Syrien
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Juli 2009
Politische Beziehungen
Traditionell sind die bilateralen Beziehungen eng und freundschaftlich. Seit dem Besuch von Außenminister Steinmeier im Dezember 2006, der syrischen Teilnahme am Nahosttreffen in Annapolis im November 2007 und der Teilnahme von Präsident Assad am Gipfel der Mittelmeerunion im Juli 2008 in Paris hat sich die Zusammenarbeit mit westlichen Staaten intensiviert. Die hohe Wertschätzung guter Beziehungen zu Deutschland wird in der syrischen Politik deutlich. Für die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit ist Syrien seit 2002 Partnerland. Der syrische Vizepremier für Wirtschaftsfragen und Reformen Abdullah Dardari wurde im Februar 2007 und im Juni 2009 in Berlin empfangen. Seitens der Bundesregierung besuchten zuletzt Außenminister Steinmeier im Dezember 2006,Bundesministerin Wieczorek-Zeul Ende August 2007, Bundesminister Schäuble im Juni 2009 und Außenminister Steinmeier im Juli 2009 Syrien. Das Land wird zudem regelmäßig von Delegationen aus Bundesländern sowie von Mitgliedern des deutschen Bundestags bereist.
Wirtschaftliche Beziehungen
Im Jahr 2008 exportierte Deutschland Waren im Wert von 688 Millionen Euro nach Syrien und importierte aus Syrien Waren für über 1.239 Millionen Euro. Deutschland ist für Syrien eines der wichtigsten Lieferländer (elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen, chemische Produkte und Kraftfahrzeuge). Bei den deutschen Einfuhren aus Syrien spielt Erdöl nach wie vor eine wichtige Rolle. Daraus resultiert auch der Handelsbilanzüberschuss für Syrien von circa 550 Millionen Euro in 2008.
Entwicklungszusammenarbeit
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Syrien wurde seit 2001 stetig ausgebaut. Von 1992 bis 2000 hatte es wegen ungeregelter Schulden Syriens keine Regierungsverhandlungen über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit und auch keine Neuzusagen mehr gegeben. Nach der Lösung der Altschuldenproblematik wurde 2001 die Zusammenarbeit mit Deutschland wieder aufgenommen. Entwicklungspolitisch liegt der Schwerpunkt im Wassersektor; aber auch in den Bereichen Wirtschaftsreformen, Hochschulbildung, Stadtentwicklung und erneuerbare Energien ist Deutschland aktiv. Inzwischen beraten in diesen Feldern rund 50 deutsche Langzeitexperten syrische Ministerien und andere Institutionen. Politischer Ansprechpartner für diesen Bereich ist der syrische Vizepremier für Wirtschaftsfragen und Reformen Abdullah Dardari.
Kulturaustausch
Grundlage für die kulturelle Zusammenarbeit ist das 1959 mit der damaligen Vereinigten Arabischen Republik (Ägypten und Syrien) abgeschlossene Kulturabkommen. Neben der Förderung der deutschen Sprache, der archäologischen Zusammenarbeit und dem klassischen Kulturaustausch (Konzerte, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen) stellt die Hochschulkooperation den Schwerpunkt der bilateralen Kulturbeziehungen. Es gibt in Syrien mehr als 1000 Syrer, die über einen deutschen Universitätsabschluss verfügen. Das Interesse an einem intensiven Wissenschaftsaustausch ist groß.
Das 1979 wiedereröffnete Goethe-Institut behauptet dank reichhaltiger und vielfältiger Aktivitäten einen festen Platz im Damaszener Kulturleben. Die Nachfrage nach deutschem Sprachunterricht steigt ständig. Derzeit nutzen auch viele irakische Staatsangehörige, die sich in Syrien aufhalten, das Angebot des Goethe-Instituts.
An syrischen Schulen wird kein Deutsch unterrichtet. Es verfügen jedoch alle staatlichen Universitäten Syriens über ein Deutschkursangebot. An den Universitäten von Damaskus und Aleppo sind Sprachlektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) tätig. Im Herbst 2006 wurde mit Hilfe des DAAD an der Damaskus-Universität eine Deutschabteilung eröffnet. Deren Absolventen steht der regionale Masters-Studiengang in Deutsch als Fremdsprache an der German Jordanian University offen. Im Juni 2008 hat Syrien zudem ein Regierungsstipendiatenabkommen unterzeichnet, in dessen Rahmen der DAAD zunächst für die kommenden fünf Jahren bis zu 60 syrische Regierungsstipendien pro Jahr betreut, die an syrische Master-, Promotions- und Medizinstudenten für ein Studium bzw. eine Facharztausbildung in Deutschland vergeben werden.
Die archäologische Zusammenarbeit zwischen Syrien und Deutschland kann auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Seit 1980 gibt es in Damaskus eine Außenstelle der Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Neben dem DAI sind auch zahlreiche deutsche Universitäten in Syrien archäologisch aktiv: So hat die Universität Tübingen bei Grabungen, die mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes im Königspalast von Qatna/Tel Mishrifeh bei Homs durchgeführt wurden, ein unberührtes Königsgrab mit bedeutenden Grabbeigaben entdeckt. Die Funde bilden den Höhepunkt der Großen Landesausstellung „Schätze des Alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna“, die vom 17. Oktober 2009 bis 14. März 2010 im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart zu sehen sein wird.
Hinweis
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