Sudan
Wirtschaftspolitik
Stand: Dezember 2009
Sudan gehört zu den ärmsten und dabei am höchsten verschuldeten Ländern der Welt (Least Developed Country – LLDC). Die Ernährungslage der Bevölkerung ist vielerorts besorgniserregend, insbesondere im Westen, Osten und Süden des Landes. Neben Konflikten führen auch Dürreperioden immer wieder zu Hungerkatastrophen, die humanitäre Hilfe erfordern. Wassermangel und Wüstenbildung sind charakteristisch für weite Landesteile und wirken entwicklungshemmend.
Gleichzeitig verfügt der flächenmäßig größte Staat Afrikas über reiche Bodenschätze, darunter Öl, Erze, Edelmetalle, insbesondere Gold, das Nilwasser und potenziell fruchtbares Ackerland sowie ein bildungsfähiges Arbeitskräftereservoir. Der im Januar 2005 beendete Nord/Süd-Bürgerkrieg, der 2003 eskalierte Konflikt im Westen (Darfur), fehlgesteuerte Wirtschaftspolitik und Mangel an gesamtwirtschaftlichem nationalem Gestaltungswillen durch die Zentralregierung in Khartum haben jedoch eine effiziente Nutzung dieser positiven Gegebenheiten und damit eine Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung verhindert. Die sudanesische Regierung hat beträchtliche Summen der Einkünfte aus dem Erdölexport in den Rüstungsetat investiert. Sudan ist infrastrukturell, insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Wasser/Abwasser, Telekommunikation und Verkehr unzureichend erschlossen. Es besteht großer Entwicklungsbedarf in allen Bereichen.
Wirtschaftsstruktur und –politik
Die Wirtschaftspolitik Sudans ist von einem hohen Grad an Dirigismus, Bürokratie und einer bedeutenden Rolle staatlicher Unternehmen am Wertschöpfungsprozess geprägt. Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgt die Regierung in Khartum in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein wirtschaftliches Reformprogramm zur Modernisierung und marktwirtschaftlichen Orientierung des Landes. Zentrale Reformanliegen richten sich auf fortschreitende Privatisierung, die Umgestaltung des Steuersystems (wie Einschränkung von Privilegien und Befreiungen; Ausdehnung der Besteuerungsbasis), Erhöhung der fiskalpolitischen Transparenz und Effizienz (unter anderem durch verbesserte Datenbasis), Subventionsabbau und weiterem Abbau administrativer und rechtlicher Hürden (beispielsweise im Zollbereich) im regionalen Wettbewerb um stärkeren Zufluss von ausländischem Investitionskapital. Größter Kritikpunkt beim Budgetansatz sind gewöhnlich die mit schätzungsweise bis zu 40 Prozent des Haushalts viel zu hohen Militärausgaben, die in eklatantem Missverhältnis zu sozialen Ausgaben stehen. Hier fordern IWF und Weltbank eine deutliche Umverteilung zugunsten sozialer Reformprogramme.
Im Zuge der Umsetzung des Nord-Süd-Friedensabkommens vom 09.01.2005 unternimmt die halbautonome Regierung des Südsudan verstärkte Entwicklungsbemühungen in den bislang stark vernachlässigten Bundesstaaten und marginalisierten Regionen des Landes im Süden. Die Entwicklungshemmnisse sind – angefangen bei der Infrastruktur – jedoch enorm. Es bestehen größte Absorptions- und Kapazitätsprobleme sowie anhaltende Korruptionsvorwürfe.
Sonderproblem: Außenverschuldung
Die internationale Verschuldung Sudans ist mit etwa 36 Milliarden US-Dollar besorgniserregend.
Der Preiseinbruch bei Erdöl und anderen Rohstoffen und die weltweite Wirtschaftskrise führten 2009 zu drastischen Rückgängen bei Devisen- und Staatseinnahmen. Die Erdöleinkünfte erbringen mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen (knapp 90 Prozent der Einnahmen der Regierung des Südsudan) und knapp 85 Prozent der Devisen.
Sudan erfüllt bislang noch nicht die Kriterien für Schuldendiensterleichterungen im Rahmen der Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPC-Initiative). Sie soll den Schuldenstand der betreffenden Länder etwa halbieren und den Schuldendienst im Verhältnis zu den Staatseinnahmen ebenfalls drastisch senken. Die dadurch freiwerdenden Mittel sollen unter anderem in steigende Sozialausgaben fließen.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Bedeutendster Wirtschaftszweig ist der Ölexport, gefolgt von der Landwirtschaft (ein Drittel der Wirtschaftsleistung). Sie zeigt allerdings einen geringen Grad an Mechanisierung sowie zunehmende Anfälligkeit durch anhaltende Landflucht. Ehrgeizige Prestigeprojekte anstelle solider Besinnung auf natürliche Reserven haben Strukturprobleme verursacht, die erst ganz allmählich wieder korrigiert werden. Entsprechende Ansätze finden sich in der geplanten vorläufigen Armutsreduzierungsstrategie des Landes (I-PRSP).
In den letzten fünf Jahren hat der Ölsektor überdurchschnittlich an Bedeutung gewonnen. Er ist zum Motor der industriellen Entwicklung geworden. Die Aufnahme der Förderung und des Exports von Rohöl hat der Wirtschaft Wachstumsimpulse beschert. Pipeline- und Raffineriekapazitäten werden weiter ausgebaut.
Außenwirtschaft
Der wirtschaftliche Reformprozess kann nur mit Hilfe ausländischen Kapitals gestaltet werden. Die Regierung bemüht sich intensiv um ausländische Direktinvestitionen, die hauptsächlich aus Indien, China und der arabischen Halbinsel in das Land fließen. In der Praxis herrschen dennoch weiter zahlreiche bürokratische Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Handelsbilanz Sudans ist traditionell negativ. Daran haben bislang selbst die kontinuierlich steigenden Öl-Exporterlöse nichts geändert. Sie werden durch eine noch rascher steigende Importrechnung aufgefangen, die den enormen Bedarf an Einfuhren in der Post-Konflikt-Entwicklungsphase widerspiegelt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.