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Landesflagge Timor-Leste
Wirtschaftspolitik

Stand: März 2010

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Timor-Leste ist als Mitglied der Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank sowie der Asian Development Bank (ADB) in die internationale Gemeinschaft integriert.

2008 verzeichnete die timoresische Wirtschaft aufgrund erhöhter Staatsausgaben und der Erholung der Landwirtschaft von einer Dürre im Jahr 2007 sowie verbesserter Sicherheitsbedingungen ein Wachstum von rd. 10%; für 2009 wird von einem Wachstum von 7-8% ausgegangen. Dennoch gehört Timor-Leste nach wie vor zu den am wenigstens entwickelten Ländern.

Denn die Anstrengungen, die unternommen werden müssen, um das Land nach den Zerstörungen im Nachgang des Unabhängigkeitsreferendums im Jahre 1999 wieder aufzubauen, sind enorm. Seinerzeit wurden 2/3 der physischen Infrastruktur des Landes zerstört und das Bruttoinlandsprodukt (GDP) fiel 1999 um 30 Prozent. In den beiden Folgejahren 2000 und 2001 stieg das Bruttoinlandsprodukt - getragen von der Nachfrage an Dienstleistungen und vom Bausektor, beides bedingt durch die hohe internationale Präsenz und Aufbauhilfe, kräftig an (15,4 bzw. 18,3%) und das Vorkrisenniveau wurde wieder erreicht. Seit dem Übergang in die Unabhängigkeit und dem schrittweisen Rückzug der internationalen Organisationen gingen diese Wachstumsfaktoren deutlich zurück und das Nicht-Öl-Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stagnierte bis 2007 bei knapp 400 US-Dollar. Seit 2008 läßt sich eine Steigerung – wenn auch auf niedrigem Niveau - feststellen. Die langfristigen Wachstumsziele der Regierung im Nicht-Öl- und Gassektor liegen bei 5 bis 6 Prozent.

Die Lage des Staatshaushalts verbessert sich aufgrund der gestiegenen Einnahmen im Öl-und Gassektor in Folge des hohen Ölpreises zusehends. Eine Auslandsverschuldung existiert nicht, da die internationalen Hilfeleistungen bisher als Zuschüsse („grants“) gewährt wurden. Als Währung hat Timor-Leste im Januar 2000 den US-Dollar eingeführt. Dies hatte bisher den positiven Effekt geringer Inflationsraten.

In den sozioökonomischen Daten hinkt Timor-Leste den Nachbarländern hinterher. Mit einem Nicht-Öl-Bruttoinlandsprodukt von 469 US-Dollar pro Kopf zählt Timor-Leste zu den ärmsten Ländern der Welt. 44% der Bevölkerung leben von weniger als 1 US-Dollar am Tag. Nach nationaler Definition leben 49,9% der Bevölkerung in Armut, mit signifikanten Unterschieden zwischen Stadt und Land und den besser gestellten östlichen gegenüber den unterentwickelten westlichen Provinzen. Gemäß des jüngsten Berichts beträgt die Alphabetisierungsrate der über 15-jährigen 58,6%. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 67,3 Jahre. Die Kindersterblichkeit der unter 5-Jährigen ist mit 97 von 1000 Geburten erschreckend hoch. 50% der unter 5-Jährigen sind für ihr Alter zu untergewichtig oder/und zu klein. 40% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 59% verfügen nicht über Zugang zu adäquaten sanitären Anlagen.

Wirtschaftspolitische Schwerpunkte

Wirtschaftspolitische Schwerpunkte sind stabile Staatsfinanzen und die Förderung des Privatsektors. Auf der fiskalischen Seite ist man mit der Einrichtung einer Aufsichtsbehörde für das Banken- und Zahlungssystem (Banking and Payments Authority), dem bevorstehenden Aufbau eines statistischen Amtes, einer vernünftigen Ausgabenpolitik, der Begrenzung der Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten und den Bemühungen um eine Verbreiterung der steuerlichen Basis auf dem richtigen Weg. Wegen der Nutzung von US-Dollar als Währung hat Timor-Leste aber nur eine sehr eingeschränkte Möglichkeit einer eigenständigen monetären Politik.

Weiterhin ist die Regierung daran interessiert, ausländische Investoren anzulocken. Um die Privatwirtschaft weiter anzukurbeln, wird man sich um den Abbau von Investitionshemmnissen kümmern müssen. In ihrer Auswertung „Doing Business 2010“ stellt die Weltbank Timor-Leste mit Platz 164 von 177 Ländern ein relativ schlechtes Zeugnis aus. Neben einer Verbesserung des Geschäfts-/ Investitionsklimas sind Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Maßnahmen der Bevölkerungsentwicklung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung Timor-Lestes maßgebend. 

Daneben wirken sich insbesondere der eklatante Fachkräftemangel und das hohe Lohnniveau aufgrund der internationalen Präsenz und der Einführung des US-Dollars als Währung negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. 

Diese Faktoren verringern die Konkurrenzfähigkeit Timor-Lestes gegenüber seinen ostasiatischen Nachbarländern. Ein niedrigeres Lohnniveau würde auch dem Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von ca. 20 % dienen. Mit Programmen zur Erleichterung des Zugangs zu Krediten für die klein- und mittelständische Industrie sollen weitere Anreize geschaffen werden. Die Regierung hat ein Investitionsgesetz verabschiedet, dass Anlegern Rechtssicherheit garantiert. Hiermit soll die Attraktivität Timor-Lestes für Investoren gesteigert werden.

Timor-Leste blieb bisher wegen geringer wirtschaftlicher Verflechtung mit dem Ausland gegenüber den weltweiten negativen Auswirkungen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise größtenteils verschont, u.a. aufgrund der durch höhere Energiepreise finanzierbaren, gesteigerten Staatsausgaben (Schätzung für 2009: 550 Mio. USD).

Timor-Leste wird in den nächsten Jahren aufgrund der erwarteten Einnahmen aus der Ausbeutung der Öl- und Gassektorvorkommen in der Timorsee zunehmend weniger auf substantielle internationale Hilfe angewiesen sein, um seine Haushaltslücken zu schließen. Der im September 2005 angelegte Petroleumfond nach norwegischem Muster wurde bereits mit 1,8 USD (September 2007) aus den Einnahmen aus dem Baya-Undan-Feld aufgefüllt. 2009 betrug die Summe des Fonds bereits 5,3 Mrd. USD. Nach der Einigung mit Australien über die Ausbeutung der Gasvorkommen im „Greater Sunrise“-Feld in der Timorsee am 12.01.2006 kann Timor-Leste in Zukunft nach Erschließung des Feldes noch mit erheblich größeren Einnahmen von bis zu 10 Mrd. USD rechnen.

Wirtschaftssektoren

Die auf Subsistenzwirtschaft ausgerichtete Landwirtschaft, die etwa 80% der Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, trägt mit der Produktion von überwiegend Grundnahrungsmitteln rund ein Viertel zum Volkseinkommen bei. Durch den Anbau von Vanille, Kakao und Erdnüssen neben dem bereits als Exportgut etablierten Kaffee - mit einem Anteil von rund 80% am Gesamtexport im Nicht-Öl Bereich - sind hier zukünftig Ertragssteigerungen möglich. Im produzierenden Gewerbe sind die Entwicklungschancen mittelfristig wegen der mangelhaften Infrastruktur und dem Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte gering. Der Tourismussektor bietet aufgrund der landschaftlichen Schönheit, der kulturellen Vielfalt und der Nähe des Landes zu Australien ein bisher kaum ausgeschöpftes Potential.

Außenhandel

Der Außenhandel, außer Öl und Gas, wird auf Jahre hinaus von einem Defizit geprägt bleiben. Dem hohen Importbedarf, vor allem bedingt durch das Fehlen einer eigenen leistungsfähigen industriellen Basis, steht allein Kaffee als nennenswertes Ausfuhrgut gegenüber, dessen Exportpotential aufgrund fehlender Transport- und Veredelungsmöglichkeiten bisher nur teilweise ausgeschöpft wurde.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Nützliche Links

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland unterstützt das Land seit 1999 beim Aufbau. In der Anfangsphase stand neben Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe die Trinkwasserversorgung in den östlichen Distrikten im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Danach wurden die Entwicklung des maritimen Transportsektors und die Förderung der ländlichen Entwicklung als mittelfristige Schwerpunkte der Zusammenarbeit festgelegt. Künftig soll sich die Zusammenarbeit auf das Thema Krisenprävention und Konfliktbearbeitung konzentrieren.

Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:



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