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Landesflagge Sri Lanka
Wirtschaft

Stand: Juli 2009

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

In seinem Wahl- und Regierungsprogramm von 2005 „Mahinda Chinthana“ hat Präsident Mahinda Rajapaksa einen Bruch mit der Privatisierungspolitik der Vorgängerregierung sowie die Förderung der nationalen Industrien und des ländlichen Raumes, Hilfe für Einkommensschwache und Stärkung des öffentlichen Sektors zu seinem Konzept erhoben. Ohne dabei die marktwirtschaftliche Ordnung in Frage zu stellen, sollen so wirtschaftliches Wachstum von sechs bis acht Prozent jährlich und Wohlstandsgewinne, auch in benachteiligten Regionen mit verbreiteter Armut, gesichert werden.

Diesem Leitbild folgt die Regierung auch mit dem Haushalt 2009 unter den Vorzeichen der globalen Wirtschaftskrise. Begrenzte Exportsubventionen gehen einher mit Importbelastungen. Sozialleistungen werden erhöht, die Aufstockung des öffentlichen Dienstes weiter verfolgt. Zur Finanzierung des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg wurde eine befristete gesonderte Umsatzsteuer (Nation Building Tax) von inzwischen drei Prozent eingeführt (reguläre Mehrwertsteuer 20 Prozent).

Mit ausländischer Hilfe (China, Japan, Asiatische Entwicklungsbank) hat Rajapaksa große Infrastrukturprojekte angestoßen (Hafenneubau Hambantota, Hafenausbau Colombo, Stromkraftwerke, Straßenneubau).

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tsunami insbesondere in Fischerei und Tourismus sind überwunden. Mit der Behebung der Tsunami-Folgen sind vielerorts modernere Strukturen entstanden.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Sri Lanka für ausländische Investitionen sind im großen und ganzen günstig (liberale Wirtschaftsverfassung, hohe Alphabetisierungsrate, moderner Hafen Colombo, Investitionsanreize). 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden von der privaten Wirtschaft erbracht. Freilich besteht eine sozialistisch geprägte Arbeitsgesetzgebung, und die Wirtschaftspolitik der Regierung Rajapaksa folgt mehr einem protektionistischen denn dem früheren neoliberalen Credo.

Zur Mithilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau des durch den Bürgerkrieg in seiner Entwicklung zurückgeworfenen Nordens hat die Regierung alle Sektoren aufgerufen und erhofft sich ebenso internationale Unterstützung.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2008 40,7 Mrd. US-Dollar, das sind pro Kopf der Bevölkerung 2.014 US-Dollar. Wurde 2008 noch ein reales Wirtschaftswachstum von 6,0 Prozent erreicht, lassen die Werte des ersten Quartals 2009 (+ 1,5 Prozent) für das Gesamtjahr nur eine geringere Rate erwarten.

Die Arbeitslosigkeit ging 2008 von 6,0 Prozent im Jahr zuvor auf 5,2 Prozent zurück (dabei sind wegen des Bürgerkriegs die Nord- und Ostprovinz nicht berücksichtigt). In den ersten drei Monaten 2009 verloren nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) aufgrund der globalen Wirtschaftskrise allerdings 192.000 Beschäftigte (2,6 Prozent der Gesamtzahl) ihren Arbeitsplatz, davon 96.000 im Industriesektor, vor allem in der Bekleidungsindustrie, dem wichtigsten Exportstandbein. In Landwirtschaft und Dienstleistungen neu geschaffene 203.000 Stellen sind dafür nur ein begrenzter Ausgleich.

Die Inflation erreichte 2008 für srilankische Verhältnisse Rekordziffern und stellte Produzenten und Konsumenten vor Probleme. Für Juni 2008 wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Verbraucherpreisanstieg von 28,2 Prozent gemessen. Aufs ganze Jahr gerechnet, lag der Anstieg bei 22,6 Prozent. Die Abschwächung der Preissteigerungen hält an, im Juni 2009 lag die 12-Monats-Rate bei 12,5 Prozent.

Die wirtschaftliche Entwicklung Sri Lankas weist große regionale Unterschiede auf. Wirtschaftliches Zentrum ist die Region rund um Colombo, die fast die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung erbringt.

Das öffentliche Haushaltsdefizit betrug 2008 wie im Jahr zuvor 7,7 Prozent des BIP, nachdem in den Vorjahren stets höhere Defizite erwirtschaftet worden waren. Das Defizit wurde anders als in der Vergangenheit zu über 90 Prozent durch Inlandskredite finanziert. Die öffentliche Verschuldung wurde 2008 weiter auf 81,1 Prozent des BIP reduziert (2007: 85,0 Prozent).

Wirtschaftssektoren

Der Strukturwandel der srilankischen Wirtschaft hat dazu geführt, dass die einst dominierende Landwirtschaft (Tee, Naturgummi, Kokosnüsse) heute nur noch 12,1 Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung ausmacht. 28,4 Prozent werden von der Industrie, insbesondere im Textilbereich, beigetragen. Der Dienstleistungssektor macht mittlerweile 59,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Außenhandel

Sri Lanka verzeichnet seit Jahren einen negativen Handelsbilanzsaldo. 2008 aber wurden die Warenausfuhren um den Rekorddifferenzbetrag von 5,9 Mrd. US-Dollar (14,4 Prozent des BIP) von den Wareneinfuhren übertroffen. Weltwirtschaftslage (einschließlich gesunkener Rohölpreise) und Maßnahmen der Regierung haben hier inzwischen zu rückläufiger Tendenz geführt; im ersten Drittel 2009 ist in US-Dollar um 16,2 Prozent weniger exportiert, aber gar um 36,9 Prozent weniger importiert worden als in den ersten vier Monaten 2008.

An erster Stelle der Exportgüter stehen Textil- und Bekleidungsartikel (2008 42,6 Prozent der Gesamtexporte). Sri Lanka hofft, mit der hohen Qualität seiner Textilprodukte auch im globalisierten Wettbewerb gegenüber Konkurrenten mit geringeren Lohnkosten wie China oder Bangladesch bestehen zu können. Die EU gewährt Sri Lanka weitgehende Zollvergünstigungen („GSP+“).

An zweiter und dritter Stelle der Ausfuhrskala folgen Tee (15,6 Prozent) und Kautschuk bzw. Kautschukprodukte (8,2 Prozent). Als typische Ausfuhrgüter können auch Kokosprodukte sowie Edelsteine und Schmuckwaren gelten. Hauptabnehmer srilankischer Exporte ist die EU (36 Prozent), gefolgt von USA (24 Prozent).

Haupteinfuhrgüter sind Rohöl (2008 angesichts des lange hohen Preisniveaus mit 24,0 Prozent an erster Stelle), Vorprodukte für die Textil- und Bekleidungsindustrie (12,1 Prozent), Nahrungsmittel (10,7 Prozent) und Maschinen/Ausrüstungsgegenstände (9,3 Prozent). Die wichtigsten Lieferländer sind Indien (24 Prozent) und die EU (12 Prozent), danach Singapur (9 Prozent), Iran (9 Prozent), China (8 Prozent), USA schlagen hier nur mit 2 Prozent zu Buche.

Sri Lankas Handelsbilanzdefizit wird zum Teil ausgeglichen durch einen positiven Dienstleistungssaldo (u.a. Tourismus), der 2008 402 Mio. US-Dollar ausmachte, und vor allem die Überweisungen von rund 250.000 im Ausland (vor allem als Hausangestellte bzw. in der Bau- und Tourismusindustrie im Mittleren Osten) arbeitenden Srilankern an ihre Familien zu Hause, die die Transferbilanz auf einen Positivsaldo von 2,7 Mrd. US-Dollar brachten.

Mit einer positiven Kapitalverkehrsbilanz (1,8 Mrd. US-Dollar) ergab sich 2008 aufgrund des Handelsbilanzergebnisses erstmals nach drei Jahren dennoch ein negativer Zahlungsbilanzsaldo von -1,2 Mrd. US-Dollar.

Die externe Verschuldung lag Ende 2008 bei 37,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsorganisationen

Sri Lanka ist Mitglied der Südasiatischen Gemeinschaft für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) und hat sich für das Zustandekommen des am 07.12.1995 in Kraft getretenen "SAARC-Präferenzhandelsabkommens" (SAPTA) eingesetzt. Mit Indien gibt es ein bilaterales Freihandelsabkommen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Colombo
Stefan Michael Weckbach
Tel.: (0094) 11/25 804 31-4
Fax: (0094) 11/2580440 eMail
www.colombo.diplo.de

Entwicklungszusammenarbeit

Sri Lanka ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr Informationen finden Sie beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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