Ukraine
Wirtschaft
Stand: März 2010
Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur
Die Ukraine wurde von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise besonders stark getroffen. Das Wachstum brach 2009 um 15% ein, die Exporte gingen um 40% zurück, die industrielle Produktion um ca. 22%, die Arbeitslosigkeit stieg auf über 9%, die Reallöhne sanken um etwa 10%. Die Landswährung Hryvnya verlor stark an Wert. Einzig die Inflationsrate sank bis Ende 2009 von über 20% auf 12,3%. Gründe für die große Verletzlichkeit der ukrainischen Volkswirtschaft gegenüber der Krise waren die hohe Abhängigkeit von einem wenig diversifizierten Exportsektor einerseits und von Energieimporten bei gleichzeitig steigenden Preisen andererseits, eine hohe private Auslandsverschuldung und ein aufgrund eines großen Anteils kurzfristiger Auslandsverbindlichkeiten schwacher Bankensektor.
Durch die Krise gerieten die Staatfinanzen immer mehr unter Druck. Das Budgetdefizit lag 2009, je nachdem, welche Ausgaben mitgerechnet werden, zwischen 5,4 und 10,6%. Der IWF stellte einen Unterstützungskredit von 16,4 Mrd. USD zur Verfügung, von dem bis Ende 2009 drei Tranchen ausbezahlt wurden. Danach wurde das Programm vorläufig ausgesetzt, weil die damit verbundenen Auflagen (v.a. restriktive Fiskalpolitik und Sanierung des defizitären Energiekonzerns Naftogas) aufgrund der innenpolitischen Situation in der Ukraine nicht erfüllt wurden. Die Sanierung der staatlichen Finanzen wird 2010 die vordringlichen Aufgabe sein.
Außenwirtschaft
Der Außenhandel ist 2009 stark eingebrochen. Die Warenexporte der Ukraine betrugen 2009 39,7 Mrd. USD (-40,7% gegenüber 2008), die Importe 45,4 Mrd. USD (-46,9%). Die wichtigsten ukrainischen Exportwaren sind Metallurgieprodukte (32,3%), Agrarprodukte und Nahrungsmittel (24,0%), Maschinen (12,6%), Mineralien (9,8%) und chemische Waren (6,3%). Die wichtigsten ukrainischen Importwaren sind Mineralien (34,5%), Maschinen (13,8%), Chemiewaren (11,7%), Agrarprodukte (10,9%) und unedle Metalle und deren Erzeugnisse (5,9%). Aufgrund der starken Abwertung der Landeswährung Hryvnia sind die Importe im Vergleich zu den Exporten stärker zurückgegangen. Die vor Krisenbeginn defizitäre Leistungsbilanz konnte weitgehend ausgeglichen werden.
Landwirtschaft
Der Agrarsektor der Ukraine leistet einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesamtentwicklung des Landes. An die Ergebnisse der Rekordernte aus dem Jahr 2008 (53,3 Mio. t Getreide) konnte mit 48 Mio. t Getreideproduktion im Jahr 2009 angeknüpft werden. Vergleichsweise positiv hat sich auch die Produktivität entwickelt. Agrarprodukte sind mit rund 15% am Außenhandel des Landes, insbesondere durch den Export von Getreide und Ölsaaten, beteiligt. Die Landwirtschaft ist für weite Teile der Bevölkerung die Haupteinnahmequelle.
Die Landwirtschaft der Ukraine verfügt über wichtige Wachstumspotentiale, u.a. einen hohen Anteil an fruchtbaren Schwarzerdeböden, einen bisher geringen Inlandsverbrauch, niedrige Lohnkosten und eine gute Lage zu den internationalen Absatzmärkten. Die durchschnittlichen Erträge liegen mit 3,5 t Getreide/ha, 1,5 t Sonnenblumen/ha, 2,1 t Raps/ha, 36 t Zuckerrüben/ha und 14 t Kartoffeln/ha immer noch weit unter westlichem Niveau. Die Gründe dafür sind fehlendes Know-how und fehlendes Kapital für notwendige Investitionen in die Modernisierung der Landwirtschaft. Letztere erfordern stabile politische Rahmenbedingungen.
Umweltschutz
Das öffentliche Umweltbewusstsein entwickelt sich nur schrittweise. Immer noch werden Umweltgefährdungen durch die Industrie und den privaten Verbrauch von Seiten der Politik sekundär behandelt. Günstig für die Umwelt sind die relativ geringe Bevölkerungsdichte in weiten Teilen des Landes und die Stilllegung von Industriebetrieben nach dem Zerfall der Sowjetunion. Einige Regionen, wie das Donezk-Dnjepr-Industriegebiet, sind jedoch stark belastet. Hauptverursacher sind überalterte Industrieanlagen (schlechte Filter), militärische Altlasten, Ressourcen- und insbesondere Energieverschwendung. Heizenergie, Wasser und Strom sind für die Verbraucher allzu günstig und werden häufig nicht nach Verbrauch abgerechnet. Die Abfallbeseitigung verursacht zunehmende Probleme.
Die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind auch heute noch zu spüren. Rund 3 Mio. Menschen und 9% des ukrainischen Territoriums sind betroffen. Hilfen für die Tschernobyl-Opfer stellen das Land vor große finanzielle Herausforderungen. Ukrainische Experten beziffern die durch den Unfall entstandenen wirtschaftlichen Schäden auf ca. 200 Mrd. USD bis 2015. Das internationale Projekt zum Bau eines ökologisch sicheren Einschlusses des havarierten Blocks – New Safety Confinement – soll nach der gegenwärtigen Planung bis Ende 2012 abgeschlossen werden.
Forschung und Entwicklung
Die zentralen Forschungsstellen in der Ukraine sind die Nationale Akademie der Wissenschaften, die Ukrainische Akademie der Agrarwissenschaften und einzelne Forschungseinrichtungen der Industrie. Kernbereiche ukrainischer Wissenschaftler liegen in der Grundlagenforschung (Mathematik, Physik, Chemie, Kybernetik) sowie in der Materialforschung, in physikalisch-chemischen Technologien, Raketenentwicklung, Flugzeugbau und in der Informatik.
Über 80% aller Forschungseinrichtungen befinden sich in Großstädten wie Kiew, Charkiw und Dnipropetrowsk. Zwei Drittel der Einrichtungen forschen im Bereich Ingenieurwissenschaften, 12% im Agrarwesen und jeweils 5% in der Medizin und im Bauwesen.
Der Anteil der Ausgaben von Forschung und Entwicklung am BIP ist mit 0,8% gering.
Für Deutschland ist die Ukraine nach Russland im Bereich Forschung und Entwicklung der wichtigste Partner aus dem GUSGUS-Raum
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.