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Kuwait

Wirtschaftspolitik

Stand: Mai 2014

Wirtschaftsstruktur

Der dominierende Wirtschaftszweig in Kuwait ist der Ölsektor, in dem über 50% des BIP erwirtschaftet werden, gefolgt von Dienstleistungen sowie Finanzen und Immobilien.

Kuwait lag 2013 an zehnter Stelle der weltweiten Ölförderung mit einer täglichen Produktion von 2,9 Mio. Barrel. Seine Einnahmen werden im Haushaltsjahr 2012/13 auf 30,2 Mrd. KD, rund 81,5 Mrd. €, geschätzt. Das Land verfügt über Erdölreserven von 101,5 Mrd. Barrel (= 8% der weltweiten Vorkommen), die bei gegenwärtiger Produktionshöhe noch etwa 100 Jahre halten. Bis 2020 will Kuwait die Produktionskapazität aber bis auf 4 Mio. Barrel/Tag erhöhen.

Dagegen ist Kuwait trotz großer Reserven von 63 Billionen Kubikfuß beim Erdgas Importeur (u.a. aus Katar), v.a. wegen seines sehr hohen Energieverbrauchs zur Elektrizitätserzeugung und für den petrochemischen Sektor, der jährlich um 6-8% steigt und in der Vergangenheit gelegentlich zu Stromausfällen führte.

Noch deutlicher zeigt sich die einseitige Abhängigkeit im Staatshaushalt und im Außen-handel: 94% der Budgeteinnahmen kommen aus dem Ölsektor. Er wird von der staatlichen Holding Kuwait Petroleum Corporation (KPC) gelenkt. KPC gehören zahlreiche Tochterunternehmen, darunter die „Flaggschiffe“ Kuwait Oil Company (KOC, zuständig für Exploration und Förderung), Kuwait National Petroleum Company (KNPC, zuständig für das Raffinieren und Vertrieb) sowie Petrochemical Industries Company (PIC, zuständig für petrochemische Produktion).


Wirtschaftslage

Das ölreiche und finanzstarke Emirat Kuwait profitiert weiterhin von hohen Ölpreisen von über 100 USD/Barrel. Der Internationale Währungsfonds veranschlagte in seinem World Economic Outlook im April 2014 das reale Wachstum des Jahres 2013 in Kuwait auf 0,8%. Für 2014 wird ein Wachstum von 2,6%, für 2015 von 3,0% erwartet.

Hohe Budgetüberschüsse aus dem Ölgeschäft bei ebenfalls hohen Ausgaben zur Befriedigung der Erwartungen und Ansprüche der kuwaitischen Bevölkerung an Leistungen des Wohlfahrtsstaates kennzeichnen die Lage, wobei der IWF inzwischen darauf hinweist, dass bei unveränderter Fortentwicklung um 2017/18 die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken würden, ggfs. bei einem Einbruch der Ölpreise auch früher und verschärft.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wurde 2013 auf 53.000 US-Dollar veranschlagt. Angesichts der großen Zahl (etwa 2,5 Mio.) gering verdienender Ausländer liegt das Pro-Kopf-Einkommen der kuwaitischen Staatsangehörigen wesentlich höher.

Kuwait investiert einen großen Teil seiner Öleinnahmen und der privaten Vermögen im Ausland. Die Regierung legt seit 1976 jährlich 10% der Staatseinnahmen im Rahmen des Future Generations Fund über die Kuwait Investment Authority (KIA) an, im Haushaltsjahr 2012/13 sogar 25%. Darüber verwaltet die KIA den Haushaltsüberschuss im General Reserve Fund, der Beteiligungen an staatseigenen Unternehmen, wie dem Kuwait Fund for Arab Economic Development und der Kuwait Petroleum Corporation hält. Die Höhe der Anlagen ist Staatsgeheimnis, wird aber auf etwa 80 Mrd. USD geschätzt. Hinzu kommen Investitionen durch private Anleger, die bei 100 Mrd. USD liegen dürften.


Währungspolitik, Devisengesetzgebung

Die kuwaitische Währung (KD) ist konvertibel. Seit Mai 2007 ist der KD an einen Währungskorb angebunden, der allerdings nach wie vor vom Dollar dominiert wird. Es herrscht freier Kapitalverkehr.


Außenhandel

Der kuwaitische Außenhandel (ohne Rüstung) belief sich 2013 auf 41 Mrd. KD (110 Mrd. €), davon Exporte 32,6 Mrd. KD (87 Mrd. €) und Importe 8,3 Mrd. KD (22 Mrd. €), was einem Exportüberschuss von über 24 Mrd. KD (65 Mrd. €) entspricht.

Ölprodukte stellen 94% der Exporte. Wichtigste Importgüter sind Maschinen und Fahrzeuge, Endprodukte, Nahrungsmittel und lebende Tiere, Chemikalien.

Die wichtigsten Handelspartner waren beim Import die USA, China, Japan und Deutschland, beim Export Japan, Indien, Südkorea, China und die USA.


Investitionsbedingungen

Zur Diversifizierung der Wirtschaft ist die kuwaitische Regierung um verstärkte ausländische Investitionen bemüht. Früher waren ausländische Direktinvestitionen nur bei kuwaitischer Mehrheitsbeteiligung in Form von Joint Ventures möglich. Dies, der vergleichsweise kleine Binnenmarkt des Landes und bürokratische Hemmnisse haben bisher ausländische Investoren eher zurückgehalten.

Das Gesetz zur Regelung ausländischer Direktinvestitionen, das am 22.04.2001 in Kraft getreten ist, soll Kuwaits Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen. Das Gesetz lässt Joint Ventures zu, bei denen der ausländische Partner die Mehrheit der Anteile hält. Die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz sind Ende 2003 in Kraft getreten.

Im Januar 2013 wurde vom Parlament ein neues Firmengesetz beschlossen, das keine strikten Vorgaben mehr für eine Mehrheitsbeteiligung kuwaitischer Partner enthält. Solche Vorgaben sollen in Zukunft branchenweise per Dekret erlassen werden.

2008 trat eine Steuerreformin Kraft. Der bislang für ausländische Firmen geltende Steuersatz wurde von bis zu 55 Prozent auf 15 Prozent abgesenkt.

Ausländische Investitionen in der Ölförderung sind weiterhin nicht zugelassen. Grundbesitz und Investitionen im Immobiliensektor sind Kuwaitis und Staatsangehörigen der Staaten des Golfkooperationsrats vorbehalten.


Infrastruktur- und Privatisierungsvorhaben

Mit der Verabschiedung des (Ende März 2014 ausgelaufenen) Entwicklungsplanes 2010-2014 wollte Kuwait dem erklärten Ziel näher kommen, seine Wirtschaft zu diversifizieren und zum Handels- und Finanzzentrum in der Region aufzusteigen. Dem stehen aber Schwächen  der Verwaltung und langsame Entscheidungsprozesse sowie der strukturelle Konflikt Regierung/Parlament entgegen. Der Entwicklungsplan war der erste seiner Art seit 1986. Er hatte ein Volumen von 30 Mrd. KD (80 Mrd. EUR). Durch die Übertragung zahlreicher Projekte und Aufgaben auf zu gründende privatrechtliche Gesellschaften sollten die komplizierten Ausschreibungs- und Vergabe-richtlinien des öffentlichen Sektors umgangen und die Dominanz des staatlichen Sektors reduziert werden. Auch soll sich der Privatsektor mit eigenen Mitteln am Entwicklungsplan beteiligen. Der Abfluss der Mittel verzögerte sich jedoch. Dennoch sieht der Wirtschaftsdienst MEED (Middle East Economic Digest) in den kommenden 10 Jahren in Kuwait ein geplantes Projektvolumen von über 100 Mrd. USD.


Messeaktivitäten

Die meisten kuwaitischen Messen sind von lokaler Bedeutung, konzentrieren sich eher auf Konsum als auf Investitionsgüter und sprechen vor allem den Endverbraucher an. Kuwaitische Geschäftsleute informieren sich auf Messen in den regionalen Wirtschaftszentren (Dubai, Abu Dhabi, Djidda) und insbesondere in Deutschland (CeBIT, Hannover-Messe, Anuga, GDS, Igedo, Drupa).


Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Kuwait ist Mitglied des Golfkooperationsrates (GKR), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Welthandelsorganisation (WTO), der Weltbank, der OPEC und der OAPEC (Organization of Arab Petroleum Exporting Countries).

Das Kommuniqué zum 34. Gipfel der GKR-Staaten im Dezember 2013 in Kuwait forderte weitere Anstrengungen zur wirtschaftlichen Integration und zur Beseitigung von Hindernissen für die Schaffung eines einheitlichen Golfmarkts einschließlich einer Zollunion. Vorbereitungen sollen auch getroffen werden zur Schaffung einer Währungsunion der Golfstaaten.


Umweltpolitik

Kuwait ist den wichtigsten internationalen Konventionen im Bereich des Umweltschutzes beigetreten und hat Anfang 2014 das Statut der Internationalen Agentur für erneuerbare Energie IRENA ratifiziert. Die 1995 gegründete "Environment Public Authority (EPA)" ist bemüht, Behörden und Bevölkerung für Fragen des Umweltschutzes und der Energieeinsparung zu sensibilisieren. Da Strom und Wasserpreise jedoch mit 3,2 Mrd. KD (8,5 Mrd. €) pro Jahr stark subventioniert sind, gibt es wenig Anreiz, weder zum Wassersparen noch zur Einführung energieeffizienter Geräte bzw. von erneuerbarer Energie. Im Oktober 2011 stufte die WHO Kuwait unter die zehn am stärksten umweltverschmutzten Länder weltweit ein. Die Notwendigkeit von Emissionsschutzmaßnahmen in der Ölindustrie, umweltgerechtere Abfallbeseitigung und die Reinigung von Abwässern sowie von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung wird zunehmend erkannt.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Wirtschaftsdatenblatt Kuwait