Startseite

Springe direkt zu: Seiteninhalt:, Zusatzinformationen:, Hauptmenü, Servicemenü, Suche


Landesflagge Tschad
Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2009

Lage, Struktur

Tschad ist trotz substanzieller Einnahmen aus dem Erdöl seit 2003 eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt geblieben. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Grundlage vieler ist die Subsistenzwirtschaft. Die wenigen Sektoren mit moderner Wirtschaftsstruktur sind überwiegend staatswirtschaftlich organisiert. Eine grundlegende Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage ist seit 2003 nicht eingetreten.

Die Wirtschaft leidet unter der mangelhaften Infrastruktur des Landes: Zwar ist das Netz asphaltierter Straßen dank Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft gewachsen, aber für ein Land der 3,5-fachen Größe Deutschlands weiter unzureichend. Auch heute existieren Regionen, die verkehrsmäßig wenigstens in der Regenzeit abgeschnitten sind. Der Flughafen N’Djamena wird  hauptsächlich von Air France und Ethiopian Airlines angeflogen. Die Fluglinie Toumai Air Tchad hat am 29.10.2004 einen regionalen Flugbetrieb aufgenommen. Ein eingeschränkter öffentlicher Nah- und Fernverkehr existiert heute zwischen N`Djamena und Abéché, Sahr, Moundou sowie Pala. Das Telefonnetz funktioniert, ist aber überlastet, Mobiltelefone können heute in weiten Teilen des Landes benutzt werden.

55 Prozent der Bevölkerung in den Städten und 87 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben unter dem Existenzminimum. Die soziale Absicherung ist unzulänglich: Es existiert zwar eine Verpflichtung der Arbeitgeber, Rentenbeiträge und Beiträge zu einer Berufsunfallversicherung für beschäftigte Arbeitnehmer abzuführen. Allerdings arbeiten nur sehr wenige Menschen in formellen Arbeitnehmerverhältnissen: Über 80 Prozent aller Personen sind „self-employed“. Ein wirksamer Krankenversicherungs­schutz fehlt; viele Menschen meiden deshalb das Gesundheitssystem und behelfen sich mit traditionellen Heilern.

Volkswirtschaftliche Grunddaten

20072008
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Mrd. Euro5,7035,12
Inflation4%9%
Staatseinnahmen in Mrd. Euroreal (Planung): 1,3888 (1,404) 
Staatsausgaben Mrd. EURreal (Planung): 1,379 (1,179) 
Exporte (Mrd. Euro)2,5912,65

(Quelle: Etudes et Statistiques de la Banque des Etats de l'Afrique Centrale)

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die tschadische Wirtschaft ist nach Aufnahme der Erdölexporte im Wandel begriffen. Sie wurde bisher vor allem von Landwirtschaft und Viehzucht dominiert. Mit Beginn der Erdölproduktion hat sich das Schwergewicht deutlich auf diesen Sektor verlagert. Durchgreifend positive Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und -entwicklung sind jedoch noch nicht feststellbar.

Außenhandel

Tschad führte 2008 Waren im Wert von 2,646 Mrd. Euro aus; das war nur wenig mehr als im Vorjahr, als die Exporte sich auf 2,591 Mrd. Euro beliefen. Dieser Rückgang erklärt sich aus dem von 52,4 Mio. Barrel auf 46,5 Mio. Barrel rückläufigen Erdölexportvolumen und dem ab Juli 2008 von 145 US-Dollar pro Barrel auf im Dezember 2008 ca. 40 US-Dollar pro Barrel rückläufigen internationalen Ölpreis; in der Exportstatistik wirkt sich dies nachhaltig aus, da der Anteil des Erdöls am Gesamtexport ca. 90 Prozent beträgt.

Die Importe erreichten 2008 einen Wert von 1,982 Mrd. Euro und lagen damit deutlich über den 1,285 Mrd. Euro des Vorjahres; dies geht auch auf den nach dem Rebellenangriff vom Februar 2008 stark gestiegenen Importe von Rüstungsgütern, Investitionsgütern und von Gütern und Dienstleistungen für den Wiederaufbau zurück. Traditionelle Importgüter sind insbesondere Brennstoffe (Diesel) , Fahrzeuge, Zucker, Getreide und Textilien. Haupthandelspartner sind Frankreich, USA, Kamerun und Nigeria.

Staatshaushalt

Der Etat für 2008 weist Einnahmen in Höhe von ca. 1,388 Mrd. Euro aus, 0,015 Mrd. Euro weniger als zunächst veranschlagt. Die Ausgaben beliefen sich auf 1,379 Mrd. Euro und erreichten damit fast die Höhe der Einnahmen; dem gegenüber hatte der Haushaltsentwurf zunächst Ausgaben von lediglich 1,179 Mrd. Euro vorgesehen; der Positivsaldo in Höhe von 0,225 Mrd. Euro hatte dem Programm zur Armutsbekämpfung zufließen sollen. Grundlage dieser Änderung des Ausgabenverhaltens war ein Notstandsdekret des Präsidenten vom 14.02.2008, das die volle Verausgabung aller Staatseinnahmen gestattete.

Tschad hat seit 1998 mit Weltbank und IWF im Rahmen eines Armutsbekämpfungs- und Strukturanpassungsprogramms (PRGF) zusammengearbeitet. Diese Zusammenarbeit kam 2008 aufgrund der Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen der tschadischen Seite zum Erliegen. Die Weltbank forderte Rückzahlung des dem Tschad 2003 im Zusammenhang mit dem Pipelinebau gewährten Kredits und Tschad kam dem Anfang September 2008 nach. Gespräche zwischen IWF und Tschad im Nachgang zur Suspendierung der Zusammenarbeit im März 2008 blieben ebenfalls ergebnislos, sodass Tschad derzeit an keinem Schuldenerleichterungspro­gramm des IWF teilnimmt.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsvereinigungen

  • Cotonou-Abkommen (Abkommen über die Zusammenarbeit der Europäischen Union mit den afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten)
  • CEBEVIRHA (Communauté Economique du Bétail, de la Viande et des Ressources Halieutiques)
  • CBLT (Commission du Bassin du Lac Tchad)
  • COMESSA (Gemeinsamer Markt für das südliche und östliche Afrika)
  • CEEAC (Wirtschaftsgemeinschaft der Zentralafrikanischen Staaten)
  • CEMAC (Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft Zentralafrikas)
  • CEN-SAD (Gemeinschaft der Staaten der Sahel- und Saharazone)

Verkehr

Tschad ist ein Binnenland mit einer Nord-Südausdehnung von 1.600 km und einer Ost-West-Erstreckung von mehr als 1.000 km. Der N’Djamena nächst gelegene Seehafen Douala (Kamerun) liegt 1.750 km entfernt. Das tschadische Straßennetz ist  weiterhin unzureichend und ein Handycap für die Wirtschaft. Mit Hilfe von Weltbank, EU, und seit 2008 auch der VR China wurde das Netz asphaltierter Straßen erweitert und erreicht heute ca. 1000 km Länge.  N’Djamena ist auf dem Luftweg  mit Paris, Addis Abeba, Douala, Cotonou, Abidjan, Niamey, Bangui und Tripolis verbunden.

Umwelt

Etwa 50 Prozent der Fläche des Landes sind der Sahara zuzurechnen; in der sich südlich anschließenden Sahelzone (ca. 20 Prozent Anteil) schreitet der Prozess der Verwüstung voran und zwingt Herdenbesitzer, früher zur Migration in den Süden aufzubrechen und ihre Herden zugleich weiter in den Süden zu führen. Dadurch kommt es zu wachsenden Konflikten mit Bauern, deren Felder oft noch nicht abgeerntet sind. Im fruchtbareren Süden baut sich erheblicher Ressourcendruck auf, Ergebnis der wachsenden Bevölkerung und der extensiven Anbautechnik; Folge ist die Zunahme von Rodungen Die Abholzung der Wälder wirkt sich negativ auf die Wasserführung der Flüsse aus. Andererseits hält sich die Luftverschmutzung bisher in Grenzen, da es praktisch keine Industrie und ein nur geringes Verkehrsaufkommen gibt. Problematisch ist, dass der Tschad über keine Müllbeseitigung verfügt.

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft N'Djamena
Dr. Leopold-Theodor Heldman
Tel.: (00 235) 251 62 02, 251 56 47
Fax: (00 235) 251 48 00 eMail

Nützliche Links



Für diese Seite:


Impressum © 1995-2010 Auswärtiges Amt