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Landesflagge Spanien
Wirtschaft

Stand: Oktober 2009

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die spanische Volkswirtschaft, mit einem BIP von 1,1 Billionen Euro (2008) inzwischen die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt, erlebte in der zweiten Jahreshälfte 2008 einen drastischen Einbruch, der sich seitdem zur tiefsten Wirtschaftskrise der jüngeren Vergangenheit ausweitete. Der Wohnungsbau, der zu Spitzenzeiten jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich aufwies, ist nach dem Platzen der Immobilienblase in einigen Regionen um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Besonders betroffen ist auch der Automobilsektor (Zulassungsrückgang von Januar bis Juli 2009 um 34,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) Der Abschwung hat erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung: Die Arbeitslosigkeit, die 2007 auf 8,2 Prozent zurückgegangen war (zum Vergleich 1994: 24,2 Prozent) hat sich bis August 2009 auf 18,2 Prozent (4 Mio Arbeitslose) erhöht; für 2010 rechnet die EU-Kommission mit einem Anstieg auf 20,5 Prozent. Die Inflationsrate, 2007 mit 2,8 Prozent über dem EU-Durchschnitt, erreichte im Juli 2008 mit 5,3 Prozent einen Spitzenwert. Seither bildete sie sich aber zurück und erreichte im Jahresdurchschnitt 2008 einen Wert von 1,4 Prozent. Im Juli 2009 lag sie bei minus 1,4 Prozent im Jahresvergleich. Im ersten Halbjahr 2009 lagen die Verbraucherpreise um 0,1 bis 1,1 Prozent unter den Vorjahreswerten und zeigten erstmals deflationäre Tendenzen. Für das Gesamtjahr 2009 wird mit einem allgemeinen Preisrückgang von minus 0,2 Prozent gerechnet, der 2010 wieder in einen Preisanstieg von 1 Prozent übergehen soll.

Finanzpolitik

Die Staatsverschuldung, 2001 noch bei 56 Prozent des BIP, lag 2008 bei nur noch 39,5 Prozent. Ein Einbruch bei den öffentlichen Einnahmen (Mindereinnahmen bei den wichtigsten Steuerarten von 35 Milliarden Euro) und ein starker Anstieg der Ausgaben führte 2008 jedoch zu einer Trendwende. Nachdem die Staatsverschuldung von 2001 bis 2007 von 56 Prozent auf 36,2 Prozent zurück gegangen war, ist die Verschuldungsquote 2008 auf 39,5 Prozent gestiegen. Für 2009 bis 2011 rechnet die Regierung mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 55 Prozent. Für 2009 wird ein Defizit von über 10 Prozent erwartet. Spanien weist ein signifikantes Leistungsbilanzdefizit auf, das 2008 mit 104,6 Mrd Euro (9,5 Prozent des BIP) weltweit nur noch von dem der USA übertroffen wird. Besonders in der Handelsbilanz klafft ein tiefes Loch (2008: 84,9 Mrd Euro), das auch durch die im Tourismus erwirtschafteten Überschüsse der Dienstleistungsbilanz nicht kompensiert wird.

Erste Signale sprechen dafür, dass sich die spanische Volkswirtschaft – wenn auch langsamer als die der meisten anderen EU-Mitgliedstaaten – wieder erholt. Der freie Fall des BIP verlangsamte sich bereits zwischen April und Juni 2009. Wieweit sich Maßnahmen der spanischen Regierung zur Ankurbelung der Konjunktur sowie die Umsetzung geplanter Steuererhöhungen auf die Entwicklung auswirken, ist noch nicht absehbar.

Außenhandel und Direktinvestitionen

Der bilaterale deutsch-spanische Handel lag 2008 mit 65,33 Mrd. Euro um 5,72 Prozent unter dem Vorjahresniveau (Gesamtvolumen 2007: 69,3 Mrd Euro), wobei Spanien nur knapp halb so viel nach Deutschland exportierte (Werte der Exporte 21,63 Mrd) wie es von dort importierte (Werte der Importe 43,70 Mrd Euro). Im 1.Halbjahr 2009 wurden lediglich 25,2 Mrd Euro an Handelsvolumen erreicht. Den mit Abstand größten Anteil am deutschen Export nach Spanien hält die Kfz-Branche, gefolgt von chemi­schen Produkten und sonstigen Vorerzeugnissen und Fertigwaren. Auch bei den deutschen Importen aus Spanien stehen Maschinen und Fahrzeuge an erster Stelle, gefolgt von Lebensmitteln und chemischen Erzeugnissen. Damit ist Deutschland  zweitgrößter Handelspartner Spaniens nach Frankreich, bei den Importen Spaniens liegt Deutschland auf Platz eins (vor Frankreich). Da in Spanien der Automobilmarkt besonders stark von Absatzeinbrüchen betroffen ist (die Neuzulassungen gingen 2008 im Vorjahresvergleich um 28 Prozent zurück) und die negative Tendenz anhält (Januar bis Juli 2009: minus 34,3Prozent), wird sich dies auch in der bilateralen Handelsbilanz niederschlagen.

Der hohe deutsche Anteil am großen Handelsbilanz-Defizit Spaniens wird zu einem beträchtlichen Teil durch die Ausgaben der rund 10 Mio deutschen Touristen ausgeglichen, die jedes Jahr Spanien besuchen. Mit einem Anteil von 17,5 Prozent liegen die deutschen Touristen an zweiter Stelle nach den Briten. Allerdings war im 1.Halbjahr 2009 ein Rückgang von 11 Prozent zu verzeichnen; es kamen in diesem Zeitraum nur noch 4,24 Mio deutsche Touristen. Umgekehrt stiegen die Übernachtungszahlen von Spaniern in Deutschland auch 2008 (nach einem Zuwachs bei den Übernachtungen von 25 Prozent im Jahre 2007 auf 2 Millionen lag die Wachstumsrate 2008 immerhin noch bei 1,8 Prozent).

In Spanien sind rund 1.100 deutsche Firmen mit Tochtergesellschaften präsent. Zusammen mit weiteren ca 4000 Vertriebspartnern deutscher Firmen (Handelsvertretungen, Importeure) ist dies ein bedeutender Faktor der spanischen Volkswirtschaft. In der 1907 gegründeten Deutschen Handelskammer für Spanien sind etwa 1.100 Firmen organisiert. Insgesamt stellen die Mitgliedsfirmen der Handelskammer rund 140.000 Arbeitsplätze in  Spanien bereit. Rund 70 Prozent der spanischen Tochtergesellschaften haben zugleich die Funktion einer „Drehscheibe“ und sind für die deutschen Stammhäuser auch in Drittmärkten und hier insbesondere in Portugal, Lateinamerika und in Nordafrika tätig.

War Spanien im produzierenden Sektor (z. B. Automobilbau) zunächst wegen der vergleichsweise geringen Lohnkosten bevorzugter Investitionsstandort deutscher Unternehmen, so machen sich zur Zeit zunehmend Auswirkungen des Platzens der Immobilienblase und der globalen Finanzkrise bemerkbar. Der drastische Wirtschaftseinbruch hat auch die Aussichten deutsch-spanischer Unternehmen für das laufende Jahr erheblich verschlechtert. Viele Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet und den Personalbestand reduziert.

Deutsche Direktinvestitionen beliefen sich 2008 auf 7,56 Milliarden Euro  und erreichten damit einen Anteil von 26,3 Prozent an den Gesamtinvestitionen. Der hohe Zuwachs gegenüber den Vorjahren erklärt sich durch die Übernahme der ehemaligen spanischen ENEL- Tochter Viesgo durch die deutsche E.ON. Umgekehrt betrugen die spanischen Direktinvestitionen in Deutschland 222 Millionen Euro (Anteil von 0,76 Prozent).



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