Vietnam
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: September 2009
Kulturpolitik
Vietnam verfügt über eine - gemessen am Entwicklungsstand des Landes - gut ausgebaute kulturelle Infrastruktur. Geografisch konzentrieren sich Kunsthochschulen und Konservatorien, Theater, Museen und Galerien sowie das kulturelle Leben auf die beiden Großstädte Hanoi und Ho Chi Minh Stadt. Zentrale Elemente der Kulturpolitik der vietnamesischen Regierung sind die Betonung der nationalen Identität Vietnams, die Befolgung der Ideen Ho-Chi-Minhs und die Bekämpfung als negativ empfundener Folgen der Globalisierung. Das Interesse der Bevölkerung an unzensierter Kunst und Kultur ist groß.
Die 1986 eingeleitete Reformpolitik hatte den Künstlern zunächst neue Entfaltungsmöglichkeiten gegeben, die diese auch genutzt haben. Über Internet und TV sowie Spielfilme und Serien amerikanischer, aber auch koreanischer und chinesischer Herkunft kommt zudem ausländische Kultur ins Land. Seit einigen Jahren hat die offizielle vietnamesische Kulturpolitik jedoch wieder einen restriktiven Kurs eingeschlagen. Die Medien unterliegen staatlicher Aufsicht, das Internet wird reguliert.
Bildungspolitik
Intensiv diskutiert wird derzeit die Situation im vietnamesischen Bildungssystem, das die Regierung nach eigenen Angaben als „nicht den Anforderungen gerecht“ einschätzt. Während Vietnam im Grundschulbereich durchaus erfolgreich ist – die Alphabetisierungsrate ist mit rund 94% verglichen mit der anderer Länder gleichen Entwicklungsstands sehr hoch - bricht danach die Ausbildung für viele Kinder ab. Zudem ist die Mehrzahl der Mittel- und Oberschulen – v.a. auf dem Land – von geringer Lehrqualität. Auch die Qualität der Ausbildung und die Anzahl der Absolventen im tertiären Bildungsbereich haben mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre nicht Schritt halten können und sind dem heutigen Bedarf Vietnams nicht mehr angemessen. Eine schwere Belastung für das vietnamesische Bildungssystem sind zudem Probleme wie die zähe, von Korruption geplagte Administration, die unzureichende materielle Ausstattung der Lehreinrichtungen, Qualitätsmängel bei der Lehrer- und Dozentenausbildung sowie die Überfrachtung der Lehrpläne.
Im Rahmen einer deutlichen Aufstockung des Bildungsetats geht die vietnamesische Regierung nun dringende Probleme an. Der seit 2006 amtierende (u.a. in Deutschland ausgebildete) Erziehungsminister und Vizepremierminister Nguyen Thien Nhan hat zudem eine „Bildungsoffensive“ angekündigt, deren erste Maßnahmen darin bestehen sollen, den Hochschulen durch Dezentralisierung der Lehrplanvorschriften und Vergrößerung der Handlungsspielräume mehr Autonomie einzuräumen, sie aber andererseits auch rechenschaftspflichtig hinsichtlich ihrer Finanzen zu machen. Außerdem soll das Hochschulsystem verstärkt für internationale Kooperationen geöffnet werden: So sollen künftig private Universitäten in 100%igem Auslandsbesitz und Gemeinschaftsunternehmen im Bildungsbereich mit ausländischen und vietnamesischen Partnern zulässig sein. Um die vietnamesische Hochschullandschaft in die Lage zu versetzen, eine der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams entsprechende Zahl an Fachkräften und Akademikern zu produzieren, sieht die Nationale Bildungsstrategie vor, bis 2010 mindestens 100 neue Fachschulen und Hochschulen zu gründen.
Bei der Reform des Bildungswesens orientiert sich das vietnamesische Erziehungsministerium unter anderem auch am deutschen Modell und hat wiederholt Interesse an diesbezüglicher Beratung und Zusammenarbeit mit Deutschland zum Ausdruck gebracht. Insbesondere im Bereich Berufsbildung und Fachhochschulen wird hier auf vietnamesischer Seite ein großes Potential für zukünftige Kooperationen mit Deutschland gesehen, da dem deutschen Bildungssystem in diesem Bereich „Modellcharakter“ beigemessen wird.
Das Interesse an einem Studium im Ausland ist sehr groß. Seit 2001 vergibt die vietnamesische Regierung staatliche Stipendien primär für Masterkandidaten und Doktoranden, die ihren Abschluss im Ausland erwerben wollen. Auch Deutschland ist dabei ein gesuchtes Studienland. Neben Englisch, das heute in Vietnam die mit Abstand beliebteste Fremdsprache ist, herrscht daher rege Nachfrage nach Deutsch-Kursen. Insgesamt gibt es ca. 100.000 Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet, studiert oder sich dort fortgebildet haben. Sie bilden eine wichtige Basis für die bilateralen Beziehungen.
Hinweis
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