Trinidad und Tobago
Wirtschaftspolitik
Stand: März 2010
Wirtschaftslage und Wirtschaftsstruktur
Die Wirtschaft von Trinidad und Tobago wird durch den seit Jahren boomenden Energiesektor geprägt, der angesichts hoher Rohstoffpreise für einen lang andauernden Aufschwung gesorgt hat. Diese Situation beschert dem Land eine Sonderstellung in der Region. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt im regionalen Vergleich an der Spitze und war in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Auch das Wirtschaftswachstum war lange überdurchschnittlich hoch. Aufgrund der gegen Ende 2008 einsetzenden Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und dem damit verbundenen Preisverfall bei den Hauptexportprodukten des Landes betrug das Wirtschaftswachstum 2008 jedoch nur noch 2.3%. Nach Schätzungen schrumpfte die Wirtschaft 2009 um 3%.
Problematisch ist und bleibt die starke Dominanz des Öl- und Gassektors. Die Einnahmen aus der Energiewirtschaft machen mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen aus. Die Regierung hat das Problem erkannt und versucht im Rahmen eines Investitionsprogramms die Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben. Zudem stärkt sie weiterhin gezielt die heimische Industrie (u.a. die so genannte Downstream Industrie) mit dem Ziel, die lokale Wertschöpfung im Energiesektor weiter zu steigern. Auch die Landwirtschaft wird gezielt gestärkt.
Nachdem Trinidad und Tobago angesichts des Booms im Energiesektor lange eine expansive Haushaltspolitik verfolgt hat, musste die Regierung nach Einsetzen der Krise das Budget erstmals seit Jahren kürzen. Sie hat in den vergangenen Jahren einen Fonds eingerichtet, um Preisschwankungen auf dem Weltöl- und Gasmarkt abfedern zu können, hat diesen jedoch bislang nicht angetastet, sondern gleicht die Mindereinnahmen durch die Aufnahme von Schulden aus. Nach Ansicht internationaler Experten ist das Land besser als viele andere auf die Krise vorbereitet, auch der Schuldenstand ist noch vergleichsweise niedrig. Insgesamt wird es von überragender Bedeutung für die stark export-orientierte Wirtschaft sein, wie schnell der Haupthandelspartner USA wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt und wie sich die Preise für die Hauptexportgüter (u.a. Erdgas, Methanol, Ammoniak) in den kommenden Monaten entwickeln.
Nachdem günstige konjunkturelle Entwicklung und hohes Wachstum für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 3,9% gesorgt hatten, steigen die Zahlen seit Ende 2008 leicht an (2009: 5,7%). Problematisch bleibt das hohe und weiterhin steigende Maß an Gewaltkriminalität; langfristig dürfte dies auch Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und insbesondere auf ausländische Investitionen haben.
Der Energiesektor Trinidad und Tobagos sorgte über Jahre für eine positive Handelsbilanz. Größter Handelspartner bleiben die USA, in die fast 60% der Exporte gehen. Gleichzeitig bezieht Trinidad und Tobago fast die Hälfte seiner Importe aus den USA. Verstärktes Augenmerk wird allerdings auch auf den Handel mit den übrigen CARICOM Mitgliedstaaten gelegt, die die wichtigsten Abnehmer von Produkten außerhalb des Energiesektors sind. Auch die EU wird als Handelspartner immer wichtiger. Der 1. Januar 2006 markiert den Beginn eines gemeinsamen Marktes in der östlichen Karibik (Caribbean Single Market and Economy – CSME), eine Initiative, die maßgeblich von Trinidad und Tobago gefördert wurde.
Die Beziehungen zur EU werden vor allem durch die Zugehörigkeit von Trinidad und Tobago zur Gruppe der AKP-Länder geprägt. Am 15. Oktober 2008 wurde ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und den CARIFORUM-Ländern (CARICOM plus Dominikanische Republik) geschlossen, das die wirtschaftlichen Beziehungen auf eine grundlegend neue Basis stellt. Die EU unterstützt die Länder der Region bei den notwendigen Strukturanpassungsmaßnahmen mit umfangreichen Mitteln.
Hinweis
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