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Landesflagge Tschad
Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2009

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland war 1960 nach Frankreich das erste europäische Land, das mit Tschad diplomatische Beziehungen aufnahm. Sie unterhält seit 1963 in N`Djamena eine Botschaft. Sie genießt im Land aufgrund dieser jahrzehntelangen engen Beziehungen und dank einer bis heute substantiellen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit erhebliches Ansehen. Und dies um so mehr, als ihr nicht unterstellt wird, dass sie damit zugleich andere als entwicklungspolitische Ziele verfolgt. Die Ankündigung der Bundesregierung von Anfang 2008, Tschad von der Liste der entwicklungspolitischen Partnerländer zu streichen, ist in N`Djamena deshalb mit Enttäuschung aufgenommen worden. Die bilaterale Zusammenarbeit wird 2011 /12auslaufen; Programme humanitärer und multilateraler Hilfe sowie die entwicklungspolitischen Not- und Übergangshilfe werden dagegen fortgeführt, sodass Deutschland weiterhin substantiell zur Überwindung der Probleme im Tschad beitragen wird. Der tschadischen Seite ist auch bewusst, dass die Beachtung der Menschenrechte und der Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen für die bilateralen Beziehungen aus deutscher Sicht von großer Bedeutung sind.

Außer Deutschland unterhält als EU-Land nur noch Frankreich eine Botschaft in Tschad. Die EU-Kommission ist mit einer eigenen Delegation präsent.

Deutschland unterstützt in Abstimmung mit seinen EU-Partnern vor Ort den mit dem Abkommen von 13. August 2007 zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien eingeleiteten Prozess eines demokratischen Dialogs, der primär zur Reform des Wahlrechts mit Blick auf die Parlamentswahlen Mitte 2010 führen sollte und inzwischen weitgehend das Ziel erreicht hat. Die wichtigsten Rebellenbewegungen, die auch im Mai 2009 wieder einen gewaltsamen Umsturzversuch unternahmen, sind diesem Dialog bisher leider aus vielerlei Gründen nicht beigetreten. Sie stellen deshalb trotz ihrer jüngsten Niederlage mittelfristig weiterhin eine externe Gefährdung dieses demokratischen Erneuerungsprozesses dar.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Die Handelsbeziehungen mit Tschad sind unbedeutend. Deutsche Investitionen im Tschad sind nicht bekannt.

Das Land erhält jedoch seit fast fünf Jahrzehnten substanzielle bilaterale Entwicklungsleistungen, die in erster Linie für die Armutsbekämpfung eingesetzt werden. 2007 belief sie sich auf insgesamt rund 26 Mio Euro und dürfte heute in der gleichen Größenordnung liegen. Bilaterale Leistungen einschließlich humanitärer Hilfe für die Flüchtlingslager im Osten und Süden des Landes werden über Mittler (KfW, GTZ und DED) sowie Nichtregierungsorganisatonen wie HELP, Johanniter-Unfallhilfe, Misereor, Brot für die Welt, das Diakonische Werk und die Diakonische Katastrophenhilfe sowie über CARE-Deutschland abgewickelt. EIRENE leistet Unterstützung bei der internen Konfliktlösung.

Das wichtigste Einzelprojekt unserer Zusammenarbeit betrifft derzeit noch die dezentrale ländliche Entwicklung (Phase 2 und 3 mit insgesamt 32 Mio. Euro). Im Rahmen der entwicklungspolitischen Not- und Übergangshilfe erhält der Osttschad derzeit jährlich ca. 7,5 Mio. Euro Hilfe. Mit der Tschadseekommission wurde im Herbst 2008 ein TZ-Abkommen mit einem Volumen von 3 Mio. Euro abgeschlossen, das der nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen dient. Mit der CEMAC wurde ein weiteres Regionalprojekt im Volumen von 0,5 Mio Euro im Bereich der Aidsbekämpfung unterzeichnet.

Daneben leistet Deutschland über multinationale und deutsche NRO humanitäre Hilfe in erheblichem Umfang für die Flüchtlingslager im Osten und Süden des Landes.

Die bisher - auch von anderen Gebern wie der EU, Weltbank und BAD – geleistete Hilfe hat die soziale Lage im Tschad insgesamt in den letzten 2 Jahren stabilisiert und insoweit auch zur Weiterentwicklung des Landes beigetragen. Eine echte Entwicklung im Sinne eines sich selbst tragenden wirtschaftlichen Aufschwungs und mit dem Effekt der Schaffung nachhaltiger moderner staatlicher, sozialer und wirtschaftlicher Struk­turen ist bisher aber allenfalls in allerersten Ansätzen gelungen.Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Tschad wirken besonders über den Rückgang der Einnahmen aus der Röhölförderung und beschneiden die staatlichen Möglichen einer konsequenten wirtschaftlichen Entwicklungs- und Armutsbekämpfungspolitik; sie bedeuten für das Land einen erheblichen, heute aber noch nicht im Einzelnen zu überschauenden Rückschlag. Auswärtige Hilfe bleibt in dieser Situation unverzichtbar.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen sind begrenzt, da das Land sehr stark frankophon ausgerichtet ist. Deutsche Beiträge beschränken sich auf Stipendienprogramme. Die deutsche Sprache ist praktisch nicht verbreitet; angesichts des allgemein sehr niedrigen Bildungsniveaus ist nachvollziehbar, dass der Tschad momentan andere Prioritäten hat, als die Förderung von Fremdsprachen im Schulbereich. Es gibt allenfalls punktuelle erste Ansätze einer Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschadischen Hochschulen.

Rundfunk und Fernsehen erhalten gelegentlich Programme der Deutschen Welle; die geringe Zahl von Fernsehanschlüssen steht jedoch einer echten Breitenwirkung entgegen.

Das Deutschlandbild ist insgesamt positiv, aber konturenarm. Im Tschad würde es begrüßt, wenn Deutschland im Bildungsbereich stärker präsent wäre. Das Interesse an der Vermittlung der deutschen Sprache an tschadischen Schulen ist in der Praxis aber begrenzt.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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