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Kuwait

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2013

Wirtschaftslage

Über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts sowie das Gros der Exporterlöse und der Regierungseinnahmen werden im Ölsektor generiert. Zusätzlich sichern beträchtliche staatliche und private Auslandsinvestitionen hohe Einkünfte. Mit geschätzten Ölreserven von rund 101,5 Mrd. Barrel, insgesamt ca. 8,5 Prozent der Gesamtweltölreserven, liegt Kuwait weltweit hinter Saudi-Arabien, Irak und Iran ungefähr gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Rohöl-Förderkapazität beträgt 3,3 Mio. Fass pro Tag (bpd), die tatsächliche Fördermenge liegt aufgrund der OPEC-Quote Kuwaits aber darunter (ca. 2,65 Mio. Fass pro Tag). Das statistische Bruttoinlandsprodukt wurde 2012 pro Kopf auf 47.200 US-Dollar veranschlagt. Angesichts der großen Zahl gering verdienender Ausländer liegt das Pro-Kopf-Einkommen der kuwaitischen Staatsangehörigen wesentlich höher.


Wirtschaftsstruktur

Das Wirtschaftssystem Kuwaits ist grundsätzlich marktwirtschaftlich orientiert, jedoch wird die kuwaitische Wirtschaft vom Staat und der verstaatlichten Ölindustrie dominiert. Über 80 Prozent der kuwaitischen Arbeitskräfte sind im öffentlichen Sektor beschäftigt. Es gibt (praktisch) keine Steuern. Alle öffentlichen Dienste und Sozialleistungen werden direkt vom Staat aus den Erdöleinnahmen finanziert.

Kuwait betreibt eine offene Handelspolitik mit freiem Devisenverkehr, nur geringen Einfuhrzöllen und einem Minimum an Anforderungen für Einfuhrgenehmigungen. Auf Nahrungsmittel, landwirtschaftliche Produkte oder wichtige Konsumgüter werden keine Zölle erhoben. Die Einfuhr von Schweinefleisch und Alkohol ist verboten; gleiches gilt für Nahrungsmittel und Getränke, die derartige Bestandteile enthalten. Der Golfkooperationsrat beschloss im Dezember 2007 freien Handel im Rahmen eines Gemeinsamen Marktes. Über ein Freihandelsabkommen mit der EU wird seit langem verhandelt.

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts

Das wesentlich auf den Erlösen durch den Ölexport beruhende Bruttoinlandsprodukt (BIP) weist erhebliche jährliche Schwankungen in Abhängigkeit vom Erdölpreis auf. Es betrug 2012 (geschätzt) nominal etwa 170,1 Milliarden US-Dollar. Das Wachstum von 2010 zu 2011 betrug etwa  5%.

Entwicklung des Staatshaushalts

Dank des hohen Ölpreises, aber auch wegen Minderausgaben bei der Realisierung des Haushalts, wird für 2012 erneut ein Budgetüberschuss erwartet. Für den 8-Monatszeitraum April – November 2012 betrug der Überschuss 14,7 Mrd. KWD = ca. 52 Mrd. US-Dollar (2011: 37,7 Milliarden US-Dollar,). Der Exportüberschuss belief sich 2012 auf geschätzte 74,7 Milliarden US-Dollar. Haupteinnahmequelle (mehr als 90 Prozent der Gesamteinnahmen) bleiben die Erlöse aus der Erdölförderung. Der größte Teil der Überschüsse wird regelmäßig zur Zukunftssicherung über den sogenannten "Reservefonds für zukünftige Generationen" international angelegt.

Inflation

Die Preissteigerungsrate wird für 2012 auf 3 Prozent geschätzt (2011: 4,7 Prozent).

Währungspolitik, Devisengesetzgebung

Es gibt keine Beschränkungen des Devisenverkehrs. Auf den An- oder Verkauf von Devisen werden keine Steuern oder Abgaben erhoben. Im Mai 2007 hat die Zentralbank die Dollarbindung des Kuwaitischen Dinar (KD) aufgegeben und ist zu einem Währungskorb zurückgekehrt, dessen genaue Zusammensetzung nicht bekannt ist.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Volkswirtschaft Kuwaits wird von den Einkünften aus dem Verkauf von Rohöl und Ölprodukten dominiert. Erdöl ist der wichtigste Rohstoff und dominierender Wirtschaftsfaktor des Staates Kuwait. Die Einnahmen aus dem Ölsektor bilden seit Jahren mit einem Anteil von inzwischen über 90 Prozent den bedeutendsten Posten der Staatseinnahmen. Das Land sieht seine industrielle Zukunft im Ausbau der heimischen Raffineriekapazitäten und im Aufbau einer petrochemischen Industrie. Bemühungen, die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf den Ölsektor durch Förderung nicht-ölbezogener Aktivitäten (wie z.B. dem Ausbau der Hafenkapazitäten) zu verringern, haben bislang nur marginal zu einer Diversifizierung beigetragen. Der im Bau befindliche Hafen Mubarak al-Kabir auf der Insel Boubiyan soll in Zukunft einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen. Lediglich der Finanzsektor sowie die Bereiche Telekommunikation und Logistik sind in den vergangenen Jahren gewachsen. Der Ausbau Kuwaits zu einem internationalen Finanzzentrum ist erklärtes Ziel der kuwaitischen Regierung.


Außenwirtschaft

Investitionsbedingungen

Zur Diversifizierung der Wirtschaft ist die kuwaitische Regierung um verstärkte ausländische Investitionen bemüht. Früher waren ausländische Direktinvestitionen nur bei kuwaitischer Mehrheitsbeteiligung in Form von Joint Ventures möglich. Dies, der vergleichsweise kleine Binnenmarkt des Landes und bürokratische Hemmnisse haben bisher ausländische Investoren eher zurückgehalten.

Das Gesetz zur Regelung ausländischer Direktinvestitionen, das am 22.04.2001 in Kraft getreten ist, soll Kuwaits Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen. Das Gesetz lässt Joint Ventures zu, bei denen der ausländische Partner die Mehrheit der Anteile hält. Die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz sind Ende 2003 in Kraft getreten.

Im Januar 2013 wurde vom Parlament ein neues Firmengesetz beschlossen, das keine strikten Vorgaben mehr für eine Mehrheitsbeteiligung kuwaitischer Partner enthält. Solche Vorgaben sollen in Zukunft branchenweise per Dekret erlassen werden.

Im Dezember 2007 beschloss das Parlament eine Steuerreform, die am 01.04.2008 in Kraft trat. Der bislang für ausländische Firmen geltende Steuersatz wurde von bis zu 55 Prozent auf 15 Prozent abgesenkt.

Ausländische Investitionen in der Ölförderung sind weiterhin nicht zugelassen. Grundbesitz und Investitionen im Immobiliensektor sind Kuwaitis und Staatsangehörigen der Staaten des Golfkooperationsrats vorbehalten.

Infrastruktur- und Privatisierungsvorhaben

Es herrscht grundsätzlich Konsens darüber, dass die Rolle des privaten Sektors gestärkt werden muss, um Arbeitsplätze für Kuwaitis zu schaffen. Allerdings ist die Regierung bislang nicht über die Phase des Verkaufs von Anteilen an einigen Staatsunternehmen hinausgekommen. Die seit langem geplante Privatisierung von Kuwait Airways wurde im Januar 2013 vom Parlament gebilligt. Auf dem Arbeitsmarkt sollen bisher von Ausländern besetzte Arbeitsplätze verstärkt durch einheimische Arbeitskräfte besetzt werden.

Messeaktivitäten

Die meisten kuwaitischen Messen sind von lokaler Bedeutung, konzentrieren sich eher auf Konsum als auf Investitionsgüter und sprechen vor allem den Endverbraucher an. Kuwaitische Geschäftsleute informieren sich auf Messen in den regionalen Wirtschaftszentren (Dubai, Abu Dhabi, Djidda) und insbesondere in Deutschland (CeBIT, Hannover-Messe, Anuga, GDS, Igedo, Drupa).

Ausfuhrhandel

Kuwait hat im Jahr 2012 (lt. Schätzung EIU) Waren im Wert von ca. 110,8 Mrd. US-Dollar ausgeführt, davon ca. 95 Prozent Rohöl und Ölprodukte. Der Wert der Importe betrug im gleichen Zeitraum etwa 24 Mrd. US-Dollar. Kuwait erzielte somit einen Handelsüberschuss von ca. 86,7 Mrd. US-Dollar. Wichtigste Importgüter waren Maschinen und Fahrzeuge, Endprodukte, Nahrungsmittel und lebende Tiere sowie Chemikalien. Bei der Lebensmittelversorgung  ist Kuwait nahezu zu 100 Prozent auf Importe angewiesen.


Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Kuwait ist Mitglied des Golfkooperationsrates (GKR), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Welthandelsorganisation (WTO), der Weltbank, der OPEC und der OAPEC (Organization of Arab Petroleum Exporting Countries).


Umweltpolitik

Kuwait ist den wichtigsten internationalen Konventionen im Bereich des Umweltschutzes beigetreten und hat das Statut der Internationalen Agentur für erneuerbare Energie IRENA gezeichnet, jedoch bisher nicht ratifiziert. Die 1995 gegründete "Environment Public Authority (EPA)" ist bemüht, Behörden und Bevölkerung für Fragen des Umweltschutzes und der Energieeinsparung zu sensibilisieren. Da Strom und Wasserpreise jedoch stark subventioniert sind, gibt es wenig Anreiz, weder zum Wassersparen noch zur Einführung energieeffizienter Geräte bzw. von erneuerbarer Energie. Im Oktober 2011 stufte die WHO Kuwait unter die zehn am stärksten umweltverschmutzten Länder weltweit ein. Die Notwendigkeit von Emissionsschutzmaßnahmen in der Ölindustrie, umweltgerechtere Abfallbeseitigung und die Reinigung von Abwässern sowie von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung wird zunehmend erkannt.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Wirtschaftsdatenblatt Kuwait