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Landesflagge Thailand
Wirtschaft

Stand: Oktober 2009

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die Stabilisierung der durch die internationale Finanzkrise angeschlagenen Wirtschaft und die Wiedergewinnung des internationalen Vertrauens stehen für die Regierung unter Premierminister Abhisit im Vordergrund. Die internationale Finanzkrise schlägt seit letztem Quartal 2008 deutlich zu Buche. Hauptursache ist die Exportabhängigkeit der thailändischen Wirtschaft und das Wegbrechen wichtiger Absatzmärkte (USA, Japan, EU, China). Der Finanzsektor ist nicht unmittelbar betroffen. Thailands Banken hatten sich in den vergangenen Jahren als Lehre aus der Asienkrise 1997 von Spekulationen im Immobiliensektor ferngehalten. Überlagert wurde der  Ende vergangenen Jahres einsetzende Abwärtstrend durch die politische Konfrontation zwischen damaliger Regierung und regierungskritischen Demonstranten, die Ende November 2008 in der Besetzung der Bangkoker internationalen Flughäfen gipfelte und zu einem damals massiven Einbruch im Tourismus führte.

Die Regierung Abhisit hat rasch wirtschaftspolitisches Profil gezeigt und bereits am 13.01 2009 die erste Staffel eines umfangreichen Konjunkturprogramms verabschiedet. Es handelt sich dabei um Sofortmaßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage (Volumen: 71,2 Mrd. Baht/1,5 Mrd. Euro). Dazu zählen eine einmalige Zusatzzahlung für sozialversicherte Niedrigverdiener in Höhe von 2000 Baht (ca. 45 Euro), ferner eine einkommensunabhängige, zeitlich und hinsichtlich des Verbrauchs begrenzte Befreiung von Wasser- und Elektrizitätstarifen sowie freie Bus- und Bahnfahrten auf bestimmten Strecken. Geplant sind außerdem die Bereitstellung von Büchern und Schuluniformen sowie die Befreiung vom Schulgeld für den Besuch staatlicher Schulen.

Ergänzt wurde dieses Sofortprogramm durch ein vom Kabinett am 20.01.2009 verabschiedetes Maßnahmenpaket (Volumen 40 Mrd. Baht/ca. 890 Mio. Euro), das im Wesentlichen Steuererleichterungen vorsieht und damit auch einkommensstarke Bevölkerungsschichten anspricht. Durch entsprechende Steueranreize sollen u.a. die Lebenshaltungskosten gesenkt und Privathaushalte zum Bau von Häusern und zu Immobilienkäufen ermutigt werden.

Ein weiteres Maßnahmenbündel („Plan B“) soll in der zweiten Jahreshälfte 2009 wirksam werden. Es konzentriert sich auf langfristige Investitionen. Darunter befinden sich Verkehrsinfrastrukturprojekte, insbesondere der Ausbau des Bangkoker Nahverkehrssystems und des landesweiten Schienennetzes sowie diverse Bewässerungsprojekte und Projekte zur alternativen Energiegewinnung. Die Unterstützung von Infrastrukturprojekten soll sich über die nächsten 3 bis 4 Jahre auf insgesamt 1,9 Billionen Baht (42,2 Mrd. Euro) belaufen. Zunächst konzentriert sich die Regierung Abhisit auf einige ausgewählte Verkehrsinfrastrukturprojekte in Bangkok. Die Finanzierung kommt dafür in erster Linie aus einem Teil des Nachtragshaushalts (115 Mrd. Baht//2,07 Mrd. Euro). Zusätzlich ist die Aufnahme von Auslandskrediten vorgesehen.

Thailand bekennt sich als Handelsnation zum Freihandel. Die Regierung Abhisit spricht sich gegen protektionistische Rezepte zur Lösung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise aus. Thailand versucht zudem, mehr ausländische Investoren zu gewinnen. Anfang Februar 2009 hat Premierminister Abhisit bekräftigt, dass eine Verschärfung des Unternehmensrechts (Foreign Business Act -FBA-), wie sie 2007 unter der Regierung Surayud diskutiert worden war, vom Tisch sei.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Sozialprodukt entsteht in Thailand zu 53% im Dienstleistungsbereich, zu 37% in der Industrie und zu 10% in der Landwirtschaft. Der Tourismus bildet mit 6% Anteil am Sozialprodukt die wichtigste Devisenquelle. Der Agrarsektor ist unter arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten bedeutender als es der Anteil am Sozialprodukt vermuten lässt.

Die thailändische Wirtschaft liegt derzeit im Abwärtstrend. Das Wachstum des BIP belief sich 2008 nach einem guten Start (+ 6% im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum) und starken Einbrüchen im 4. Quartal (- 4,3%) auf insgesamt 2,3% (2007: 4,8%). Hauptträger des Wachstums war wie in den vergangenen Jahren der Exportsektor, der 2008 mit 72% zum BIP beitrug. Die Prognosen für 2009 bleiben angesichts der schwer einschätzbaren internationalen Risiken, insbesondere der Entwicklung der thailändischen Exportmärkte, vorsichtig und gehen von einem BIP-Wachstum zwischen 0 und 2% aus. Eine Rezession wird nicht ausgeschlossen. Der Einbruch im Exportsektor dürfte 2009 zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,4 bis 4,0% führen.

Die Arbeitslosenquote Ende 2008 lag nach offiziellen Angaben bei 1,4%.
                                                                                                            
Die Inflationsrate, die im Juli letzten Jahres infolge der hohen Rohölpreise noch um 10% gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen war, sank in der zweiten Jahreshälfte 2008 aufgrund einer sich abkühlenden Weltkonjunktur und fallender Rohölpreise rapide ab. Im Oktober 2008 lag der Wert nur noch bei 3,9%, für das gesamte Jahr 2008 beträgt die Inflationsrate 5,5%. Schätzungen der Zentralbank für das Jahr 2009 gehen von einer Inflationsrate  zwischen -1,5 und + 0,5% aus. Einige Experten warnen bereits vor einer Deflation.

Die Zentralbank hat den Leitzins in den vergangenen Monaten schrittweise auf 1,5% abgesenkt, um durch günstige Kredite die Nachfrage zu beleben. Die Maßnahmen der Zentralbank greifen nur bedingt, da die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtig bleiben, um im Falle einer Verschärfung der Krise ausreichend Liquidität vorhalten zu können.

Die Staatsverschuldung lag vor Ausbruch der Finanzkrise Ende Juni 2008 mit 101,5 Mrd. USD (3,4 Billionen Baht/76 Mrd. Euro) bei 35,82% des BIP. Damit ist Thailand im internationalen Vergleich günstig aufgestellt.

Aufgrund der internationalen Finanzkrise kommen zusätzliche Ausgaben auf das Land zu. So wird für die Finanzierung von ausgewählten Verkehrsinfrastrukturprojekten im Rahmen des Konjunkturplans B sowie zur Finanzierung des vorgesehenen Haushaltsdefizits für 2010 wohl eine zusätzliche Kreditaufnahme in Höhe von 1,6 Mrd. Euro benötigt. Die Kredite sollen zu einem Großteil bei der Asian Development Bank (ADB) und der Weltbank aufgenommen werden.

Die Auslandsverschuldung ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren worden. Insofern verfügt Thailand über Handlungsspielraum bei der Kreditaufnahme auf den internationalen Finanzmärkten. Die Währungsreserven lagen 2008 bei 104,7 Mrd. USD. 2008 ist die staatliche Auslandsverschuldung mit 12,9 Mrd. USD auf 5,01% des BIP gestiegen.

Der Baht hat seit Anfang des Jahres ca. 10% an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren (derzeit 1 USD = 33 Baht), das Verhältnis zum Euro liegt im Oktobe 2009 bei ca. 50 Baht.

Außenwirtschaft

Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom Board of Investment (BoI) unter anderem durch Steuerermäßigungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren gefördert. Das BoI ist durch ein Büro in Frankfurt vertreten (Tel.: 069-9291230). In bestimmten Sektoren sind Auslandsinvestitionen nicht zulässig, in anderen darf die ausländische Beteiligung 49% nicht überschreiten. Grundlagen regelt der "Foreign Business Act".

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die Teilnahme an wichtigen Messen in Thailand. Deutsche Messegesellschaften haben 2008 vier Messen in Thailand durchgeführt. Umgekehrt war Deutschland Zielland Nr. 1 für die Messeförderung durch das thailändische Handelsministerium.

Im Jahr 2009 werden sechs Messen von Deutschen Messegesellschaften organisiert.

Außenhandel

Thailand unterstützt generell den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hat mit Japan (2007) ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen. Ferner hat es im März 2009 seine bereits bestehenden Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland im ASEAN-Rahmen erweitert und sich dem Abkommen ASEAN-Korea angeschlossen. 

Im Rahmen der Verhandlungen zwischen ASEAN und China ist ein Abkommen zur Liberalisierung des Warenverkehrs mit Thailand in Kraft getreten (Juli 2005), die Verhandlungen über die Liberalisierung des Warenverkehrs im Rahmen des Freihandelsabkommens ASEAN-Indien stehen vor dem Abschluss. Die EU hat im Rahmen ihrer Verhandlungen über ein  Freihandelsabkommen mit ASEAN  Interesse an Gesprächen mit Thailand bekundet. Die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Thailand und den USA sind derzeit ausgesetzt.

Thailands Handelsbilanz ist traditionell positiv. 2007 lag der Handelsbilanzüberschuss bei 11,6 Mrd. USD. 2008 verzeichnete Thailand einen knappen Handelsüberschuss in Höhe von von 237,4 Mio. USD. 2008 lag der Exportwert bei 175,30 Mrd. USD, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 16,8%. Thailand erzielte zu Beginn des Jahres Wachstumsraten von bis zu 50%, im 4. Quartal brachen allerdings die Exporte ein. Der Negativtrend setzte sich im Januar 2009 fort. Die Exporte lagen um 25,3% niedriger als im Vergleichsmonat 2008.

Hauptexportgüter von Thailand sind elektrische und elektronische Geräte, Automobile sowie landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Reis, Kautschuk und Meeresfrüchte. Hauptabnehmer thailändischer Produkte sind die ASEAN-Staaten (23%), die EU (13,3%), die USA (12%), Japan (11,4%) und China (9,2%).

Die thailändischen Importe stiegen 2008 auf einen Wert von 175,06 Mrd. USD, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 26,4%. Thailand importiert rund 35% aller Waren aus Japan und den ASEAN-Staaten. 12% sind Rohöl- und Ölprodukte aus dem Nahen Osten. Gut 10% der Importe stammen aus China. Danach folgen die EU und die USA mit jeweils rund 8%.

Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag im Jahr 2008 bei insgesamt 5,91 Mrd. Euro, eine Steigerung von 5,1% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007.

Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Regionalorganisationen

Thailand nimmt aktiv am ASEM-Prozess (Europäisch-Asiatische Gipfeltreffen) teil und ist Mitglied in einer Reihe regionaler Organisationen wie der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen/Association of Southeast Asian Nations), dessen Vorsitz Thailand derzeit innehat,  der AFTA (Asiatische Freihandelszone) und der APEC (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation). Thailand unterstützt die Erweiterung der AFTA. Thailand hat weitere ökonomische Kooperationen abgeschlossen. Dazu zählen

  • GMS (Wirtschaftliche Kooperation der Greater Mekong-Subregion)
  • ACMECS (Wirtschaftliche Kooperation der Länder im Einzugsgebiet der drei Flüsse Ayeyawady, Chao Phraya und Mekong: Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar und Vietnam)
  • Emerald Triangle (Smaragddreieck / Wirtschaftliche Kooperation mit Laos und Kambodscha)
  • IMT-GT (Indonesien-Malaysia-Thailand-Wachstumsdreieck)



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Bangkok
Stefan Duppel

Tel.: (0066) 2/287 9000
Fax: (0066) 2/287 1776 Wirtschaft
www.bangkok.diplo.de

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