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Landesflagge USA / Vereinigte Staaten
Wirtschaftspolitik

Stand: Dezember 2009

Grundlagen

Der Status der USA als stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Territorium (mit ca. 3,5 Mio. Quadratmeilen etwa 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana), auf einen großen Binnenmarkt (2008: ca. 308 Mio. Einwohner, Bruttoinlandsprodukt 2008: 14.441,4 Mrd. USD, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2008: 2.489,40Mrd. Euro) sowie auf ein durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnetes Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungssektor erwirtschaftet ca. 79% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor ca. 20% und die Landwirtschaft trägt ein Prozent bei.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Im 3. Quartal 2009 verzeichnete die US-amerikanische Wirtschaft nach vier vorausgegangenen negativen Quartalen wieder Wachstum: das BIP wuchs mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,2 Prozent. Anders als in Deutschland endet eine Rezession in den USA nicht automatisch dann, wenn die Wirtschaftsleistung wieder zulegt - vielmehr entscheidet das Nationale Wirtschaftsforschungsinstitut NBER über das Ende. Die USA befinden sich seit Dezember 2007 offiziell in der Rezession.

Im Jahr 2008 war das US-Wirtschaftswachstum mit insgesamt 0,4 Prozent nahe null. Seit Beginn der Rezession hat sich die Arbeitslosenquote von 5 auf 10 Prozent verdoppelt.

Die Federal Reserve (Fed) hat ihre Wachstumsprognosen Ende 2009 nach oben korrigiert. Die US-Wirtschaft werde sich in „gemäßigtem Tempo“ erholen. Dementsprechend erwartet sie für 2010 ein Wachstum von 2,5 bis 3,5% (Juni-Prognose: 2,1 bis 3,3%). Für 2011 erwarten sie 3,4 bis 4,5% (Juni: 3,8 bis 4,6%) und für 2012 3,5 bis 4,8%. Risikofaktoren sind die schleppende Kreditvergabe der Banken und der schwache Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote sieht die Fed trotz einer leichten Abwärtsrevision nächstes Jahr bei 9,3 bis 9,7% (Juni: 9,5 bis 9,8%) und in den folgenden Jahren noch bei 8,2 bis 8,6% (Juni: 8,4 bis 8,8%). Inoffiziell hält die Fed, die neben Preisstabilität auch das Ziel einer hohen Beschäftigung hat, eine Quote von rund 5,0% für nachhaltig (Inflationsstabile Arbeitslosenquote).

Die Notenbank hat seit Beginn der Finanzkrise im August 2007 ihren Leitzins um bis zu 5,25 Prozentpunkte auf eine Zinsspanne von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Die Fed hat auch nach ihrer Sitzung Mitte Dezember 2009 mitgeteilt, den Leitzins noch "für eine längere Zeit" auf sehr niedrigem Niveau zu belassen. In der Vergangenheit hat die Fed durchschnittlich 6-9 Monate nach dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit (oder 16 Monate nach Ende der Rezession) die Zinsen erhöht. Sie hat die Zinsen noch niemals erhöht, während die Arbeitslosigkeit noch stieg (duales Mandat). Hinzu kommt, dass die Preissteigerung zwar leicht zugenommen hat, aber die Inflationserwartungen weiterhin niedrig und gut verankert sind.

Am Ende des Haushaltsjahres 2009 wurde ein Gesamt-Rekord-Defizit von rund 1,4 Billionen (1.400 Mrd.) USD oder 9,9 Prozent des BIP erreicht. Im Haushaltsjahr 2008 betrug die Verschuldung 3,2 Prozent des BIP. Das Fiskaljahr geht in den USA jeweils Ende September zu Ende. Die gewaltige Etatlücke ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen. Dazu gehören unter anderem ein Rückgang der Steuereinnahmen wegen der Wirtschaftskrise, Stützungsmaßnahmen für Finanzinstitute und den Wohnungsmarkt, Arbeitslosenhilfen sowie Belastungen durch umfassende Konjunkturprogramme.

Zur Abmilderung des Abschwungs hatte der Kongress Anfang Februar 2008 das erste US-Konjunkturprogramm in Höhe von 152 Mrd. USD verabschiedet (Economic Stimulus Act of 2008). Es umfasste eine Einkommensteuererstattung von etwa 107 Mrd. USD und Steuervergünstigungen für Unternehmen in Höhe von 45 Mrd. USD. Schätzungen zufolge wurden nur 30% der Steuererleichterungen konjunkturwirksam ausgegeben. Der Rest floss in die Schuldentilgung und Ersparnisbildung. Die steigenden Ersparnisse der Privathaushalte (Sparquote 2007 0,6 Prozent; 2008 1,7 Prozent; im Januar 2009 5,5 Prozent des verfügbaren Einkommens) sind gut für die langfristige Gesundheit der Finanzen der Privathaushalte - aber verheerend für das Wirtschaftswachstum. Die Verbraucherausgaben bilden rund 70% des US-BIPs ab.

Mitte Februar 2009 hatte der Kongress in neuer Besetzung den „American Recovery and Reinvestment Plan”, das zweite Stimuluspaket, auf den Weg gebracht. Mit einem Volumen von 787 Mrd. USD (ca. 5,5% des BIP) ist es das größte staatliche Konjunkturförderprogramm in der US-Geschichte. Der Ausgabenteil des Pakets in Höhe von ca. 575 Mrd. USD setzt sich hauptsächlich aus den Komponenten direkte Unterstützungsmaßnahmen für Einzelhaushalte inklusive der Ausweitung der Krankenversicherung (ca. 246 Mrd. USD), Unterstützung von Staaten/Kommunen (ca. 54 Mrd. USD) und konkreten Projekten (ca. 275 Mrd. USD) zusammen. Je nach Betrachtungsweise umfasst der Steuerteil des Pakets zwischen 27 Prozent (212 Mrd. USD – reiner Steuerteil ohne Erstattungen/Transferzahlungen) und 41 Prozent (326,5 Mrd. USD – inklusive Transferzahlungen) des Gesamtpakets.

Eine erste Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen des Konjunkturprogramms American Investment and Recovery Acts auf das 3. Quartal 2009 des Congressional Budget Office (CBO) hat ergeben:

Untere Schätzung

Obere Schätzung

Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukt (in Prozent)

1,2
3,2

Veränderung in Arbeitslosenquote (Prozentpunkte)

-0,3
-0,9

Gewinn an Arbeitsplätzen (in Millionen)

0,6
1,6

In einer Rede vor dem Forschungsinstitut Brookings in Washington schlug Präsident Obama dem Kongress im Dezember 2009 weitere konjunkturstützende Maßnahmen vor: eine Mischung aus steuerlichen Entlastungen für den Mittelstand, staatlichen Investitionen in die Infrastruktur, Anreizen für Klimaschutzinvestitionen sowie Hilfen für Arbeitslose. Diese Vorschläge hatte das Repräsentantenhaus aufgegriffen und eine „Jobs-Bill“ verabschiedet. Die Umsetzung im Senat steht noch aus.

Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2008 (nur Waren) hinter Deutschland und China an dritter Stelle. Die Handelsbilanz schloss 2008 mit einem Defizit in Höhe von 677,1 Mrd. USD ab (4,7% des BIP, 2007: 5,1%). Sowohl das Export- (1843,0 Mrd. USD) als auch das Importvolumen (2520,1 Mrd. USD) erreichten 2008 jeweils Rekordwerte. Das Handelsbilanzdefizit der USA ging zum zweiten Mal in Folge im Vergleich zum Vorjahr zurück (um 3,3%; von 2006 zu 2007 um 7,0%). Trotz Rückgangs des Gesamtdefizits im Jahresvergleich nahm das Defizit im bilateralen Warenhandel mit China jedoch erneut zu. Es hat 2008 einen Rekordumfang von 266,33 Mrd. USD erreicht (zum Vergleich 2007: 256,3 Mrd. USD) und macht rund ein Drittel des Gesamtdefizits aus. 2009 hat sich das Handelsbilanzdefizit der USA mit China wegen des krisenbedingten Nachfragerückgangs in den USA auf rund 230 Mrd. USD verringert.

Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2008 waren: Kanada, Mexiko, China, Japan, Deutschland und Großbritannien (Deutschland hat US-Waren im Wert von 54,7 Mrd. USD eingeführt und lag damit 2008 auf Rang 5 der US-Absatzmärkte; 2007: Rang 6 hinter Großbritannien). Bei den Warenimporten der USA liegt die Bundesrepublik Deutschland unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2008 mit Deutschland das fünfthöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von 42,8 Mrd. USD. Höhere Defizite verzeichneten die USA lediglich mit China (266,3 Mrd.USD), Kanada (74,2 Mrd. USD), Japan (72,7 Mrd. USD) und Mexico (64,4 Mrd. USD).

Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 18 Staaten abgeschlossen (Kanada, Mexiko, Jordanien, Singapur, Israel, Australien, Chile, Dominikanische Republik, Honduras, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Jordanien, Marokko, Bahrain, Oman und Peru). Zusätzlich dazu hat noch die Bush-Regierung Abkommen mit Panama, Südkorea und Kolumbien ausgehandelt. Der US-Kongress hat jedoch allen drei Abkommen noch nicht zugestimmt, so dass sie bislang nicht in Kraft treten konnten.

Zwischen Deutschland und den USA besteht ein intensiver und enger wirtschafts- und handelspolitischer Dialog mit dem Ziel der Erhaltung und Festigung offener Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks. Im Rahmen des EU-US-Gipfels im April 2007 in Washington wurde auf deutsche Initiative eine wirtschaftspolitische Rahmenvereinbarung unterzeichnet, Ddie auf die weitere Stärkung der transatlantischen Wirtschaft durch mittel- und langfristig angelegte Regulierungskooperationen in verschiedenen Wirtschaftssektoren abzielt. Wichtigstes Instrument zur Steuerung dieser Kooperation ist der hochrangig besetze „Transatlantische Wirtschaftsrat“, der ein- bis zweimal im Jahr zusammentritt.

US-Wirtschaftsstatistik*

2008

2007

BIP nominal (Mrd. USD)

14.265

13.808

BIP-Wachstum real

+3,3%

+2,2%

Arbeitslosenquote

5,8%

4,6%

Verbraucherpreise

+3,8%

+4,1%

Importe aus Deutschland (Mrd. USD)

97,6

94,4

Handelsbilanzsaldo mit D (Mrd. USD)

-42,9

-44,7

Handelsbilanzsaldo mit der EU (Mrd. USD)

-93,4

-107,4

*) Quellen: Department of Commerce (Bureau of Economic Analysis), Department of Labor (Bureau of Labor Statistics), Delegation of the European Commission, gtai.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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