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Landesflagge Tansania
Wirtschaft

Stand: Juli 2009

Der Reformkurs

Tansania ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Fast 90 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut. Das jährliche Bevölkerungswachstum von knapp 2,6 Prozent, wiederkehrende Dürren und die Leistungsschwäche der öffentlichen Verwaltung reduzieren die Aussichten auf eine schnelle flächendeckende Armutsbekämpfung. Angesichts der enormen natürlichen Res­sourcen Tansanias (Edelsteine, Edelmetalle, Öl, Gas, Kohle, Eisenerz, Industrieminera­lien) ist es verwunderlich, dass die Armutsminderung nicht schneller voranschreitet und sich nicht mehr Investoren für dieses Land interessieren.

Tansania hat seit 1986 den Übergang zu marktwirtschaftlichen Verhältnissen weitestgehend vollzogen. Die von makroökonomischer Stabilität und haushaltspolitischer Konsolidierung ge­prägte tansanische Erfolgsgeschichte wird durch Rückschläge und Verzögerungen, vor allem bei der Privatisierung, etwas getrübt. Trotz eindeutiger Kampfansagen der Regierung stellen Korruption, ausufernde Bürokratie und Transportengpässe nach wie vor Hemmnisse dar – im regionalen und afrikanischen Vergleich allerdings auf einem (noch) harmlosen Level.

Der im Dezember 2005 in sein Amt gewählte Präsident Kikwete verfolgt den Reformkurs seines Vorgängers weiter; ein Schwerpunkt seiner Präsidentschaft ist das Werben um internationale Investitionen. Diese Bemühungen auf höchster Ebene werden getrübt durch die Folgen langfristiger Defizite wie die schwelende Energiekrise und die Überlastung des Hafens von Daressalam. Außerdem wirken Initiativen wie die Renationalisierung von Air Tanzania und die Diskussion eines neuen Tourismusgesetzes abschreckend.

Unterstützung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit

Tansania erhält von zahlreichen bi- und multinationalen Gebern und Nicht-Regierungsorganisationen Unterstützung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. 42 Prozent des tansanischen Staatshaushalts sind geberfinanziert. Rund 42 Prozent der Entwicklungshilfe (rund 670 Mio USD) oder 15 Prozent des tansanischen Staatshaushaltes werden als direkte Budgethilfe zur Verfügung gestellt.

Wirtschaftsentwicklung

Die makroökonomische Lage ist vergleichsweise gut. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag in den letzten Jahren bei durchschnittlich rund real 6-7 Prozent mit leicht steigender Tendenz. Die mittelfristig angestrebten 10 Prozent werden allerdings kaum zu erreichen sein, wenn die periodisch auftretenden Energieengpässe und andere infrastrukturelle Mängel nicht nachhaltig beseitigt werden können. Bei einem Bevölkerungswachstum von knapp 2,6 Prozent reichen die bisherigen Wachstumsraten kurzfristig für eine Armutsminderung nicht aus.

Der Regierung ist es gelungen, die Inflationsrate, die 1996 noch 21Prozent betrug, auf nur noch 3,7 Prozent im Jahr 2005 zu drücken. Aufgrund der hohen Ölpreise hat sich diese Rate jedoch nicht halten lassen und lag 2006/07 bei 6,3 Prozent. Ein erneutes Ansteigen über 10 Prozent ist allerdings derzeit nicht zu erwarten.

Wirtschaftssektoren

Die tansanische Gesamtwirtschaft hängt zum größten Teil von der Leistung des Agrarsektors ab, der gut 46 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei­trägt. Die landwirtschaftliche Produktion (überwiegend regenfallabhängige Sub­sistenzlandwirtschaft) reicht bei normalen Niederschlägen zur Selbstversorgung des Landes aus. Kaffee, Baumwolle, Tee, Tabak, Sisal und Cashewnüsse wer­den hauptsächlich für den Export angebaut. Die Abhängigkeit dieser Produkte von Klimaschwankungen und nicht beeinflussbaren Weltmarktpreisen macht Tansania nach wie vor anfällig. Die Aussichten für die landwirtschaftliche Exportproduktion sind zwar grundsätzlich gut, jedoch werden nach wie vor in der Hauptsache Rohprodukte exportiert. Die Veredelung (und damit die höhere Gewinnspanne) wird mangels Kapital, Kapazitäten und ausgebildeten Fachkräften anderen Ländern überlassen. Für Tansania neue Exportprodukte wie Schnittblumen, Gemüse, Obst und Biodiesel gewinnen an Bedeutung. Die Agrarpolitik ist nach wie vor stärker von staatlichen Eingriffen als von marktwirtschaftlichen Anreizen geprägt.

Die Entwicklungen im Finanzsektor sind positiv: mehrere Banken haben ihr Filial­netz erweitert und ihre Produktpalette vergrößert. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor hat zugenommen.

Der Anteil der Industrieproduktion am BIP liegt bei rund 17 Prozent. Der Anteil des Dienstleistungssektors liegt bei ausbaufähigen 37 Prozent.

Investitionen

Die Bemühungen der tansanischen Regierung um ausländische Investoren sind grundsätzlich ernst gemeint und glaubhaft. Maßgebliche Rechtsgrundlage für Investitionen in Tansania ist der ‚Tanzania Investment Act 1997’, mit dem auch das Tanzania Investment Centre (TIC) zur Beratung und Unterstützung von Investoren etabliert wurde. Nach anfänglichen Schwierig­keiten hat sich die Performance des TIC deutlich gebessert.

Tansania konnte sich um 12 Plätze im „Cost of Doing Business Index“ der Weltbank für 2007 verbes­sern,liegt damit auf Platz 130 von 175 Ländern.

Das
Investitionsklima bleibt durchwachsen. Tansania steht aber sicherlich nicht schlechter, sondern in vielerlei Hinsicht besser da als andere afrikanische Staaten und arbeitet an einer weiteren Verbesserung der Rah­menbedingungen. Die im afrikanischen Vergleich bemerkenswerte politische, gesellschaftliche, institutionelle und monetäre Stabilität des Landes stellt einen nicht zu unterschätzenden Vorteil dar.

Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Zusammenschlüssen

Die Mitgliedschaft Tansanias in verschiedenen regionalen Wirtschafts- bzw. Handelsblöcken (Southern African Development Community - SADC, East African Community - EAC) kann dazu beitragen, die relative Begrenztheit des lokalen Marktes zu überwinden. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine signifikante Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit tansanischer Produkte. Die EAC-Zollunion ist am 1.1.2005 in Kraft getreten. Sie wird als erster Schritt zur Errichtung eines gemeinsamen Marktes betrachtet.

Tansania nimmt als Mitglied der EAC und der SADC an den Handelspräferenzen dieser Zusammenschlüsse teil. Zentrales Problem bei den Verhandlungen zur Vereinbarung eines Economic Partnership Agreements (EPA), die von der EU 2002 im Rahmen der Cotonou-Verträge eingeleitet worden sind, ist die Unentschlossenheit Tansanias, auf welcher Schiene es die Verhandlungen führen soll (SADC oder EAC).

Handel

Tansanias Exporte werden weiterhin von traditionellen Produkten dominiert, wobei landwirtschaftliche Produkte rund zwei Drittel des Exportwerts erzielen. Damit ist die Handelsbilanz weiterhin anfällig für exogene Schocks (Klima, Weltmarktpreise). Dringend geboten ist demzufolge die Diversifizierung der Exportpalette und der Devisenquellen. Vor diesem Hintergrund ist die Zunahme von Devisenerlösen aus dem Tourismus positiv zu bewerten.

Auslandsverschuldung

Nachdem Tansania Ende 2001 die Bedingungen für den sogenannten 'completion point' der HIPC-Initiative zum teilweisen Schuldenerlass für hochverschuldete arme Länder erfüllt hat, liegt die Auslandsverschuldung bei ca. 8,2 Mrd. USD (2004), der Schuldendienst (gemessen an den Exporten) bei 5,3 Prozent. Tansania hat 2006/07 von der multilateralen Schuldeninitiative des G8-Gipfels von Gleneagles profitiert.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Daressalam
Dagmar Traub-Evans
Tel.: (00255) 22/211 7409 bis 14
Fax: (00255) 22/211 2944 eMail
www.daressalam.diplo.de

Entwicklungszusammenarbeit

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