Taiwan
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Charakterisierung der taiwanischen Wirtschaft
Die taiwanische Volkswirtschaft ist eine hoch entwickelte, stark exportabhängige Marktwirtschaft. Sie ist mit einem BIP von 392,1 Mrd. USD die 21 größte Volkswirtschaft der Welt; Taiwan belegt als Handelsnation den 16. Platz (bei ca. 23 Mio. Einwohnern). Mit einem BIP pro Kopf von 17.116 USD liegt Taiwan ungefähr auf der Höhe von Südkorea (2007: 20.045 USD). Das auf die Kaufkraft bezogene BIP pro Kopf von 31.892 USD (PPP - IWF Schätzung für 2008) illustriert den hohen Stand der taiwanischen Volkswirtschaft (zum vgl. Südkorea 27.100 USD, Deutschland 34.800 USD). Im Global Competitiveness Report 2008-2009 des World Economic Forum wird Taiwan mit Platz 17 ein gutes Zeugnis ausgestellt. Ein wichtiges Merkmal der taiwanischen Volkswirtschaft ist die, bis zur globalen Wirtschaftskrise im 2. Halbjahr 2008, sehr stabile Entwicklung der makroökonomischen Kennziffern.
Taiwan war als einer der vier sog. "asiatischen Tiger" Teils des asiatischen Wirtschaftswunders. Dieses war zunächst durch landwirtschaftliche Produkte, dann durch den Export von billigen Massenartikeln gekennzeichnet. Jetzt wird Taiwans Wirtschaftsentwicklung vor allem von der IT-Industrie angetrieben, bei der Taiwan in vielen Produktgruppen Weltmarktführer ist. Da Taiwan vor allem als Zulieferer im OEM-Bereich produziert (also für andere ausländische Markennamen), ist dies kaum bekannt geworden. In Folge deutlich gestiegener Produktionskosten haben taiwanische Unternehmen bedeutende Teile der (End-) Fertigung nach China, in zunehmendem Maße aber auch nach Südostasien (vor allem nach Vietnam, wo Taiwan wichtigster Investor ist) verlagert. Die Verflechtung der taiwanischen Wirtschaft mit China ist schreitet weiter fort. Taiwanische Unternehmen haben dort beträchtliche Investitionen getätigt (nach Schätzungen zwischen 100 und 250 Mrd. USD). Aufgrund der hohen Produktionskosten versucht Taiwan, sich vor allem als Forschungs- und Entwicklungsstandort zu etablieren und auf ausbildungsintensive Hochtechnologien zu konzentrieren. So entsteht das BIP nur noch zu 1,7% aus dem Beitrag der Landwirtschaft, zu 25,1% aus dem der Industrie und schon zu 73,2% aus dem Anteil der Dienstleistungsbranche (Schätzung für 2008).
Taiwan hat es bei seinem wirtschaftlichen Aufstieg geschafft, soziale Verwerfungen in der Gesellschaft weitgehend zu vermeiden. Eine bis Mitte letzten Jahres niedrige Arbeitslosenrate, sowie der hohe Alphabetisierungsgrad von über 96% tragen dazu bei. Mit der im Verlauf der Wirtschaftskrise gestiegenen Arbeitslosigkeit (August 2009: 6,13%) werden soziale Fragen aber dringlicher. Der KMU-Sektor spielt in Taiwan eine wichtige Rolle, was zur flexiblen und schnellen Reaktionsfähigkeit auf aktuelle Entwicklungen beiträgt.
Einfluss der Regierung
Die Regierung versuchte bisher, die Eingriffe auf ein Minimum zu begrenzen (z.B. beim Arbeitsmarkt). In Folge der Wirtschaftskrise ist jedoch auch Regierungshandeln gefragt. So wurde ein umfangreiches Konjunkturpaket aufgelegt, einschließlich der Ausgabe von Konsumgutscheinen Anfang 2009. Eine langfristig angelegte Wirtschaftspolitik bemüht sich um eine kontinuierliche Verbesserung der Rahmenbedingungen. Einfluss besteht durch die Restriktionen im Wirtschaftsverkehr mit China, jedoch mit abnehmender Tendenz. Es existieren zudem noch Unternehmen mit einer ausschließlichen oder einer Mehrheitsbeteiligung der öffentlichen Hand, u.a. Strommarkt, Kraftstoffe. Wichtige Aufsichtsbehörden sind die „Fair Trade Commission“ und die „Financial Supervisory Commission“.
Ein erfolgreiches Beispiel der Infrastrukturpolitik sind die drei „Science Parks“, die zusammen ca. 10% des taiwanischen BIP generieren. In den mit öffentlicher Förderung errichteten Parks haben sich vor allem Hochtechnologieunternehmen angesiedelt, die dort von einer hervorragenden Infrastruktur, Steuererleichterungen und gemeinsamen Forschungseinrichtungen profitieren. Eine zuverlässige Verwaltung und ein funktionierendes Rechtswesen bieten einen guten Rahmen für ein stabiles Investitionsklima.
Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftsklima
Im zweiten Halbjahr 2008 wurde die Erfolg gewohnte taiwanische Wirtschaft in den Abwärtssog der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise gezogen. Das Wachstum fiel 2008 auf 0,12%. Für 2009 wird ein Rückgang des BIP um 4,04% erwartet. Durch Nachfrageausfälle in den wichtigsten Absatzmärkten China, USA, Japan und EU brachen die taiwanischen Exporte im Laufe der Krise um bis zu 40% ein. Die Importe nach Taiwan verhielten sich ähnlich. Seit Beginn 2009 erholen sich aber die für Taiwan so wichtigen Exporte schrittweise. Für 2010 rechnet die Regierung mit einem Wachstum von 3,92%. Zur Bewältigung der Krise hat die taiwanische Zentralbank die Zinsen mehrfach gesenkt. Die Devisenreserven erreichen mit 325 Mrd. USD (August 2009) erneut einen Rekord. Im Zuge der Krise ging der private Konsum zurück und die Inflationsrate lag im August 2009 bei -0,81%. Die Arbeitslosenrate stieg auf 6,13% (Stand: August 2009) - ein für taiwanische Verhältnisse hoher Wert.
Außenhandel
Seit 2002 ist Taiwan als "Separates Zollgebiet Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu (Chinese Taipei)" Mitglied der WTO und seit 1991 der APEC (als „member economy Chinese Taipei“). Mit Wirkung vom 15.7.2009 wurde Taiwan Mitglied des „Government Procurement Agreement (GPA)“ der WTO und kam damit einer langjährigen Forderung der ausländischen Unternehmen nach, da das GPA grundsätzlich einen verbesserten Zugang zu öffentlichen Aufträgen gewährt. Die „European Chamber of Commerce Taipei (ECCT)“ vertritt die Interessen europäischer (einschließlich der deutschen) Unternehmen in Taiwan wirkungsvoll. Das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei konzentriert sich auf den bilateralen Handel und Investitionen.
Aufgrund der starken Abhängigkeit vom Außenhandel ist Taiwan eine grundsätzlich offene Volkswirtschaft. Da Taiwans BIP zu ca. 70% von den Exporten gespeist wird, ist man auf freien Handel angewiesen. Wegen des weltweiten Nachfrageeinbruchs im Zuge der Wirtschaftskrise nahmen die Exporte in die wichtigsten Zielmärkte ab, wobei seit Jahresbeginn 2009 eine Erholung der Exportwerte festzustellen ist.
Die VR China ist der wichtigste Handelspartner Taiwans, vor Japan und den USA. Deutschland befindet sich auf Platz 8. Deutschland ist für Taiwan weiter der wichtigste Handelspartner in Europa. Aus deutscher Sicht ist Taiwan der fünftwichtigste Handelspartner in Asien und steht an 30. Stelle weltweit. Trotz der geringen Bevölkerungszahl Taiwans kommt der Handel mit Taiwan auf ein Volumen, das mit 10,4 Mrd. EUR noch höher als das mit Griechenland, Kanada oder Singapur ist (Destatis, alle Zahlen für 2008). Nach deutschen Angaben verringerte sich das bilaterale Handelsvolumen 2008 um 3,0%. Die deutschen Ausfuhren konnten noch um 1,0% zulegen, während die taiwanischen Exporte nach Deutschland um 7,3% sanken. Das zulasten Deutschlands bestehende Handelsdefizit fiel auf 0,75 Mrd. EUR (Destatis) (nach taiwanischen Angaben ergibt sich für 2008 wieder ein Überschuss für Deutschland- die Unterschiede scheinen auf unterschiedliche Berechnungen, insbesondere bei der Bestimmung des Ziellandes, zu beruhen; nach taiwanischen Angaben wuchsen die deutschen Ausfuhren nach Taiwan um 5,8% und die taiwanischen Exporte nach Deutschland sogar um 10,7%, Quelle: Bureau of Foreign Trade).
In Taiwan sind über 250 deutsche Unternehmen ansässig.
Sozialstaatliche Elemente
Sozialstaatliche Elemente gibt es unter anderem in Form der nationalen Krankenversicherung, einer Arbeitslosenversicherung und von Sozialhilfe. Eine nationale Rentenversicherung wurde 2008 eingeführt.
Umweltpolitik
Auch als Folge seiner schnellen wirtschaftlichen Entwicklung hat Taiwan mit Umweltproblemen zu kämpfen. Die Gründung einer Umweltschutzbehörde im Jahr 1987 markiert den Beginn einer kohärenten Umweltpolitik in Taiwan. Die bisher rund 300 verabschiedeten Umweltgesetze orientieren sich an Standards westlicher Industrieländer. Inzwischen wurden im Umweltbereich deutliche Erfolge erzielt. Erneuerbare Energien werden gefördert und ein Mülltrennungs- und Wiederverwertungssystem wurde aufgebaut. Ein Erneuerbares- Energien-Gesetz wurde im Juli 2009 verabschiedet. Eine konkrete Zielsetzung zur CO2- Reduktion ist beabsichtigt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.