungen wurde eine „Transformationspartnerschaft“ vereinbart, die durch regelmäßige Staatssekretärstreffen, zuletzt am 19. Juni 2014 in Berlin, gesteuert wird.   

Zahlreiche Besuche belegen die guten und intensiven Beziehungen mit Tunesien seit der Revolution. Bundestagspräsident Lammert vertrat Deutschland am 07.02.2014 bei der Feier zur Annahme der neuen tunesischen Verfassung. Am 24. April 2014 reiste Außenminister Steinmeier zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Fabius nach Tunis. Im Juni besuchte Ministerpräsident Mehdi Jomaa im Rahmen der deutsch-tunesischen Regierungskonsultationen auf Staatssekretärsebene Deutschland.


Wirtschafts- und entwicklungspolitische Beziehungen

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind intensiv und zukunftsfähig. Seit der tunesischen Revolution zeigen beide Länder deutliches Interesse und viel Initiative für eine weitere Intensivierung. Deutschland ist (nach Frankreich und Italien) der drittgrößte Handelspartner und ausländische Investor in Tunesien. Gegenwärtig sind nach Angaben der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer rund 250 meist exportorientierte Unternehmen in Tunesien aktiv, die insgesamt 50.000 Arbeitskräfte beschäftigen.

Nach Tunesien exportiert Deutschland in erster Linie Textilien (Vorerzeugnisse), elektronische Erzeugnisse, Maschinen, Kraftfahrzeuge, chemische Produkte, Waren der Ernährungswirtschaft sowie Eisen und Eisenwaren. Die wichtigsten deutschen Einfuhrgüter aus Tunesien sind Textilien (Enderzeugnisse), elektrotechnische Komponenten, Autokomponenten (insbesondere Kabel), Lederwaren, Rohöl, Waren der Ernährungswirtschaft, Kraftstoffe, Schmieröle und Teppiche.

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist Deutschland einer der wichtigsten bilateralen Partner Tunesiens. Seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in den sechziger Jahren hat Tunesien aus Deutschland Entwicklungshilfe in Höhe von über 1,5 Milliarden Euro erhalten. Die Neuzusagen für 2013 beliefen sich auf 151,5 Millionen Euro. Die Schwerpunkte der Kooperation sind Umwelt- und Ressourcenschutz, Wasser, Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie erneuerbare Energien und Beschäftigungsförderung. Tunesien profitiert von der Sonderinitiative „Stabilisierung und Entwicklung Nordafrika-Nahost“, womit die deutsche Entwicklungspolitik einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen und für mehr politische Partizipation und mehr soziale Gerechtigkeit in der MENA-Region (MENA: Middle East and North Africa) leistet. GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die politischen Stiftungen und die Deutsche Welle Akademie sind zur Umsetzung der Entwicklungsvorhaben mit mehr als 150 Personen in Tunesien vertreten.

Im Rahmen der Transformationspartnerschaft mit Tunesien wurden in den Jahren 2012 bis 2014 über 100 Projekte in Tunesien mit einem Volumen von über  50 Millionen Euro gefördert. Im Fokus dieser Maßnahmen, die auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden sollen, stehen u.a. die Förderung von Rechtsstaat und guter Regierungsführung, Beschäftigungsförderung und duale Ausbildung, Zivilgesellschaft und professionelle Medien.


Kulturelle Beziehungen

Schwerpunkte der deutsch-tunesischen Kooperation im Kulturbereich liegen in der Bereitstellung von Stipendien durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) sowie Deutschkursen und Kulturveranstaltungen. Hauptträger der Kulturzusammenarbeit ist das Goethe-Institut in Tunis.

Großes Ansehen hat sich das Deutsche Archäologische Institut (DAI, Abteilung Rom) während der vergangenen vier Jahrzehnte durch seine Ausgrabungen in Karthago und Chemtou erworben. Seit 2000 wird der in Deutschland restaurierte antike Schiffsfund von Mahdia im Bardo-Museum in Tunis ausgestellt. Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes betrieb das DAI in den vergangenen Jahren  wichtige Kulturerhaltsprojekte in Chemtou (römischer Kaiserkulttempel) und Karthago. 2015 will das DAI weitere Grabungsprojekte in Karthago vorantreiben.

Fast 40.000 Schüler lernen Deutsch als dritte Fremdsprache an den tunesischen Sekundarschulen. Das Goethe Institut hat im Frühjahr 2014 eine Vereinbarung zur Förderung des Deutschunterrichts mit dem tunesischen Bildungsministerium abgeschlossen, die Fortbildungsmaßnahmen, pädagogische Sachmittelunterstützung und Beratungsleistungen vorsieht.  Das Goethe Institut betreut auch die Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amts „PASCH“, für die in Tunesien 6 Partnerschulen gewonnen wurden. Der DAAD ist zur Förderung der Germanistik mit insgesamt 5 Lektoren/Sprachassistenten an 3 Hochschulen in Tunis und Gabes vertreten. Seit Juni 1992 sendet Radio Tunis International täglich ein einstündiges Programm in deutscher Sprache. Das Programmangebot wird von der Deutschen Welle unterstützt. Die in der Hauptstadt Tunis vertretenen deutschen politischen Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung) führen Beratungsprojekte und Seminare zur Förderung von Rechtsstaat, Verwaltungsreform, Marktwirtschaft, Frauen, Gewerkschaften und für die Zivilgesellschaft durch.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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