Vietnam
Wirtschaft
Stand: September 2009
Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur
Seit Anfang der 90er Jahre befindet sich die Wirtschaft Vietnams in einem Übergangsprozess von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft mit "sozialistischer Orientierung". Diese schrittweise betriebene Erneuerungspolitik ("Doi Moi") hat bemerkenswerte wirtschaftliche Erfolge erzielt, u.a. hohe Wachstumsraten (2007: 8,5%, 2008: 6,25%) und eine enorme Erhöhung der Exporte sowie der Ausländischen Direktinvestitionen (FDI).
Aufgrund seines vergleichsweise unterentwickelten und international noch nicht voll integrierten Bankensystems ist Vietnam von den direkten Folgen der weltweiten Finanzkrise weitgehend verschont geblieben. Indessen wirkt sich die Weltwirtschaftskrise in zweifacher Hinsicht auf die (in hohem Maße von Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen und Exporten abhängige) vietnamesische Volkswirtschaft aus: Zum einen gehen internationale Investoren sehr viel zögerlicher und selektiver vor, was Vietnam in den letzten Monaten deutlich zu spüren bekommen hat. Zum anderen sind die Auswirkungen der weltweit zurückgehenden Nachfrage, insbesondere in den USA (größter Abnehmer vietnamesischen Waren), Japan (Nr. 2) und der Europäischen Union (Nr. 3), für die vietnamesische Exportwirtschaft eine große Belastung.
Nach wie vor bilden die Staatsunternehmen den substantiellen Teil der Wirtschaft: Obwohl mindestens ein Viertel dieser Unternehmen rote Zahlen schreibt, erbringen sie 40% des industriellen Outputs und zeichnen für 35% aller Exporte verantwortlich. Inzwischen wurden gut 3.000 (von insgesamt ca. 6.000) staatseigene Betriebe „equitisiert“ (teilprivatisiert). Betriebe, die in sensitiven Bereichen wirtschaften (Verteidigung, Verlagswesen, Eisenbahn u.a.), bleiben allerdings auch in Zukunft zu 100% unter staatlicher Kontrolle. Positiv zu vermerken ist die feste Absicht der vietnamesischen Regierung, in naher Zukunft auch profitable Großbetriebe teilprivatisieren zu wollen.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Gemessen an der Beschäftigung, ist Vietnam weiterhin ein Agrarland. Die Landwirtschaft trägt zwar nur ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei, doch sind im Agrarbereich noch immer 65% der Bevölkerung tätig.
Der Industriesektor trägt, ebenso wie der Dienstleistungssektor, 40% zum Bruttoinlandsprodukt bei, wobei die Industrie in den Bereichen Textilien, Schuhe, Stahl, Zement und Automobilmontage besonders ausgeprägt ist.
Außenhandel
Vietnam ist eine in hohem Maße exportabhängige Volkswirtschaft, die Ausfuhren machen 75% des Bruttoinlandsprodukts aus. Die USA haben ihre Rolle als wichtigster Absatzmarkt im Jahre 2008 weiter festigen können, dorthin wurden vietnamesische Waren im Gesamtwert von 11,6 Mrd. USD geliefert, mehr als in die 9 ASEAN-Partner zusammen (10,2 Mrd. USD). Dahinter folgen die EU (knapp 10 Mrd. USD) und Japan (8,8 Mrd. USD). Bei den Lieferländern dominieren die Partner aus Asien, mit großem Abstand führend bleibt China, das 2008 Waren im Wert von 15 Mrd. USD nach Vietnam exportiert hat, gefolgt von Singapur (knapp 10 Mrd. USD), Taiwan (gut 8 Mrd. USD) und Japan (knapp 8 Mrd. USD). Die EU exportiert Waren im Wert von 5,4 Mrd. USD nach Vietnam.
Deutschland bleibt Vietnams größter Handelspartner innerhalb der EU: 2008 konnte, wie im Vorjahr, erneut ein Handelsvolumen in Höhe von gut 4 Mrd. USD realisiert werden. Die vietnamesischen Exporte nach Deutschland übersteigen die Importe deutlich, so dass sich der Handel mit Deutschland auf die – insgesamt stark defizitäre – vnm. Handelsbilanz positiv auswirkt.
Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind – in dieser Reihenfolge – Bekleidung (Gesamtwert 2008: 380 Mio. USD), Schuhe (370 Mio. USD), Robusta-Kaffee (260 Mio. USD), Meeresfrüchte (200 Mio. USD) und Holzprodukte (130 Mio. USD). Deutschland stellt sowohl für vietnamesischen Kaffee wie auch für schwarzen Pfeffer aus Vietnam den weltweit größten Markt dar. Mit Abstand wichtigstes vietnamesisches Einfuhrprodukt aus Deutschland sind Maschinen und Ausrüstungsgegenstände, 2008 im Gesamtwert von 950 Mio. USD. Vietnam hat das Ziel ausgegeben, sich bis 2020 zum "Industrieland" entwickeln zu wollen – und hält hieran trotz Weltwirtschaftskrise fest. In der Praxis äußert sich dies in einem hohen Bedarf an Maschinen und Fahrzeugen. Aufgrund eines in Vietnam generell wachsenden Qualitätsbewusstseins sowie wegen des hervorragenden Rufs, den Produkte 'Made in Germany' in Vietnam genießen, profitieren deutsche Industrieprodukte von dieser Entwicklung in besonderem Maße.
Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen
Vietnam ist Mitglied in sämtlichen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, ASEAN (Association of South East Asian Nations), AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference) und der World Customs Organisation (WCO).
Der Beitritt Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO) im Januar 2007 hat die Attraktivität Vietnams für ausländische Investoren weiter erhöht: Im Jahre 2008 sind über 9 Mrd. USD an ausländischen Direktinvestitionen nach Vietnam geflossen. Für das laufende Jahr 2009 wird infolge der Wirtschaftskrise allerdings ein deutlicher Rückgang erwartet.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.