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Landesflagge Vietnam
Beziehungen zwischen Vietnam und Deutschland

Stand: September 2009

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen besitzen eine besondere Qualität. Annähernd 100.000 Vietnamesen leben in Deutschland, 100.000 Menschen in Vietnam sprechen deutsch.

Die bilateralen Beziehungen haben durch den Vietnam-Besuch (Hanoi, Ho Chi Minh Stadt) des Bundesministers des Auswärtigen (28.02. - 01.03.2008) und den sich unmittelbar anschließenden Deutschland-Besuch (Berlin, Frankfurt/Main, Wiesbaden) von Premierminister Dung (06.03. - 10.03.2008) und die hierbei unterzeichneten Übereinkünfte kräftige neue Impulse erhalten. Der im September 2008 erfolgten Eröffnung der Vietnamesisch-Deutschen Universität in Ho Chi Minh Stadt, die durch das Bundesland Hessen und das BMBF finanziell unterstützt wird, kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Gleiches gilt für die Ende August 2009 eröffnete Internationale Deutsche Schule in Ho Chi Minh Stadt.

Deutschland unterstützt nicht nur den wirtschaftlichen Transformationsprozess Vietnams. Der Bundesaußenminister unterzeichnete am 29.02.2008 in Hanoi mit seinem vietnamesischen Amtskollegen eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Rechtsstaatsbereich. Die Bundesregierung hatte hiermit eine vietnamesische Bitte aufgegriffen. Mit Ausbildungsprogrammen, Seminaren u.a. soll Vietnam beim schrittweisen Aufbau einer unabhängigen Judikative unterstützt werden. Ein weiteres, für die Zukunft der Zusammenarbeit wichtiges Vorhaben ist die Errichtung eines Deutschen Hauses in Ho Chi Minh Stadt, die derzeit vorbereitet wird. 2010 wird aus Anlass des 35. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen in Vietnam ein Deutschland-Jahr (und in Deutschland ein Vietnam-Jahr) gefeiert.

Entwicklungszusammenarbeit

Vietnam ist ein wichtiges Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Seit 1990 hat Deutschland Vietnam knapp 1 Mrd. Euro Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen die deutschen Beiträge zu internationalen Organisationen (Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank, Vereinte Nationen) und zur Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union. Unter den EU-Mitgliedsstaaten sind derzeit Frankreich, Deutschland, Belgien und Großbritannien die größten Geberländer.

Für die Entwicklungszusammenarbeit in den Jahren 2008 und 2009 hat Deutschland insgesamt 117 Mio. Euro zugesagt, davon 22 Mio. Euro für Technische Zusammenarbeit und 95 Mio. Euro für Finanzielle Zusammenarbeit.

Die vietnamesisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird sich weiterhin auf folgende drei Schwerpunktbereiche konzentrieren:

  1. Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung einschließlich Berufliche Bildung, 
  2. Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, insbesondere Abwasser- und Abfallentsorgung, 
  3. Verbesserung der Gesundheitsversorgung, insbesondere im ländlichen Bereich

Die nächsten Regierungsverhandlungen über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit werden 2010 in Deutschland stattfinden.

Am 26.02.2009 eröffnete die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Kortmann vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zusammen mit dem vietnamesischen Bauminister Nguyen Hong Quan die zweitägige Stadtentwicklungskonferenz Sustainable Urban Development Forum (siehe www.sudf-vietnam.org). Für 2010 ist eine Konferenz über Nachhaltiges Fortmanagement geplant.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland bleibt Vietnams mit Abstand größter Handelspartner innerhalb der Europäischen Union: 2008 wurde ein Handelsvolumen von 3,4 Mrd. Euro realisiert. Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind Schuhe und Bekleidung. Deutschland stellt sowohl für vietnamesischen Kaffee wie auch für schwarzen Pfeffer aus Vietnam den weltweit größten Markt dar.

Für deutsche Unternehmen von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass Vietnam bis 2020 "Industrieland" werden möchte – ein Bemühen, das sich in der Praxis in einem rasch steigenden Bedarf an Maschinen und Ausrüstungsgegenständen äußert. Aufgrund eines in Vietnam generell rasch wachsenden Qualitätsbewusstseins sowie wegen des hervorragenden Rufs, den Produkte "made in Germany" in Vietnam genießen, profitieren deutsche Industrieprodukte von dieser Entwicklung in besonderem Maße.

Im Juli 2006 wurde ein neues Unternehmens- und ein Investitionsgesetz verabschiedet. Die Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmer und Investoren haben sich dadurch verbessert. Der am 11.01.2007 erfolgte Beitritt Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO) hat die Attraktivität des vietnamesischen Marktes weiter erhöht, wenngleich die Liberalisierung nicht in allen Sektoren gleich schnell voranschreitet.

Die Auslandshandelskammer unterhält Büros in Ho Chi Minh Stadt und Hanoi. In der Deutschen Kaufmannschaft sind inzwischen rund 150 Unternehmen organisiert. Seit August 2008 arbeitet in Hanoi eine Korrespondentin von "Germany Trade and Invest” (GTAI, vormals Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai)).

Seit 1997 findet jährlich wechselnd in Deutschland und Vietnam das Deutsch-Vietnamesische wirtschaftspolitische Dialogforum statt. Die 7. Sitzung hat anlässlich des Deutschlandbesuchs von Premierminister Dung am 6. März 2008 in Berlin stattgefunden. Ein Termin für die 8. Sitzung steht noch nicht fest.

Kulturbeziehungen

Seit Abschluss des Kulturabkommens 1990 entwickeln sich die bilateralen Kulturbeziehungen positiv. Ca. 100.000 Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet, studiert oder sich dort fortgebildet haben, bilden eine - in Asien einzigartige - Brücke zwischen Deutschland und Vietnam, die das Interesse an Deutschland wach hält.

Der wissenschaftliche Austausch profitiert von der großen Zahl in Deutschland ausgebildeter Akademiker. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördern eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Kontakte und Kooperationsvereinbarungen. Vietnam ist Schwerpunktland der Bemühungen zur Internationalisierung des Hochschulstandorts Deutschland. Derzeit studieren rund 3.300 vietnamesische Studenten an deutschen Universitäten. Im Dezember 1999 hat das Vietnamesisch-Deutsche Zentrum (VDZ) an der Technischen Universität Hanoi seine Arbeit aufgenommen, das auch die seit 2003 bestehende Außenstelle des DAAD in Hanoi beherbergt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) pflegt intensive Kontakte mit dem vietnamesischen Forschungsministerium. Im Bereich der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit herrscht ein dichter Austausch auf fachlicher und politischer Ebene. Schwerpunkte der Aktivitäten des BMBF liegen in den Bereichen Bildung, Biotechnologie, Wasser- und Umweltforschung und Forschungsmanagement.

Mehrjährige Verhandlungen über die Errichtung von Kulturinstituten wurden im Januar 1997 mit der Unterzeichnung eines Abkommens abgeschlossen. Im Dezember 1997 wurde das Goethe-Institut Hanoi eröffnet, das sich zu einem viel besuchten Mittelpunkt deutscher Kultur und Sprache sowie darüber hinaus zu einem beliebten Treffpunkt Kulturschaffender und -interessierter entwickelt hat. Seit Ende 2003 betreibt das Goethe-Institut gemeinsam mit dem DAAD auch in Ho Chi Minh Stadt ein "Deutsches Zentrum", das Sprachprogramme und akademische Beratung anbietet und welches in 2008 zu einer GI-Außenstelle mit eigener kultureller Programmarbeit ausgebaut wurde. Für viele zukünftige Studenten sind die Sprachkurse des Goethe-Instituts Sprungbrett für den angestrebten Studienaufenthalt in Deutschland.

Die Friedrich Ebert-Stiftung eröffnete als erste politische Stiftung im November 1990 ein Büro in Hanoi, 1993 folgte die Konrad Adenauer-Stiftung. Seit Februar 2009 ist auch die Rosa Luxemburg-Stiftung in Hanoi mit einem Büro vertreten.

Im September 2008 wurde in Ho Chi Minh Stadt die Vietnamesisch-Deutsche Universität (VDU) eröffnet, deren Gründungsdokumente im Februar 2008 in Hanoi in Anwesenheit des Bundesaußenministers unterzeichnet worden waren. Das vom Bundesland Hessen initiierte Projekt soll zu einem Vorzeigeprojekt der bilateralen Hochschulzusammenarbeit entwickelt werden.

Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt Ende 2007 ins Leben gerufenen Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ sollen auch in Vietnam der Deutschunterricht an vietnamesischen Schulen erweitert und neue Partnerschulen für Deutschland gewonnen werden. Sowohl das Goethe Institut als auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), die seit Februar 2008 mit einer Fachberaterin für Deutsch in Vietnam präsent ist, widmen sich in Zusammenarbeit mit der Botschaft diesem Vorhaben. Im August 2009  ist die Deutsche Internationale Schule in Ho Chi Minh Stadt gegründet worden. 

Aus Anlass des 35. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam wird 2010 ein „Deutschlandjahr in Vietnam“ stattfinden. Dieser Veranstaltungszyklus aus den Bereichen Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Entwicklungszusammenarbeit und Sport wird das breite Spektrum der deutsch-vietnamesischen Beziehungen reflektieren.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Aktuelles

Deutschlandjahr in Vietnam 2010

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Hanoi
Bo Rolf Peter Gottfried Schulze
Tel.: (0084) 4/845 3836
Fax: (0084) 4/845 3838 eMail
www.hanoi.diplo.de
Generalkonsulat Ho-Chi-Minh-Stadt
GK Conrad Karl Cappell
Tel.: (0084 8) 829 19 67
Fax: (0084 8) 823 19 19 eMail
www.hanoi.diplo.de

Entwicklungszusammenarbeit

Vietnam ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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