Tschad
Außenpolitik
Stand: Oktober 2009
Tschad verfügt nur über ein kleines Netz von Auslandsvertretungen. Umgekehrt sind in N’Djamena nur wenige Staaten mit eigenen Botschaften vertreten, darunter alle Nachbarstaaten, eine begrenzte Zahl anderer afrikanischer Staaten und die AU, aus Europa die EU, Frankreich und Russland, ansonsten die USA und seit 2006 die VR China. Die diplomatischen Beziehungen mit Sudan, vom Mai bis November 2008 suspendiert, sind infolge der Darfur-Krise stark angespannt, die Grenzübergänge zum östlichen Nachbarn weiter geschlossen.
Die Außenpolitik des Tschad konzentriert sich traditionell auf die Beziehungen zu den unmittelbaren Nachbarn, wobei die zu Libyen traditionell wichtig und ambivalent, die zum Sudan seit Ausbruch der Darfur-Krise 2004 wichtig und belastet sind. Der Tschad unterhält als ehemalige französische Kolonie besonders enge Beziehungen zu Frankreich und seit Jahren auch zur EU, dem bedeutendsten Entwicklungshilfegeber; die Beziehungen zu den USA und seit 2006 auch zur VR China haben insbesondere wegen deren Rolle bei der Erdölförderung erheblich an Bedeutung gewonnen.
Die Auswirkungen der Regionalkrise in Darfur haben die tschadische Politik vor große zusätzliche Herausforderungen gestellt: Einerseits mussten ab 2004 Flüchtlinge aus dem Sudan sowie der Zentralafrikanischen Republik (insgesamt rund 330.000) in Lagern im Osten und Südosten des Landes aufgenommen und versorgt werden; ihre Zahl ist seitdem weitgehend stabil. Andererseits haben die grenzübergreifenden Kampfhandlungen und bereits im Tschad bestehende interethnische Spannungen im Lande selbst Fluchtbewegungen örtlichen Bevölkerungsgruppen ausgelöst, sodass die Zahl tschadischer Binnenflüchtlinge auf 171.000 Personen angestiegen ist; auch diese Zahl ist seitdem weitgehend konstant geblieben. Diese Menschen müssen versorgt werden. Beides führt zu einer dauernden und vollständigen Überforderung der regionalen Infrastruktur. Zahlreiche internationale Organisationen leisten hier deshalb seit Jahren wertvolle und unverzichtbare humanitäre Hilfe in ganz großem Stil; EUFOR und MINURCAT hatten auf Grundlage der Sicherheitsratsresolution 1778 ab 2008 den Auftrag, die Sicherheitslage im Osttschad mit militärischen und polizeilichen Mitteln zu verbessern; beide Missionen haben dazu einen positiven, aber begrenzten Beitrag geleistet. Am 15.03.2009 hat EUFOR die Verantwortung dann ganz an die MINURCAT-II-Mission, übergeben, die seitdem auf Grundlage der VN-Sicherheitsratsresolution 1861 für Sicherheit und Ordnung im Osttschad und in Südafrika zuständig ist. Diese Mission ist zunächst für weitere 12 Monate mandatiert.
Hinweis
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