Tadschikistan
Wirtschaft
Stand: September 2009
Tadschikistan ist die ärmste unter den fünf zentralasiatischen Republiken. Durch die Folgen des verheerenden Bürgerkrieges von 1992 bis 1997 wurde das Land zusätzlich deutlich zurückgeworfen. Mindestens zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die tadschikische Regierung versucht, diesen Herausforderungen mit einem Armutsbekämpfungsprogramm zu begegnen. In einigen entscheidenden Bereichen, darunter Privatisierung der Großbetriebe und Landreform, steckt die Entwicklung allerdings noch in den Anfängen.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Seit Jahresbeginn 2009 sind die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auch in Tadschikistan deutlich spürbar. Das Wirtschaftswachstum lag im ersten Halbjahr 2009 bei lediglich 2,8%, nachdem über Jahre hinweg Zuwächse von sieben bis acht Prozent erzielt worden waren. Zurückzuführen ist dies auf den Einbruch der Weltmarktpreise für Aluminium, des Hauptexportgutes des Landes und gesunkene Rücküberweisungen der zahlreichen in Russland tätigen tadschikischen Wanderarbeiter. Die Inflation war 2009 weiter rückläufig, sie lag Mitte des Jahres für die zurückliegenden 12 Monate bei 8,3%.
Wirtschaftssektoren
Nur sieben Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft geeignet. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist dennoch hier tätig. In der tadschikischen Landwirtschaft dominiert die Baumwolle, außerdem werden Obst (Aprikosen, Weintrauben, Nüsse), Gemüse und Getreide angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion deckt besonders bei Getreide nicht den Eigenbedarf der Bevölkerung. Das Land ist regelmäßiger Empfänger von Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsfonds. Die landwirtschaftliche Produktion stieg im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 7,9%, was dem Gesamtwachstum entspricht.
Im industriellen Sektor sind die Aluminiumproduktion und Energiegewinnung aus Wasserkraft die dominierenden Zweige. Insgesamt ging die Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2009 um 13% (2008: -4%) zurück, was neben der Finanzkrise auch auf winterliche Energieversorgungsprobleme zurückzuführen ist.
Die Stromversorgung Tadschikistans erfolgt zu 98 Prozent durch Wasserkraft, jedoch ist das Land in den Wintermonaten auf Stromimporte angewiesen. Das Wasserkraftpotential des Landes ist derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft, der Bau neuer Wasserkraftwerke eine Priorität der Regierung. Größtes Wasserkraftwerk ist mit einer Kapazität von 3000 MW das am Vakhs-Fluss gelegene Nurek, eines der größten weltweit. Mit iranischen und russischen Investitionen arbeitet Tadschikistan zurzeit an der Realisierung der beiden Wasserkraftwerke Sangtuda I und II im Süden des Landes. Geplant ist weiterhin die Fertigstellung des zu Sowjetzeiten zu 30 Prozent fertig gestellten Großkraftwerkes Rogun, das in der Gesamtkapazität noch über der von Nurek liegen soll. Hierzu ist man derzeit mit mehreren internationalen Partner im Gespräch und hat Arbeiten zum Bau einer kleineren Übergangsvariante, die aus eigenen Mitteln finanziert werden, aufgenommen.
Die Parallel- und Schattenwirtschaft sowie der informelle Sektor spielen im Lande eine große Rolle. Hier erweist sich insbesondere die Nähe zu Afghanistan und die damit verbundene Verwicklung in das Drogentransitgeschäft als problematisch für das Image des Landes. Der informelle Sektor wird ebenfalls stark von den Rücküberweisungen der tadschikischen Wanderarbeiter beeinflusst. Ihre Höhe wird auf ca. 40 bis 50% des BIP .
Eine endemische Korruption sowie behördliche Willkür, fehlende Rechtssicherheit und Kapitalmangel stellen nach wie vor erhebliche Investitionshemmnisse dar, die eine umfassende Belebung des privatwirtschaftlichen Investitionsgeschehens verhindern. Dennoch haben sich in den letzten Jahren einige Länder zum Teil auf staatlicher Ebene mit Großprojekten im Energiesektor, Straßenbau und Hotelwesen engagiert.
Außenwirtschaft
Der tadschikische Außenhandel hatte zwischen 2005 und 2007 mit Zuwachsquoten von über 25% einen spürbaren Aufschwung genommen. 2008 fiel der Zuwachs mit 16% etwas geringer aus, im ersten Halbjahr 2009 war ein deutlicher Rückgang von 31% zu verzeichnen, die Exporteinnahmen sanken um 48%, die Importe um 21%. Fast drei Viertel der Exporterlöse werden normalerweise durch Aluminium erwirtschaftet (im ersten Halbjahr 2009 nur 58%), fast 10% durch Baumwolle und 4% durch Stromexporte. Aufgrund der einseitigen Wirtschaftsstruktur Tadschikistans mit diesen drei Hauptexportgütern ergibt sich eine sehr ungleiche geografische Verteilung des Außenhandels. Während die Exporte zu annähernd 90% in Länder außerhalb der GUS gehen (der gesamte Aluminiumexport wird über die Niederlande abgewickelt), importiert Tadschikistan aus den GUS-Staaten ca. zwei Drittel seiner Einfuhren. Die wichtigsten Außenhandelspartner Tadschikistans sind die Niederlande, Russland, Türkei, Usbekistan, Kasachstan und China.
Außenhandel mit Deutschland
Obwohl eine Reihe bilateraler Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, ist der Umfang des Handelsaustauschs mit Deutschland im Gesamtbild vergleichsweise unbedeutend und unterliegt starken Schwankungen. Seit 2006 hatte er deutlich zugenommen und sich 2007 mit 66,8 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ca. ein Drittel gesteigert. 2008 wiederum sank der Umsatz um 50 %, 2009 im ersten Halbjahr um weitere 28% . Tadschikistan führt aus Deutschland Maschinen, Fahrzeuge und andere technische Einrichtungen sowie chemische Erzeugnisse ein und exportiert v. a. Aluminium nach Deutschland.
Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse
Tadschikistan ist Mitglied folgender regionaler wirtschaftlichen Zusammenschlüsse:
ECO (Economic Cooperation Organization)
Die Organisation wurde 1992 zwischen Pakistan, Iran und der Türkei gegründet und hat die Vision, eine vergleichbare Struktur wie die der EU oder ASEAN aufzubauen. Weitere Mitglieder sind die zentralasiatischen Staaten und Afghanistan.
Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EURASEC)
Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft wurde im Oktober 2000 von den GUS-Staaten Russland, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan gebildet. Formell ist der Gründungsvertrag im Mai 2001 in Kraft getreten. Ein Jahr später erhielten Moldau und die Ukraine Beobachterstatus. Ein weiterer Beobachterstaat ist Armenien. Am 25.01.2006 ist auch Usbekistan der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten, hat die Mitgliedschaft aber im November 2008 suspendiert.
Die wenig erfolgreiche Zentralasiatische Wirtschaftsgemeinschaft (CACO) wurde im Oktober 2004 aufgelöst und ist in die EURASEC aufgegangen. Tadschikistan ist an einem WTO-Beitritt interessiert und führt Beitrittsverhandlungen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.