Thailand
Beziehungen zwischen Thailand und Deutschland
Stand: Oktober 2009
Politische Beziehungen
Deutschland und Thailand feierten 2008 das 150-jährige Bestehen offizieller Beziehungen. 1858 schlossen die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen den ersten Handelsvertrag mit dem Königreich Siam. Ein deutscher Konsul erhielt gleichzeitig in Bangkok sein Exequatur.
Im Laufe der nächsten Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Experten großen Einfluss im siamesischen (thailändischen) Wirtschaftsleben aus und hatten einflussreiche Stellungen bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur des Landes (Aufbau Telegrafennetz, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).
Die erste Europareise eines siamesischen Königs (Chulalongkorn) im Jahre 1897, die ihn auch nach Deutschland führte, verstärkte diesen Einfluss, der aber als Konsequenz des 1. Weltkriegs durch Beschlagnahme aller deutschen Besitztümer und Beschneidung des deutschen Einflusses verloren ging.
Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums fanden zahlreiche Veranstaltungen (u.a. Ausstellungen, Konzerte, Festveranstaltungen) statt.
Nach der Rückkehr zur Demokratie im Dezember 2008 konnte trotz der anschließenden innenpolitischen Auseinandersetzung der hochrangige bilaterale politische und wirtschaftliche Meinungsaustausch wieder aufgenommen werden.
Wirtschaftliche Beziehungen
Rund 500 deutsche Firmen sind in Thailand vertreten, darunter eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen. Deutsche Wirtschaftsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Chemie, Automobilindustrie, Umwelttechnologie und Energie.
Die deutschen Investitionen sind 2008 zurückgegangen. Über das gesamte Jahr wurden 30 Neuinvestitionen mit einem Wert von circa 50 Mio. Euro genehmigt (2007: 29 Investitionen mit einem Volumen von 145 Mio. Euro).
Aufgrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise verzeichnete Thailand in 2008 ein Handelsbilanzdefizit in Höhe von 1,4 Mrd. USD. Im 1. Halbjahr 2009 konnte aber bereits wieder ein Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 11 Mrd. USD erzielt werden. Deutsche Firmen haben 2008 Waren im Wert von circa 2,52 Mrd. Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 3,39 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag im Juni 2009 bei insgesamt 2,45 Mrd. Euro, ein Rückgang von 17,4% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008.
Deutschland blieb 2008 für Thailand wichtigster Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland in der thailändischen Exportstatistik Rang 15, in der Importstatistik Rang 12. Deutschland exportierte neben Investitionsgütern und Kraftfahrzeugen vor allem chemische, elektrische und elektronische Produkte und importierte Büromaschinen, Bekleidung, elektrische und elektronische Komponenten sowie landwirtschaftliche Produkte.
Am 8. Mai 2009 fand in Berlin der Deutsch-Thailändische Gemischte Wirtschaftsausschuss statt. Die Sitzung des Gemischten Wirtschaftsausschusses erwies sich als eine geeignete Plattform, um den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft auf höchster Ebene fortzuführen und in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld die Bedeutung der deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen zu unterstreichen.
Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Das "German Technology Symposium" (GTS), das vom 8.-11. November 2008 in Bangkok stattfand, lieferte eine Leistungsshow deutscher Technologie. Zusätzlich legte die GTS 2008 im Rahmen einer gesonderten Veranstaltung einen Schwerpunkt auf deutsche Lifestyle-Produkte und die Vermarktung von Deutschland als Reiseland. Im Jahr 2009 sind 6 Messen mit deutscher Beteiligung geplant.
Im Oktober 2004 trat der Investitionsförderungs- und Schutzvertrag in Kraft. Ein "Open-Skies"-Abkommen konnte Anfang 2005 unterzeichnet werden. Das bilaterale Luftverkehrs-abkommen, das 1965 in Kraft getreten ist, wird derzeit an EU-Gemeinschaftsrecht angepasst. Das Doppelbesteuerungsabkommen wird neu verhandelt.
Entwicklungszusammenarbeit
Die Zusammenarbeit blickt auf weit über 40 Jahre und ein Gesamtvolumen von über 1 Mrd. Euro zurück. Im Frühjahr 2002 wurde für die kommenden 8 bis 10 Jahre der Bereich "Förderung der Ökoeffizienz kleiner und mittlerer Unternehmen" als Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit festgelegt. Das entsprechende Abkommen wurde am 14. Juli 2005 unterzeichnet. Die zweite Phase der Entwicklungszusammenarbeit läuft mit Mittelvolumen von 6,2 Millionen Euro vom Mai 2008 bis Dezember 2011. Thailand entwickelt sich zunehmend vom Nehmer- zum Geberland staatlicher Entwicklungshilfe. Es ist vorgesehen, dass Deutschland und Thailand ab 2009 im Rahmen einer Trilateralen Zusammenarbeit gemeinsam Projekte in der Region (zunächst Laos) fördern.
Kulturelle Beziehungen
Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Deutsche Universitäten sind durch Partnerschaften vielfach mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und vier Lektoren präsent. Weiter vergibt der DAAD eine Vielzahl von Stipendien an thailändische Studenten. Auch aufgrund der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge – oftmals in englischer Sprache – ist ein Studium an einer deutschen Hochschule für Thais attraktiv.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.