Ukraine
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: März 2010
Bildungspolitik
Das ukrainische Schul- und Hochschulsystem steht unter starkem Reformdruck (Korruptionsbekämpfung, Europäisierung/ Internationalisierung), hat allerdings zahlreiche Schritte unternommen, um sich europäischen Bildungsnormen anzunähern. Die Schulzeit wird von bisher 11 auf 12 Jahre angehoben; die Umstellung soll zum Schuljahr 2011/12 abgeschlossen und der erste reguläre Abschlussjahrgang 2012/13 sein. An den Universitäten wurden – in Anlehnung an den Bologna-Prozess –Bachelor- und Masterstudiengänge eingerichtet. Eines der zentralen Themen im Bildungsbereich bleibt die weit verbreitete Korruption, besonders im Hochschulbereich. Sie ist in der öffentlichen Diskussion präsent und hat dazu geführt, dass 2008 die individuellen Eingangsprüfungen an den Hochschulen durch anonymisierte, landesweite Tests ersetzt wurden. Dies hat die Korruption z.T. aber nur vor- bzw. nachgelagert.
Das grundlegende Problem ist die mangelhafte Finanzierung der staatlichen Bildungseinrichtungen. Da die Gehälter im Bildungsbereich trotz Erhöhungen oft immer noch nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen, geben viele qualifizierte Lehrkräfte ihren Beruf auf. Es fehlt an dringend notwendigen Investitionen. Besonders schwierig ist die Lage auf dem Land fernab großer Städte.
Mit der Eröffnung der Deutschen Schule Kiew im September 2008 konnte das schulische Angebot für deutschsprachige Kinder deutlich verbessert werden. Es bietet im Schuljahr 2009/2010 Unterricht in den Klassenstufen 1 bis 6 an und wird in den kommenden Jahren weitere Klassenstufen bis zum Abschluss einrichten.
Sprachpolitik
Die ukrainische Regierung hat besonders unter dem ehemaligen Staatspräsident Juschtschenko eine offensive, im Osten und auf der Krim stark umstrittene Ukrainisierungspolitik betrieben. Der ukrainischsprachige Unterrichtsanteil an Schulen und Hochschulen hat inzwischen mehr als 85 Prozent erreicht, während Russisch als Verkehrssprache sehr verbreitet bleibt. In den audiovisuellen Medien gibt es Sprachquoten. Generell ist der Westen des Landes eher ukrainischsprachig, der Osten und Süden sind eher russischsprachig.
Kulturpolitik
Bisher bemühen sich die staatlich finanzierten Kultureinrichtungen in erster Linie darum, die nationale Identität zu fördern, indem sie die ukrainische Nationalkultur betonen. Zuletzt sind allerdings deutliche Öffnungstendenzen erkennbar. Daneben entsteht ein wachsender Sektor nicht-staatlich geförderter Kultur (private Theater, Tanz- und Musikfestivals). Er sucht erkennbar Anschluss an westliche Kunstrichtungen, die in der Sowjetzeit unterdrückt waren.Höhepunkt der ukrainischen Filmwelt ist das internationale Filmfestival „Molodist“ in Kiew, das jährlich im Oktober stattfindet. Die ukrainische und ukrainischsprachige Literatur entwickelt sich rasant, was sich auch in deutschen Übersetzungen widerspiegelt (Autoren wie Andrej Kurkow, Juri Andruchowitsch, aber auch Schriftsteller der jüngeren Generation wie Serhij Zhadan, Taras Prochasko, Tanja Maljartschuk u.a.m. erfreuen sich steigender Beliebtheit in Deutschland). Die wichtigste Buchmesse des Landes in Lemberg erfährt jährlich wachsende Beachtung. Die Ukraine verfügt über eine vielfältige Musikszene, die gerade im Bereich zeitgenössischer Musik auch durch internationale Festivals (insbesondere in Odessa und Lemberg) auf sich aufmerksam macht.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.