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Landesflagge Ungarn
Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2009

Die Grundlagen

Einen Meilenstein für das zukünftige bilaterale Verhältnis setzte Ungarn, als es am 10. September 1989 seine Grenze zu Österreich für die Flüchtlinge aus der damaligen DDR öffnete und damit einen besonderen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung und zur Wende in Mittel- und Osteuropa leistete. 2009 spielt das gemeinsame Gedenken an die Wendezeit eine zentrale Rolle in den deutsch-ungarischen Beziehungen. Die Besuche des Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, des Bundesaußenministers sowie des Bundestagspräsidenten in diesem Jahr und alle aus diesem Anlass, zeigen, welche Bedeutung das Thema immer noch für Deutschland hat. Deutschland hat 1989 mit Hilfe Ungarns, das den ersten Stein aus der Mauer brach, nicht nur die eigene Teilung überwunden, sondern dieser Schritt hat auch die Teilung Europas beendet. Dafür ist Deutschland dankbar.

Eine wichtige Grundlage der heutigen bilateralen Beziehungen ist der 1992 geschlossene "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Ungarn über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa".Auf europäischer und multilateraler Ebene wurde die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ungarn durch das Europaabkommen zwischen der Europäischen Union und Ungarn von 1994, die Aufnahme Ungarns in die NATO im März 1999 und den ungarischen EU-Beitritt am 1. Mai 2004 erweitert und vertieft. Daneben arbeiten die beiden Länder in zahlreichen internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der OSZE oder der in Budapest ansässigen Donaukommission eng zusammen.

Ungarn hat innerhalb kurzer Zeit nach seinem Beitritt zur EU seine Rolle als gleichberechtigter und konstruktiver Mitgliedsstaat in der Union gefunden. Deutschland ist dabei für das Land ein zentraler Partner. Die bilateralen politischen Beziehungen sind vertrauensvoll und problemfrei und finden unabhängig vom Jubiläumsjahr 2009 ihren Ausdruck in vielfältigen gegenseitigen Besuchen von der Arbeitsebene bis zur Staatsspitze - so beim offiziellen Besuch des ungarischen Staatspräsidenten Sólyom in Deutschland im Februar 2006, anlässlich der Teilnahme von Bundespräsident Horst Köhler an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Revolution von 1956 und beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Budapest 2007. 

Politische Beziehungen - Deutsch-Ungarisches Forum

Wichtigster regelmäßiger Treffpunkt von Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Kultur aus beiden Ländern ist das Deutsch-Ungarische Forum, das seit 1990 jährlich abwechselnd in Deutschland und Ungarn veranstaltet wird (zuletzt im November 2008 in Berlin). Auch das Stipendiatenprogramm des Deutschen Bundestages, an dem seit 1990 schon über 80 junge Ungarinnen und Ungarn teilgenommen haben, fördert die engere Zusammenarbeit.

Deutsche Minderheit

Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich 62.000 Bürgerinnen und Bürger Ungarns als Angehörige der deutschen Minderheit, als Angehörige des ungarndeutschen Kulturkreises sogar 87.000; damit bilden die Ungarndeutschen die zweitgrößte Minderheit in Ungarn. Auf der Basis des 1993 verabschiedeten und 2005 novellierten ungarischen Minderheitengesetzes vertritt die "Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen" (LdU) die politischen Interessen der deutschen Minderheit. 

Wirtschaftsbeziehungen

Die deutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen sind außerordentlich eng und intensiv. Deutschland ist mit Abstand wichtigster Handelspartner Ungarns, vor Österreich, Russland, Italien und Frankreich. Auch im Jahr 2008 wurde über ein Viertel der ungarischen Handels mit Deutschland abgewickelt. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2008 bei 35,4 Mrd. Euro.

Deutschland ist der größte ausländische Direktinvestor in Ungarn: Ende 2007 entfielen mit einem kumulierten Bestand von ca. 14,7 Mrd. Euro rund 27 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Ungarn auf deutsche Unternehmen. Es gibt in Ungarn über 7.000 ganz oder teilweise mit deutschem Kapital gegründete Unternehmen, die insgesamt rund 300.000 Personen beschäftigen.

Die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer (DUIHK) in Budapest vertritt die wirtschaftlichen Interessen von mehr als 900 Mitgliedsfirmen aus Deutschland und Ungarn. Bei der Verbreitung von Informationen über Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in Ungarn spielt Germany Trade and Invest in Budapest eine wichtige Rolle, die deutsche Unternehmen mit aktuellen Informationen über den ungarischen Markt versorgt.

Wissenschaft und Forschung 

Die im September 2004 unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung und Intensivierung der Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung“ bildet die Grundlage für die Fortschreibung der deutsch-ungarischen Beziehungen in Wissenschaft und Forschung.

Größere Kooperationsprojekte entstanden zwischen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Ungarischen Stiftung für Wissenschaftliche Forschung (OTKA) und der DFG, sowie der ungarischen Bay-Zoltán-Stiftung für angewandte Forschung und der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). Darüber hinaus gibt es gegenwärtig mehr als 200 Partnervereinbarungen zwischen Universitäten und Hochschulen beider Länder.

Das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm bietet neue Instrumente zur Umsetzung gemeinsamer Ziele und zum Ausbau der Europäischen Forschungsregion. Damit werden auch Möglichkeiten und Formen der Zusammenarbeit bei multinationalen Großprojekten erweitert.

Umweltschutz

Die deutsch-ungarische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes ist vielfältig und erfolgreich. Zahlreiche gemeinsame Projekte auf der Grundlage des entsprechenden Regierungsabkommens beider Länder von 1993 sowie mehrere Phare-Twinning-Projekte, in denen deutsche Langzeitexperten beim Aufbau von Institutionen für den EU-Beitritt Ungarns und bei der Übernahme von EU-Umwelt-Standards gemeinsam mit ihren ungarischen Kollegen wertvolle Arbeit geleistet haben, sind ein Beleg hierfür. Die Zusammenarbeit kann noch weiter intensiviert werden: so zum Beispiel auf den Gebieten der Abwasserentsorgung/Kanalisation, Abfallbehandlung, regenerative Energien und Hochwasserschutz. 

Kultur- und Bildungsaustausch

Deutschland und Ungarn verbinden enge und kooperative Beziehungen in Kultur und Bildung. Das Goethe-Institut (GI), der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und zahlreiche andere Einrichtungen engagieren sich in der Zusammenarbeit. Zentrale Themen sind dabei die Förderung der deutschen Sprache, der akademische und schulische Austausch sowie kulturelle Veranstaltungen.

Die deutsche Sprache spielt in Ungarn in Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft eine wichtige Rolle. Das Goethe-Institut Budapest bietet ein umfassendes Kursangebot und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen in Ungarn.

Landesweit nehmen 35 ungarische Schulen an der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) teil. In vielen PASCH-Schulen unterrichten entsandte deutsche Gastlehrerinnen und Gastlehrer (insgesamt rund 50 Personen). Seit Sommer 2009 arbeiten sechs junge deutsche Erwachsene an ungarischen PASCH-Schulen im Rahmen des meist einjährigen Freiwilligendienstes „kulturweit“. Mit zahlreichen Programmen wird auch die deutsche Sprache im Bereich der ungarndeutschen Minderheit gefördert.

In Budapest besteht seit 1992 das „Thomas-Mann-Gymnasium – Deutsche Schule Budapest“, das als Begegnungsschule auch von vielen ungarischen Schülerinnen und Schülern besucht wird. Am Ungarndeutschen Bildungszentrum (UBZ) in Baja/Frankenstadt kann auf Grundlage eines besonderen Abkommens ebenfalls das ungarische und auch das deutsche Abitur abgelegt werden.

Akademischer Austausch

Jährlich halten sich einige Tausend Ungarn im Rahmen von Studien- und Forschungsaufenthalten in Deutschland auf. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) und die Robert Bosch Stiftung unterstützen diesen Austausch durch Stipendien. Der DAAD hat derzeit zehn deutschsprachige Lektorinnen und Lektoren sowie zwei Sprachassistentinnen an ungarische Universitäten und Hochschulen entsandt. Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) vergab im Jahr 2008 zehn Forschungsstipendien an ungarische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die ersten Deutsch-Ungarischen Hochschultage fanden im September 2008 in Budapest statt.

Die Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest (AUB) feiert dieses Jahr ihr siebenjähriges Bestehen. Die „Andrássy-Universität“ bildet pro Jahr ca. 150 Spitzenkräfte in den Fachrichtungen Staats- und Rechtswissenschaften, Internationale Beziehungen sowie Mitteleuropäische Studien in Deutsch aus. Die AUB nimmt damit einen wichtigen Platz in der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Ungarn ein und hat sich zu einem „Leuchtturm“ in den deutsch-ungarischen Beziehungen entwickelt.

Kulturveranstaltungen

Ein reichhaltiges Angebot an Kulturveranstaltungen bietet das Goethe-Institut Budapest, das 2008 sein 20-jähriges Jubiläum feierte. Im September und Oktober präsentiert sich das Goethe-Institut neben anderen Ostseeanrainer-Staaten im Rahmen des „Baltic Sea Festivals“ mit hochkarätigem Jazz, Ausstellungen über grünes Design, Filmen und einer langen Kriminacht.

Pécs/Fünfkirchen stellt sich im Jahr 2010 zusammen mit Istanbul und Essen (Ruhrgebiet) als Kulturhauptstadt Europas vor. Im Vordergrund steht der Dialog zwischen Osten und Westen, insbesondere als Brücke zur kulturellen Vielfalt des Balkans. Durch vielfältige Kulturprojekte wird Ungarn 2010 in Nordrhein-Westfalen und Nordrhein-Westfalen in Ungarn präsent sein.

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) unterstützt Ausstellungen deutscher Künstlerinnen und Künstler in Ungarn und hat derzeit zwei Kulturmanagerinnen nach Budapest und Szekszárd/Seksard entsandt.

Das deutsch–ungarische Filmabkommen über Beziehungen im audiovisuellen Bereich trat am 6. Dezember 2008 in Kraft.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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