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Nicaragua

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Aktuelle Wirtschaftslage

Die nicaraguanische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Das Wachstum betrug im Jahr 2015 4,9%, für 2016 wird wieder mit circa 4-5% gerechnet. Die Weltmarktpreise für Nicaraguas Hauptexportgüter Kaffee, Rindfleisch, Zucker und Gold waren zuletzt rückläufig, die Ernte zusätzlich durch andauernde Trockenheit beeinträchtigt. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrug 2015 circa 2000 US-Dollar, die Inflationsrate lag bei unter 3,5 %. 


Wirtschaftspolitik

Geld- und Fiskalpolitik sind am Erhalt makroökonomischer Stabilität ausgerichtet. Die IWF-Art. 4-Konsultationen im Oktober 2015 sowie die Weltbank stellen Nicaragua ein gutes Zeugnis aus. Risiken liegen allerdings in der ausstehenden Reform des sozialen Sicherungssystems und in den intransparenten, zahlreichen Subventionen, die außerhalb des offiziellen Haushalts aus verbilligten venezolanischen Öllieferungen bezahlt werden und zukünftig aus dem Haushalt oder anderen Quellen werden ausgeglichen werden müssen.


Armut

Im Human Development Index der Vereinten Nationen belegte Nicaragua 2015 Platz 125. Nicaragua ist das zweitärmste Land Lateinamerikas. Die Armut ist allerdings rückläufig. 29,6% der Bevölkerung leben in Armut (2 Dollar oder weniger pro Tag), die Analphabetenrate liegt bei über 15-Jährigen bei 22%. 


Abhängigkeit von Finanzhilfe

Nicaragua ist noch immer von der Entwicklungszusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft sowie den Überweisungen der im Ausland lebenden Nicaraguanern an ihre Familien (sog. "remesas") abhängig. Letztere machten im Jahr 2015 1.2 Millionen US-Dollar aus, die v.a. aus den USA, Costa Rica und Spanien erfolgten. Schätzungsweise ein Zehntel des nationalen Haushalts steuern ausländische Geber jährlich bei, wobei die Tendenz (sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene) rückläufig ist.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Nicaragua ist ein Agrarland mit schwacher industrieller Basis.

Es erwirtschaftet rund ein Viertel seines Bruttoinlandsproduktes in Landwirtschaft und Fischerei. In der Industrie – vor allem in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte - findet ein weiteres Viertel der Wertschöpfung statt. Durch den Anstieg des Goldpreises tragen auch die Minen des Landes  verstärkt zum Sozialprodukt bei. Branchen mit besonders großem Wachstumspotenzial sind Bauwirtschaft, Textilindustrie, der Tourismus, die Landwirtschaft sowie die Energiewirtschaft.

Fortschritte macht Nicaragua bei der Nutzung seines enormen Potentials an erneuerbaren Energien. Deckte das Land seinen Energiebedarf von rund 800 MW noch 2007 fast ausschließlich durch importiertes Öl, haben seither Wasser-, Wind- und Geothermiekraftwerke ca. 57% der Produktion übernommen. Bis 2020 plant die Regierung den Anteil erneuerbarer Energien auf über 90% zu steigern. Die Sonnenenergie wird trotz ausgezeichneter klimatischer Voraussetzungen bislang kaum genutzt.

Wichtiges innenpolitisches Thema ist der geplante Bau eines interozeanischen Kanals zwischen Atlantik und Pazifik (278 km lang, bis zu 500 Meter breit und 30 Meter tief, von der Mündung des Rio Punta Gorda an der Karibikküste über den Nicaraguasee zur Mündung des Rio Brito an der Pazifikküste).


Außenwirtschaft

Die nicaraguanische Volkswirtschaft hängt heute hochgradig von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Importe und Exporte steigen kontinuierlich und machen zusammen rund zwei Drittel des BIP aus. Dabei ist die Handelsbilanz Nicaraguas – wie die aller zentralamerikanischer Staaten – negativ. Im zentralamerikanischen Vergleich ist Nicaragua trotz positiver Marktbedingungen nach wie vor der bei weitem kleinste Exporteur; Costa Rica führt etwa das Vierfache aus.

Mit Abstand wichtigster Handelspartner sind die USA. Das deutsch-nicaraguanische Handelsaufkommen liegt auf bescheidenem Niveau.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Nicaragua ist Partnerland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit. Arbeitsfelder sind die Stärkung rechtstaatlicher Strukturen, die Förderung der Dezentralisierung, Umwelt­politik, nachhaltige Ressourcen­bewirtschaftung, Trink­wasser­versorgung und Abwasserentsorgung. Mehr Informationen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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