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Landesflagge Türkei
Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Oktober 2009

Bildungssystem

Die türkische Bevölkerung ist sehr jung. Deshalb hat der Bildungssektor große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes. Im Schuljahr 2008/09 wurden 14,6 Mio. Schülerinnen und Schüler in 47.066 Grund- und weiterführenden Schulen unterrichtet. Zum Vergleich: Bei einer um 14 Mio. größeren Bevölkerung werden an deutschen Schulen nur knapp 10 Mio. Schüler unterrichtet. Etwa 25 Prozent der türkischen Bevölkerung sind im schulpflichtigen Alter.

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche Bemühungen zur Reform des zentralistischen und auf veralteten Methoden und Strukturen beruhenden Bildungswesens. Im Jahr 2009 stehen dem Erziehungsministerium rund 14 Mrd. Euro zur Verfügung – eine Erhöhung von 21,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil am Gesamthaushalt beträgt 10,6 Prozent. Dringend benötigt wird eine bessere Mittelausstattung der Schulen. EU und UNICEF unterstützten die Regierung bei ihren Reform- und Modernisierungsbemühungen.

Trotz aller Anstrengungen des Erziehungsministeriums fehlt es aber immer noch an ausreichenden Klassenräumen und Lehrern; Klassenstärken von 50 und mehr Schülern sind häufig anzutreffen. Das Ziel einer hundertprozentigen Einschulungsrate ist nach wie vor nicht erreicht (94 Prozent im Grundschulbereich, ca. 80 Prozent im Bereich der weiterführenden Schulen). Laut offiziellem türkischem Bildungsreformbericht 2009 waren im Schuljahr 2008/2009 aus der Gruppe der registrierten 6- bis 13-Jährigen 220.019 (davon 129.420 Mädchen) nicht eingeschult. Chancengleichheit für alle Einkommensschichten und vor allem für Mädchen ist bislang nicht erzielt worden. Es besteht ein starkes West-Ost-Gefälle bei der schulischen Versorgung: Im Südosten des Landes sind viele Grundschulen einklassig. Schulen verfügen dort in der Regel nur über geringe Betriebsmittel, weshalb sie die Eltern der Schüler um finanzielle Unterstützung angehen müssen. Die Folgen der ungenügenden materiellen Ausstattung der Schulen sind allerdings nicht nur in den unterentwickelten Gebieten der Osttürkei, sondern auch in den armen Vierteln der Großstädte zu spüren.

Schwerpunkt der Erziehungspolitik ist nach wie vor die Umsetzung der Erziehungsreform des Jahres 1997, die die Ausweitung der Schulpflicht von fünf auf acht Jahre und den Übergang auf weiterführende Schulen nach der 8. Klasse beinhaltete. Im Schuljahr 2004/2005 wurde an ca. 500 Gymnasien die zweite Pflichtfremdsprache wieder eingeführt. Dies hat insbesondere die Stellung des Deutschunterrichtes an türkischen Schulen gestärkt. Weiterhin hat das türkische Bildungsministerium die im Jahre 2001 begonnenen Reformbemühungen entschlossen fortgesetzt: Erhöhung der Schulpflicht an Gymnasien auf vier Jahre, Fremdsprachenunterricht ab der Klasse 4 bis zum Ende des Gymnasiums nach europäischen Lehrmethodenstandards, umfassende Änderung der Lehrpläne im Grundschulbereich.

Berufliche Bildung

Die türkische Regierung bemüht sich, das bisherige Schattendasein der Berufsausbildung zu beenden und das bestehende System zu reformieren. Eine der deutschen vergleichbare duale berufliche Bildung besteht in der Türkei nicht. Die beruflich-technischen Gymnasien in der Türkei sehen zwar auch Berufspraxis vor, werden aber bislang nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht, da die Ausbildung nicht durch Praktiker erfolgt. Auch wegen des niedrigen sozialen Ansehens von Facharbeitern/Handwerkern und der geringen Löhne dieser Berufsgruppen entscheiden sich vergleichsweise wenige für eine Ausbildung. 

Reformbemühungen richten sich darauf, unter Einbeziehung von Betrieben allgemeine und berufliche Bildung stärker zu vernetzen, Praxisnähe herzustellen und Qualitätsstandards zu entwickeln. Einzelne Berufszentren (etwa im Textilsektor) werden derzeit durch Industrie, Sozialpartner (unter Billigung der Regierung) und in Kooperation mit ausländischen Partnern (BIBB, Firmen/Hochschulen) ins Leben gerufen. Die gesellschaftliche Wertschätzung für berufliche Bildung steigt trotz dieser Bemühungen nur langsam.

Hochschulen

Der türkische Hochschulrat (YÖK) koordiniert Finanzen, Inhalte und Personalplanungen der Hochschulen. Er betreibt mit Nachdruck die Internationalisierung der türkischen Wissenschaft.

Seit 2004 hat vor allem die gleichberechtigte Teilnahme der Türkei an wichtigen EU-Programmen im Bereich Bildung und Forschung (SOKRATES/ERASMUS und 6. sowie 7. Forschungsrahmenprogramm) zu einer deutlich stärkeren Hinwendung der türkischen Wissenschaft nach Europa geführt. Im ERASMUS-Programm ist Deutschland kontinuierlich das mit Abstand beliebteste Zielland für türkische Studenten und Wissenschaftler.
Insgesamt studieren 2,9 Mio. türkische Studenten an 94 staatlichen Universitäten und 45 staatlich anerkannten privaten Stiftungsuniversitäten, die von rund 100.500 Lehrkräften unterrichtet werden. Ca. 28 Prozent der türkischen Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung erhalten die Möglichkeit, ein Hochschulstudium aufzunehmen. Die Studiengebühren an den privaten Universitäten betragen zwischen 5.000 und 12.000 USD pro Jahr. Die staatlichen Universitäten sind finanziell vergleichsweise schlecht ausgestattet. Der Anteil des BIP für Forschung und Entwicklung beträgt lediglich ca. 1 Prozent. An türkischen Universitäten studieren rund 16.700 Ausländer, fast die Hälfte stammt aus den Republiken Zentralasiens, davon knapp 7.000 mit einem Regierungsstipendium der Türkei. Der Anteil der Studierenden aus EU-Mitgliedstaaten und den USA ist hingegen verschwindend gering.

Medien

Seit Aufhebung des staatlichen Monopols für Rundfunk und Fernsehen 1993 hat sich eine Vielzahl privater Fernsehsender etabliert, die überwiegend kommerzielle, zum Teil aber auch politische Interessen verfolgen. Die Medienlandschaft ist wirtschaftlich stark konzentriert und mit anderen wirtschaftlichen Interessen – Banken, Stromerzeugung, Mobilfunk – in großen Holdings verbunden (Doğan-Gruppe, Doğus-Gruppe, Çukurova-Gruppe), aber gleichzeitig geprägt von einer breiten Meinungsvielfalt. Die mit Abstand führende Gruppe ist der Aydin-Doğan-Konzern (Hürriyet, Milliyet, Kanal D, CNN-Türk u.a.), an dem auch die deutsche Axel-Springer AG beteiligt ist. Ihm gegenüber fallen insbesondere die islamisch-regierungsfreundlichen Medien ins Gewicht.

Die Pressefreiheit ist verfassungsrechtlich verankert. Meinungsvielfalt und kritische Berichterstattung haben im Laufe der Zeit deutlich zugenommen. Durch die Reformgesetzgebung der vergangenen Jahre ist die Rechtsprechung in Meinungsdelikten liberaler geworden, allerdings noch uneinheitlich. Am 09.06.2004 verabschiedete das türkische Parlament ein neues, liberaleres Pressegesetz, in dessen Vorbereitung auch Journalistenverbände und die EU-Kommission einbezogen wurden. Der früher häufig auch gegen Journalisten angewandte Art. 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der die "Beleidigung des Türkentums" unter Strafe stellte, wurde Anfang des Jahres 2008 reformiert. Seit Inkrafttreten der Reform im Mai 2008 hat die Zahl der bei Gericht anhängigen Verfahren nach Art. 301 tStGB sehr stark abgenommen.Grundsätzlich wird in den letzten Jahren auch eine häufig durch die materielle Situation der Journalisten und die Eigentumsstruktur der Medienkonzerne verursachte Selbstzensur beklagt. Eine funktionierende Journalistengewerkschaft gibt es nicht.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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